Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Hebamme untersucht Neugeborenes © freepeople

Neugeborenenuntersuchung

Die Untersuchungen des Neugeborenen in den ersten Tagen nach der Geburt dienen dazu, die Reife des Neugeborenen zu bestimmen. Beim sogenannten APGAR-Test wird der Gesundheitszustand des Neugeborenen anhand von fünf Merkmalen beurteilt. Als Ergänzung zum APGAR-Test kann beim Neugeborenen eine pH-Wert-Bestimmung vorgenommen werden. Die Untersuchungen in den ersten Wochen helfen, Erkrankungen und Fehlentwicklungen so früh wie möglich zu erkennen. Dadurch können rechtzeitig therapeutische Maßnahmen eingeleitet und eine gesunde Entwicklung des Kindes sichergestellt werden . . .

Erstuntersuchung des Neugeborenen

Die erste Untersuchung findet unmittelbar nach der Geburt statt. Das Neugeborene wird gewogen, seine Körperlänge und der Kopfumfang gemessen. Der Gaumen wird mit dem kleinen Finger abgetastet, um eine mögliche Spaltbildung auszuschließen. Die Ärztin oder der Arzt bzw. die Hebamme verschaffen sich einen ersten Gesamteindruck vom Gesundheitszustand des Kindes. Folgende Untersuchungen werden dabei durchgeführt: 

  • APGAR-Test
  • ph-Wert-Bestimmung im Nabelschnurblut
  • Blutgruppenbestimmung bei Neugeborenen (obligat notwendig, wenn die Blutgruppe der Mutter Rhesus negativ ist)

APGAR-Test

Beim sogenannten APGAR-Test wird der Gesundheitszustand des Neugeborenen anhand von fünf Merkmalen beurteilt. Diese Beurteilung wird nach fünf und zehn Minuten wiederholt. Die Bewertung gibt Aufschluss darüber, wie vital das Neugeborene ist. APGAR steht für:

  • Aussehen (Hautfarbe)
  • Puls (Herzschlag)
  • Grundtonus
  • Atmung
  • Reflexe

Für die Merkmale werden jeweils null (nicht vorhanden), ein (nicht ausgeprägt) und zwei Punkte (gut vorhanden) vergeben. Demnach beträgt der Maximalwert, den ein Neugeborenes erreichen kann, zehn Punkte. Eine niedrige Punktzahl (unter fünf Punkten bei einem Fünf-Minuten-APGAR) kann darauf hindeuten, dass das Neugeborene medizinische Hilfe braucht. Weiters wird das Neugeborene auf äußerlich erkennbare Fehlbildungen untersucht.

APGAR-Übersicht

APGAR-
Untersuchung  
 0    1   2 
Aussehen   blass oder blau   leicht rosig,
Extremitäten blau  
komplett rosig  
Puls   fehlt   schwach   kräftig  
Grundtonus   keiner   Grimassen   kräftiges Schreien,
Husten,
Niesen  
Atmung   keine   unregelmäßig,
schnappend  
regelmäßig  
Reflexe  keine Spontanbewegungen,
schlaff  
träge   aktive
Spontanbewegungen  


pH-Wert- und Blutgruppenbestimmung

Als Ergänzung zum APGAR-Test muss beim Neugeborenen eine pH-Wert-Bestimmung vorgenommen werden. Dabei wird Blut aus der Nabelschnurarterie und -vene entnommen und auf eine Übersäuerung (Azidose) des kindlichen Organismus untersucht. Die Untersuchung ist wichtig, da eine Azidose bei Neugeborenen auf einen Sauerstoffmangel während der Geburt hinweisen kann. In diesem Fall werden sofort therapeutische Maßnahmen ergriffen. Weiters können der Blutzucker und die Blutgruppe des Neugeborenen bestimmt werden.

Bei Kindern von Müttern mit der Blutgruppe null oder Rhesusfaktor negativ wird eine Blutgruppenbestimmung durchgeführt. Das Blut der Mutter zerstört die roten Blutkörperchen im Blut des Kindes. Es kann zu einer Blutarmut (Anämie), Wassereinlagerungen oder einer lebensbedrohlichen Gelbsucht kommen. Diese Art der Gelbsucht hat nichts mit der harmlosen Neugeborenengelbsucht zu tun. Als Therapie werden dem Kind Antikörper (Immunglobuline) verabreicht, um die Zerstörung der roten Blutkörperchen stoppen.

Neugeborenen-Basisuntersuchung

Die Basisuntersuchung für Neugeborene findet in der ersten Lebenswoche statt. Das Neugeborene wird erneut gewogen und gemessen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt untersucht das Kind noch einmal genau auf Auffälligkeiten. Auch wird überprüft, ob das Kind an akuten Krankheiten leidet wie beispielsweise an der Neugeborenen-Gelbsucht. Ein sogenanntes Neugeborenen-Screening, ein Hüftultraschall und ein Hörtest werden durchgeführt.

Hinweis Bei der Spitalsgeburt wird diese Untersuchung zumeist noch vor der Entlassung von Mutter und Kind aus dem Krankenhaus durchgeführt (ca. dritter bis vierter Lebenstag) kann aber auch ambulant erfolgen. Bei einer ambulanten Geburt oder Hausgeburt ist es wichtig, rechtzeitig einen Termin bei einer Kinderärztin oder beim Kinderarzt zu vereinbaren, die/der diese Basisuntersuchung durchführt. Einige Kinderärztinnen/Kinderärzte machen auch Hausbesuche.

Hüftultraschall

Bei allen Neugeborenen findet bei den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen eine Beurteilung des Hüftgelenks mithilfe eines Ultraschalls statt. Dabei kann die Ärztin oder der Arzt angeborene Fehlstellungen des Hüftgelenks (Hüftgelenkdysplasie) rechtzeitig erkennen und behandeln. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto einfacher ist die Therapie und desto besser sind die Heilungschancen.

Bei der Hüftgelenkdysplasie ist die Hüftgelenkpfanne nicht richtig ausgebildet. Dadurch findet der noch nicht ausgeformte Hüftgelenkkopf keinen Halt in der Hüftgelenkpfanne. Im schwersten Fall rutscht der Kopf aus der Pfanne (Hüftluxation). Die Hüftgelenkdysplasie bereitet dem Neugeborenen zunächst keine Beschwerden. Erst in einem späteren Lebensalter – meist mit Beginn des Laufens – können Probleme auftreten. Da das Hüftgelenk nach der Geburt noch nicht vollständig ausgereift ist, kann durch eine Therapie noch relativ einfach Einfluss auf die Entwicklung genommen werden. Die Behandlung wird immer beidseitig vorgenommen, auch wenn nur ein Hüftgelenk davon betroffen ist. Die Therapiemaßnahmen sind vom Schweregrad der Fehlbildung abhängig. Die Maßnahmen reichen von einer speziellen Wickeltechnik („Breitwickeln“) bis hin zum Tragen einer Spreizhose oder eines Hüftgipses. Nur in sehr seltenen Fällen muss das Hüftgelenk operiert werden.

Durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen kontrolliert die Ärztin oder der Arzt den Behandlungserfolg. Bleibt eine Hüftgelenkdysplasie unbehandelt, kommt es zu einer schnelleren Abnutzung der Gelenke im Erwachsenenalter. Eine Arthrose kann die Folge sein. Im Mutter-Kind-Pass sind eine Untersuchung in der ersten Lebenswoche und eine Kontrolle in der sechsten bis achten Lebenswoche vorgesehen. Eine Kinderärztin/ein Kinderarzt, aber auch eine Orthopädin/ein Orthopäde können diese Untersuchung durchführen.

Wer führt die Untersuchungen durch?

Die ersten Untersuchungen des Neugeborenen – einschließlich der Basisuntersuchung – werden von einer Ärztin/einem Arzt im Krankenhaus durchgeführt. Bei der Hausgeburt führt die Hebamme die Erstuntersuchung des Neugeborenen zu Hause durch. Die Basisuntersuchung in der ersten Lebenswoche erfolgt – wie auch bei der ambulanten Geburt – durch eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Erstuntersuchung und Basisuntersuchung des Neugeborenen sind im Mutter-Kind-Pass enthalten und daher kostenlos.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse