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Mann im Gebirge mit Gesichtsschutz © ARochau

Notfall: Erfrierung

Bei einer Erfrierung werden die Haut und das darunter liegende Gewebe durch kalte Temperaturen geschädigt. Bei sehr tiefen Temperaturen und Wind können Erfrierungen schon in wenigen Minuten entstehen. Besonders gefährdet sind Finger, Ohren, Nase, Wangen oder Zehen. Bei erschöpften Personen ist die Gefahr einer Erfrierung deutlich höher als bei einem gesunden, ausgeruhten Menschen. Besonders Kinder sollten bei den ersten Anzeichen einer Erfrierung rasch an einen warmen Ort gebracht werden. Auch ein direkter Kontakt mit kalten Gegenständen oder Substanzen, wie Metall, Trockeneis oder flüssigem Stickstoff, kann zu Verletzungen führen. Diese bezeichnet man als Kälteverbrennung. Erfrierungen werden je nach Schwere in oberflächliche und tiefe Erfrierungen eingeteilt.

Oberflächliche Erfrierungen betreffen die oberen Hautschichten. Diese Kälteschäden sind kein Notfall und können meist durch einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen behandelt werden. Die Symptome leichter Erfrierungen bessern sich meist nach wenigen Minuten, nachdem sie ausreichend geschützt und gewärmt wurden. Wenn der Bereich trotzdem gefühllos bleibt, ist eine medizinische Behandlung durch die Hausärztin/den Hausarzt angezeigt.

Bei tiefen Erfrierungen können alle Schichten der Haut und darunter liegende Bereiche wie Muskel, Sehnen und Knochen betroffen sein. Tiefe Erfrierungen erfordern eine rasche ärztliche Hilfe (Notruf 144 oder 112) und medizinische Versorgung im Spital, um den erfrorenen Körperteil so gut wie möglich zu erhalten. Das Wiedererwärmen dauert länger und ist meist mit sehr starken Schmerzen verbunden, die mit Schmerzmitteln gelindert werden können. In bestimmten Situationen, z.B. bei Aufenthalten in entlegenen Gebieten, kann ein Spital nicht rasch genug erreicht werden. Dann ist eine Wiedererwärmung als Erste-Hilfe-Maßnahme notwendig.

Symptome oberflächlicher Erfrierungen

  • Blasse, weiße Haut,
  • in manchen Fällen treten nadelstich-artige Schmerzen auf,
  • zunächst ist die Sensibilität gestört, später wird der Bereich unempfindlich.

Beim Erwärmen treten in dem Bereich Schmerzen auf und es kann stark jucken. Nach der Erwärmung können sich an den erfrorenen Bereichen Rötungen (Erythem), Schwellungen und klare oder milchige Blasen bilden. In manchen Fällen entsteht eine Wundkruste, jedoch keine dauerhafte Schädigung. Der betroffene Bereich kann noch Jahre danach besonders empfindlich sein.

Symptome tiefer Erfrierungen 

  • Weiße, wachsbleiche, gelbe oder bläulich-weiße Bereiche der Haut,
  • der Bereich ist unempfindlich, kalt und hart.

Beim Erwärmen treten meist sehr starke Schmerzen auf. Nach der Erwärmung entstehen Schwellungen, blutgefüllte (hämorrhagische) Blasen. Auch blau-grau gefärbte und abgestorbene Hautbereiche (Nekrosen) sind möglich. Bei sehr tiefen Erfrierungen schmerzt dieser Bereich nicht. Die Haut ist trocken, schwarz und mumifiziert. Es bilden sich abgestorbene Gewebebereiche (Nekrosen).

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Erfrierungen können gleichzeitig mit einer Unterkühlung auftreten. Eine Unterkühlung kann sich zu einem lebensgefährlichen Zustand entwickeln. Deshalb sind zuerst Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen eine Unterkühlung zu setzen und danach Erfrierungen zu behandeln.

Beurteilen Sie, ob eine leichte, oberflächliche oder eine tiefe Erfrierung vorliegt. Leichte Erfrierungen gehen schnell zurück, wenn sie geschützt und warm gehalten werden. Bei einer tiefen Erfrierung sollte eine Wiedererwärmung unter ärztlicher Aufsicht im Spital erfolgen.

Folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen werden bei einer Erfrierung empfohlen: 

  • Den Körper vor Kälte und Wind schützen und wärmen.
  • Die erfrorenen Bereiche mit trockener, wenn möglich gewärmter Kleidung schützen und wärmen.
  • Entfernen Sie nasse Kleidung, die dem Körper Wärme entzieht. Nasse Handschuhe oder Socken ausziehen und trockene Kleidung anziehen.
  • Hände können durch eigene Körperwärme oder die einer anderen Person gewärmt werden, zum Beispiel in der Achsel oder im Leistenbereich. Gesicht, Nase und Ohren können durch warme Hände bzw. trockene Handschuhe erwärmt werden.  
  • Warme Getränke einnehmen, aber keinen Alkohol!
  • Auf gute Durchblutung der erfrorenen Bereiche achten, z.B. zu enge Schuhe lockern, enge Ringe abnehmen.
  • Die erfrorene Gliedmaße wenn möglich hoch halten.
  • Um weitere Schäden der Haut bzw. des Gewebes zu vermeiden:
    • Die Erfrierung nicht massieren oder reiben.
    • Haben sich Blasen gebildet, stechen Sie diese nicht auf.
    • Erwärmen Sie nie mit direkter Hitze, wegen der Gefahr von Verbrennungen.
  • Schützen Sie wiedererwärmte Erfrierungen vor neuerlichem Erfrieren, z.B. durch lose Verbände.
  • Suchen Sie wenn möglich einen warmen Raum auf.

Wiederwärmen einer Erfrierung

  • Unterwegs sollte eine Wiedererwärmung nur dann erfolgen, wenn ein neuerliches Erfrieren vermieden werden kann! Dies würde das Gewebe noch mehr zerstören.
  • Eine rasche Wiedererwärmung der Erfrierung in einem geschützten Raum wird durch vorsichtiges Eintauchen in ca. 37 bis 40 Grad warmes Wasser empfohlen. Wenn ein Thermometer nicht verfügbar ist, kann die Temperatur des Wassers mit einer gesunden Hand oder dem Ellenbogen geprüft werden. Das Wiedererwärmen ist abgeschlossen, wenn die Haut eine normale Farbe bekommen hat und sich nicht mehr taub anfühlt. Das kann ungefähr 30 Minuten dauern.
  • Ist ein rasches Wiedererwärmen im Wasser nicht möglich, kann eine betroffene Gliedmaße auch langsam in warmen Räumen oder durch Körpertemperatur erwärmt werden. Wegen der Gefahr von Verbrennungen darf die Wiedererwärmung nie mit direkter Hitze (Ofen, Heizlampe, Feuer etc.) erfolgen!
  • Um die Schmerzen beim Wiedererwärmen zu lindern, können rezeptfreie Schmerzmittel eingenommen werden, wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure.
  • Mit geschädigten oder wiedererwärmten Füßen und Zehen sollte die betroffene Person wenn möglich nicht gehen, um eine weitere Schädigung des Gewebes zu vermeiden.

Nach der Ersten Hilfe sollten Erfrierungen mit Blasen möglichst rasch von einer Ärztin/einem Arzt untersucht werden. Tiefe Erfrierungen müssen im Spital behandelt werden, um Schäden möglichst gering zu halten und Komplikationen zu vermeiden. Die Schädigung des Gewebes hängt u.a. von der Expositionsdauer, der Temperatur und der betroffenen Körperstelle ab. Endgültige Gewebeschäden können oft erst nach Tagen oder Wochen beurteilt werden.

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