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Gonokokken © Otto-Wagner-Spital

Gonorrhoe (Tripper)

Die Gonorrhoe (Tripper) wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht. Für gewöhnlich werden die Schleimhäute von Harnröhre, Gebärmutterhals, Enddarm, Rachen oder Augen infiziert. Die Folgen sind entzündliche Reizungen und eitriger Ausfluss. Es können aber auch Haut und Gelenke betroffen sein. Die Diagnose wird durch eine Erregerkultur oder molekularbiologische Verfahren gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika . . .

Übertragungsweg

Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) wird fast immer durch sexuelle Kontakte übertragen. Es kommt meist zu Infektionen der Harnröhre und des Gebärmutterhalses. Das Risiko einer Übertragung vom Mann auf die Frau ist höher als umgekehrt. Bei oralem oder anorektalem Geschlechtsverkehr kommt es auch zu Infektionen des Rachens bzw. des Enddarms. Ist die Mutter infiziert, kann es beim Neugeborenen zu einer Infektion der Augenbindehaut (Konjunktivitis) kommen. Hier erfolgt die Ansteckung während des Geburtsvorganges.

Bei zehn bis 20 Prozent der Frauen steigt die Infektion über Gebärmutter und Eileiter auf und verursacht Entzündungen im kleinen Becken (Adnexitis). Bei Männern kann sich eine Nebenhodenentzündung (Epididymitis) entwickeln. Durch hämatogene Ausbreitung (über das Blut) kommt es in seltenen Fällen zu einer verbreiteten (disseminierten) Gonokokkeninfektion mit Entzündungen von Haut, Sehnenscheiden, Gelenken, Herz (Perikarditis, Endokarditis), Hirnhaut (Meningitis) und Leber (Perihepatitis). Bei zehn bis 30 Prozent der Betroffenen besteht gleichzeitig eine Infektion mit Chlamydia trachomatis.

Vorbeugung & Symptome

Da die Ansteckung fast ausschließlich beim Geschlechtsverkehr erfolgt, kann eine Übertragung des Erregers durch das konsequente Benutzen von Kondomen verhindert werden. Die Infektion verläuft bei zehn Prozent der Männer und bei 50 bis 80 Prozent der Frauen beschwerdefrei.

Die häufigsten Beschwerden einer akuten Infektion sind:

Beim Mann:

  • typische Beschwerden einer akuten Harnröhrenentzündung (Urethritis): Brennen/Schmerzen beim Urinieren (Dysurie), dicklicher, eitriger Ausfluss aus der Harnröhre,
  • Beschwerden oder Schmerzen in den Hoden.

Bei der Frau:

  • Beschwerden einer akuten Harnröhrenentzündung: Brennen/Schmerzen beim Urinieren (Dysurie), dicklicher, eitriger Ausfluss aus der Harnröhre,
  • Veränderungen in Farbe, Geruch oder Menge des Ausflusses aus der Vagina,
  • Zwischenblutungen oder verstärkte Blutungen während der Menstruation,
  • Beschwerden oder Schmerzen im Unterbauch.
  • Zusätzlich besteht die Gefahr von Sterilität.

Bei beiden Geschlechtern:

  • Anale Infektion (rektale Gonorrhoe): meist ohne Beschwerden, selten Juckreiz, eitriger Ausfluss, Blutungen, lokale Krämpfe, Verstopfung.
  • Infektionen des Rachens (Gonokokkenpharyngitis): meist ohne Symptome, ev. Halsschmerzen.
  • Infektion der Augen (Konjunktivitis), häufig durch Schmierinfektion, kann bei Nichtbehandlung zu Blindheit führen.

Wird eine akute Infektion nicht behandelt, können folgende Komplikationen auftreten:

  • Chronische Harnröhrenentzündung beim Mann (Urethritis): lokale Schmerzen, Beschwerden beim Harnlassen.
  • Entzündung des Nebenhodens (Epididymitis): meist einseitiger Hodenschmerz mit erhöhter Empfindlichkeit und Schwellung, eventuell Wassereinlagerung, selten Abszesse kleiner Drüsen und in der Harnröhrengegend, Infektionen der Prostata und der Samenbläschen.
  • Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis): Inkubationszeit unter zehn Tagen, oft begleitet von Harnröhrenentzündung, schmerzhaftem Wasserlassen, häufigem Wasserlassen kleiner Urinmengen (Pollakisurie), vaginalem Ausfluss, gerötetem Gebärmutterhals mit eitrigem Ausfluss. Aufsteigen der Entzündung in den Eileiter bzw. ins kleine Becken (Pelvic inflammatory disease, PID) bei zehn bis 20 Prozent der infizierten Frauen.
  • Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom: Gonokokken- (oder Chlamydien-)Infektion mit Entzündung im Bereich der Leber mit Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber, Übelkeit und Erbrechen, tritt vorwiegend bei Frauen auf.
  • Disseminierte Gonokokkeninfektion (DGI, Arthritis-Dermatitis-Syndrom): Streuung der Bakterien über das Blut; Auftreten von Fieber, Polyarthralgie (Schmerzen in verschiedenen Gelenken), Hautläsionen, Entzündung der Sehnenscheiden und -ansätze (häufig betroffen sind Handgelenkbeugesehnen, Achillessehne).
  • Gonokokkenarthritis: septische Arthritis mit Ergussbildung, meist in Verbindung mit einer disseminierten Gonokokkeninfektion, oft sind nur ein oder zwei Gelenke betroffen (vor allem Knie-, Sprung-, Handgelenke und Ellenbogen). Heftige Lokalreaktionen wie Rötung, Schwellung, Überhitzung, starke Schmerzen und Bewegungseinschränkung, oftmals auch Fieber.
  • Gonokokkensepsis: sehr selten, erfordert intensivmedizinische Maßnahmen. 

Diagnose

Üblicherweise wird die Diagnose durch eine eitrig-schleimige Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervizitis) und/oder der Harnröhre (Urethritis) gestellt. Zusätzlich wird ein Abstrich aus Harnröhre oder Gebärmutterhals, Analkanal und Rachen entnommen und evt. mikroskopisch, durch eine Erregerkultur und/oder molekularbiologische Verfahren untersucht. Ein spezifischer Nukleinsäurenachweis (PCR aus Abstrichmaterial der Zervix, der Harnröhre oder aus einer Harnprobe bei Männern) ist die Methode der Wahl mit der höchsten Erfolgsquote von zirka 90 Prozent. Vorteil: Eine Chlamydien-Infektion kann mitbestimmt werden. Bei Erregerkulturen wird üblicherweise gleichzeitig ein Antibiogramm zur Überprüfung auf eventuelle Resistenz gegen Antibiotika angelegt.

Eine Untersuchung der Partnerin/des Partners ist absolut erforderlich, ebenso die Partnerbehandlung. Laut Geschlechtskrankheitengesetz besteht in Österreich eine beschränkte Meldepflicht für Geschlechtskrankheiten (Syphilis, Gonorrhoe, Ulcus molle und Lymphogranuloma venereum). Das heißt, Personen, die den Anordnungen der behandelnden Ärztin/des behandelnden Arztes nicht Folge leisten, werden dem Gesundheitsamt gemeldet.

Hinweis Bei Nachweis, aber auch bei Symptomen, die auf eine STD hinweisen, sollte grundsätzlich auf die häufigsten STDs getestet werden.

Wichtig ist, andere Ursachen für die Symptome auszuschließen (Differenzialdiagnose). Denn auch andere Bakterien können zu eitrig-schleimigem Ausfluss, Eileiter- und Gebärmutterentzündung führen.

Therapie & Nachsorge

Gonokokokkeninfektionen werden mit Antibiotika behandelt (unter Berücksichtigung der Resistenzlage). Bei unkomplizierten Formen reicht oft eine einmalige Anwendung aus. Mittel der Wahl ist Ceftriaxon intramuskulär oder eine orale Kombinationstherapie (Cefixim plus Azithromycin), mit dem Vorteil, dass eine Mischinfektion mit Chlamydia trachomatis mitbehandelt wird. Bei schwerem Verlauf einer disseminierten Gonokokkensepsis ist eine rasche Spitalseinweisung erforderlich. Nach erfolgter Behandlung ist eine Kontrolluntersuchung durchzuführen.

Hinweis Während der Behandlung muss auf sexuelle Aktivitäten verzichtet werden.

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