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Baby mit Hämangiom am linken Arm © Gordana Sermek

Hämangiom (Blutschwamm)

Das Infantile Hämangiom (IH) – auch unter den Bezeichnungen „Storchenbiss“ oder „Blutschwamm“ bekannt – ist der häufigste gutartige Tumor des Kindesalters. Meistens beginnt er bereits in den ersten beiden Lebenswochen als kleiner roter Fleck. Hingegen ist das seltene sogenannte kongenitale Hämangiom bereits bei der Geburt voll entfaltet. Hämangiome treten meist nur einzeln auf und entwickeln sich nur bei Kindern, niemals erst im Erwachsenenalter.

Hämangiome sind die häufigsten gutartigen Tumore bei Kleinkindern. Sie kommen bei zehn bis zwölf Prozent aller Säuglinge vor, Mädchen sind drei- bis fünfmal häufiger betroffen als Buben. Die Durchführung einer Chorionzottenbiopsie in der Schwangerschaft verdoppelt das IH-Risiko. Die Entstehungsursachen sind noch weitgehend unbekannt. Derzeit gibt es auch keine Möglichkeit, die Entwicklung eines Hämangioms zu verhindern. 

Hämangiome treten häufig im Kopf- und Halsbereich auf, meist innerhalb der Haut. Sie können sich aber auch in inneren Organen, z.B. in Leber, Lunge, Verdauungstrakt und Gehirn, entwickeln.

Hämangiom: Welche Formen gibt es?

Unterschieden werden das häufig auftretende Infantile Hämangiom (HI) und das seltene sogenannte kongenitale, also angeborene, Hämangiom.

Infantiles Hämangiom

Diese Gefäßtumor besteht hauptsächlich aus Endothelzellen, welche die Wände aller Blutgefäße auskleiden. Typisch ist ein sogenanntes biphasisches Wachstumsmuster: Zuerst wächst der Tumor (Proliferationsphase), dann schrumpft er wieder (Involutionsphase).  

Proliferationsphase: Zu Beginn steht meistens ein rapides Wachstum, das mit der Zeit eher abnimmt.

Involutionsphase: Nach etwa sechs bis zwölf Monaten hört das IH von selbst zu wachsen auf und beginnt langsam wieder zu schrumpfen. Mit etwa sechs bis acht Jahren wird das Endstadium des „Involutierten Infantilen Hämangioms“ erreicht. Ungefähr die Hälfte verschwindet vollständig und hinterlässt keine sichtbaren Hautveränderungen. Von der anderen Hälfte bleiben dezente Hautdefekte zurück, wie z.B. atrophische (dünne) Haut, kleine erweiterte Blutgefäße und leichte Verfärbungen. Ein involutiertes Hämangiom fängt nie wieder zu wachsen an.

Kongenitale Hämangiome

Kongenitale Hämangiome sind bereits in der Gebärmutter bzw. zum Zeitpunkt der Geburt voll entfaltet. Unterschieden werden zwei Arten:

  • Never Involuting Congenital Hemangioma (NICH): Sie zeigen weder Wachstum noch Schrumpfung, sondern behalten ihre Größe bei.
  • Rapidly Involuting Congenital Hemangioma (RICH): Sie beginnen sofort nach der Geburt zu schrumpfen. Diese rasche Involution kann bereits zwischen dem 12. und 14. Lebensmonat abgeschlossen sein.

Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild eines Hämangioms wird von verschiedensten Faktoren beeinflusst, z.B.  von seiner Lage (oberflächlich oder eher tief) und seiner aktuellen Phase.

Infantile Hämangiome zeigen während der Proliferationsphase ein typisches Aussehen:

  • Oberflächliche Hämangiome sind meist hellrote, erhabene, gelappte Tumore.
  • Tiefe Hämangiome sind von außen meist als erhabene, bläulich-livide Schwellung erkennbar.
  • Gemischte Hämangiome zeigen beide Anteile. Vom Tumor auslaufende Venen können bei beiden Arten sichtbar sein.

In der Involutionsphase wird das Hämangiom allmählich blasser und kleiner.

Kongenitales Hämangiom hat einen gräulichen Farbton – eventuell umgeben von einem blassen Ring – mit hervorstechenden Venen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen treten Komplikationen auf – in diesen Fällen spricht man auch von Hochrisiko-Hämangiomen. Dazu gehören u.a.:

  • Geschwüre (Ulcera),
  • Schmerzen,
  • Sehr rasch wachsendes oder sehr großes Hämangiom,
  • Verzerrung der Gesichtszüge durch Größe oder Lage des Hämangiom,
  • Beeinträchtigung einer körperlichen Funktion durch Größe oder Lage des Hämangioms (u.a. Bewegung einer Extremität, Behinderung beim Atmen, Sehen oder Hören),
  • mehrere sichtbare Hämangiome: Diese legen die Möglichkeit nahe, dass auch innere Organe betroffen sein könnten.

Ungefähr ein Prozent der Kinder entwickelt lebensbedrohliche Komplikationen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die meisten Hämangiome werden durch eine körperliche Untersuchung des Kindes im Zusammenhang mit der Krankengeschichte erkannt. Zur Sicherung der Diagnose, zur Feststellung der Tumorausbreitung sowie zum Ausschluss anderer Erkrankungen (v.a. Gefäßmissbildungen, bösartige Tumore) können weiterführende Untersuchungen zweckmäßig sein, z.B.:

Wie erfolgt die Behandlung eines Hämangioms?

Bei den meisten Kindern verschwinden Hämangiome von selbst wieder. Daher ist normalerweise keine Behandlung notwendig. Sollten Veränderungen wie etwa lose Haut, Farbabweichungen oder kleine erweiterte Blutgefäße zurückbleiben, können diese chirurgisch und/oder mittels Lasertherapie kosmetisch verbessert werden – am besten noch vor Schuleintritt, um eine Stigmatisierung des betroffenen Kindes zu vermeiden.

Bei sogenannten Hochrisiko-Hämangiomen ist eine Intervention notwendig – entweder, um eine maßgebliche kosmetische Beeinträchtigung zu verhindern oder um lebensnotwendige Funktionen (z.B. Atmen, Sehen oder Hören) zu gewährleisten. Als medikamentöse Behandlung eignen sich v.a. selektive Betablocker. Sie führen zu einer raschen Engstellung der betroffenen Gefäße. Daraufhin wird die Verfärbung wird blasser, weiters kommt es zu einer Aufweichung der Strukturen.

Bei manchen Hämangiomen (z.B. Augenlidtumoren oder die Atemwege einengende Hämangiome) werden chirurgische Maßnahmen empfohlen. Lasertherapie ist aufgrund zu geringer Eindringtiefe nur bedingt anwendbar.  

Wohin kann ich mich wenden?

Bei kleinen Hämangiomen, die von selbst schrumpfen, ist keine Behandlung notwendig. Von einer Kinderärztin/einem Kinderarzt sollten jedoch regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden.

Bei unklarer Diagnose oder Vorliegen eines Hochrisiko-Hämangioms sollte das Kind an eine Spezialistin/einen Spezialisten für Gefäßanomalien überwiesen werden.

Bei kosmetischen Problemen sollte eine Fachärztin/ein Facharzt für ästhetische Chirurgie konsultiert werden. Eventuell empfiehlt sich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Spezialistinnen/Spezialisten.

Wie erfolgt die Übernahme der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapieverfahren werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVASVASVBVAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Vom Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Hinweis Rein kosmetische Behandlungen sind von der Patientin/dem Patienten selbst zu bezahlen.

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