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Symbolfoto digitale Arbeitswelt © mrmohock
Symbolfoto digitale Arbeitswelt © mrmohock

Digitale Arbeitswelt und Gesundheit

Egal ob Landwirtschaft, Industrie, Handel oder Dienstleistungen: Kaum eine Arbeit kommt heute ohne digitale Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) aus. Software, Apps, Big-Data, Robotik, Künstliche Intelligenz, Informationsplattformen im Internet – der Trend zur Digitalisierung von Arbeitsabläufen und Geschäftsmodellen betrifft alle Wirtschaftsbereiche, aber auch das private Leben. Durch digitale Technologien werden neue Jobs entstehen, andere Jobs verändert, verschwinden oder in andere Länder verlagert.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt wird oft unter den Begriffen Arbeit 4.0 oder 4. Industrielle Revolution zusammengefasst. Dabei ist es wichtig, nicht nur die technischen Aspekte zu beachten: So wirken sich die technologischen Veränderungen unter anderem auch auf die Organisation von Arbeitsabläufen, die Kooperation in Teams oder die Arbeitsumgebung aus. Neben vielen positiven Effekten kann der technologische Wandel auch Risiken für die Gesundheit mit sich bringen. Expertinnen und Experten erwarten durch die gewandelte Arbeitswelt besonders eine Zunahme von psychischen Belastungen. Betriebliches Gesundheitsmanagement kann helfen, negative Folgen für die Beschäftigten und für das Unternehmen rechtzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Welche Herausforderungen bringt Arbeit 4.0?

Unternehmen erwarten sich durch die Digitalisierung Vorteile, z.B. eine Vereinfachung und Beschleunigung von Arbeits- und Geschäftsprozessen oder eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Die Digitalisierung bringt auch für die Beschäftigten Veränderungen in den Arbeitsbedingungen und neue Herausforderungen, mit denen sie lernen müssen, umzugehen und wo sie eventuell vom Unternehmen Unterstützung benötigen. Dazu zählen:   

  • Flexible Arbeitsorte – Stichwort Home-Office,
  • neue Formen der Arbeitsorganisation (Crowdworking, Online Outsourcing etc.),
  • mehr virtuelle Zusammenarbeit, weniger persönliche Kontakte,
  • zunehmender Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Entscheidungsunterstützungssystemen (EUS),
  • komplexe und beschleunigte Arbeitsprozesse,
  • orts- und zeitunabhängige Erreichbarkeit,
  • vorwiegend sitzende Tätigkeiten.

Aufgrund der schnellen Veränderungen der Arbeitsprozesse und der Weiterentwicklung der Technologien wird der Qualifizierung des Personals eine große Bedeutung in der digitalen Arbeitswelt zugeschrieben. Dazu zählt die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Kompetente Arbeitskräfte, die mit neuen Technologien umgehen können, sind für Unternehmen eine wertvolle Ressource.

Das Wissen über die Anwendung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien ist eine wichtige Grundlage für Berufe, die als Wissensarbeit bezeichnet werden. Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter stehen in intensivem Austausch mit anderen Personen, z.B. Kundinnen/Kunden, Kooperationspartnern etc. Sie arbeiten in Teams, nutzen Netzwerke und entwickeln neue Lösungen. Kern ihrer Tätigkeit ist, Wissen zu schaffen, zu verteilen oder kreativ anzuwenden. Die Zahl der Tätigkeiten, bei denen geistige, informatorische und emotionale Faktoren vorherrschen, nimmt stetig zu.

Warum ist Gesundheitskompetenz in der digitalen Arbeitswelt wichtig?

Die Gesundheit der Beschäftigten ist in der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt eine wichtige Ressource, um die Leistungsfähigkeit der Wissensträger/innen zu erhalten. Um die steigenden bzw. veränderten Belastungen durch die Arbeit zu bewältigen, ist meist eine hohe Gesundheitskompetenz notwendig. Es geht darum, Gesundheitsrisiken für sich zu erkennen, zu beurteilen und im Arbeitsalltag gesundheitsfördernde Entscheidungen zu treffen.

Expertinnen und Experten sprechen in diesem Zusammenhang auch von psychischer Widerstandskraft (Resilienz). Die Fähigkeit der Beschäftigten, sich einer Situation schnell anzupassen und angemessen zu reagieren – sich selbst zu führen –, wird nicht nur für den einzelnen Menschen wichtig, sondern auch für Unternehmen zum Wettbewerbsvorteil.

Welche Belastungen und Risiken sind mit dem technologischen Wandel verbunden?

Die neuen Technologien bringen für die Beschäftigten in bestimmten Arbeitsverhältnissen viele Vorteile und Chancen mit sich, z.B. Entlastung von schweren oder gefährlichen Tätigkeiten, mehr Flexibilität und Selbstbestimmung in der Arbeit, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie können aber auch unter bestimmten Arbeitsbedingungen zu gesundheitlichen Belastungen führen, z.B. wenn die Arbeit nicht flexibel gestaltet werden kann.  

Körperliche Beschwerden

In der digitalen Arbeitswelt nehmen körperliche Belastungen durch schwere Arbeit (z.B. durch schweres Heben und Tragen) immer mehr ab. Viele früher manuell verrichtete Arbeiten werden  zunehmend von computergesteuerten Maschinen oder Robotern durchgeführt.

Gleichzeitig nehmen jene Beschwerden zu, die durch sitzende Tätigkeiten oder die Bedienung eines Computers entstehen können. Dazu zählen z.B. Rückenbeschwerden oder Reizungen der Muskeln, Sehnen und Bänder des Armes („Repetitive Strain Injury“-Syndrom). Dazu kommt: Beim mobilen Arbeiten unterwegs oder im Home-Office können ergonomische Standards kaum kontrolliert werden. 

Psychische Belastungen

Durch die Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt steigen auch die psychischen Belastungen, vor allem im Bereich der Wissensarbeit. Mögliche Ursachen einer Überforderung sind z.B.

  • ständige Erreichbarkeit,
  • gleichzeitiges Erledigen verschiedener Aufgaben (Multitasking),
  • hohe Komplexität der Arbeit,
  • Informationsflut,
  • wenig persönliche Kontakte, erhöhter Leistungsdruck etc. in neuen Formen der Arbeitsorganisation wie Crowdworking.

So verstärkt der Trend zum zeit- und ortsunabhängigen Arbeiten ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Eine negative Folge des „Nicht abschalten Könnens“ ist fehlende Erholung. Daraus kann sich ein Burnout oder eine Depression entwickeln.

Manche Expertinnen und Experten sehen in einer intensiven, nicht mehr selbst kontrollierbaren  Nutzung von mobilen Geräten, wie Handys oder Tablets, die Gefahr der Entwicklung eines Suchtverhaltens.

Auch im Bereich der Robotik-gestützten Produktion kann es zu psychischen Belastungen kommen, z.B. durch eintönige, wenig selbstbestimmte Tätigkeiten.

Neue Anforderungen an Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz

Die Verantwortung für die Gestaltung einer gesunden Arbeit 4.0 liegt sowohl bei den Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern, die ihre Kompetenzen erhalten und weiterentwickeln, als auch bei den Unternehmen und beim Management, das für entwicklungsförderliche Verhältnisse verantwortlich ist. Dabei benötigen ältere, fachlich erfahrene Beschäftige, die nicht von Jugend an ein Wissen über die Anwendung digitaler Technologien entwickeln konnten, eine entsprechende Unterstützung auf dem Weg in die Arbeit 4.0. Expertinnen und Experten sehen auch die Notwendigkeit, den Arbeitsschutz und die arbeitsmedizinische Versorgung an den digitalen Wandel anzupassen.

Mit entsprechenden gesundheitsfördernden Strategien des Betrieblichen Gesundheitsmanagements können Beschäftigte darauf vorbereitet werden, ihre Gesundheit und berufliche Leistungsfähigkeit auch in der digitalen Arbeitswelt zu erhalten. 

Hinweis Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und die damit verbundenen Herausforderungen stellt der FGÖ in einem Förderschwerpunkt  in den Mittelpunkt: BGF in der Arbeitswelt 4.0: Digitalisierung und faire Gesundheitschancen 

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