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Junger und alter Mann sitzen auf einer Stiege © Photographee.eu

Testosteronmangel im Alter

Der Hormonstoffwechsel des Menschen verändert sich im Alter. Der Körper verliert mit der Zeit die Fähigkeit, Hormone richtig zu regulieren, und es werden weniger Hormone ausgeschieden. Das ist Teil des normalen Alterungsprozesses und der körperlichen Veränderungen im Alter. Beim Mann sinkt der Spiegel des Gesamttestosterons ungefähr ab dem 40. Lebensjahr langsam – um ca. 0,4 Prozent pro Jahr – ab. Die Testosteronproduktion kommt normalerweise jedoch nicht zum Erliegen. Bei den meisten Männern bleiben die Testosteronwerte auch im Alter im normalen Bereich.
Altershypogonadismus ist ein Syndrom, das durch Testosteronmangel und bestimmte begleitende Symptome gekennzeichnet ist. Es wird auch als Andropause bezeichnet. Die Testosteronwerte liegen unter den Normalwerten für gesunde Männer. Testosteronmangel kann körperliche Beschwerden verursachen bzw. verstärken und zur Entstehung von Erkrankungen, z.B. Osteoporose, beitragen . . .

Wie Testosteronmangel im Alter entsteht

Rund drei bis fünf Prozent der 60- bis 79-jährigen Männer sind von einem Testosteronmangel (Hypogonadismus) betroffen – ca. jeder zwanzigste Mann dieser Altersgruppe. Dies schätzt die medizinische Fachgesellschaft EMAS (European Menopause and Andropause Society).

Bei der Entstehung eines Altershypogonadismus spielen zwei Vorgänge eine wichtige Rolle:

  • Die Leydig-Zellen der Hoden können weniger Testosteron produzieren, und 
  • die hormonelle Steuerung der Testosteronproduktion im Hypothalamus-Hypophysen-System verändert sich.

Altershypogonadismus ist eine Mischform aus primärem und sekundärem Hypogonadismus. Die Symptome können durch verschiedene körperliche und psychische Faktoren beeinflusst werden. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass bestimmte Erkrankungen mit einem Testosteronmangel in Zusammenhang stehen und möglicherweise eine wechselseitige Wirkung haben. So liegen bei Osteoporose, metabolischem Syndrom oder Typ-2-Diabetes bei den betroffenen Männern häufig niedrige Testosteronwerte vor.

Wie können Sie einem Testosteronmangel vorbeugen?

Die Entstehung eines Testosteronmangels im Alter kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden, die mit dem Lebensstil zusammenhängen. Dazu zählen z.B. Adipositas oder hoher Alkoholkonsum. Ein gesunder Lebensstil – ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, kein übermäßiger Alkoholkonsum, Nichtrauchen – vermeidet zusätzliche negative Einflüsse auf die Produktion und Wirkung von Testosteron und hilft, einem Testosteronmangel vorzubeugen.

Symptome

Das Syndrom des Altershypogonadismus ist meist durch folgende Symptome gekennzeichnet:

  • Nachlassen des sexuellen Verlangens (Libidoverlust),
  • Erektionsstörungen,
  • Stimmungsschwankungen, depressive Stimmungen und Antriebsverlust, 
  • kognitive Störungen, vor allem Verringerung der räumlichen Wahrnehmungsfähigkeit,
  • Schlafstörungen,
  • Abnahme der Körperbehaarung,
  • Rückgang der Muskulatur (Muskelvolumen, Muskelkraft),
  • Zunahme des Bauchfetts,
  • Verlust an Knochendichte bzw. Anzeichen der Osteoporose,
  • Anzeichen des metabolischen Syndroms.

Alleine betrachtet ist keines der Symptome ein verlässlicher Hinweis für Hypogonadismus. Die Anzeichen des Altershypogonadismus sind meist weniger deutlich ausgeprägt als in jüngeren Jahren auftretender Hypogonadismus. Die Beschwerden können auch durch andere Erkrankungen ausgelöst werden, z.B. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen. Sexuelle Funktionsstörungen, z.B. Libidoverlust oder Erektionsstörungen, können auch durch vielfältige körperliche und psychische Ursachen hervorgerufen werden.

Diagnose

Um die Beschwerden des Patienten abzuklären, fragt die Ärztin/der Arzt zunächst nach der Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch. Der Zustand der Hoden und der Prostata wird mittels Ultraschalluntersuchungen geprüft, um Erkrankungen zu erkennen.

Bei Verdacht auf einen Testosteronmangel ist eine genaue Diagnostik notwendig, um die Ursachen einzugrenzen. Laboruntersuchungen des Blutes zeigen die Höhe des Testosteronspiegels. Die Messung muss morgens zwischen sieben und elf Uhr erfolgen.
Die Laborergebnisse liefern der Ärztin/dem Arzt einen wichtigen Hinweis, ob ein Testosteronmangel vorliegt und eventuell ein Testosteronersatz angezeigt ist.

Für das Gesamttestosteron wird in der Fachliteratur folgende Einteilung angegeben:

  • über 12 nmol/Liter (3,46 ng/ml): normal, kein Testosteronmangel
  • zwischen 12 und 8 nmol/Liter: Hinweis auf Testosteronmangel
  • unter 8 nmol/Liter (2,31 ng/ml): erniedrigt, Testosteronmangel liegt vor

Hinweis Es gibt Unterschiede in den Normalbereichen verschiedener Laboratorien. Deshalb müssen eventuell die Grenzwerte durch die Referenzwerte im jeweiligen Labor festgelegt werden.

Die Ergebnisse der ersten Messung müssen durch eine zweite Messung bestätigt werden. Unter Umständen verordnet die Ärztin/der Arzt weitere Untersuchungen, um mögliche Ursachen einzugrenzen.

Therapie

Eine Indikation für einen Testosteronersatz besteht, wenn der Patient zu niedrige Testosteronwerte aufweist und typische Symptome des Altershypogonadismus vorhanden sind. Vor einer Testosteronersatztherapie klärt die Ärztin/der Arzt ab, ob Gegenanzeigen bestehen, und verordnet die dafür notwendigen Untersuchungen. Zu den Kontraindikationen zählen z.B. Prostatakarzinom, Polyzythämie, Brustkrebs beim Mann, obstruktive Schlafapnoe oder schwere Herzinsuffizienz.

Für eine Testosteronersatztherapie stehen Präparate mit natürlichem Testosteron in unterschiedlichen Darreichungsformen zur Verfügung. Die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt entscheidet gemeinsam mit dem Patienten, welches Präparat am besten geeignet ist, und klärt den Patienten über mögliche Risiken und Nebenwirkungen auf.

Vor dem Beginn einer Therapie prüft die Ärztin/der Arzt den Zustand der Prostata und das Risiko der Entstehung von Prostatakrebs mittels rektaler Finger- und Ultraschalluntersuchung bzw. Laboruntersuchung des PSA. Die Häufigkeit von Prostatakrebs steigt ab dem 50. Lebensjahr. Deshalb haben kürzer wirkende Präparate gegenüber langwirkenden den Vorteil, eine Testosteronersatztherapie beim Auftreten einer Kontraindikation wie dem Prostatakrebs sofort unterbrechen zu können.

Nähere Informationen zur Therapie und zu Nebenwirkungen finden Sie unter Testosteronmangel beim Mann.

Prognose und Kontrolle

Eine Besserung der Symptome eines Altershypogonadismus tritt meist innerhalb von drei bis sechs Monaten nach Beginn der Testosteronersatztherapie ein. In Studien wurden folgende positive Wirkungen beobachtet: 

  • Zunahme der Knochendichte
  • Zunahme der fettfreien Körpermasse
  • Zunahme der Bildung von Erythrozyten

Jährliche Kontrolluntersuchungen bei einer Testosteronersatztherapie umfassen Blutbild, PSA-Werte und Ultraschall der Prostata. Weitere Untersuchungen können zur Kontrolle des Behandlungserfolgs von der Ärztin/vom Arzt angeordnet werden, z.B. Messung der Knochendichte.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Abklärung des Verdachts, an Testosteronmangel zu leiden, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Urologie,
  • Fachärztin/Facharzt für Andrologie oder
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin (Spezialgebiet Endokrinologie).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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