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Anatomisches Modell einer Wirbelsäule © corbisrffancy

Bandscheibenvorfall: Was ist das?

Bei einem Bandscheibenvorfall wird Gewebe der Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern immer mehr nach außen gedrückt. Beschwerden treten dann auf, wenn die vorgewölbte Bandscheibe bzw. ausgetretenes Gewebe auf eine Nervenwurzel oder einen Nerv drücken. Je stärker die Nervenwurzel gedrückt wird, desto schwerer sind die Beschwerden. Selten kann die Nervenwurzel geschädigt werden bzw. absterben. Oft liegt eine jahrelange Abnutzung bzw. Fehlhaltung zugrunde, ohne dass sich Schmerzen zeigen. Dann genügt ein Auslöser, um das Beschwerdebild zu Tage zu bringen: eine ungeschickte Bewegung, eine ruckartige Verdrehung der Wirbelsäule, Zugluft, Nässe, Unterkühlung etc. Typisch sind plötzlich einschießende Schmerzen, sie werden im Volksmund auch als „Hexenschuss“ bezeichnet. Werden Nervenstrukturen durch größere Teile der Bandscheibe eingeklemmt, können auch Sensibilitätsstörungen und Kraftminderung bis hin zu Lähmungserscheinungen auftreten.

Nervenreizung als Schmerzauslöser

In der Nähe jedes Wirbels und der dazwischen gelagerten Bandscheibe tritt ein wichtiges Nervenpaar – die Spinalnerven – aus dem Wirbelkanal bzw. dem Rückenmark aus. Sie gehören zum peripheren Nervensystem und leiten Reize z.B. in Arme und Beine. Eine Nervenreizung (Irritation) oder -quetschung (Kompression) ist mit mehr oder weniger starken Schmerzen verbunden (Radikulopathie/Wurzelreizsyndrom). Nervenreizungen spielen bei Kreuzschmerzen (Ischialgien) oder Nackenschmerzen (Zervikalgie) eine wichtige Rolle. Sie können durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden, aber auch andere degenerative Ursachen haben, z.B. Verengung des Wirbelsäulenkanals (Spinalkanalstenose).

Formen der Bandscheibenschäden

Je nach Grad der Schädigung der Bandscheibe werden unterschieden:

  • Bandscheibenvorwölbung (Protrusion): Die Bandscheibe wölbt sich zwischen den Wirbelkörpern vor. Die Hülle der Bandscheibe ist intakt.
  • Bandscheibenvorfall (Extrusion): Die äußere Hülle der Bandscheibe ist gerissen und der innere Kern wölbt sich nach außen.
  • Sequestierter Bandscheibenvorfall (Sequester): Gewebe der Bandscheibe ist durch die gerissene Hülle in den Wirbelkanal ausgetreten.

Ein Bandscheibenvorfall kann plötzliche starke Schmerzen auslösen. Die Schmerzen können in Gesäß, Beine, Schultern und Arme ausstrahlen. Auch Gefühlsstörungen wie Ameisenlaufen, Kribbelgefühl und Taubheit bis hin zu Kraftminderung und Lähmungserscheinungen sind möglich.

Wenn sich beim Husten, Niesen oder Pressen der Druck auf den Nerv erhöht, verstärken sich die Beschwerden. Durch den Schmerz verspannt sich die Rückenmuskulatur, die Betroffenen nehmen eine Schonhaltung ein. Wenn die vorgewölbte Bandscheibe auf das Rückenmark oder Nervenfaserbündel drückt, kann dies zu Lähmungserscheinungen und anderen Begleitsymptomen in den betroffenen Körperregionen führen.

Andere Ursachen von Nervenreizungen

Die Reizung der Rückenmarksnerven (radikuläre Symptomatik) kann neben einem Bandscheibenvorfall auch von anderen Ursachen ausgelöst werden, die Nervenstrukturen einengen oder schädigen. Dazu zählen:·

  • Blockaden (Funktionsstörungen) eines Wirbelgelenks, 
  • knöcherne degenerative Veränderungen (z.B. Spondylarthrose, Wirbelgleiten, Hypertrophie der Wirbelbogengelenke), 
  • Bildung eines Abszesses bei einer Infektion, 
  • Blutung, 
  • Entzündung im Rückenmarksraum oder 
  • Tumor und Metastasen.

Daneben gibt es auch Erkrankungen, die Symptome auslösen, die einer Nervenreizung ähnlich sind, aber andere Ursachen haben (pseudoradikuläre Symptome). Dazu zählen orthopädische Erkrankungen wie Reizungen von Muskeln und Sehnen (Tendomyopathien), Coxarthrose, Gonarthrose etc. Auch Borreliose nach Zeckenbiss kann Beschwerden verursachen, die einem Bandscheibenvorfall ähnlich sind.

Wo treten Bandscheibenvorfälle auf?

Die meisten Bandscheibenvorfälle (ca. 70 bis 80 Prozent) treten im unteren Rücken im Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Deutlich weniger (ca. zehn bis 25 Prozent) betreffen die Halswirbelsäule bzw. den Nacken. Sehr selten sind Bandscheibenvorfälle in der Brustwirbelsäule (ca. ein bis zwei Prozent).

Allerdings: Nicht jeder Bandscheibenvorfall verursacht Beschwerden. Besonders bei leichten Formen, z.B. Vorwölbungen, leben die Betroffenen oft frei von Beschwerden, da keine schmerzhafte Nervenreizung ausgelöst wird. Nur bei rund ein bis zwei Prozent aller Menschen mit Kreuzschmerzen werden die Beschwerden von einem diagnostizierten Bandscheibenvorfall verursacht.

Bandscheibenschäden vorbeugen

Chronische Fehlhaltungen können die Bandscheiben schädigen. Auch starke Belastungen oder Überlastungen der Wirbelsäule in Beruf und Sport, z.B. oftmaliges Heben und Tragen schwerer Lasten oder langes Sitzen, belasten die Bandscheiben zusätzlich. Das Risiko für Schäden an den Bandscheiben lässt sich verringern, z.B. durch

  • richtiges Heben schwerer Lasten (mit gebeugten Knie und geradem Rücken),
  • Vermeiden von Überlastungen und Zwangshaltungen oder
  • Vermeiden von Übergewicht.

Eine kräftige Rücken- und Bauchmuskulatur stützt die Wirbelsäule. Dies hilft bei Schäden an den Bandscheiben, schmerzhafte Nervenreizungen zu vermeiden. Vorbeugende Maßnahmen sind: 

  • Krafttraining zur Stärkung des Muskelkorsetts der Wirbelsäule, 
  • Rückenschule oder
  • regelmäßige Bewegung.

Zu den „Bandscheiben-freundlichen“ Sportarten, die helfen Bandscheibenschäden vorzubeugen, zählen z.B.: Laufen, Nordic Walking, Schwimmen, Aqua Jogging, Skilanglauf, Aerobic. Vorsicht ist bei Sportarten angezeigt, bei denen der Körper oft verdreht wird, z.B. beim Golfen.

Weitere Informationen:

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