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Seniorin nimmt Tablette ein © Budimir Jevtic

Morbus Parkinson: Therapie

Die Behandlung besteht aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien und wird von einer Neurologin/einem Neurologen in der Ordination zusammen mit einer Ärztin/einem Arzt für Allgemeinmedizin oder unter regelmäßiger ambulanter neurologischer Behandlung durchgeführt. Daneben sind zeitlich begrenzte stationäre Behandlungen in auf Morbus Parkinson spezialisierten Rehabilitationskliniken sinnvoll . . .

Ziel aller Maßnahmen ist die Beherrschung und Linderung der Beschwerden sowie die zeitliche Verzögerung des Auftretens von Spätkomplikationen. Damit soll Betroffenen über lange Zeit ein weitgehend eigenständiges Leben in Familie, Beruf und Gesellschaft bei guter Lebensqualität ermöglicht werden.

Medikamentöse Therapie

Im Detail kommen folgende Wirkstoffklassen zum Einsatz:

  • L-Dopa (Levodopa): Diese Vorstufe von Dopamin dient als Dopaminersatz im Gehirn und wird immer in einer fixen Kombination mit einem Dopa-Decarboxylase-Hemmer verabreicht. Dieser bremst den L-Dopa-Abbau zu Dopamin im Blut und erhöht dadurch die Verfügbarkeit von L-Dopa im Gehirn. L-Dopa ist das wirksamste Medikament zur Behandlung der Parkinson-Krankheit und wird in allen Stadien der Erkrankung eingesetzt. Orale Standardpräparate stehen als Kapseln oder Tabletten mit üblicher, schneller oder auch verzögerter Wirkung zur Verfügung.

    Hinweis Eiweißreiche Nahrung kann die Aufnahme von L-Dopa verzögern, seinen Plasmaspiegel sowie die Verfügbarkeit im Gehirn reduzieren. L-Dopa sollte daher wenn möglich mindestens 30 Minuten vor oder einige Zeit nach dem Essen eingenommen werden.


    Für Patientinnen/Patienten in weit fortgeschrittenen Stadien, die mit Tabletten oder Kapseln nicht mehr zufriedenstellend behandelbar sind, kann eine L-Dopa-Infusionstherapie infrage kommen. Dazu wird eine Dauersonde durch die Bauchhaut in den Dünndarm gelegt. Über diese Sonde wird durch eine außen am Körper tragbare Pumpe gelförmiges L-Dopa in beliebig programmierbarer Dosis in den Darm transportiert. Dies führt zu einem gleichmäßigen L-Dopa-Spiegel im Blut. Die Implantation der Sonde, die Einstellung der Pumpe sowie die Schulung der Patientin/des Patienten bzw. der Angehörigen im Umgang mit dem Gerät erfolgen in speziell qualifizierten Krankenhausabteilungen.

  • Dopamin-Agonisten: bewirken eine direkte Stimulation der Dopamin-Rezeptoren im Gehirn und können in allen Stadien der Erkrankung eingesetzt werden. Zur Auswahl stehen:
    • orale Substanzen (z.B. Pramipexol, Ropinirol) mit rasch oder verzögert einsetzender und langdauernder Wirkung.
    • Apomorphin: wird aufgrund seiner kurzen Wirkdauer subkutan verabreicht – entweder als Rettungsmedikation mittels Autoinjektor („Pen“) oder als kontinuierliche Pumpenapplikation.
    • Rotigotin: als Hautpflaster.

  • COMT-Hemmer: bremsen im Blut den über das Enzym COMT (Catechol-O-Methyltransferase) forcierten L-Dopa-Abbau zum unwirksamen 3-O-Methyl-Dopa und erhöhen die gleichmäßige Verfügbarkeit von L-Dopa im Nervensystem. COMT-Hemmer (Entecapon, Tolcapon) werden immer in Kombination mit L-Dopa verabreicht.
  • MAO-B-Hemmer: verringern den L-Dopa-Abbau im Gehirn und erhöhen die Dopaminkonzentration in der Synapse. Die Substanzen Rasagilin und Selegilin kommen insbesondere im Frühstadium der Erkrankung zum Einsatz.
  • NMDA (N-Methyl-D-Aspartat)-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Amantadin): vermindern die erhöhte Aktivität des Botenstoffes Glutamat in der Informationsübertragung zwischen Nervenzellen und reduzieren durch Levodopa-wirksame Medikamente hervorgerufene überschießende Bewegungen (Dyskinesien).
  • Anticholinergika: reduzieren die cholinerge Überaktivität in den Basalganglien und steigern die dopaminerge Aktivität. Sie werden aufgrund potenzieller Nebenwirkungen kaum mehr in der Parkinsontherapie verwendet.

Wirken die Medikamente ausreichend, kann sich die Patientin/der Patient gut bewegen – dieser Zustand wird „ON“-Phase genannt. Nach einer gewissen Krankheitsdauer ist jedoch mit einem Nachlassen der regelmäßigen Wirksamkeit der Therapie und einem vermehrten Auftreten von Symptomen zu rechnen. Im motorischen Bereich sind dies v.a. Steifheit, Bewegungsverlangsamung oder Zittern. Die Bewegungseinschränkung kann sich bis zur völligen Erstarrung (sogenanntes „Freezing“) steigern – diese Abschnitte werden als „OFF“-Phasen bezeichnet.

Der häufige Wechsel von ON- und OFF-Phasen kann den gesamten Tagesablauf der Betroffenen beherrschen und sowohl die Alltagsbewältigung als auch die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Tritt dieses Nachlassen der Wirkung regelmäßig am Ende eines Dosisintervalls und vor Einnahme der nächsten regulären Dosis auf, nennt man diese Art der Wirkungsschwankung „end-of-dose“ (Ende der Dosis) oder „wearing-off“ (die Wirkung des Medikamentes ist verbraucht bzw. geht zu Ende).

In OFF-Phasen können neben den Einschränkungen der Beweglichkeit auch nicht-motorische Beschwerden auftreten. Sie werden NMOS – Non Motor Off Symptoms – oder fluktuierende NMS genannt. Sie unterscheiden sich von zur Krankheit gehörenden nicht-motorischen Symptomen dadurch, dass sie entweder nicht permanent, sondern nur in den OFF-Phasen auftreten oder zu einer Verschlechterung bereits vorhandener nicht-motorischer Symptome in den OFF-Phasen führen.

Treten Wirkungsschwankungen (Fluktuationen) bzw. häufige ON-OFF-Phasen auf, wird zunächst versucht, durch eine Dosiserhöhung oder eine neue Kombination von Medikamenten eine verbesserte Symptomkontrolle zu erreichen. Gelingt dies insbesondere in sehr fortgeschrittenen Krankheitsstadien nicht mehr oder treten gravierende Nebenwirkungen auf, kann die Implantation einer L-Dopa- oder Apomorphin-Pumpe oder eine Operation mit dem Ziel der Tiefen Hirnstimulation in Erwägung gezogen werden.

Tiefe Hirnstimulation

Bei der Tiefen Hirnstimulation handelt es sich um eine Behandlungsmethode, die bei fortgeschrittenen Stadien der Parkinson-Krankheit - im Regelfall bei Patienten unter 70 Jahren - zum Einsatz kommen kann. Dabei werden Elektroden in der Tiefe des Gehirns implantiert, die mit einem unter dem Schlüsselbein eingesetzten Stimulator zur reversiblen und individuell anpassbaren elektrischen Stimulation (v.a. im Nucleus subthalamicus) verbunden werden. Die drei motorischen Kernsymptome Akinese, Rigor und Tremor der Parkinson-Krankheit sowie OFF-Symptome können bei für diesen Eingriff geeignete Patientinnen und Patienten deutlich verbessert werden. Der Hauptvorzug dieser Methode besteht darin, dass die Wirkung kontinuierlich über 24 Stunden anhält und Medikamente deutlich reduziert werden können.

Nicht-medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Einstellung sind Krankengymnastik (Physiotherapie, Sport), Ergotherapie und Logopädie wichtige Säulen der Parkinson-Therapie. Darüber hinaus kommen bei Bedarf auch psychologische und soziale Unterstützungsmaßnahmen zum Einsatz. Die verschiedenen Therapien dienen dem Ziel, die Funktionen und die Selbständigkeit zu erhalten.

  • Krankengymnastik: In frühen bis mittleren Erkrankungsstadien stehen der Erhalt und die Förderung der körperlichen Aktivität im Vordergrund, später v.a. die Sturzprophylaxe und die Vermeidung von Gelenksversteifungen. Weiters sollen krankheitsspezifische Störungen der Bewegungsabläufe sowie der Haltungsreflexe kompensiert werden. Positive Effekte können z.B. durch Laufbandtraining, Qi Gong/Tai Chi, aber auch Parkinson-spezifische Trainingsprogramme erzielt werden.
  • Ergotherapie: Unter Anleitung einer Fachkraft werden Übungen zum Erhalt der Beweglichkeit durchgeführt. Dabei werden insbesondere Feinmotorik und Geschicklichkeit sowie alltagsrelevante Funktionen (z.B. Ankleiden, Toilette u.a.) trainiert.
  • Logopädie: Zur Verbesserung der Schluck- und Sprechstörungen werden die Muskeln für das Stimmvolumen, die Atemtechnik und die Artikulation sowie für Schluckabläufe gezielt trainiert. Bewusstes Wiedererlernen von Zeitabläufen während der Sprachproduktion und die besondere Beachtung der Artikulationsschärfe sind weitere Therapieziele.
  • Psychologische Betreuung: Die emotionale Auseinandersetzung mit der Erkrankung kann durch psychologische Einzel- oder Gruppengespräche unterstützt werden. Hierfür sind auch Selbsthilfegruppen sinnvoll. Sie bieten Betroffenen und deren Angehörigen auch Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch über im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit auftretende Probleme und den bestmöglichen Umgang damit.

Ergänzend wird das Erlernen von Entspannungstechniken (z.B. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) empfohlen. Kurse werden während der Rehabilitation angeboten, können aber auch ambulant absolviert werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Therapie einer Parkinson-Krankheit erfolgt durch eine Fachärztin/einen Facharzt für Neurologie in der Ordination zusammen mit einer Ärztin/einem Arzt für Allgemeinmedizin oder unter regelmäßiger ambulanter neurologischer Behandlung.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Therapie einer Parkinson-Krankheit werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen.

Rehabilitation

Im Rahmen zeitlich begrenzter stationärer Behandlungen in auf Morbus Parkinson spezialisierten Rehabilitationskliniken werden neben einer gegebenenfalls erforderlichen Anpassung der Medikation auch nicht-medikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie häufiger und intensiver durchgeführt, als dies ambulant möglich ist. Darüber hinaus werden auch psychologische und soziale Unterstützung angeboten.

Rehabilitationskosten während eines Spitalsaufenthaltes sind über die Sozialversicherung abgedeckt. Für weitere ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahmen ist eine ärztliche Verordnung erforderlich, die vom zuständigen Sozialversicherungsträger bewilligt werden muss. Für stationäre Aufenthalte in einem Rehabilitationszentrum ist ein Selbstbehalt (einkommensabhängig) vorgesehen.

Nähere Informationen finden Sie unter Rehabilitation sowie auf der Website der Sozialversicherung.

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