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Frau versteckt sich unter einem Schreibtisch © Michael Siegmund

Mobbing am Arbeitsplatz

Psychoterror am Arbeitsplatz hat seit Mitte der Neunzigerjahre einen Namen: Mobbing. Damit ist die systematische Ausgrenzung von Menschen gemeint, die mit massiven Folgen für die Betroffenen sowie für das gesamte Arbeitsumfeld verbunden ist. Mobbing kann jede/jeden treffen. Einzelne oder eine Gruppe werden zum „Täter“ – das „Opfer“ flüchtet meist (es wird z.B. zur Kündigung getrieben) oder wird krank. Die Gefahr liegt darin, das Mobbingphänomen zu verharmlosen oder zu tabuisieren. Wer möchte sich schon gerne als „Opfer“ outen?

Was ist Mobbing?

Ein Streit mit dem Chef? Hasstiraden von der Kollegin? Was ist Mobbing nun eigentlich genau? Unter Mobbing am Arbeitsplatz versteht man eine konfliktbelastete Kommunikation (z.B. jemanden „wie Luft behandeln“) unter Kollegen/Kolleginnen oder zwischen Führungskräften und Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern. Dabei ist die angegriffene Person unterlegen (z.B. weniger gut vernetzt, machtloser) und wird von einer oder mehreren anderen Personen systematisch, häufig über einen längeren Zeitraum, angegriffen, mit dem Ziel und/oder Effekt das Opfer vom Arbeitsplatz zu vertreiben (z.B. durch Kündigung oder Versetzung). Betroffene empfinden dies als belastend und diskriminierend – manchmal bemerken sie es allerdings selbst erst spät. Mobbing kann Sicherheits- und Gesundheitsrisiken hervorrufen.

Mobbinghandlungen

Der Psychologe und Mobbingforscher Heinz Leymann identifizierte unterschiedliche Handlungsebenen des Mobbings. Zu diesen zählen Angriffe auf:

  • soziale Beziehungen (z.B. Ignorieren der betroffenen Person),
  • Kommunikationsmöglichkeiten (z.B. ständiges Unterbrechen während eines Gesprächs),
  • die Berufs-/Lebenssituation (z.B. sinnlose Aufgabenzuteilung),
  • die Gesundheit (z.B. Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten) und 
  • das soziale Ansehen (z.B. Verbreitung von Gerüchten).

Mobbingphasen

Mobbing tritt gewöhnlich in Phasen auf. Vom ungelösten Konflikt bis hin zu Gewalt ist alles möglich.

  • Phase 1 – Konfliktphase: Bei vielen Mobbingfällen besteht anfangs ein ungelöster Konflikt. Die/der Betroffene kann allerdings noch damit umgehen. Die Aggression der/des Mobbenden ist unterschwellig.

  • Phase 2 – Phase der indirekten und direkten Aggression: Mobbing etabliert sich als systematischer Prozess. Der/Die Mobbingbetroffene wird für die bestehende Lage zur Verantwortung gezogen und entwertet. Selbstzweifel der/des Betroffenen treten auf. Es kommt zu ersten körperlichen Symptomen.

  • Phase 3 – Öffentlichkeitsphase: Die/Der Mobbende/n führt weitere aggressive Handlungen aus, z.B. lächerlich machen, direkte verbale Entwertung oder sogar Androhung von Gewalt. Der/Die Betroffene/n ist verunsichert und macht Fehler – wird als „Problemmitarbeiter“ bezeichnet. Hilfesuchende werden oft nicht ernst genommen. Das Täterbild wird übernommen. Die Psyche der/des Betroffenen leidet zunehmend.

  • Phase 4 – Ausschlussphase: Gewalt und Beschuldigungen, psychisch krank zu sein, sind nur einige Beispiele für die akute Problematik dieser Phase. Psychosomatische Beschwerden häufen sich, die meist Krankschreibungen zur Folge haben. Kündigung, Versetzung oder sogar Ausschluss aus der Arbeitswelt sind das Ende der Mobbingsackgasse.

Ich werde gemobbt – was kann ich tun?

Als Mobbingopfer ist es wichtig, Grenzen zu setzen. Ziehen Sie diese klar und deutlich. Sie sind sich nicht sicher, ob Sie gemobbt werden? Eine Mobbingcheckliste schafft mehr Klarheit, ein Mobbingtagebuch hilft, Nachvollziehbarkeit zu sichern. Beides sowie weitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Website der Arbeiterkammer.

Reden Sie darüber! Kontaktieren Sie eine für Sie vertrauenswürdige Ansprechpartnerin/einen Ansprechpartner im Betrieb z.B. Führungskraft, Personalmanagement, Betriebsrat/Personalvertretung oder die Betriebsärztin/den Betriebsarzt. Suchen Sie nach Verbündeten, die Sie im Betrieb unterstützen können. Achten Sie auf „Mobbing-freie Zonen“ im Privaten! Tanken Sie bewusst Energie mit Vertrauten und bei Freizeitaktivitäten. Anlaufstellen zum Thema Psyche & Seele finden Sie unter Wenn die Psyche Hilfe braucht.

Je nach individuellen Bedürfnissen kann es notwendig sein, ärztliche oder
psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen – bis hin zum stationären Aufenthalt auf einer psychosomatischen Station. Auch eine „Auszeit“ ist in manchen Fällen zu empfehlen. Alle Maßnahmen helfen allerdings nur, wenn gleichzeitig auch Veränderungen bei der Arbeitsplatzsituation stattfinden.

Hinweis Mobbingopfern steht seelisches Schmerzensgeld zu, wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass bestimmte Diskriminierungsgründe vorliegen.

Was der Arbeitgeber tun kann

Unternehmen können eine Menge dafür tun, dass Mobbing gar nicht erst aufkeimt. Vor allem in Hinblick auf die Unternehmenskultur kann ein klares NEIN zu Mobbing oder Mobbing-ähnlichem Verhalten ausgesprochen werden. Im Anlassfall können konkrete Maßnahmen gesetzt werden. Gute Konfliktkultur und gemeinsame Werte fördern das Arbeitsklima ebenso wie Wertschätzung und Mitspracherecht. Sicherheit, passende Arbeitsbelastung und Transparenz wirken sich positiv auf das Wohlbefinden im Job aus. Fundierte Informationen der Führungskräfte, des Betriebsrats und der Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter erleichtern sowohl das Erkennen als auch den Umgang mit dem Psychoterror am Arbeitsplatz. Eine konkrete Ansprechstelle kann aufklären und Handlungen setzen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche und Evaluierungen des Arbeitsplatzes helfen, Gefahrenquellen rechtzeitig zu erkennen. Arbeitsmedizin, Arbeitspsychologie und Sicherheitsfachkräfte ergänzen das Maßnahmenpaket.

Im Falle, dass Mobbing auftritt, ist rasches Handeln gefragt. Betroffene können – sofern vorhanden – mit betrieblichen Ansprechpersonen wie etwa einer Mobbingpräventionsbeauftragten/einen Mobbingpräventionsbeauftragten gemeinsam erste Schritte wie etwa Coaching, Psychotherapie oder eine Mediation (Form des professionellen Konfliktmanagements) einleiten. Vorgesetzte können im Anschluss daran auch Konsequenzen ziehen und „Mobber“ ermahnen, eine Disziplinaranzeige zukommen lassen oder sogar kündigen.

Weitere Informationen zum Thema Mobbing finden Sie im Folder des Fonds Gesundes Österreich „Mobbing – Leitfaden zur Prävention und Intervention. Was (öffentliche) Organisationen tun können“.

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