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Weiblicher Körper © apops

Körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft

In der Zeit der Schwangerschaft macht der mütterliche Organismus starke Veränderungen durch. Der Hormonhaushalt, der Stoffwechsel, das Immunsystem und der Körper selbst passen sich den Anforderungen der Schwangerschaft an. Erst dadurch wird das Wachstum des Embryos möglich. Gesteuert werden die Veränderungen über das Hormonsystem, über welches das Ungeborene und die Mutter gleichsam miteinander kommunizieren. Nach der Schwangerschaft stellt sich der mütterliche Organismus wieder um.

Auf die Anpassung des Organismus reagiert jede Frau anders. Auch die Psyche ist von den Veränderungen betroffen. Bei manchen Frauen treten Beschwerden während der Schwangerschaft auf, die teilweise nach kurzer Zeit wieder vergehen oder auch bis zum Ende der Schwangerschaft andauern können. Selten entwickeln sich aufgrund der körperlichen Umstellungen Erkrankungen, die ärztlich behandelt werden müssen.

Veränderungen im Hormonsystem

Bei der Befruchtung werden hormonelle Prozesse in Gang gesetzt, die den Organismus der Frau an die Anforderungen der Schwangerschaft anpassen. Als Erstes wird das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin) gebildet, welches im Blut und Harn nachgewiesen werden kann. Im weiteren Verlauf wird vermehrt Progesteron gebildet, und es kommt zu einer verstärkten Produktion des weiblichen Geschlechtshormons ÖstrogenHormone sorgen unter anderem für die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter. Sie beeinflussen das Immunsystem, damit der entstehende körperfremde Organismus des Embryos nicht abgestoßen wird, und sie steuern die weiteren Wachstumsvorgänge in der Schwangerschaft.  

Veränderungen im Herz-Kreislauf-System

Das Herz-Kreislauf-System reagiert auf das Wachstum des Embryos mit einer Verbesserung der Blutversorgung, besonders im Bereich der Gebärmutter. Der Gefäßwiderstand in den äußeren Gefäßen nimmt ab, sodass der Blutdruck im ersten Drittel der Schwangerschaft leicht sinkt. Ein um etwa zehn Schläge pro Minute erhöhter Puls bewirkt eine Verbesserung der Durchblutung. Diese Veränderungen im Kreislaufsystem unterstützen die Versorgung des Embryos mit Sauerstoff und Energiestoffen. Gegen Ende der Schwangerschaft normalisiert sich der Blutdruck wieder.

Die gesamte Flüssigkeit im Körper einer schwangeren Frau nimmt um rund acht Liter zu. Darin ist rund ein bis eineinhalb Liter zusätzliches Blut enthalten, das im Körper zirkuliert und den wachsenden Embryo mitversorgt. Das Herz der Mutter muss also mehr Blut durch das Gefäßsystem pumpen und wird dadurch etwas größer. Das Fassungsvermögen des Gefäßsystems steigt insgesamt.

In einem späten Schwangerschaftsstadium kann es besonders in der unteren Körperhälfte zu vermehrten Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe kommen. Als eine Folge können Ödeme entstehen, die anschließend wieder verschwinden und meistens keine Erkrankung bilden. Häufig sind zum Beispiel Knöchelödeme. Bei entsprechender Veranlagung können durch die Umstellungen im Kreislauf der schwangeren Frau auch Venenerkrankungen auftreten. Dazu zählen KrampfadernHämorrhoiden oder in seltenen Fällen Thrombosen.

Veränderungen in Lunge, Mund und Magen-Darm-Trakt

Lunge: Besonders in der Spätschwangerschaft werden Teile der Lunge durch das Wachstum des Embryos zusammengedrückt. Mehr als die Hälfte der Frauen leidet während der Schwangerschaft unter leichter Atemnot.

Mund: Durch verstärkte Durchblutung kann es vermehrt zu Zahnfleischbluten kommen, durch vermehrte Speichelbildung mit niedrigerem ph-Wert kann leichte Karies entstehen. Eine gründliche Mund- und Zahnhygiene ist während der Schwangerschaft wichtig, um Zahnschäden vorzubeugen.

Magen-Darm-Trakt: Infolge der hormonellen Umstellungen verliert die Muskulatur im Magen-Darm-Trakt an Beweglichkeit, und es verlangsamt sich die Magenentleerung. Das kann Sodbrennen und Darmträgheit begünstigen.

Veränderungen von Stoffwechsel und Gewicht

Der Körper der schwangeren Frau benötigt für die Wachstumsvorgänge des Embryos und die Neubildung von Gewebe mehr Energie und andere Stoffwechselprodukte. Zu diesem Zweck verändert sich der Stoffwechsel. Die Stoffwechselvorgänge sind in der ersten Schwangerschaftshälfte hauptsächlich für die Neubildung von Fettgewebe verantwortlich, in der zweiten Schwangerschaftshälfte sorgen sie vorwiegend für das Wachstum des Embryos und der Plazenta. Durchschnittlich beträgt die Gesamtgewichtszunahme einer Frau während einer Schwangerschaft bis zur Geburt zirka 12,5kg. Darin ist das Gewicht des Fötus bereits enthalten.

Glukose aus dem Kohlehydratstoffwechsel ist ein wichtiger Energielieferant und besonders für das Wachstum des Embryos und für die Versorgung der Plazenta von Bedeutung. Aufgrund der hormonellen Umstellung tritt in der Frühschwangerschaft eine erhöhte Insulinempfindlichkeit mit gleichzeitig höherer Insulinproduktion auf. In der Frühschwangerschaft sinkt aufgrund des höheren Verbrauchs der Nüchternblutzucker und erreicht im zweiten Schwangerschaftsdrittel seinen niedrigsten Wert. Mit fortschreitender Schwangerschaft entwickelt sich eine zunehmende Unempfindlichkeit gegenüber Insulin. Dadurch kann zu Schwangerschaftsdiabetes führen.

Während der Schwangerschaft bildet der Körper rund 1.000g Protein (Eiweiß) zusätzlich. Dieses Protein wird vom Embryo, von der Plazenta, der Gebärmutter, dem Brustdrüsengewebe und als Blutbestandteil benötigt. Der Anteil von freien Fettsäuren im Blut nimmt zu. Die in der Schwangerschaft gebildeten Fettdepots werden vermehrt als Energielieferanten verwertet. Dadurch steht mehr Glukose für das Wachstum des Embryos zur Verfügung.

Der Körper wird während der Schwangerschaft durch den Elektrolytstoffwechsel ausreichend mit Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium und Zink versorgt. Voraussetzung ist eine ausgeglichene Ernährung. Die Neubildung von mütterlichem und fetalem Gewebe belastet den Eisenstoffwechsel. Dadurch können in der Schwangerschaft die körperlichen Eisendepots verarmen. Aufgrund der zentralen Bedeutung von Eisen für die Bildung der roten Blutkörperchen kann der Eisenmangel zu einer Blutarmut (Anämie) führen.

Veränderungen der Brust

Im ersten Schwangerschaftsdrittel beginnt das Drüsengewebe zu wachsen, und die Brust nimmt an Volumen zu. Das verursacht ein Spannungsgefühl in der Brust. Im zweiten Drittel beginnen sich die Drüsenzellen auf die Milchbildung umzustellen. Hormone verhindern jedoch, dass frühzeitig Milch austritt.  

Wachstum der Gebärmutter

Die Muskelschicht der Gebärmutter wächst während der Schwangerschaft um etwa das Zwanzigfache. Die Durchblutung verstärkt sich um das Hundertfache. Die Muskelzellen der Gebärmutter stellen sich auf die Kontraktionsarbeit, die sie bei den Wehen leisten
müssen, um.   

Veränderungen der Haut

Während der Schwangerschaft kann die Haut verstärkte Pigmentbildung aufweisen und dadurch dunkler werden. Besonders betroffen können pigmentreiche Körperstellen wie Brustwarzen, die äußeren Genitalien oder Narben sein. Es kann eine dunkle Linie am Bauch zwischen Brustbein und Schamfuge entstehen, die als Linea fusca bezeichnet wird. Nach der Geburt bilden sich die Pigmentveränderungen nach mehreren Wochen wieder zurück.

In den letzten Schwangerschaftswochen können infolge der Hautdehnung am Bauch, an den Hüften oder den Brüsten rötliche Schwangerschaftsstreifen auftreten. Nach dem Wochenbett gehen sie deutlich zurück und bekommen eine blasse Färbung.

Veränderungen der Psyche

Eine Schwangerschaft stellt Frauen, ihre Partner und ihr soziales Umfeld vor eine neue Lebenssituation, die von der Psyche verarbeitet werden muss. Die Schwangerschaft ist eine Zeit intensiver Gefühle. Oft erleben Frauen ein Wechselbad von positiven oder negativen Gefühlen wie Freude, Zuversicht, Vertrauen oder Angst, Unsicherheit und Zweifel. Im ersten Schwangerschaftsdrittel entwickelt sich das Bewusstsein für die Schwangerschaft mit den körperlichen Veränderungen. In der zweiten Hälfte wird der wachsende Fetus bewusster wahrgenommen. Die Frau spürt die Bewegungen des Kindes, und Ultraschalluntersuchungen liefern ein erstes Bild.

Viele schwangere Frauen entwickeln in der Mitte der Schwangerschaft ein ausgeprägtes Wohlbefinden. In den letzten Wochen vor der Geburt können neuerliche Unsicherheiten und Ängste im Hinblick auf die eigene Gesundheit entstehen und sich unter die Vorfreude auf das Neugeborene mischen. In der Schwangerschaft haben persönliche Beziehungen, die von Zuwendung, Verständnis und Vertrauen getragen sind, eine besondere Bedeutung. Sie helfen der schwangeren Frau, die psychischen Veränderungen besser zu verarbeiten.

Neben der Unterstützung und Begleitung der Frau durch den Partner und das persönliche Umfeld ist eine vertrauensvolle Beziehung zur betreuenden Ärztin oder zum betreuenden Arzt und zur Hebamme für einen guten Verlauf der Schwangerschaft wichtig. 


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