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Drei Frauengenerationen © contrastwerkstatt

Frauengesundheit im Fokus

Frauen sind, so könnte man meinen, Männern gesundheitlich überlegen: Sie leben länger, gehen öfters zur Ärztin/zum Arzt und sind vorsorgebewusster. Bei den über Fünfzigjährigen überwiegt der Anteil der Frauen an der österreichischen Bevölkerung. 2013 lag die Lebenserwartung um 5,1 Jahre über jener der Männer: Für Frauen betrug sie 83,6 Jahre, für Männer 78,5 Jahre. Frauen sind jedoch nicht „gesünder“ oder „kränker“ als Männer, lediglich die Häufigkeiten für bestimmte Krankheiten unterscheiden sich.

Gleicher Zugang zum Gesundheitswesen

Österreich schloss sich 1982 dem Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW – Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination against Women) an. Darin unterzeichneten 186 Staaten auch den Artikel 12. Dieser besagt, dass Frauen derselbe Zugang zum Gesundheitswesen sowie zu Diensten der Familienplanung gewährt wird wie Männern. Ferner verpflichteten sich die teilnehmenden Staaten, Frauen eine angemessene Versorgung rund um die reproduktive Gesundheit (Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit) zu er­möglichen. Die generelle Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist in der UN-Menschenrechts-Charta verankert.

Herzinfarkt oft unbemerkt

Platz eins und zwei der Todesursachen belegen bei Frauen und Männern Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Krebs. Jüngere Frauen sterben häufiger nach einem Herzinfarkt: Bis zum Alter von fünfzig Jahren haben Frauen ein doppelt so hohes Risiko als Männer, an einem Herzinfarkt zu sterben. Frauen weisen bei einem Herzinfarkt, wie auch bei manch anderen Erkrankungen, oft andere Hauptsymptome auf. So zeigt sich ein Herzinfarkt mit weniger „typischen“ Symptomen (z.B. Druckschmerzen in der Brust, die in den linken Arm ausstrahlen), sondern macht sich u.a. durch Schmerzen im Kiefer, Rücken oder Bauchraum bemerkbar. Dadurch wird er bei Frauen leichter übersehen, das Risiko, daran zu sterben, ist somit höher. Der häufigste bösartige Tumor beim weiblichen Geschlecht ist Brustkrebs.

Auch Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes sind genderspezifisch zu bewerten. Bei Frauen erhöht ein Schwangerschaftsdiabetes das Risiko für Typ-2-Diabetes um das Siebenfache. Zudem fand man heraus, dass manche Medikamente (z.B. bestimmte Antibiotika) bei beiden Geschlechtern unterschiedlich verabreicht werden müssen. Das Gewebe von Frauen ist z.B. am Gesäßmuskel fettreicher. Dieser Umstand muss bei der Wahl des Injektionsortes mitbedacht werden. Auch die Wirkung von Medikamenten kann sich unterscheiden. Das Risiko für Nebenwirkungen ist bei Frauen erhöht.

Frauen essen, rauchen und trinken anders

Mädchen/Frauen folgen eher gängigen Schönheitsidealen, insbesondere Mädchen sind häufiger unzufrieden mit ihrem äußeren Erscheinungsbild. Sie sind in der Regel auch die kontrollierteren, oft auch gesundheitsbewussteren Esserinnen. Nähere Informationen erfahren Sie unter „Frauen und Männer essen anders“. Auch beim Nikotinkonsum zeigen sich Unterschiede. Frauen neigen eher zur Sucht nach dem Glimmstengel, das Aufhören fällt schwerer. Stress-Situationen verschärfen das Verlangen nach einer Zigarette. Die Zahl der Raucherinnen steigt im Vergleich zu Rauchern an. Nähere Informationen finden Sie unter Frauen rauchen „anders“ als Männer. Frauen trinken eher aus Kummer übermäßig Alkohol, Männer schlittern oft durch das gesellschaftlich übliche gemeinsame Trinken in die Sucht. Nähere Informationen finden Sie unter Alkohol & Abhängigkeit.

Die weibliche Psyche

Ungefähr 15 bis 20 Prozent der Frauen leiden nach der Geburt an einer psychischen Krise bzw. Depression. Nähere Informationen finden Sie unter Geburt. Weitere kritische Risikofaktoren für die seelische Frauengesundheit sind u.a. Doppelbelastungen (z.B. Beruf und Familie), die Pubertät, Arbeitslosigkeit, Gewalterfahrungen oder Erkrankungen. Weitere Informationen finden Sie unter Psyche & Seele sowie unter Psychische Erkrankungen.

Schutz bei Schwangerschaft & Geburt

Frauen steht acht Wochen vor bis acht Wochen nach der Geburt Mutterschutz zu. Anschließend daran beginnt meist die Karenzzeit. Es gibt mehrere Varianten, Kinderbetreuungsgeld zu beziehen. Nähere Informationen rund um das Thema finden Sie unter Schwangerschaft und Geburt.

Managerin für alle Lebenslagen

Frauen kommt in der heutigen Zeit oft eine Mehrfachbelastung zu. Familie, Job, Partnerschaft – vielleicht etwa noch die Pflege naher Angehöriger. Die moderne Frau ist eine „Multi-Tasking-Managerin“. Natürlich kann auch der Mann unterschiedliche Mehrfachrollen einnehmen. Die Mehrzahl der alleinerziehenden Elternteile ist weiblich. Die damit einhergehenden Herausforderungen (z.B. finanziell, zeitlich) können sich – ebenso wie die Mehrfachbelastung – negativ auf den Gesundheitszustand auswirken.

Die „Teilzeitfalle“

Die aktuellste Genderauswertung der Statistik Austria zeigt, dass Frauen im Hinblick auf Ausbildung sowie Erwerbsleben in den letzten Jahren aufgeholt haben. 2012/13 lag der Anteil von Maturaabschlüssen von Frauen bei 58,3 Prozent, 58,7 Prozent der Universitätsabschlüsse wurden von Frauen erworben. Die Erwerbsquote der 15- bis 64-jährigen Frauen stieg von 59,7 Prozent (2004) auf 66,9 Prozent (2014). Diese Zunahme begründet sich jedoch vor allem in einer Steigerung der Teilzeitquote. 2014 waren 74,3 Prozent der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren, die Kinder unter 15 Jahren haben, teilzeitbeschäftigt. Das Einkommen von Frauen liegt immer noch deutlich unter jenen der Männer. Laut des von Eurostat publizierten „Gender-Pay-Gap“ betrug 2013 der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied in der Privatwirtschaft 23 Prozent (gemessen an den Bruttostundenverdiensten).

Männer bekleiden zudem häufiger Führungspositionen. In der Folge sind auch die Pensionen von Frauen geringer, das Armutsrisiko ist höher. Zu den besonders armutsgefährdeten Personen zählen auch Alleinerzieherinnen. Armut ist ein Risikofaktor für die Gesundheit. Personen mit niedrigerer Bildung sowie niedrigerem Einkommen sterben früher, sind öfter krank und leben meist nicht sehr gesundheitsbewusst.

Gewalt an Frauen

Nach Schätzungen der Polizei werden neunzig Prozent aller Gewalttaten in der Familie bzw. im näheren sozialen Umfeld begangen. Wiederum neunzig Prozent der Betroffenen sind Frauen, die Täter die jeweiligen Partner. Es gibt unterschiedliche Formen von Gewalt, etwa körperliche (z.B. Schläge), psychische (z.B. Bedrohung) oder sexuelle (z.B. Vergewaltigung). Frauen jeden Alters und aller sozialen Schichten sind betroffen, ob verheiratet oder in Lebensgemeinschaft. Die Mehrzahl der gewaltbetroffenen Frauen hat Kinder, die diese Gewalthandlungen gegen ihre Mutter miterleben müssen. Natürlich können auch Männer von Gewalt betroffen sein. Gesundheitliche Folgen von Gewalt sind u.a. Verletzungen und psychische Erkrankungen. Nähere Informationen und Ansprechstellen finden Sie unter Gewalt in der Familie.

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