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Fröhliche junge Frau © Drobot Dean
Fröhliche junge Frau © Drobot Dean

Gendergesundheit & Frauengesundheit

Das Geschlecht zählt zu jenen Faktoren, die unsere Gesundheit wesentlich beeinflussen. Frauen haben eine etwas höhere Lebenserwartung als Männer. Allerdings verbringen sie mehr Lebensjahre in schlechter Gesundheit als Männer. Sie gehen öfters zur Ärztin oder zum Arzt und sind vorsorgebewusster. Der Frauenanteil in der Bevölkerung liegt etwas höher als der Männeranteil und steigt mit zunehmendem Alter. 2019 lag die Lebenserwartung von Frauen bei der Geburt um 4,7 Jahre über jener der Männer: Für Frauen betrug sie 84,2 Jahre, für Männer 79,5 Jahre. Auch bestimmte Krankheiten treten bei Frauen und Männern unterschiedlich häufig auf. 

Ist Gesundheit eine Frage des Geschlechts?

Faktoren, die unsere Gesundheit beeinflussen, werden von Expertinnen/Experten auch als Gesundheitsdeterminanten bezeichnet. So wirken sich Bildung, soziales Umfeld, materielle Umstände, aber auch psychische und biologische Faktoren auf die individuelle Gesundheit aus. Diese Aspekte sind wiederum abhängig vom sozialen Status, kulturellen Hintergrund und auch vom Geschlecht. Wissenschaftliche Studien belegen, dass nicht jede/jeder die gleichen Chancen auf ein gesundes Leben hat. Mit einer verbesserten Chancengleichheit steigen sowohl die Lebenserwartung als auch die Zahl gesunder Lebensjahre. Daher unterstützen zahlreiche Projekte in der EU die Reduzierung von Ungleichheiten.

Welche geschlechtlichen Unterschiede gibt es bei Gesundheit und Krankheit?

In Bezug auf gesundheitliche Risiken stellen Medizinerinnen und Mediziner immer wieder fest: Frauen und Männer erkranken unterschiedlich häufig an bestimmten Erkrankungen oder anders. Besonders auffällig sind diese Unterschiede bei Depressionen, Beschwerden des Bewegungsapparates und Krebserkrankungen. 

Diagnostik und Behandlung sollte gendersensibel sein

Zudem gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei den Krankheitsverläufen. Eine mögliche Ursache für die Unterschiede: Bei der Diagnostik und Behandlung einer Erkrankung wird nicht auf die geschlechtlichen Unterschiede eingegangen. Mit anderen Worten: Diagnostik und Behandlung werden nicht gendersensibel gestaltet.

Unterschiede in Gesundheitsverhalten 

Daten hinsichtlich des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens zeigen, dass sich Männer zwar ungesünder ernähren, sich jedoch mehr bewegen als Frauen. Andererseits konsultieren Frauen eher eine Ärztin/einen Arzt als Männer. Frauen ab 60 sind zudem häufiger von Verletzungen betroffen als gleichaltrige Männer.

Medikamente

Bei der Verschreibung und der Einnahme von Medikamenten gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Auch die Wirkung von Medikamenten kann sich bei Frauen von jener bei Männern unterscheiden. Zudem ist das Risiko für Nebenwirkungen bei Frauen erhöht. Weitere Infos unter Genderaspekte bei Arzneimitteln.

Chronische Erkrankungen bei Frauen

In Österreich sind Frauen etwas häufiger als Männer von chronischen Erkrankungen und chronischen Beschwerden betroffen. Häufig bei Frauen sind z.B. 

  • Beschwerden des Bewegungsapparats, wie Rückenschmerzen, Nackenschmerzen oder Arthrose,
  • diagnostizierte Depressionen oder
  • Kopfschmerzen. 

Selbst weniger häufige chronische Erkrankungen sind laut Aktionsplan Frauengesundheit (2018) von Bedeutung, zumal sie bei Frauen eine deutlich höhere Häufigkeit (Prävalenz) zeigen. Dazu gehören  Autoimmunerkrankungen und Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, Schmerzsyndrome, altersabhängige Erkrankungen wie  OsteoporoseDemenz und Gebrechlichkeit. 

Krebserkrankungen bei Frauen

Das Risiko bis zum 75. Lebensjahr an Krebs zu erkranken ist bei Frauen (23,4 Prozent) deutlich niedriger als bei Männern (32,5 Prozent). Im Alter von 30 bis 59 sind Frauen jedoch häufiger von einer Krebserkrankung betroffen als Männer.

Der häufigste bösartige Tumor bei Frauen ist Brustkrebs und der zweithäufigste Lungenkrebs ist. Bei Lungenkrebs stieg die Zahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) und die Sterblichkeit bei Frauen bis 2016 an. In der gleichen Zeit nahmen die Zahlen bei Männer ab.

Schilddrüsenkrebs kommt bei Frauen deutlich häufiger vor als bei Männern.

Krebserkrankungen, die nur Frauen betreffen, sind Gebärmutter- und Gebärmutterhals- sowie Eierstockkrebs. Quellen: Krebserkrankungen in Österreich 2020 (Statistik Austria).

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen

Immer häufiger sind Frauen auch von Erkrankungen betroffen, die bislang als typische Männererkrankungen galten, wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Sie erleiden zwar seltener als Männer einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber nach der Menopause steigt die Zahl der Fälle deutlich an.

Je nach Erkrankung können die Symptome bei Frauen und Männern unterschiedlich sein oder anders wahrgenommen werden. Weitere Informationen unter  Koronare Herzkrankheit - geschlechtsspezifische Aspektet und  Schlaganfall bei Frauen.

Diabetes bei Frauen

Auch Diabetes tritt bei Frauen häufig auf. Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes sind genderspezifisch zu bewerten. Bei Frauen erhöht ein Schwangerschaftsdiabetes das Risiko für Typ-2-Diabetes um das Siebenfache. 

Gewichtsprobleme bei Frauen

In Österreich ist fast ein Drittel aller Frauen (28 Prozent) übergewichtig. Bei den Männern sind es laut Österreichischer Gesundheitsbefragung 2019 (Statistik Austria) rund 41 Prozent. Jede sechste Frau ist stark übergewichtig (adipös). Einen Unterschied machen dabei die Altersgruppen aus: Nur 6,7 Prozent der 15- bis 30-jährigen Frauen, aber 24 Prozent der 60- bis 75-jährigen Frauen leiden unter starkem Übergewicht. 

Mit zunehmendem BMI (Body Mass Index) steigt auch das Risiko für damit in Verbindung stehende Erkrankungen wie Gelenksbeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes (Aktionsplan Frauengesundheit 2018). Ebenso steigt das Risiko für Adipositas bei sozial benachteiligten Personen. So ist bei Frauen mit mangelnden Sprachkenntnissen, niedrigerem Einkommen oder Bildungsniveau beispielsweise das Diabetes-Risiko oder die Häufigkeit von Adipositas und psychischen Belastungen nachweislich erhöht. Starkes Übergewicht hat aber selbst wieder negative soziale Auswirkungen: Übergewichtige Frauen sind oftmals mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert. Besonders im beruflichen Kontext werden sie bei der Arbeitsplatzsuche und der beruflichen Weiterbildung häufig ausgegrenzt.

Andererseits wenden mehr als die Hälfte vor allem junger Frauen und Mädchen ungesunde, teils gesundheitsgefährdende Maßnahmen zur Gewichtskontrolle und -reduktion an. Dazu gehört das Auslassen von Mahlzeiten, Diäten, Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln. Der negative Einfluss von medialen Bildern, Musikvideos, TV-Formaten wie Modelcastings, von künstlichen und ungesunden Darstellungen weiblicher „Schönheit“ auf das Selbstwertgefühl von Mädchen, jungen Frauen und erwachsenen Frauen ist unbestritten und wissenschaftlich belegt. Ein negatives Körperbild kann auch Essstörungen zur Folge haben.

Psychische Probleme bei Frauen

In Europa leiden mehr als 27 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mindestens einmal im Leben unter einer psychischen Störung. Bei Frauen werden psychische Störungen dreimal so häufig als bei Männern diagnostiziert.

Für Frauen ist z.B. das Risiko, an einer Depression zu erkranken höher als für Männer. Ein Einflussfaktor ist dabei die Mehrfachbelastung, die sich für Alleinerziehende (Frauen häufiger als Männer) ergibt. Einen weiteren Risikofaktor für Depressionen stellen Geburten dar. Ungefähr 15 bis 20 Prozent der Frauen leiden nach der Geburt an einer psychischen Krise bzw. Depression. Auch Angststörungen werden bei Frauen häufiger festgestellt. Essstörungen betreffen zu über 90 Prozent Frauen. 

Eine Unterversorgung oder mangelhafte Zugänglichkeit zu entsprechender Therapie und Behandlung bei psychischen Erkrankungen trifft somit insbesondere Frauen. Der negative Effekt wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass Frauen häufig über geringere finanzielle Mittel verfügen als Männer. Gründe sind z.B.  ein höheren Anteil von Frau in geringfügiger oder Teilzeit-Arbeit, Arbeitslosigkeit). Frauen sind häufiger von Doppelbelastungen durch Beruf und unbezahlte Pflege- bzw. Familienarbeit (z.B. Beruf und Familie) betroffen. Sie sind auch häufiger als Männer Gewalterfahrungen und deren psychischen Folgeerkrankungen ausgesetzt. Nachweislich sind psychische Erkrankungen bei sozial belasteten Frauen besonders häufig. 

Weitere Informationen finden Sie unter Psyche & Seele sowie unter Psychische Erkrankungen.

Armut als Gesundheitsrisiko

Armut ist ein Risikofaktor für die Gesundheit. Personen mit niedrigerer Bildung sowie niedrigerem Einkommen sterben früher, sind öfter krank und leben meist nicht sehr gesundheitsbewusst. Die damit verbundenen gesundheitsbezogenen Auswirkungen sind vielfältig: Insbesondere die psychosozialen Belastungen, die sich aus Zukunftssorgen, lang andauernden Stressreaktionen und geringer sozialer Unterstützung ergeben, erschweren eine gesundheitsförderliche Lebensweise.

Altersarmut entsteht nicht erst im Alter, sondern im Laufe des Erwerbslebens von Frauen. Frauen sind überproportional oft im Niedriglohnsektor und häufig aufgrund den von ihnen nach wie vor übernommenen Betreuungsaufgaben als Teilzeitbeschäftigte tätig. Bei Frauen, die vor dem Pensionseintritt bereits ein unterdurchschnittliches Einkommen bezogen haben, ist das Risiko dauerhafter Altersarmut hoch. Dies gilt auch für Alleinerzieherinnen und Frauen, die unbezahlte Angehörigenpflege leisten.
Mehr Informationen zur gesundheitlichen Chancengleichheit von Frauen und Männern finden Sie unter Chancengerechtigkeit: Frauen & Männer 

Welche negative Folgen hat Gewalt an Frauen?

Häusliche Gewalt stellt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) eines der vordringlichsten Gesundheitsrisiken für Mädchen und Frauen dar (WHO Europa 2002). Etwa 90 Prozent der Gewalttaten an Frauen werden durch ihr unmittelbares soziales Umfeld ausgeführt (Partner, Bekannte, Arbeitskollegen etc.). Nur vergleichsweise selten passiert dies durch Unbekannte. Laut oesterreich.gv.at haben wissenschaftliche Schätzungen ergeben, dass jede fünfte Frau, die in einer Beziehung lebt, von Gewalt seitens des Partners betroffen ist.

Körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfuhren bereits 20 Prozent der Frauen in Österreich. Eine große Rolle spielt Beziehungsgewalt: Durch den (Ex-)Partner erlebten 13 Prozent der Österreicherinnen körperliche und/oder sexuelle Gewalt. 38 Prozent der über 15-jährigen Österreicherinnen erfuhren psychische Gewalt in Form von Beschimpfung, Kontrolle, Einschüchterung oder Hausarrest durch den (ehemaligen) Partner. Laut einer Umfrage des Instituts für Familienforschung gaben drei von vier Frauen an sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Stalking sah sich jede sechste Österreicherin ausgesetzt, jede fünfte wurde mehr als zwei Jahre lang von einem Stalker verfolgt.

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Partnergewalt bzw. sexueller Gewalt sind vielfältig und schwerwiegend, physisch und psychisch. Sie umfassen Entzündungen im Genitalbereich, Fehlgeburten, sexuell übertragbare Krankheiten, posttraumatisches Stress-Syndrom, Alkohol- und Drogensucht, Depression, Angststörungen, dauerhafte körperliche Behinderung sowie Tod durch Mord oder Selbsttötung. Kinder gewaltbetroffener Mütter haben das Risiko eines geringen Geburtsgewichts sowie neonataler Gesundheitsprobleme. Fazit ist, dass Frauen durch gewalttätige Partner enorme gesundheitliche Folgeschäden zugefügt werden. Nähere Informationen und Ansprechstellen finden Sie unter Gewalt in der Familie


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