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Symbolfoto ungeborenes Kind © transurfer
Symbolfoto ungeborenes Kind © transurfer

Körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft

In der Zeit der Schwangerschaft macht der mütterliche Organismus starke Veränderungen durch. Der Hormonhaushalt, der Stoffwechsel, das Immunsystem und andere Organsysteme passen sich den Anforderungen der Schwangerschaft an. Erst dadurch wird das Wachstum des Embryos möglich. Gesteuert werden die Veränderungen durch das Hormonsystem, über welches das Ungeborene und die Mutter gleichsam miteinander kommunizieren. Nach der Schwangerschaft stellt sich der mütterliche Organismus wieder um.

Jede Frau reagiert anders auf die Anpassungen des Organismus. Bei manchen Frauen treten während der Schwangerschaft Beschwerden auf, die nach kurzer Zeit wieder vergehen oder auch bis zum Ende der Schwangerschaft andauern können. Auch die Psyche ist von den Veränderungen betroffen. Selten entwickeln sich aufgrund der körperlichen Umstellungen Erkrankungen, die ärztlich behandelt werden müssen.

Wie verändert sich das Hormonsystem?

Bei der Befruchtung werden komplexe hormonelle Prozesse in Gang gesetzt, die den Organismus der Frau an die Anforderungen der Schwangerschaft anpassen. Hormone sorgen unter anderem für die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter. Sie beeinflussen das Immunsystem, damit der Embryo nicht als körperfremd angesehen und abgestoßen wird, und sie steuern die weiteren Wachstumsvorgänge in der Schwangerschaft. Mehr zum Thema: Eine Schwangerschaft beginnt

Schon wenige Tage nach der Befruchtung beginnt die Blastozyste, das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin) zu produzieren. Seine Konzentration steigt bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels kontinuierlich an. Sobald sie hoch genug ist, kann das Hormon im Blut oder Harn durch Schwangerschaftstests nachgewiesen werden. Die Hauptwirkung von hCG besteht darin, die Produktion von Östrogen und Progesteron zu steigern und damit den Erhalt der Schwangerschaft zu unterstützen. Zudem ist es an der Entwicklung und dem Wachstum der kindlichen Organe sowie der Plazenta beteiligt.

Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft wird vermehrt Progesteron gebildet, und es kommt zu einer verstärkten Produktion des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen. 

  • Progesteron ist wesentlich daran beteiligt, die Schwangerschaft in frühen Stadien aufrechtzuerhalten. Es bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine Einnistung der befruchteten Eizelle vor und sorgt unter anderem für eine verbesserte Durchblutung und eine Entspannung der Gebärmutter. Der Progesteronwert im Blut steigt in den ersten Schwangerschaftswochen stark an und nimmt bis zum Ende der Schwangerschaft kontinuierlich zu. 
  • Auch die Konzentration von Östrogen steigt kontiniuerlich an. Die Östrogene sorgen im Körper der Frau unter anderem für eine zunehmende Elastizität des Bindegewebes und der Blutgefäße sowie für einen gesteigerten Blutfluss zu den Geweben. Sie steuern das Wachstum der Gebärmutter und der Brustdrüsen und haben wichtige Funktionen im Geburtsverlauf.
  • Weiters steigt die Konzentration der Nebennierenhormone (Glukokortikoide, Aldosteron) in der Schwangerschaft an, um die Elektrolyt- und Wasserausscheidung an die veränderten Kreislaufverhältnisse anzupassen.
  • Auch die Schilddrüsenhormone werden vermehrt gebildet und haben wichtigen Einfluss auf die Entwicklung des Nervensystems des Kindes.
  • Gegen Ende der Schwangerschaft kommt es zu einer Zunahme des Hormons Prolaktin, das die Ausdifferenzierung der Brustdrüsen und die Milchproduktion anregt.
  • Das Hormon Oxytocin sorgt im Lauf der Geburt für eine Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur (Wehen) und hat Einfluss auf die Ausbildung einer Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Wie verändert sich das Herz-Kreislauf-System?

Das Herz-Kreislauf-System der Schwangeren reagiert auf das Wachstum des Embryos mit einer Verbesserung der Blutversorgung, besonders im Bereich der Gebärmutter, um eine ausreichende Versorgung des Embryos mit Sauerstoff und Energiestoffen zu gewährleisten. Das Volumen, die Zusammensetzung und der Blutfluss des mütterlichen Blutes verändern sich.

Der Widerstand in den Blutgefäßen nimmt ab, sodass der Blutdruck im ersten Drittel der Schwangerschaft leicht sinkt. Gegen Ende der Schwangerschaft wird wieder der Normalwert erreicht. Der Puls steigt um etwa zehn Schläge pro Minute an. Das Blutvolumen nimmt bis zum Ende der Schwangerschaft um ca. 40 Prozent zu, und das Fassungsvermögen des Gefäßsystems steigt an. Dies führt insgesamt zu einer verbesserten Durchblutung der Gewebe. Das Herz der Mutter muss mehr Blut durch das Gefäßsystem pumpen und wird dadurch etwas größer.

Um den erhöhten Sauerstoffbedarf abzudecken, steigt zudem die Bildung der roten Blutkörperchen an. Dies führt zu einem erhöhten Eisenbedarf. Wird dieser nicht über die Nahrung ausgeglichen, können die Eisendepots verarmen und zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Auch weiße Blutkörperchen werden in der Schwangerschaft vermehrt gebildet.

Die gesamte Flüssigkeit im Körper einer schwangeren Frau nimmt im Laufe der Schwangerschaft um rund acht Liter zu. Darin sind rund ein bis eineinhalb Liter zusätzliches Blut enthalten, das im Körper zirkuliert und den wachsenden Embryo mitversorgt. In einem späten Schwangerschaftsstadium kann es besonders in der unteren Körperhälfte zu vermehrten Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe kommen. In der Folge können Ödeme entstehen, häufig sind zum Beispiel Knöchelödeme. Bei entsprechender Veranlagung können durch die Umstellungen im Kreislauf der schwangeren Frau auch Venenerkrankungen auftreten. Dazu zählen KrampfadernHämorrhoiden oder in seltenen Fällen Thrombosen.

Wie verändern sich Lunge, Mund, Magen-Darm-Trakt und Nieren?

Lunge: Die Durchblutung der Lunge nimmt in der Schwangerschaft zu, ebenso steigt die Atemtiefe (Atemzugvolumen) an. Mehr als die Hälfte der Frauen leidet während der Schwangerschaft unter leichter Atemnot, insbesondere in der Spätschwangerschaft. Mit zunehmendem Wachstum der Gebärmutter wird das Zwerchfell nach oben gedrückt und die Lunge dadurch komprimiert. Zudem kann auch die vermehrte Belastung des Herzens zu Kurzatmigkeit führen.

Mund: Durch die verstärkte Durchblutung kann es vermehrt zu Zahnfleischbluten bzw. Zahnfleischentzündungen kommen, durch eine veränderte  Speichelbildung mit niedrigerem ph-Wert kann leichter Karies entstehen. Eine gründliche Mund- und Zahnhygiene ist während der Schwangerschaft wichtig, um Zahnschäden vorzubeugen.

Magen-Darm-Trakt: Infolge der hormonellen Umstellungen verliert die Muskulatur im Magen-Darm-Trakt an Beweglichkeit, und es verlangsamt sich die Magenentleerung. Zudem wird der Magen durch die wachsende Gebärmutter verdrängt und etwas verlagert. Sodbrennen und Darmträgheit werden dadurch begünstigt.

Nieren: Auch die Nieren werden in der Schwangerschaft vermehrt durchblutet, was in weiterer Folge zu einer verstärkten Urinbildung führt. Die Schwangere bemerkt dies in Form eines häufigeren Harndranges; wenn die Gebärmutter auf die Blase drückt, wird dieser noch zusätzlich verstärkt. Nierenbecken und Harnleiter sind in der Schwangerschaft physiologisch erweitert, das Risiko für Infektionen (z.B. Harnwegsinfekt, Blasenentzündung) ist dadurch erhöht.

Wie verändern sich Stoffwechsel und Körpergewicht?

Der Körper der schwangeren Frau benötigt für die Wachstumsvorgänge des Embryos und die Neubildung von Gewebe mehr Energie und andere Stoffwechselprodukte. Zu diesem Zweck verändert sich der Stoffwechsel. Die Stoffwechselvorgänge sind in der ersten Schwangerschaftshälfte hauptsächlich für die Neubildung von Fettgewebe verantwortlich, in der zweiten Schwangerschaftshälfte sorgen sie vorwiegend für das Wachstum des Embryos und der Plazenta.

Glukose aus dem Kohlenhydratstoffwechsel ist ein wichtiger Energielieferant und besonders für das Wachstum des Embryos und für die Versorgung der Plazenta von Bedeutung. Daher sinkt mit der zweiten Schwangerschaftshälfte die Insulinsensitivität, d.h. die Körperzellen sprechen schlechter auf Insulin an. So soll sichergestellt werden, dass weniger Glukose in die Zellen aufgenommen wird und mehr für den Embryo zur Verfügung steht. In der Folge muss die Bauchspeicheldrüse der Frau vermehrt Insulin produzieren. Wenn dieser erhöhte Bedarf nicht gedeckt werden kann, steigt der Blutzuckerspiegel kontinuierlich an, und es entsteht Schwangerschaftsdiabetes. Mehr zum Thema: Schwangerschaftsdiabetes

Während der Schwangerschaft bildet der Körper rund 1.000 Gramm Protein (Eiweiß) zusätzlich. Dieses Protein wird vom Embryo, von der Plazenta, der Gebärmutter und dem Brustdrüsengewebe als Baustein benötigt. Auch der Anteil an freien Fettsäuren im Blut nimmt zu.

Für den Aufbau des kindlichen Skelettes und die Neubildung von anderem Gewebe werden zudem verschiedene Elektrolyte und Mineralstoffe benötigt, wie Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium und Zink. Voraussetzung ist eine ausgeglichene Ernährung, die in der Schwangerschaft besonders wichtig ist. Mehr zum Thema: Ernährung in der Schwangerschaft

Durchschnittlich beträgt die Gesamtgewichtszunahme einer Frau während einer Schwangerschaft bis zur Geburt zirka 12,5 kg. Darin ist das Gewicht des Fötus bereits enthalten. Die in der Schwangerschaft gebildeten Fettdepots werden vermehrt als Energielieferanten verwertet. Dadurch steht u.a. mehr Glukose für das Wachstum des Embryos zur Verfügung.

Wie verändert sich die Brust?

Im ersten Schwangerschaftsdrittel beginnt das Drüsengewebe zu wachsen, und die Brust nimmt an Volumen zu. Das verursacht ein Spannungsgefühl in der Brust. Im zweiten Drittel beginnen sich die Drüsenzellen auf die Milchbildung umzustellen. Ein Zusammenspiel von Hormonen verhindert jedoch, dass frühzeitig Milch austritt.  

Wie verändert sich die Gebärmutter?

Kaum ein anderes Organ macht in der Schwangerschaft so große Veränderungen durch wie die Gebärmutter. Um dem ungeborenen Kind Platz zu bieten und es versorgen zu können, muss sich die Größe der Gebärmutter stetig anpassen. Die Muskelschicht der Gebärmutter wächst während der Schwangerschaft um etwa das Zwanzigfache. Auch die Durchblutung verstärkt sich, sie steigt von 50 ml/min außerhalb der Schwangerschaft bis auf etwa 800 ml/min am Geburtstermin an.  Die Muskelzellen der Gebärmutter bereiten sich auf die Kontraktionsarbeit, die sie bei den Wehen leisten müssen, vor. 

Ohne Schwangerschaft wiegt die Gebärmutter rund 50 Gramm und ist etwa fünf bis zehn Zentimeter groß. Am Ende der Schwangerschaft reicht sie bis an den Rippenbogen und hat ein Gewicht von etwa 1.500 Gramm erreicht.

Wie verändern sich Haut, Haare und Nägel?

Während der Schwangerschaft kann die Haut verstärkte Pigmentbildung aufweisen und dadurch dunkler werden. Besonders betroffen sind pigmentreiche Körperstellen wie Brustwarzen, die äußeren Genitalien oder Narben. Es kann eine dunkle Linie am Bauch zwischen Brustbein und Schamfuge entstehen, die als Linea fusca bezeichnet wird. Nach der Geburt bilden sich die Pigmentveränderungen nach mehreren Wochen wieder zurück.

Aufgrund der verstärkten Durchblutung können in der Schwangerschaft zudem sogenannte Spider naevi (kleine, an der Haut sichtbare Gefäßneubildungen) sowie eine flächige Rötung (Erythem) an den Handinnenflächen entstehen. Auch Juckreiz ist in der Schwangerschaft häufig, Ursache ist meist eine trockene Haut bzw. hormonelle Veränderungen. Starker, generalisierter Juckreiz sollte ärztlich abgeklärt werden, da bestimmte Erkrankungen dafür verantwortlich sein können (z.B. Störung der Leber- oder Gallenfunktion).

In den letzten Schwangerschaftswochen können infolge der Hautdehnung am Bauch, an den Hüften oder den Brüsten rötliche Schwangerschaftsstreifen (Striae distensae) auftreten. Nach dem Wochenbett gehen sie deutlich zurück und bekommen eine blasse Färbung.

Haare und Nägel wachsen in der Schwangerschaft schneller als sonst. Viele Frauen bemerken eine verstärkte Behaarung an z.B. Armen, Beinen oder im Schambereich. Die Kopfhaare erscheinen voller und kräftiger.

Wie verändert sich die Psyche?

Eine Schwangerschaft stellt Frauen, ihre Partner und ihr soziales Umfeld vor eine neue Lebenssituation, es ist eine Zeit intensiver Gefühle. Oft erleben Frauen ein Wechselbad von positiven oder negativen Gefühlen wie Freude, Zuversicht, Vertrauen oder Angst, Sorge, Unsicherheit und Zweifel. Im ersten Schwangerschaftsdrittel entwickelt sich das Bewusstsein für die Schwangerschaft mit den körperlichen Veränderungen. In der zweiten Hälfte wird der wachsende Fötus bewusster wahrgenommen. Die Frau spürt die Bewegungen des Kindes, und Ultraschalluntersuchungen liefern ein erstes Bild.

Viele schwangere Frauen entwickeln in der Mitte der Schwangerschaft ein ausgeprägtes Wohlbefinden. In den letzten Wochen vor der Geburt können neuerliche Unsicherheiten und Ängste im Hinblick auf die eigene Gesundheit entstehen und sich unter die Vorfreude auf das Neugeborene mischen. In der Schwangerschaft haben persönliche Beziehungen, die von Zuwendung, Verständnis und Vertrauen getragen sind, eine besondere Bedeutung. Sie helfen der Schwangeren, die psychischen Veränderungen besser zu verarbeiten.

Neben der Unterstützung und Begleitung der Frau durch das persönliche Umfeld ist auch eine vertrauensvolle Beziehung zur betreuenden Ärztin/zum betreuenden Arzt und zur Hebamme für einen guten Verlauf der Schwangerschaft wichtig. 

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