Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Mann im Gebirge mit Gesichtsschutz © ARochau
Mann im Gebirge mit Gesichtsschutz © ARochau

Notfall: Erfrierung

Bei einer Erfrierung werden die Haut und das darunter liegende Gewebe durch kalte Temperaturen geschädigt. Bei sehr tiefen Temperaturen und Wind können Erfrierungen schon in wenigen Minuten entstehen. Auch ein direkter Kontakt mit kalten Gegenständen oder Substanzen, wie Metall, Trockeneis oder flüssigem Stickstoff, kann zu Verletzungen führen; diese bezeichnet man als Kälteverbrennung.

Besonders gefährdet sind Finger, Ohren, Nase, Wangen oder Zehen. Bei erschöpften Personen ist die Gefahr einer Erfrierung deutlich höher als bei einem gesunden, ausgeruhten Menschen. Besonders Kinder sollten bei den ersten Anzeichen einer Erfrierung rasch an einen warmen Ort gebracht werden. 

Welche Formen von Erfrierungen gibt es?

Durch die Kälteeinwirkung kommt es zu Durchblutungsstörungen im betroffenen Bereich. In weiterer Folge werden die Zellen nicht ausreichend versorgt, im schlimmsten Falle sterben sie ab (Nekrose). Wind und Nässe verstärken den Kälteeffekt zusätzlich. Auch eine Druckbelastung auf die betroffene Körperstelle (z.B. durch enge Schuhe) verschlechtert die Durchblutung und kann die Schäden weiter verstärken.

Weitere Risikofaktoren sind u.a.:

  • Erkrankungen, die mit einer verminderten Durchblutung einhergehen (z.B. Diabetes, PAVK)
  • Zustände, in denen Kälteeinwirkung schlechter wahrgenommen werden (z.B. extreme Erschöpfung, Mangelernährung, unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss, bei Demenz)
  • Rauchen

Erfrierungen werden je nach Schwere in oberflächliche und tiefe Erfrierungen eingeteilt.

Oberflächliche Erfrierungen betreffen die oberen Hautschichten. Diese Kälteschäden sind kein Notfall und können meist durch einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen behandelt werden. Die Symptome leichter Erfrierungen bessern sich meist nach wenigen Minuten, nachdem sie ausreichend geschützt und gewärmt wurden. Wenn der Bereich trotzdem gefühllos bleibt, ist eine medizinische Behandlung durch die Hausärztin/den Hausarzt angezeigt.

Bei tiefen Erfrierungen können alle Schichten der Haut und darunter liegende Bereiche wie Muskel, Sehnen und Knochen betroffen sein. Im schlimmsten Fall ist die Schädigung so massiv, dass der betroffene Körperteil nicht erhalten werden kann (z.B. Amputation der Fingerspitze oder der Zehe). Tiefe Erfrierungen erfordern daher eine rasche ärztliche Hilfe und medizinische Versorgung im Spital, um den erfrorenen Körperteil so gut wie möglich zu erhalten. Das Wiedererwärmen dauert länger und ist meist mit sehr starken Schmerzen verbunden, die mit Schmerzmitteln gelindert werden können. In bestimmten Situationen, z.B. bei Aufenthalten in entlegenen Gebieten, kann ein Spital nicht rasch genug erreicht werden. Dann ist eine Wiedererwärmung als Erste-Hilfe-Maßnahme notwendig.

Wie äußern sich oberflächliche Erfrierungen?

Leichte Erfrierungen, die nur die obersten Hautschichten betreffen, äußern sich durch

  • blasse, weiße Haut oder blaurote Verfärbungen,
  • nadelstichartige Schmerzen,
  • Störungen der Sensibilität bzw. der betroffene Bereich wird komplett unempfindlich.

Typische Körperstellen sind Finger, Zehen, Nase oder Ohrmuscheln. Beim Erwärmen treten in dem Bereich Schmerzen auf, und es kann stark jucken. Nach der Erwärmung können sich an den erfrorenen Bereichen Rötungen (Erythem) oder Schwellungen bilden. In manchen Fällen entsteht eine Wundkruste, jedoch keine dauerhafte Schädigung. Der betroffene Bereich kann noch Jahre danach besonders empfindlich sein.

Wie äußern sich tiefe Erfrierungen?

Schwere Erfrierungen können neben der Haut auch die darunter liegenden Gewebe schädigen. Es kommt zu

  • weißen, wachsbleichen, gelben oder bläulich-weißen Bereichen auf der Haut,
  • der betroffene Bereich ist unempfindlich, kalt und hart,
  • nach der Erwärmung bilden sich Blasen.

Das Gefährliche ist: Eine schwere Erfrierung macht zunächst kaum mehr Beschwerden als eine leichte, sie äußert sich anfangs vor allem durch Gefühllosigkeit. Erst später, beim Erwärmen, treten sehr starke Schmerzen auf, die Schädigung ist dann jedoch schon sehr tief gehend. Daher sollte eine beginnende Gefühllosigkeit (z.B. beim Bergsteigen, Schifahrenetc.) immer ernst genommen werden.

Nach der Erwärmung entstehen typischerweise Schwellungen, blutgefüllte (hämorrhagische) Blasen. Auch blau-grau gefärbte und abgestorbene Hautbereiche (Nekrosen) sind möglich. Bei sehr tiefen Erfrierungen schmerzt dieser Bereich nicht. Die Haut ist trocken, schwarz und mumifiziert. 

Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sind wichtig?

Erfrierungen können zusammen mit einer Unterkühlung auftreten. Eine Unterkühlung kann sich zu einem lebensgefährlichen Zustand entwickeln. Deshalb sind immer zuerst Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen eine Unterkühlung zu setzen und erst danach Erfrierungen zu behandeln!  

Bei einer Erfrierung gibt es einige Maßnahmen, die Sie noch unterwegs durchführen können, um die entsprechende Körperregion zu versorgen. Generell sollten Sie jedoch so schnell wie möglich versuchen, an einen trockenen, warmen Ort zu gelangen, an dem Maßnahmen zur Wiedererwärmung möglich sind.

Erste-Hilfe-Maßnahmen im Gelände (z.B. beim Bergsteigen):

Achtung! Maßnahmen zur Erwärmung dürfen unterwegs nur dann durchgeführt werden, wenn ein neuerliches Erfrieren sicher vermieden werden kann! Dies würde das Gewebe noch mehr zerstören.

  • Suchen Sie einen möglichst trockenen und windgeschützten Raum auf (z.B. Zelt).
  • Achten Sie auf eine gute Durchblutung der erfrorenen Bereiche, z.B. zu enge Schuhe lockern, enge Ringe abnehmen.
  • Entfernen Sie wenn möglich nasse Kleidung, die dem Körper Wärme entzieht (z.B. nasse Handschuhe oder Socken ausziehen, wenn vorhanden trockene Kleidung anziehen).
  • Erfrorene Hände oder Füße können durch eigene Körperwärme oder die einer anderen Person gewärmt werden, zum Beispiel in der Achsel oder im Leistenbereich.
  • Die erfrorene Gliedmaße wenn möglich hoch halten.
  • Gesicht, Nase und Ohren können durch das Auflegen warmer Hände erwärmt werden.  
  • Um weitere Schäden der Haut bzw. des Gewebes zu vermeiden:
    • Die Erfrierung nicht massieren oder reiben!
    • Haben sich Blasen gebildet, stechen Sie diese nicht auf.
    • Erwärmen Sie nie mit direkter Hitze, wegen der Gefahr von Verbrennungen.
  • Wenn vorhanden: Warme Getränke einnehmen, aber keinen Alkohol!
  • Schützen Sie wiedererwärmte Erfrierungen vor neuerlichem Erfrieren, z.B. durch warme, lockere Verbände.
  • Wählen Sie den Notruf 144 oder 112 bzw. die Bergrettung unter 140. Mit geschädigten oder wiedererwärmten Füßen und Zehen sollte die betroffene Person wenn möglich nicht gehen, um eine weitere Schädigung des Gewebes zu vermeiden.

Maßnahmen zur Wiedererwärmung in warmer Umgebung:

In warmer Umgebung können Sie folgende Maßnahmen zur Wiedererwärmung der betroffenen Hautstellen beginnen:

  • Eine rasche Wiedererwärmung der Erfrierung in einem geschützten Raum wird durch vorsichtiges Eintauchen in 37 bis 40 Grad warmes Wasser empfohlen. Wenn kein Thermometer verfügbar ist, kann die Temperatur des Wassers mit einer gesunden Hand oder dem Ellenbogen geprüft werden. Das Wiedererwärmen ist abgeschlossen, wenn die Haut eine normale Farbe bekommen hat und sich nicht mehr taub anfühlt. Das kann ungefähr 30 Minuten dauern.
  • Ist ein rasches Wiedererwärmen im Wasser nicht möglich, kann eine betroffene Gliedmaße auch langsam in warmen Räumen oder durch Körpertemperatur erwärmt werden. Wegen der Gefahr von Verbrennungen darf die Wiedererwärmung nie mit direkter Hitze (Ofen, Heizlampe, Feuer etc.) erfolgen!
  • Um die Schmerzen beim Wiedererwärmen zu lindern, können rezeptfreie Schmerzmittel eingenommen werden, wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure.
  • Beurteilen Sie, ob eine leichte, oberflächliche oder eine tiefe Erfrierung vorliegt:
    • Leichte Erfrierungen gehen schnell zurück, wenn sie geschützt und warm gehalten werden.
    • Erfrierungen mit Blasenbildung sollten nach der Ersten Hilfe möglichst rasch von einer Ärztin/einem Arzt untersucht werden. Sie müssen im Spital behandelt werden, um die Schäden möglichst gering zu halten und Komplikationen zu vermeiden. Die Schädigung des Gewebes hängt u.a. von der Expositionsdauer, der Temperatur und der betroffenen Körperstelle ab. Endgültige Gewebeschäden können oft erst nach Tagen oder Wochen beurteilt werden.
Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen