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Mann wird aus Schnee gezogen © ARochau
Mann wird aus Schnee gezogen © ARochau

Notfall: Unterkühlung

Die normale Körperkerntemperatur eines Erwachsenen liegt bei ca. 37 °C. Von einer Unterkühlung (Hypothermie) spricht man, wenn sie unter 35 °C absinkt. Zu einer Unterkühlung kommt es, wenn der Körper über längere Zeit mehr Wärme verliert, als er erzeugen kann. Das kann durch den Aufenthalt im Freien bei kaltem, windigem Wetter, in kaltem Wasser oder in kalten Wohnungen passieren. Aber auch Regen und Schweißnässe können den Körper auskühlen, wenn er nicht ausreichend durch die richtige Kleidung geschützt ist. Starke Unterkühlungen sind lebensgefährlich, da wichtige Organe nicht mehr richtig funktionieren können.

Besonders anfällig für eine Unterkühlung sind Kinder, ältere Menschen sowie erschöpfte Personen. Auch bestimmte Medikamente können das Risiko für Unterkühlungen erhöhen, ebenso der Konsum von Alkohol und Drogen. 

Was sind die Anzeichen einer Unterkühlung?

Mit Fortschreiten der Unterkühlung unter weiterem Absinken der Körpertemperatur verändern sich die Symptome.

Frühe Anzeichen sind:

  • Kalte Füße und Hände,
  • schnelle Atmung,
  • schneller Herzschlag,
  • bleiche Hautfarbe,
  • Zittern,
  • langsame, undeutliche Sprache, schwache Stimme,
  • Müdigkeit sowie
  • Verwirrtheit.

Fortgeschrittene Anzeichen sind:

  • Schwerfälligkeit, verlangsamte Bewegungen und Koordination,
  • Benommenheit, Teilnahmslosigkeit,
  • langsamer Herzschlag,
  • langsame Atmung,
  • Verlust des Bewusstseins,
  • die Pupillen sind starr, erweitert und reagieren nicht auf Licht,
  • Atem- und Kreislaufstillstand. 

Bei schwerer Unterkühlung besteht das Risiko für Herz-Rhythmus-Störungen; diese können bis hin zu Kammerflimmern und Herzstillstand führen.

Wie kann ich Erste Hilfe leisten?

Wenn eine Person Anzeichen einer Unterkühlung aufweist, gehen Sie wie folgt vor:

  • Wählen Sie den Notruf 144 oder 112 bzw. die Bergrettung unter 140, besonders bei Anzeichen einer fortgeschrittenen Unterkühlung, wie Teilnahmslosigkeit oder Verwirrtheit.

  • Überprüfen Sie das Bewusstsein der unterkühlten Person: ansprechen und sanft schütteln.

  • Bei Bewusstlosigkeit oder plötzlichem Bewusstseinsverlust, prüfen Sie Atmung und Atemwege:

    • Normale Atmung ist vorhanden: Bringen Sie die/den Betroffenen in die stabile Seitenlage. Überprüfen Sie die Atmung immer wieder, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind!

    • Keine normale Atmung vorhanden: Beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. 30x Herzdruckmassage, 2x beatmen. Wiederholen Sie dies so lange bis die Rettungskräfte vor Ort sind oder die Person Lebenszeichen zeigt. Lassen Sie sich unbedingt helfen und wechseln sich mit einer anderen Helferin/einem anderen Helfer ab!

Hinweis Bei einer Unterkühlung gilt: „Niemand ist tot, solange er nicht warm und tot ist.“ Die niedrige Körperkerntemperatur löst Schutzmechanismen aus, die das Gehirn vor Folgeschäden bewahren. Dadurch bleibt bei unterkühlten Menschen mehr Zeit zur Wiederbelebung als bei normaler Körpertemperatur.

Mehr zum Thema: Erste-Hilfe-Maßnahmen

Maßnahmen zur Wiedererwärmung

  • Bringen Sie die Person – wenn möglich – in einen warmen Raum. 

    Achtung! Bei schwerer Unterkühlung darf die/der Betroffene nur mit äußerster Vorsicht bewegt werden! Dabei kann es zu einer plötzlichen Umverteilung des Blutes kommen (kaltes Blut aus Händen und Beinen fließt zur Körpermitte), dies kann lebensbedrohliche Herz-Rhythmus-Störungen auslösen!

  • Wenn kein warmer, geschützter Raum erreicht werden kann, z.B. im Gebirge: Schützen Sie die unterkühlte Person vor Wind und Kälte. Liegt die Person, ist es wichtig sie gegen die Kälte des Bodens zu schützen, z.B. mit einer Rettungsdecke.
  • Entfernen Sie wenn möglich nasse Kleidung (durch Aufschneiden, die/der Betroffene darf so wenig wie möglich bewegt werden!) und decken Sie die Person mit trockenen Decken etc. zu.
  • Erwärmen Sie die betroffene Person langsam in der Mitte des Körpers (Brust, Nacken oder Leisten) und am Kopf, z.B. mit warmen Handtüchern. Wärmeflaschen werden in Stoff eingewickelt, um keine Verbrennungen zu verursachen. Eventuell kann die unterkühlte Person mit dem eigenen Körper aufgewärmt werden.
  • Bieten Sie der Person warme, süße und nicht-alkoholische Getränke an.
  • Bleiben Sie bei der Person bis die Rettung eintrifft und kontrollieren Sie ihren Gesundheitszustand (Bewusstsein, Kreislauf, Atmung).

Generell gilt: Die Versorgung einer Unterkühlung hat immer Vorrang vor einer Erfrierung.

Achtung:

  • Die Person sollte nicht zu rasch wieder erwärmt werden, z.B. kein heißes Bad nehmen.
  • Verwenden Sie nie direkte Wärmequellen wie Heizkissen oder heißes Wasser.
  • Arme und Beine nicht massieren oder erwärmen, da das kalte Blut zu Herz-Kreislauf-Störungen führen kann.
  • Kein Alkohol oder Zigaretten! Die gefäßerweiternde Wirkung verstärkt den Wärmeverlust und behindert die Wiedererwärmung.

Wissenswertes zur Unterkühlung: Risiko eines Bergungstodes

Ein besonderes Phänomen ist bei schwer unterkühlten Personen der sogenannte Bergungstod. Dabei verstirbt die Person unmittelbar nach der Bergung. Die Ursache ist eine Blutumverteilung. In der Kälte verliert der Körper kontinuierlich an Wärme. Damit die Körpertemperatur nicht weiter abnimmt, wird die Durchblutung an der Körperoberfläche reduziert, und das warme Blut konzentriert sich im sogenannten Körperkern. Durch diese körpereigene Maßnahme sinkt die Temperatur in der Körperhülle weiter ab. Der große Temperaturunterschied zwischen Körperkern und -hülle ist eine große Gefahr. Durch Bewegung der Extremitäten und Umlagerung bei der Bergung fließt kaltes Blut zum Körperkern. Es kommt zum plötzlichen Absacken der Kerntemperatur mit folgenschwerer Herz-Rhythmus-Störung. Daher sind rasche Bewegungen bei Umlagerung oder Transport zu vermeiden.

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