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Schwere Verbrennung oder Verbrühung: Hauttransplantation

Nach der Akut- bzw. Intensivbehandlung einer schweren Verbrennung oder Verbrühung im Spital sind weitere medizinische Maßnahmen zur Therapie notwendig. Meist sind ein längerer Spitalsaufenthalt, regelmäßige ärztliche Kontrollen und eine Rehabilitation notwendig. Ziele sind die Wiederherstellung der Hautfunktionen, eine rasche Wundheilung möglichst ohne Narben und die Vermeidung von Komplikationen (z.B. Infektionen). Die Heilung einer Brandwunde kann sich über längere Zeit erstrecken, je nach Grad der Verbrennung von mehreren Monaten bis zu rund zwei Jahren.

Chirurgische Behandlung und Hauttransplantation

Bei großen Wunden muss die zerstörte Haut ersetzt werden, wenn eine Regeneration der Haut ohne chirurgische Behandlung nicht mehr oder nicht rasch genug möglich wäre. Durch verschiedene Methoden der Hauttransplantation bzw. des Hautersatzes ist es heute möglich, dass Patientinnen/Patienten auch mit sehr großen und schweren Brandverletzungen überleben.

Ablauf und Methode des Hautersatzes

Zur Behandlung der Brandverletzung entfernt die Chirurgin/der Chirurg zunächst abgestorbenes Gewebe aus der Wunde. Die Ärztin/der Arzt entscheidet, welcher Hautersatz zur vorübergehenden oder abschließenden Wundabdeckung zur Lokaltherapie verwendet wird. Bei Bedarf wird eine Spezialistin/ein Spezialist beigezogen. Möglichkeiten sind z.B. eigene Spalthaut, eigene Vollhauttransplantate oder künstlicher Hautersatz. Fremde Hauttransplantate werden nur zur vorübergehenden Bedeckung herangezogen. Oft werden im Verlauf der Heilung  mehrere chirurgische Eingriffe notwendig, um ein gutes Behandlungsergebnis zu erzielen.

Zu den eingesetzten Methoden zählen:  

  • Künstlicher Hautersatz übernimmt die Funktion einer zerstörten Hautschicht, z.B.  der Dermis oder der Epidermis. Ein verbandartiger Hautersatz übernimmt eine Schutzfunktion bis sich neue Hautzellen bilden oder ein Hauttransplantat zur Verfügung steht. Bei anderen Methoden sind in ein Gewebe synthetische oder gezüchtete Zellen eingearbeitet, um die Bildung von neuen Hautzellen zu unterstützen. Mit Methoden der Zellvermehrung wird aus einem kleinen Stück eigener oder fremder Haut in rund zwei bis drei Wochen ein Vielfaches der Hautfläche gewonnen und transplantiert.
  • Spalthaut wird als sehr dünne Schicht (0,2 bis 0,5 mm) an verschiedenen Körperstellen gewonnen (z.B. Kopf, Oberschenkel, Bauch) und als vorübergehender oder abschließender Wundverschluss eingesetzt. Das Transplantat kann von der Patientin/vom Patienten selbst oder von einer fremden Spenderin/einem fremden Spender stammen. Durch spezielle Verfahren (z.B. Mesh-Graft – gitternetzartige Schnitte) wird die behandelte Fläche vergrößert.
  • Vollhaut-Transplantate bestehen aus Epidermis und Dermis. Sie werden meist bei tiefen Verbrennungswunden von ästhetisch und funktionell wichtigen Regionen eingesetzt. Eigene (autologe) Vollhauttransplantate werden eingesetzt, um eine starke Narbenbildung zu vermeiden. Fremde Vollhaut wird zur vorübergehenden Wundabdeckung eingesetzt, da sie nach ca. zwei bis vier Wochen abgestoßen wird. Danach kann die eigene Haut der Patientin/des Patienten transplantiert werden.

Behandlung und Pflege von Narben

Bei großen, tiefen Brandwunden bildet sich bei der Heilung sehr viel Bindegewebe. Dadurch entstehen dicke Narben und die Haut zieht sich in diesem Bereich zusammen und spannt. An den Gelenken können Bewegungseinschränkungen (Kontrakturen) entstehen. Neben den körperlichen, funktionellen Einschränkungen können mit großen Vernarbungen oft auch lebenslange psychische Belastungen verbunden sein. Deshalb achtet die Ärztin/der Arzt schon bei der Wahl der Wundbehandlungen auch auf ein gutes ästhetisches Ergebnis. Nach einiger Zeit können ev. ästhetische Korrekturen mittels chirurgischer Eingriffe vorgenommen werden. Danach erfolgt die Narbenbehandlung mit silikonhältigen Pflastern und Salben.

Die Heilung der Haut dauert bei einer schweren Brandwunde rund zwei Jahre. Während dieser Zeit verhindert das Tragen spezieller Kompressionsverbände oder -kleidung das Wuchern und Verhärten der Narbe. Die Kompressionsbehandlung wird von der Ärztin/vom Arzt verordnet, sobald die Wunde abgeheilt ist.

Narbengewebe reagiert sehr empfindlich auf Sonnenstrahlen, da die Pigmentierung fehlt oder noch nicht stark genug ausgeprägt ist. Zur Pflege der Haut kann die Ärztin/der Arzt eine panthenolhaltige Salbe mit UV-Schutz verschreiben. Die regelmäßige Narbenpflege durch tägliches Einmassieren der Salbe hält das Gewebe weich und verringert das Risiko von wulstigen Narben.

Nachsorge

Nach der Behandlung schwerer Brandverletzungen ist eine umfassende Nachsorge und Rehabilitation notwendig. Die Patientin/der Patient wird von Fachkräften informiert, wie die Wunde gepflegt und vor Sonnenlicht geschützt werden kann. Durch Physio- bzw. Ergotherapie sollen Körperbereiche mit Brandwunden beweglich gehalten werden. Die Patientin/der Patient lernt, die Übungen auch selbstständig durchzuführen.

Die ärztlich verordnete Kompressionskleidung wird von einer Orthopädietechnikerin/einem Orthopädietechniker individuell angepasst.

Narben, Hautveränderungen, chronische Schmerzen, ästhetische Beeinträchtigungen etc. rufen bei den Betroffenen oft Kränkungen, Ängste, Depressionen und andere psychische Beeinträchtigungen hervor. Psychologische bzw. psychotherapeutische Unterstützung hilft den Betroffenen die Situation besser zu bewältigen. Besonders bei Kindern sollten Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen in die Rehabilitation eingebunden werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Akutbehandlung einer schweren Verbrennung oder Verbrühung erfolgt stationär in einem Spital mit einer Spezialabteilung für Verbrennungen und Verbrühungen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. 

Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Weitere Informationen finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt.

Bei Behandlungen nach dem Spitalsaufenthalt rechnet Ihre niedergelassene Ärztin/Ihr niedergelassener Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Bei bestimmten nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie) kann – in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes – eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich sein.

Heilbehelfe, z.B. Kompressionskleidung oder -verbände, müssen zuerst von der Ärztin/vom Arzt verordnet werden. Die meisten Krankenversicherungsträger sehen – teilweise abhängig von der Art des Heilbehelfs – eine Bewilligung vor. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Webseite der Sozialversicherung finden.

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