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verzweifelter Mann sitzt auf Treppe © and.one
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Krisenintervention bei psychosozialen Krisen

Um Menschen in akuten psychosozialen Krisen zu helfen, wurde die Methode der Krisenintervention entwickelt. Diese soll helfen, in Krisen auftretende psychische und soziale Probleme besser zu bewältigen. 

Auch soll mit bestimmten Situationen einhergehenden Gefahren vorgebeugt werden. Zudem steckt in jeder Krise auch eine Chance, die bewusst gemacht werden kann. Krisenintervention ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Psychosoziale Krise: Was ist das?

Jeder Mensch kann im Laufe seines Lebens von einer psychosozialen (psychischen) Krise betroffen sein. Das bedeutet nicht, dass Betroffene unter einer psychischen Erkrankung leiden. Psychosoziale Krisen zu erleben ist eigentlich etwas völlig Normales. Sie sind unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass belastende Ereignisse das Leben auf den Kopf stellen. Bisher angewandte Bewältigungsmechanismen schlagen fehl – es kommt zur Überforderung. Gefühle wie Angst, Wut, Verzweiflung oder Sinnlosigkeit treten auf. Die für die Bewältigung der Krise benötige Kraft fehlt für die Anforderungen des Alltags. Auch das Selbstbewusstsein leidet unter der Situation.

Nicht jedes außergewöhnlich belastende Ereignis führt zu einer psychosozialen Krise. Wenn jedoch die (bisher) bewährten Bewältigungsmechanismen und Ressourcen nicht greifen, kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Belastung und Krisenbewältigung. Eine Krise beginnt.

Psychosoziale Krisen sind jedoch zeitlich begrenzt. Sie können bis zu ungefähr drei Monate andauern. Eine derart belastende Situation ist schwierig zu ertragen. Betroffene stellen daher baldmöglichst ein Art neues Gleichgewicht her, mit dem sie ihr Leben besser bewältigen können. Es kann somit gelingen, die Krise gut zu meistern.

Hilfe suchen zur Bewältigung dieser schwierigen Situation

Zu den hilfreichen Möglichkeiten der Bewältigung zählt etwa, darüber mit jemandem zu reden oder professionelle Hilfe zu suchen. Es kann jedoch auch sein, dass Menschen in Krisen nicht unterstützende oder sich selbst schädigende Verhaltensweisen (z.B. übermäßiger Alkoholkonsum) entwickeln. Weitere Informationen finden Sie auch unter Lebenskrisen bewältigen. Rechtzeitige Unterstützung kann z.B.  Suizidhandlungen oder Gewalt vorbeugen.

Eine psychosoziale Krise ist keine Krankheit. Bei starker psychischer Belastung ist dennoch rasches Handeln wichtig. Denn die Krise kann chronisch und zu einem (Mit)Auslöser für psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen oder Angststörungen) bzw. Suchterkrankungen (z.B. Alkoholabhängigkeit) werden.

Welche Arten von psychosozialen Krisen gibt es?

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher psychosozialer Krisen. Zu diesen gehören vor allem:

  • Lebensveränderungskrisen: Gelegentlich werden diese von Ereignissen des normalen Lebensverlaufes sogar von eigentlich erfreulichen Ereignissen ausgelöst, z.B. Wohnortwechsel, Heirat oder berufliche Weiterentwicklung. Sie entstehen oft an Übergängen von einer in die nächste Lebensphase. Generell dann, wenn gewohnte Abläufe sich ändern und Neuanpassung erfordern.
  • Verlustkrisen: Diese werden durch unvorhergesehene Vorkommnisse ausgelöst, z.B. den plötzlichen Tod eines nahe stehenden Menschen, Trennungen (z.B. von der Partnerin/dem Partner), der Diagnose einer ernsten Krankheit, plötzliche Kündigung durch den Arbeitgeber etc.

Auch akute Traumata oder akute Phasen eines Burnout-Syndroms können ein Grund sein, eine Krisenintervention in Anspruch zu nehmen bzw. eine Kriseninterventionseinrichtung aufzusuchen.

Hinweis Psychosoziale Krisen sind von psychiatrischen Notfällen zu unterscheiden. Einem psychiatrischen Notfall liegt meist eine akute psychische Erkrankung zugrunde (z.B. Drogenmissbrauch, Schizophrenie). Bzw. ein akutes körperliches Leiden, das zu psychiatrischen Symptomen führt (z.B. Gehirnblutung). Bei einem psychiatrischen Notfall kann Lebensgefahr drohen. Daher ist rasche medizinische Hilfe unumgänglich! Nähere Informationen finden Sie unter Notfall: Psychiatrische Krise.

Welche Beschwerden können bei einer psychosozialen Krise auftreten?

Beschwerden während einer psychischen Krise sind unangenehm und belastend. Dennoch stellen sie meist Anpassungsversuche an die schwierige Situation dar. Zu möglichen Beschwerden zählen z.B.:

  • Angst
  • starke Anspannung
  • Schlafstörungen
  • Übererregtheit/Nervosität
  • Aggression (gegen sich oder andere)
  • Verwirrtheit
  • unpassend erscheinendes Verhalten
  • depressive Verstimmung – z.B. Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit
  • psychosomatische Beschwerden.

Hinweis Im Rahmen einer psychischen Krise kann es auch zu Suizidgedanken kommen. Sie denken an Suizid, machen sich um jemanden Sorgen oder haben einen Menschen aufgrund eines Suizidtodesfalls verloren? Auf dem Österreichischen Suizidpräventionsportal finden Sie Erste-Hilfe-Tipps, Notfallkontakte und Hilfsangebote in Ihrem Bundesland sowie weiterführende Informationen zur Bewältigung dieser Notsituation. 

Krisenintervention: Was ist das?

In psychosozialen Krisen hilft oft bereits ein Gespräch mit einer nahe stehenden verständnisvollen Person. Es kann jedoch hilfreich und notwendig sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Beratende und psychotherapeutische Gespräche bilden die wesentliche Säule der Krisenintervention. Diese ist eine Methode der Beratung, Therapie und Behandlung, mit der Menschen in psychosozialen Krisen sowie auch nach Traumatisierung unterstützt werden können. Dabei sollte es gelingen, eine vertrauensvolle und tragfähige Beziehung aufzubauen. Begleitend kann medizinische Hilfe und das Organisieren von Unterstützung für den Alltag wichtig sein. Krisenintervention ist von einer wertschätzenden Haltung geprägt. Im Mittelpunkt steht der hilfesuchende Mensch, dem einfühlsam und verständnisvoll begegnet wird.

Zu den Zielen von Krisenintervention zählen:

  • Linderung und Beseitigung von quälenden Symptomen (z.B. Ängste, Schlafstörungen),
  • Vorbeugung von gefährlichen Situationen (z.B.  Gewalt, Suizidversuch) sowie
  • das gemeinsame Erarbeiten von Strategien zur selbstständigen Bewältigung der Krisensituation. Betroffene sollen in die Lage versetzt werden, den Alltag wieder eigenständig zu bewältigen.

Dabei spielen auch folgende Aspekte eine Rolle:

  • Lösung von Problemen und Konflikten, die mit der Krise verbunden sind.
  • Mit der Krise verbundene Entwicklungsaufgaben bewältigen (z.B. im Sinne der Reifung der Persönlichkeit – etwa lernen, auch alleine sein zu können oder Probleme aktiv anzugehen.
  • Notwendige Anpassungen im Leben/im Alltag vornehmen (z.B. Änderungen im Job oder im Privatleben, gut auf sich selbst achten etc.).

Krisenintervention soll mittelfristig Hilfe zur Selbsthilfe bieten und orientiert sich in ihren Zielen stark an der Lebenssituation und den Bedürfnissen von Betroffenen. Auch kulturelle Aspekte finden Berücksichtigung. Manchen Krisen kann auch im Nachhinein ein Sinn zugeschrieben werden. In jeder Krise kann eine Chance stecken. Sie muss es aber nicht.

Professionelle Helferinnen/Helfer, die in der Krisenintervention tätig sind, haben entsprechende Weiterbildungen absolviert. Krisenintervention bieten neben Ärztinnen/Ärzten auch klinische Psychologinnen/Psychologen sowie Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten an. Auch eine Arbeit in Krisenteams (mit unter anderem auch Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeitern) ist möglich und in vielen Fällen sinnvoll (z.B. in psychosozialen Einrichtungen wie einem Kriseninterventionszentrum).

Wie verläuft eine Krisenintervention?

Das sogenannte BELLA-System hat sich in der Krisenintervention bewährt und erklärt auf einfache Weise, wie diese verläuft:

  • B: Beziehung aufbauen
  • E: Erfassen der Situation
  • L: Linderung der schweren Symptome
  • L: Leute einbeziehen, die unterstützen können (soziales Umfeld mobilisieren)
  • A: Ansatz zur Problembewältigung finden (Auswege aus der Krise)

Dabei werden unterstützende Gespräche geführt und mitunter auch etwa Übungen zur Entspannung und Bewältigung von schwierigen Situationen eingebaut. Im Rahmen der Krisenintervention kann es auch notwendig sein, dass medizinische Untersuchungen und Behandlungen stattfinden (z.B. Abklärung körperlicher Symptome, Gabe von Medikamenten) oder ein Spitalsaufenthalt notwendig wird. Bei Bedarf und mit Einverständnis von Betroffenen können auch Angehörige bzw. nahe stehende Bezugspersonen in die Krisenintervention miteinbezogen werden.

Wo finde ich die Möglichkeit einer Krisenintervention?

Vorübergehend in einer Krise „stecken“ zu bleiben, ist normal. Wenn jedoch kein Ausweg mehr sichtbar ist, die Belastung sehr hoch ist bzw. die Krise länger anhält, ist es unbedingt sinnvoll sich professionelle Hilfe zu suchen. Wenn Sie sich in einer psychosozialen Krise befinden und Hilfe suchen, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

Wenn Sie an Suizid denken, sich diesbezüglich um jemanden Sorgen machen oder einen Menschen aufgrund eines Suizidtodesfalls verloren haben: Auf dem  Österreichischen Suizidpräventionsportal finden Sie Erste-Hilfe-Tipps, Notfallkontakte und Hilfsangebote in Ihrem Bundesland sowie weiterführende Informationen zur Bewältigung dieser Notsituation.

Tipp Sie möchten jemandem helfen, der sich in einer psychosozialen Krise befindet? Unter  Erste Hilfe leisten bei einer psychosozialen Krise finden Sie hilfreiche Informationen.

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