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Beratungsgespräch © WavebreakmediaMicro

Krisenintervention

Um Menschen in akuten psychosozialen Krisen zu helfen, wurde die Methode der Krisenintervention entwickelt. Diese soll helfen, in Krisen auftretende psychische und soziale Probleme besser zu bewältigen. Auch soll mit bestimmten Situationen einhergehenden Gefahren vorgebeugt werden. Zudem steckt in jeder Krise auch eine Chance, die bewusst gemacht werden kann. Krisenintervention ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Wann liegt eine psychosoziale Krise vor?

Jeder Mensch kann im Laufe seines Lebens von einer psychischen Krise betroffen sein. Das bedeutet nicht, dass Betroffene unter einer psychischen Erkrankung leiden. Krisen sind unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass belastende Ereignisse das Leben auf den Kopf stellen. Bisher angewandte Bewältigungsmechanismen schlagen fehl – es kommt zur Überforderung. Gefühle wie Angst, Wut, Verzweiflung oder Sinnlosigkeit treten auf. Die für die Bewältigung der Krise benötige Kraft fehlt für die Anforderungen des Alltags. Auch das Selbstbewusstsein leidet unter der Situation. Rechtzeitige Unterstützung kann z.B. Suizidhandlungen oder Gewaltakten vorbeugen. Rasches Handeln ist wichtig, denn zu den Spätfolgen zählen psychische Störungen und Suchterkrankungen (z.B. Alkoholabhängigkeit).

Psychische Krisen sind von psychiatrischen Krisen bzw. Notfällen zu unterscheiden. Einem psychiatrischen Notfall liegt meist eine akute psychische Erkrankung zugrunde (z.B. Drogenmissbrauch, Schizophrenie) bzw. ein akutes körperliches Leiden, das zu psychiatrischen Symptomen führt (z.B. Gehirnblutung). Zu den psychischen Symptomen zählen unter anderem Störungen des Bewusstseins (z.B. keine Reaktion auf Ansprechen bei starrem Blick), Halluzinationen und Wahnvorstellungen oder unkontrolliertes (aggressives) Verhalten. Bei einem psychiatrischen Notfall droht oft Lebensgefahr (z.B. bei akuter suizidaler Einengung oder eskalierender Gewalt) bzw. die akute Verschlechterung eines Krankheitszustandes mit unter Umständen nicht rückgängig zu machenden Folgen. Daher ist bei einem psychiatrischen Notfall rasche medizinische Hilfe unumgänglich! Rufen Sie die Rettung bzw. im Falle von akuter Gefahr für die Sicherheit auch die Polizei.

Welche Arten von psychischen Krisen gibt es?

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher psychosozialer Krisen. Zu diesen gehören:

  • Lebensveränderungskrisen: sind Krisen, die von Ereignissen des normalen Lebensverlaufes gelegentlich sogar von eigentlich erfreulichen Ereignissen ausgelöst werden, z.B. Wohnortwechsel, Heirat oder berufliche Weiterentwicklung.
  • Verlustkrisen: Diese werden durch unvorhergesehene Vorkommnisse ausgelöst, z.B. den plötzlichen Tod eines nahestehenden Menschen, Trennungen (z.B. von der Partnerin/dem Partner), der Diagnose einer ernsten Krankheit, plötzliche Kündigung durch den Arbeitgeber etc.
  • Traumata: Es handelt sich um schwere Belastungen wie Katastrophen, Gewalterfahrungen oder Unfälle, die nicht zum normalen Leben gehören und auf die man daher nicht vorbereitet ist. Sie überfordern fast immer die herkömmlichen Bewältigungsmechanismen der Betroffenen. Meist sind Leib und Leben bedroht. Die Welt stürzt förmlich in sich zusammen. Nähere Informationen finden Sie unter Seelisches Trauma überwinden.

Hinweis Auch das Burnout-Syndrom kann ein Grund sein, eine Krisenintervention aufzusuchen.

Der Mensch im Mittelpunkt

Beratende und psychotherapeutische Gespräche bilden die wesentliche Säule der Krisenintervention. Es sollte gelingen, eine vertrauensvolle und tragfähige Beziehung aufzubauen. Daneben kann medizinische Hilfe und das Organisieren von Unterstützung für den Alltag wichtig sein. Das soziale Umfeld (Freundinnen/Freunde, Angehörige) wird ebenfalls mit einbezogen. Krisenintervention ist von einer wertschätzenden Haltung geprägt. Im Mittelpunkt steht der hilfesuchende Mensch, dem einfühlsam begegnet wird.

Zu den Zielen von Krisenintervention gehören die Linderung und Beseitigung von quälenden Symptomen (z.B. Ängste, Schlafstörungen), die Prävention von gefährlichen Situationen (z.B. Gewalt, Suizidversuch) sowie das gemeinsame Erarbeiten von Strategien zur selbstständigen Bewältigung der Krisensituation. Betroffene sollen in die Lage versetzt werden, den Alltag wieder eigenständig zu bewältigen.

Das sogenannte BELLA-System hat sich in der Krisenintervention bewährt:

  • B: Beziehung aufbauen
  • E: Erfassen der Situation
  • L: Linderung der schweren Symptome
  • L: Leute einbeziehen, die unterstützen können (soziales Umfeld mobilisieren)
  • A: Ansatz zur Problembewältigung finden (Auswege aus der Krise)

Professionelle Helferinnen/Helfer, die in der Krisenintervention tätig sind, haben entsprechende Weiterbildungen absolviert. Krisenintervention ist keine Methode, die nur einer Berufsgruppe vorbehalten ist. Sie ist durch multidisziplinäres Zusammenarbeiten gekennzeichnet. So arbeiten in Krisenteams Ärztinnen/Ärzte neben Psychologinnen/Psychologen, Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie sich in einer psychischen Krise befinden und Hilfe suchen, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

Unter Services, Links & Broschüren finden Sie weitere Ansprechstellen sowie informative Downloads zum Thema Psyche.

Sie möchten jemandem helfen, der sich in einer Krise befindet? Unter So leisten Sie Erste Hilfe für die Psyche! finden Sie hilfreiche Informationen. Nähere Informationen für Angehörige psychisch Kranker sowie zu Frühwarnzeichen psychiatrischer Krisen finden Sie in der HPE-Broschüre „Psychische Krisen. Erkennen – handeln – vorbeugen“ .

Weiter hilfreiche und informative Links:

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