Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Arzt behandelt eine Patientin mit Rückenschmerzen © contrastwerkstatt

Spondylolisthese: Diagnose & Therapie

Für die Diagnose von Rückenschmerzen erhebt die Ärztin/der Arzt zunächst die Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei werden Wirbelsäule, Hüft- und Kniegelenke begutachtet sowie auf Schmerzen und Druckempfindlichkeit geprüft. Eine sichtbare Einbuchtung der Haut an der Wirbelsäule kann ein Hinweis auf die Verschiebung eines Wirbels sein.

Diagnostik und Schweregrade

Der Verdacht auf ein Wirbelgleiten wird durch Röntgenuntersuchungen abgeklärt. Röntgenaufnahmen von der Seite geben Aufschluss über den Grad eines Wirbelgleitens oder das Vorliegen einer Spondylolyse. Ev. kann die Ärztin/der Arzt zur genaueren Diagnostik weitere bildgebende Verfahren (CT, MRT, Szintigrafie) verordnen.

Der Schweregrad eines Wirbelgleitens wird häufig nach Meyerding-Graden angegeben. Die Einteilung beschreibt, wie weit sich die Hinterkante des oberen Wirbels am darunterliegenden Wirbel nach vorne verschoben hat:

  • Meyerding Grad I: leichte Verschiebung bis zu einem Viertel des unteren Wirbels (führt selten zu Beschwerden).
  • Meyerding Grad II: Verschiebung bis zur Hälfte des unteren Wirbels.
  • Meyerding Grad III: Verschiebung bis über Hälfte des unteren Wirbels.
  • Meyerding Grad IV: Verschiebung bis ins vordere Viertel des unteren Wirbels.

Sehr selten gleitet der obere Wirbel über den unteren hinaus (Spondyloptose).

Wirbelgleiten als Zufallsbefund

Wird ein leichtes Wirbelgleiten bei einem Röntgen zufällig entdeckt und bestehen keine Beschwerden, ist keine Therapie notwendig. Durch regelmäßige Kontrollen kann eine Verschlechterung von der Ärztin/vom Arzt rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach den Beschwerden der Patientin/des Patienten, dem diagnostizierten Grad des Wirbelgleitens, dem Alter und eventuell auftretenden neurologischen Symptomen.

Nicht-operative (konservative) Therapie

Bei Kindern und Jugendlichen ist meist eine nicht-operative (konservative) Therapie ausreichend, um eine Spondylolyse bzw. Wirbelgleiten zu behandeln. Sie umfasst: 

  • Vermeiden von Bewegungen und Sportarten, die zu Hohlkreuz führen,
  • Physiotherapie mit Übungen zur Kräftigung und Stabilisierung von Rücken und Bauch sowie
  • regelmäßige Röntgenkontrollen.
  • Bei anhaltenden oder starken Beschwerden: Ev. ist eine vorübergehende Ruhigstellung des betroffenen Bereichs der Wirbelsäule durch Gipsverband oder Korsett angezeigt. Dadurch soll eine knöcherne Ausheilung des Spalts erzielt werden.

Bei Erwachsenen werden durch Wirbelgleiten verursachte Beschwerden zunächst nicht-operativ behandelt. Dazu zählen:

  • Stützbandagen wie eine leichte Lendenbandage können anfangs durch Stabilisierung des betroffenen Segmentes für Erleichterung sorgen.
  • Physiotherapie mit Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur und Stabilisierung der Wirbelsäule. Regelmäßiges Training erhält Kraft und Stabilität. Dies beugt Beschwerden vor.
  • Länger dauernde, stärkere Beschwerden werden mit schmerzlindernden und ev. mit muskelentspannenden Medikamenten behandelt.
  • Zusätzlich können weitere physikalische Therapien verordnet werden, z.B. manuelle Therapie, Elektrotherapie, osteopathische Behandlungen etc.
  • Bei Nervenreizungen können gezielte Behandlungen mit Corticosteroiden und Betäubungsmitteln verordnet werden. Die Substanzen werden mittels Infiltrationen (Spritzen) an die schmerzende Austrittsstelle der Nerven infiltriert und können somit zu einer anhaltenden Beruhigung führen.
  • Auch überlastete Wirbelbogengelenke können durch gezielte Infiltrationen (Spritzen) sehr effizient behandelt werden.

Operative Behandlung

Bei Kindern und Jugendlichen kann bei einer akuten Spondylolyse und begleitenden, starken Schmerzen eine Operation notwendig werden. Dabei wird der Spalt mit körpereigenen Knochenstücken aufgefüllt und das betroffene Wirbelgelenk mittels Schrauben, Stiften oder Schlingen stabilisiert, um die Ausheilung des Spalts zu ermöglichen. Eine Versteifungsoperation (Spondylodese), ev. mit Korrektur der Wirbelposition, kann auch bei jungen Patientinnen/Patienten mit starkem Wirbelgleiten (Meyerding Grad III und IV) notwendig werden.

Bei Erwachsenen ist eine Operation angezeigt, wenn eine nicht-operative Behandlung über sechs Monate keinen Erfolg bringt und die Patientin/der Patient unter starken Schmerzen leidet. Auch fortgeschrittene neurologische Symptome sind eine Indikation für eine Operation. Ziele sind:

  • Entlastung der Nervenwurzeln, 
  • Wiederherstellung der korrekten Position des vorgerutschten Wirbels (Reposition) und 
  • Versteifung bzw. Stabilisierung des betroffenen Wirbelsegments.

Für die Stabilisierung wird eine Metallkonstruktion am Wirbelkörper befestigt. Je nach Konstruktion bleibt im behandelten Wirbelgelenk mehr oder weniger die Beweglichkeit erhalten oder es wird versteift. Metallkörbe (Cages) zwischen den Wirbelkörpern korrigieren den verrutschten Wirbel und erweitern den Zwischenwirbelraum, um Nervenreizungen zu vermeiden. Die Versteifung eines Wirbelgelenks kann eine gering Einschränkung der Beweglichkeit des Rückens zur Folge haben. Die Operation zur Behandlung des Wirbelgleitens kann minimal-invasiv bzw. mikro-chirurgisch erfolgen.

Nachsorge

Krankengymnastik nach der Operation hat das Ziel, den Rücken zu stärken und beweglich zu halten. Ca. drei Monate nach der Operation kann eine Rehabilitation verordnet werden, um die Stabilität der Wirbelsäule zu verbessern und die Rückenmuskeln weiter zu stärken.

Wohin kann ich mich wenden?

Sie oder Ihr Kind haben Beschwerden an der Wirbelsäule, klagen über wiederkehrende Rückenschmerzen, die unter Umständen bis in die Beine ausstrahlen? Zur Abklärung wenden Sie sich am besten an folgende Stellen:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Kinderärztin/Kinderarzt,
  • Fachärztin/Facharzt für Orthopädie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Bei bestimmten nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie) kann – in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes – eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich sein. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Heilbehelfe wie ein Korsett müssen zuerst von der Ärztin/vom Arzt verordnet und vom Sozialversicherungsträger bewilligt werden.

Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse