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Symbolfoto Leberkrebs © © Sebastian Kaulitzki

Leberkrebs

Für die Entscheidung, welche Therapie zur Anwendung kommt, wird ein bösartiger Tumor nach bestimmten Kriterien eingestuft. Eine gängige Klassifikation in der Diagnose ist das sogenannte TNM-System der Union for International Cancer Control (UICC). Dabei wird der Tumor nach seiner Größe (T), dem Befall von Lymphknoten (N) und dem Vorliegen von Fernmetastasen (M) eingestuft.  

Ursachen & Vorbeugung

In 80 bis 90 Prozent der Fälle geht der Leberkrebs von den Leberzellen aus und wird daher Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom, HCC) genannt. In zehn bis 20 Prozent der Fälle entsteht die Krebserkrankung aus den Zellen der Gallengänge in der Leber (Gallengangskarzinom, cholangiozelluläres Karzinom).

Das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken, wird durch eine Reihe von Risikofaktoren erhöht. Dazu gehören v.a.:

  • Leberzirrhose: In Europa tritt die überwiegende Mehrzahl aller Fälle von HCC bei Patientinnen/Patienten mit vorbestehender Leberzirrhose auf.
  • Virale Leberentzündungen: Hepatitis B und Hepatitis C sind der wichtigste Risikofaktor. Trägerinnen/Träger des Hepatitis-B-Virus haben ein bis zu hundertfach erhöhtes Risiko, ein Leberzellkarzinom zu entwickeln.
  • nicht alkoholische Fettleber;
  • Hämochromatose: krankhafte Eisenspeicherung im Organismus;
  • Zigarettenrauchen;
  • Alkoholmissbrauch;
  • Gifte: v.a. Aflatoxin (Gifte in Schimmelpilzen), Vinylchlorid (PVC-Monomer) oder Arsen;
  • anabole Steroide;
  • Leberkrebs in der Familie.

Die meisten Leberzellkarzinome können verhindert werden, indem Hepatitis B und Hepatitis C sowie einer Leberzirrhose vorgebeugt wird. Weiters kann die medikamentöse Behandlung von Hepatitis B und C das Risiko für Leberzirrhose und Leberkrebs senken.

Symptome

Leberkrebs verursacht zu Beginn selten Beschwerden und wird daher oft nur im Rahmen von Routineuntersuchungen gefunden. Die ersten uncharakteristischen Anzeichen für Leberkrebs zeigen sich meist erst im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung.

Folgende Beschwerden können u.a. bei Leberkrebs auftreten:

  • Druckschmerz im Oberbauch,
  • eine tastbare Schwellung unter dem rechten Rippenbogen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Übelkeit,
  • erhöhte Temperatur bei ungeklärter Ursache,
  • Schwäche, Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit,
  • ungewollte Gewichtsabnahme,
  • zunehmende Gelbfärbung der Haut und Augen (Gelbsucht),
  • Zunahme des Bauchumfangs, Bauchwassersucht (Aszites).

In vielen Fällen bleibt der Tumor auch in fortgeschrittenen Stadien auf die Leber beschränkt. Dabei kann es zu einem zunehmenden Verlust von funktionsfähigem Lebergewebe kommen. Leberkrebs kann mit zunehmendem Wachstum – je nach Lage innerhalb des Organs – auch die Bindegewebskapsel der Leber durchbrechen und nahegelegenes Gewebe (z.B. das Bauchfell) oder Lymphknoten befallen. Über Lymphgefäße und Blutbahnen können einzelne Krebszellen auch in entfernte Organe wie Lunge, Nebennieren, Knochen und Gehirn gelangen und dort Metastasen bilden.

Diagnose

Bei Verdacht auf Leberkrebs wird von einer Ärztin/einem Arzt abgeklärt, ob es sich um eine gutartige Veränderung oder eine Krebserkrankung handelt, welche Tumorart vorliegt (Histologie) und wo der Tumor lokalisiert ist. Anhand der Größe, der Anzahl sowie der Ausbreitung der Tumoren wird beurteilt, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist bzw. ob bereits Metastasen gebildet wurden. Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch (Anamnese) sowie die körperlichen Untersuchung.

Blutuntersuchungen geben Aufschluss über die Funktion einzelner Organe wie Nieren, Leber, Herz und Lunge. Weiters erfolgt eine Untersuchung auf Hepatitis-Viren und die Messung des Tumormarkers Alpha-Fetoprotein (AFP). Darüber hinaus werden bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, Computertomografie, Magnetresonanztomografie sowie Röntgen eingesetzt. Eine Biopsie kann während einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) oder unter Ultraschallkontrolle mit einer feinen Nadel („Feinnadelbiopsie“) vorgenommen werden. Anschließend wird die Gewebeprobe histologisch untersucht. 

Das sogenannte Tumorgrading bewertet zusätzlich den Grad der Bösartigkeit zumeist in drei Stufen (Grad 1 bis 3). Darüber hinaus ist auch die Leberfunktion ein wichtiges Kriterium für die Behandlungsplanung. Je nach Gesamtbefund stehen verschiedene Optionen zur Verfügung.

Optionen der Behandlung

  • Operation: Ein Verfahren zur Behandlung von Leberkrebs ist die Leberteilentfernung. Ziel dieser Operation ist es, den Tumor vollständig zu entfernen und damit die Krankheit zu heilen. Dies ist nur möglich, wenn die Funktion der Restleber exzellent ist sowie der Tumor auf die Leber beschränkt ist und mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe entfernt werden kann. Patientinnen/Patienten, bei denen die Leber teilweise entfernt wird, haben gute Chancen, vom Zeitpunkt der Diagnosestellung an fünf Jahre und länger zu leben (sogenannte Fünf-Jahres-Überlebensrate).
  • Lebertransplantation: Liegt zusätzlich zum Leberkrebs eine Leberzirrhose vor, ist in frühen Tumorstadien die Lebertransplantation die Therapie der Wahl. Sie ist allerdings nur bei einer relativ kleinen Zahl der Patientinnen/Patienten durchführbar. Die Fünf-Jahres-Überlebensraten liegen, je nach Stadium des Krebses und Zeitpunkt der Transplantation, bei bis zu über 90 Prozent.
  • Lokal ablative Therapiekonzepte: Dabei wird der Tumor durch Injektion von Alkohol oder durch Hitzeeinwirkung zerstört. In frühen Tumorstadien ist mit diesen Therapien eine Heilung möglich.
    • Perkutane Ethanol- oder Essigsäure-Injektion (PEI): Unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle wird mithilfe einer feinen Nadel 95-prozentiger Alkohol (Ethanol) in den Tumor gespritzt. Dadurch stirbt das Tumorgewebe ab, umliegendes Lebergewebe wird jedoch weitgehend geschont. Die Behandlung wird oft in mehreren Sitzungen durchgeführt und kann nach einigen Monaten wiederholt werden.
    • Radiofrequenz- oder laserinduzierte Thermotherapie: Ebenfalls unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle wird eine Sonde in den Tumor eingeführt, und das Gewebe wird mit Radiofrequenzwellen bzw. Laserlicht erhitzt. Damit kann Tumorgewebe in einer Größe von drei bis fünf Zentimeter Durchmesser zerstört werden. Die Behandlung erfolgt oft in mehreren Sitzungen. Auf einem ähnlichen Wirkprinzip beruhende Verfahren sind die Mikrowellenablation, die irreversible Elektroporation sowie die Kryotherapie.
  • Lindernde (palliative) Therapien: Sie kommen zum Einsatz, wenn aufgrund des fortgeschrittenen Erkrankungszustandes keine Heilung mehr möglich ist. Die meisten Patientinnen/Patienten, bei denen die Diagnose so spät gestellt wird, leben danach nur noch wenige Wochen bis wenige Monate. Es gibt jedoch eine Reihe von Verfahren, die das Überleben verlängern und die Lebensqualität verbessern können.
    • Chemoembolisation: Über einen in die Leberarterie eingeführten Katheter wird ein Zytostatikum in die Leber injiziert. Gleichzeitig werden mittels kleiner Teilchen, die sich wieder auflösen, kurzfristig die zum Lebertumor zu- und abführenden Blutgefäße verschlossen, um die Verweildauer des Medikamentes zu erhöhen. Diese Methode kann mit Thermotherapie oder Ethanolinjektion kombiniert werden. Dadurch können häufig eine Tumorverkleinerung sowie eine Lebensverlängerung erreicht werden.
    • Chemotherapie: Bei großen oder mehreren über die Leber verteilten Tumorherden sind lokale Behandlungsformen oft nicht zielführend. Stattdessen kann eine Chemotherapie durchgeführt werden. Das Leberzellkarzinom spricht jedoch nur schlecht auf herkömmliche Zytostatika an. Bei Patientinnen/Patienten mit ausgedehntem hepatozellulären Karzinom (HCC) und gleichzeitig guter Leberfunktion konnte jedoch gezeigt werden, dass durch die orale Gabe des Medikaments Sorafenib eine Lebensverlängerung erzielt werden kann. Positive Studiendaten liegen auch für Regorafenib sowie Tivantinib vor. Weitere Substanzen werden in klinischen Studien getestet.
    • Selektive interne Radiotherapie (SIRT): Bei diesem relativ neuen Verfahren (auch transarterielle Radioembolisation, TARE, genannt) handelt es ich um eine örtliche Bestrahlungsbehandlung von Lebertumoren von innen.
      • Externe Strahlentherapie: Bei großen, örtlich begrenzten Leberkarzinomen kann eine von außen angewandte Radiotherapie durchgeführt werden. Sie wird derzeit im Rahmen von Studien weiterentwickelt und oft mit einer medikamentösen Therapie kombiniert.
    • Schmerzbehandlung: In fortgeschrittenen Erkrankungsstadien können Tumorschmerzen mittels Schmerztabletten, Morphiumpflastern und -pumpen etc. weitgehend gelindert werden.

Nachsorge

Unter Nachsorge versteht man regelmäßige Arztbesuche zur individuellen Beratung und Kontrolle der Genesung. Sie ist wichtig, um Nebenwirkungen einer Behandlung zu erkennen und eine gezielte Rehabilitation durchzuführen. Besonders gilt es, ein mögliches Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen. Je nach Stadium der Erkrankung und Art der durchgeführten Therapie wird von der Ärztin/dem Arzt ein individueller Nachsorgeplan erstellt, in dem festgelegt wird, in welchen Intervallen Kontrolluntersuchungen erfolgen sollten.

Hinweis Bei Beschwerden sollten Sie nicht erst die Nachsorgetermine abwarten, sondern sofort Ihre Ärztin/Ihren Arzt aufsuchen!

Wohin kann ich mich wenden?

Die Prognose bei Leberkrebs ist sehr vom Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnose bzw. der möglichen Therapie abhängig. Sie kann von vollständiger Heilung im Frühstadium bis hin zum sehr kurzen Überleben im fortgeschrittenen, einer Behandlung nicht mehr zugänglichen Spätstadium reichen. Bei Beschwerden, die den Verdacht auf eine Lebererkrankung nahelegen, sollte umgehend eine Fachärztin/ein Facharzt für Innere Medizin aufgesucht werden. Bei Vorliegen von Risikofaktoren für ein Leberzellkarzinom sollten regelmäßige Leberuntersuchungen (Ultraschall etc.) vereinbart werden. Insbesondere wenn bereits eine Leberzirrhose besteht, sollte unbedingt alle sechs Monate eine Ultraschalluntersuchung der Leber durchgeführt werden, um ein sich eventuell entwickelndes Leberzellkarzinom möglichst frühzeitig zu entdecken.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Maßnahmen zur Diagnose und Therapie werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt für Innere Medizin.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?


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