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Quaddeln auf der Hand © Jürgen Fälche

Nesselausschlag (Urtikaria)

Nesselausschlag – auch als Nesselsucht oder Urtikaria bezeichnet – ist der Oberbegriff für eine Gruppe von unterschiedlichen Erkrankungen, die ein typisches Erscheinungsbild gemeinsam haben, nämlich das plötzliche Auftreten eines Hautausschlages, der meist stark juckt oder brennt. Er ähnelt jenen Reaktionen, die nach Kontakt mit einer Brennnessel auftreten . . .

Urtikaria ist eine der häufigsten Hauterkrankungen, etwa jede fünfte Person ist mindestens einmal im Leben davon betroffen. Sie beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Leistungsfähigkeit bei der Arbeit oder in der Schule und kann bei Beteiligung der Schleimhäute (Angioödem) lebensgefährlich sein. Die Ursachen für das Auftreten eines Nesselausschlages können sehr vielfältig sein.

Symptome

Nesselausschlag ist durch das plötzliche Auftreten von Quaddeln und/oder Angioödemen charakterisiert.

Eine Quaddel hat drei typische Merkmale:

  • Oberflächliche Schwellung der Haut unterschiedlicher Größe, fast immer umgeben von einer entzündlichen Hautrötung (Erythem).
  • Juckreiz oder selten auch Brennen.
  • Das Erscheinungsbild der Haut normalisiert sich innerhalb von 1–24 Stunden wieder.

Das Angioödem ist charakterisiert durch:

  • Plötzliche, ausgeprägte Schwellung tieferer Hautschichten.
  • Manchmal Schmerzen, nur selten Juckreiz.
  • Häufige Beteiligung der Schleimhäute.
  • Die Rückbildung dauert bis zu 72 Stunden.

Die Erscheinungsformen der verschiedenen Urtikariaerkrankungen sind sehr unterschiedlich. Quaddeln und Angioödeme klingen relativ rasch ab, können jedoch an derselben oder an anderer Stelle erneut auftreten. Die Schwellungen können sich oft über große Hautareale erstrecken. Auch können bei einer Person mehrere Urtikariaformen gleichzeitig vorliegen. Urtikaria kann akut (Dauer unter sechs Wochen) oder chronisch in Schüben (Dauer über sechs Wochen) verlaufen.

Ursachen

Die Einteilung der Urtikariaerkrankungen kann nach den jeweiligen Auslösern erfolgen. Die Tabelle zeigt die wesentlichsten Formen und Unterformen sowie die auslösenden Faktoren.

Formen   Unterformen   Ursachen  
Spontane Urtikaria   Akute spontane Urtikaria: Spontane Quaddeln und/oder Angioödeme dauern weniger als sechs Wochen   vielfach unbekannt  
  Chronische spontane Urtikaria: Spontane Quaddeln und/oder Angioödeme dauern länger als sechs Wochen   Unbekannt. Diskutiert werden unter anderem chronische Infektionen, nicht allergische Überempfindlichkeitsreaktionen auf Lebensmittel und Medikamente sowie Autoimmunerkrankungen  
Physikalische Urtikaria   Kältekontakturtikaria   kalte Gegenstände, Luft, Flüssigkeiten, Wind  
  Verzögerte Druckurtikaria: Quaddeln treten mit einer Verzögerung von 3-12 Stunden auf   statischer Druck  
  Wärmekontakturtikaria   lokalisierte Wärme  
  Lichturtikaria   UV- und/oder sichtbares Licht  
  Urticaria factitia/Dermografismus: Quaddeln treten nach 1-5 Minuten auf   Scherkräfte  
  Vibratorische Urtikaria   Vibrationen, z.B. Presslufthammer  
Weitere Urtikariatypen   Cholinergische Urtikaria   Erhöhung der Körpertemperatur, verursacht z.B. durch Anstrengung oder scharfe Speisen  
  Aquagene Urtikaria   Wasser  
  Kontakturtikaria   Kontakt mit bestimmten Substanzen  
  Anstrengungsinduzierte Urtikaria   körperliche Anstrengung, gegebenenfalls plus Nahrungsmittelaufnahme  


Vorbeugung & Diagnose

Sind bei den Betroffenen die auslösenden Ursachen für eine Urtikaria bekannt, sollten diese möglichst vermieden bzw. beseitigt werden.

Zunächst ist eine gründliche Anamnese erforderlich, die alle möglichen Ursachen und auslösenden Faktoren der Urtikaria berücksichtigt. Der zweite Schritt ist die körperliche Untersuchung der Patientin/des Patienten. Weitere diagnostische Maßnahmen sind von der Art der Urtikaria abhängig. Gegebenenfalls sollten durch Labortests bedeutsame andere Erkrankungen ausgeschlossen werden und weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden.

Therapie

Die Therapie besteht in der Identifizierung und Ausschaltung zugrunde liegender Ursachen und/oder auslösender Faktoren sowie in einer medikamentösen Behandlung der Beschwerden. Dazu werden in erster Linie Antihistaminika verabreicht. Wird damit keine ausreichende Wirkung erzielt, können zusätzlich andere Medikamente (z.B. Leukotrienantagonisten, Daspon, Omalizumab etc.) zum Einsatz kommen. Zur Linderung starker Schübe kann kurzfristig ein Kortisonpräparat verabreicht werden. Wie lange diese Therapie durchgeführt werden soll, ist unter anderem von der Form und dem Schweregrad der Urtikaria abhängig.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Verdacht auf eine Urtikaria sollten sich Betroffene an eine Ärztin/einen Arzt für Allgemeinmedizin wenden. Bei Bedarf ist eine Überweisung an eine Fachärztin/einen Facharzt für Dermatologie oder für Allergologie und Immunologie sinnvoll. Ärztinnen und Ärzte in Ihrer Nähe finden Sie unter Arztsuche.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

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