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Arzt und Patient betrachten Röntgenbild © lightwavemedia

Bandscheibenvorfall: Diagnose & Therapie

Kreuzschmerzen sind weit verbreitet, doch selten ist ein Bandscheibenvorfall die Ursache: Nur bei zirka einer bis zwei Personen von 100 Patientinnen/Patienten mit Kreuzschmerzen liegt ein Bandscheibenvorfall vor. Auch Nackenschmerzen können selten mit einem Bandscheibenschaden zusammenhängen.

Symptome

Symptome, die auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen, sind:

  • starke Kreuz- oder Nackenschmerzen im Bereich der betroffenen Rückenmarksnerven, die bis ins Bein (Außen- oder Innenseite) bzw. die Arme ausstrahlen, beim Husten, Niesen oder Pressen verstärkt sich der Schmerz, 
  • Einschränkungen der Beweglichkeit,
  • Kribbeln, Reflexausfälle, Sensibilitätsstörungen,
  • Lähmungserscheinungen (selten),
  • Harn- und Darmprobleme (selten),
  • Störungen der Sexualfunktion (selten).

Diagnose

Wenn eine Patientin/ein Patient wegen unspezifischer Schmerzen im Kreuz oder Nacken eine Ärztin/einen Arzt aufsucht, erfrägt die Ärztin/der Arzt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) und führt eine körperliche (klinische) Untersuchung durch. Nähere Informationen dazu finden Sie unter Diagnose von Kreuzschmerzen.

Weitere Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren, z.B. MRT, sind nur in seltenen Fällen notwendig, und zwar bei folgenden Indikationen

  • Bei akuten Anzeichen einer Reizung der Rückenmarksnerven (radikuläre Symptomatik) mit starken, ausstrahlenden Schmerzen, Gefühls- und Muskelstörungen und
  • bei einem über mehrere Wochen therapieresistenten Schmerzsyndrom sowie
  • bei Verdacht auf eine ernste Erkrankung.

In bestimmten Fällen kann eine Myelographie-Untersuchung (Myelo-CT) durchgeführt werden. Dabei wird ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal gespritzt.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Diagnostik und umfassende Beurteilung der Symptome ist eine Ärztin/ein Arzt als ständige Kontaktperson wichtig. Patientinnen/Patienten können sich zur ersten Abklärung der Symptome an ihre Hausärztin/ihren Hausarzt wenden. Ev. sind weitere Untersuchungen, z.B. bei einer Fachärztin/einem Facharzt für Neurologie, Orthopädie oder Neurochirurgie zur Überprüfung der Nervenfunktionen notwendig. 

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Diagnose von Kreuzschmerzen werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein.

Behandlung

Die Behandlung hängt von der Schwere der Symptome bzw. der Nervenreizung und von der genauen Diagnose der Ursache ab. Treten keine akuten, schweren Symptome wie Lähmungserscheinungen auf, wird wie bei der Behandlung von Kreuzschmerzen zunächst abgewartet, ob sich die Beschwerden in ca. sechs Wochen legen. Die Schmerzen werden mit Medikamenten behandelt. Nur in seltenen Fällen, bei schweren Bandscheibenvorfällen, ist eine Operation angezeigt.

Konservative Therapie

Eine sogenannte konservative Therapie mit Schmerzmitteln soll die Beschwerden lindern und normale Bewegungsabläufe ermöglichen. Der Großteil jener Symptome, die auf eine Schädigung der Bandscheiben hindeuten, können dadurch gebessert werden. Die Beschwerden sollten innerhalb von sechs bis acht Wochen deutlich zurückgehen. Studien zeigen, dass es für die Beweglichkeit besser ist, aktiv zu bleiben und den normalen körperlichen Aktivitäten nachzugehen, anstatt Bettruhe zu halten.

Unterstützend können physiotherapeutische Maßnahmen, z.B. Übungen zur Stärkung der Muskulatur, Dehnungsübungen, Massagen, Wärmebehandlungen etc. verordnet werden. Sie helfen wieder aufkommenden Rückenschmerzen vorzubeugen.
Einen Überblick über medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapien finden Sie unter Behandlung von nichtspezifischem Kreuzschmerz.

Hinweis Bei Phasen mit starken Schmerzen hilft eine entlastende Körperhaltung, die Beschwerden zu lindern. Bei der Stufenlagerung liegt die Patientin/der Patient auf dem Rücken und legt die abgewinkelten Beine mit den Unterschenkeln z.B. auf einen Sessel. Ober- und Unterschenkel bilden dabei einen 90-Grad-Winkel.

Operative Behandlung

Bei starken Beschwerden, die länger als sechs Wochen dauern und eindeutig von einem Bandscheibenvorfall verursacht werden, kann nach einer entsprechenden Diagnostik eine Operation durchgeführt werden. Ziel ist, den betroffenen Nerv zu entlasten.

Auf jeden Fall ist eine Operation bei folgenden Symptomen angezeigt:

  • Schwerer Bandscheibenvorfall beim Nervenbündel am Ende des Rückenmarks (cauda equina Syndrom),
  • Blasen- und Mastdarmlähmung,
  • schwere motorische Ausfälle.

Bei einer Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) kann ein spezielles Infiltrationsverfahren (Chemonukleolyse) angewendet werden. Durch Infiltrieren spezieller Enzyme oder von Ozon wird eine Zersetzung des Bandscheibengewebes im Bandscheibenkern angeregt. Dadurch kommt es zu einer Verkleinerung des Volumens.

Bei einem Bandscheibenvorfall (Extrusion oder Sequester) ist das Ziel der Operation die Entfernung des hervorgetretenen Bandscheibengewebes aus dem Rückenmarks- und Spinalnervenkanal, um gedrückte oder abgeklemmte Nerven zu entlasten.

Eine Operation kann als offene Operation (konventionelles Verfahren) mit einem Hautschnitt, oder als mikrochirurgisches Verfahren mit einem Operationsmikroskop durchgeführt werden. Bei der mikrochirurgischen Technik treten laut Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie etwas seltener Komplikationen auf. Eine dritte Möglichkeit ist eine endoskopische Operation als minimal-invasives Verfahren.

Nachsorge

Die Nachsorge bzw. Rehabilitation beginnt ca. vier bis sechs Wochen nach einer Operation und umfasst spezielle Krankengymnastik, Rückenschule sowie begleitende Medikation mit Schmerzmitteln. Sie kann ambulant oder stationär durchgeführt werden. Ziel ist es, Beschwerden und Beeinträchtigungen zu verringern, die Rückenmuskeln zu stärken und die Stabilität der Wirbelsäule zu verbessern.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Behandlung der Beschwerden, die von einem Bandscheibenvorfall ausgelöst werden, können Sie sich an Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt oder an eine Fachärztin/einen Facharzt für Neurologie oder Orthopädie wenden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der Behandlung werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten nichtmedikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie) kann eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich sein. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Für rezeptpflichtige Medikamente ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrer Krankenkasse, die Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

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