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Neugeborenes nach einem Kaiserschnitt © GordonGrand

Geburtskomplikationen

Die Geburt ist ein natürlicher Vorgang, der in den meisten Fällen ohne Probleme abläuft. Trotzdem bleibt – auch nach einem normalen Schwangerschaftsverlauf – ein  "Restrisiko" für spontan und unerwartet auftretende Komplikationen. Die Medizin spricht in diesen Fällen von einer regelwidrigen Geburt. Im Folgenden sind häufige Gründe für einen regelwidrigen Geburtsverlauf genannt. Zu den häufigsten Komplikationen zählen u.a. Nabelschnurkomplikationen, Anomalien der Plazenta, Lageanomalien sowie eine Störung der Wehentätigkeit . . .

Komplikationen der Nabelschnur

Vorliegen der Nabelschnur

Von einem Vorliegen der Nabelschnur spricht man, wenn bereits während der Schwangerschaft die Nabelschnur vor der Geburtsöffnung liegt. Solange die Fruchtblase nicht geplatzt ist, kann die Mutter durch Hochlagern des Beckens eine Veränderung der Lage des Kindes und der Nabelschnur unterstützen. Dadurch kann die Nabelschnurvorlage korrigiert werden, und eine normale Geburt ist möglich. Gelingt das nicht, muss ein Kaiserschnitt durchgeführt werden.

Hinweis Vom Vorliegen der Nabelschnur wird in der Medizin gesprochen, solange die Fruchtblase intakt ist. Vom Vorfall der Nabelschnur, wenn die Fruchtblase bereits geplatzt ist.

Nabelschnurvorfall

Bei einem Nabelschnurvorfall kommt die Nabelschnur zwischen Kind und Geburtskanal zu liegen. Es besteht die Gefahr, dass beim Eintritt des Kindes in den Geburtskanal die Nabelschnur abgeklemmt wird und das Kind dadurch zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe bekommt. Als Notfallmaßnahme muss sofort ein Kaiserschnitt durchgeführt werden.

Um die Nabelschnur bis zum Operationsbeginn zu entlasten, wird das mütterliche Becken hochgelagert und der vorangehende Teil des Kindes samt Nabelschnur mit einer Hand über den Beckeneingang nach oben gedrängt. Es wird ein wehenhemmendes Mittel verabreicht, damit der kindliche Kopf nicht die Nabelschnur durch die Wehen gegen die Beckenwand drückt und dadurch die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinträchtigt wird.

Nabelschnurumschlingung

Durch die Kindsbewegungen während der Schwangerschaft wickelt sich manchmal die Nabelschnur um Teile des kindlichen Körpers. Tritt das Kind aber während der Geburt im Geburtskanal tiefer, kann ein Zug an der Nabelschnur entstehen, der die Gefäße abdrückt. Dadurch kann es zu einem Sauerstoffmangel kommen. Eine lange Nabelschnur oder vermehrtes Fruchtwasser (Polyhydramnion) begünstigen die Entstehung einer Nabelschnurumschlingung.

Anomalien der Plazenta

Vorzeitige Plazentaablösung

Bei dieser sehr seltenen, aber gefährlichen Schwangerschaftskomplikation löst sich ein Teil der Plazenta vorzeitig von der Gebärmutter ab. Es besteht die akute Gefahr, dass das Kind einen lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel und die Mutter einen hohen Blutverlust erleidet. Anzeichen sind plötzlich auftretende Schmerzen im Unterbauch, Blutungen, Schwindel, Atemnot oder ein Angstgefühl. Bei einer vorzeitigen Plazentaablösung wird das Kind mittels Kaiserschnitt entbunden.

Plazenta praevia (Tiefsitzen des Mutterkuchens)

Der Mutterkuchen (Plazenta) kann in seltenen Fällen während der Schwangerschaft so wachsen, dass er den Geburtskanal verlegt. Die Fehllage der Plazenta kann unterschiedlich ausgeprägt sein – je nachdem, ob der Mutterkuchen nur den Rand des Gebärmutterhalses, einen Teil davon oder die ganze Öffnung des Gebärmutterhalses bedeckt.

Das häufigste Anzeichen ist eine schmerzlose Blutung, die ab dem fünften Schwangerschaftsmonat auftreten kann. Als gefährliche Komplikation kann es vor oder während der Geburt zu einer Plazentaablösung kommen. Bei einem vollständigen oder teilweisen Vorliegen des Mutterkuchens muss das Kind mit einem Kaiserschnitt entbunden werden. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann die Lage der Plazenta erkannt werden. Ein Risikofaktor die Plazenta praevia sind vorausgegangene Kaiserschnitte.

Plazentainsuffizienz

Von einer Plazentainsuffizienz spricht man, wenn der Mutterkuchen (Plazenta) das Kind nicht mehr ausreichend versorgen kann. Dadurch sind die Nährstoff- und Sauerstoffver-sorgung des Kindes sowie die Hormonproduktion der Plazenta verringert. 
Eine Plazentainsuffizienz ist gehäuft bei Mehrlingsschwangerschaften, Gestosen(schwangerschaftsbedingte Krankheiten) oder Diabetes der Mutter zu beobachten. Auch rauchende Frauen haben ein erhöhtes Risiko, eine Plazentainsuffizienz zu erleiden. Man unterscheidet zwei Formen: 

  • Akute Plazentainsuffizienz: Dabei handelt es sich um einen Notfall, bei dem ein akuter Sauerstoffmangel des Kindes entsteht. Es muss sofort entbunden werden: Entweder wird die Geburt eingeleitet oder ein Kaiserschnitt vorgenommen.
  • Chronische Plazentainsuffizienz: Die chronische Plazentainsuffizienz verursacht der Mutter keine Beschwerden oder Symptome. Meistens wird sie bei Ultraschalluntersuchungen bei den Vorsorgeuntersuchungen dadurch entdeckt, dass das Kind ein vermindertes Wachstum zeigt.

Um sicherzugehen, dass das Kind ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, wird ein CTG (Cardiotokografie) durchgeführt. Zeigt sich dabei eine verdächtige Herzfrequenz des Kindes, muss von einer Sauerstoffunterversorgung ausgegangen werden. Bei der chronischen Form der Plazentainsuffizienz sollte die Grundstörung (z.B. erhöhter Blutdruck) beseitigt werden. 

Lageanomalien

Bei der natürlichen Geburt werden zuerst der Kopf des Kindes und zuletzt die Beine entbunden. Dabei liegt das Kind mit dem Kopf nach „unten“ und dem Gesicht zum Rücken der Mutter. In der Medizin spricht man von einer Schädellage, die bei etwa 95 Prozent aller Geburten der Fall ist. Neben dieser Geburtslage können Kinder auch andere Positionen einnehmen. Dazu zählen vor allem die Beckenendlage, Quer- oder Schräglage. Diese Positionen werden als Lageanomalien bezeichnet.

Beckenendlage

Bei der Beckenendlage liegt das Kind „anders“, also mit dem Kopf nach oben und dem Po, Steiß oder den Füßen nach unten in der Fruchtblase. Die häufigste Beckenendlage ist die reine Steißlage. Bei Entbindungen aus Beckenendlage muss mit der Entbindungsklinik besprochen werden, welcher Entbindungsmodus in der vorliegenen Situation gewählt werden sollte, und ob die Klinik ausreichend Erfahrung mit vaginalen Beckenendlagengeburten hat

Viele Kliniken empfehlen bei Beckenendlage eine äußere Wenung am Ende der Schwangerschaft. Dabei wird versucht, das Kind durch äußere Handgriffe zu wenden, das heißt, eine Beckenendlage in eine Schädellage umzuwandeln. Voraussetzungen sind, dass genug Bewegungsfreiheit in der Gebärmutter (Uterus) vorhanden (genug Fruchtwasser, normalgewichtiges Kind) und das Kind reif ist (nach Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche). Während des Wendeversuchs werden die kindlichen Herztöne überwacht, und die Möglichkeit zum Akutkaiserschnitt muss bestehen. Eine äußere Wendung gelingt etwa in 60 Prozent der Fälle.

Querlage

Von einer Querlage sprechen Ärztinnen und Ärzte bzw. Hebammen, wenn das Kind quer zum Becken der Mutter liegt (ein Prozent der Schwangerschaften). Treten Wehen auf, so stellt sich immer die Schulter in den Beckeneingang ein. Der Kopf steht über der einen, der Steiß über der anderen Beckenschaufel. Die Geburt eines Kindes aus der Querlage ist nicht möglich. Querlagen sind immer mit geplantem Kaiserschnitt zu entbinden.

Störungen der Wehentätigkeit

Wehenschwäche

Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Wehenschwäche, wenn die Wehen zu schwach, zu kurz oder zu selten sind, damit eine Geburt fortschreiten kann. Aber nicht jedes Nachlassen der Wehen ist gleichbedeutend mit einer Wehenschwäche. Wichtig für die Beurteilung einer Wehenschwäche ist, ob die Fruchtblase noch intakt oder bereits geplatzt ist. Solange die Fruchtblase noch intakt ist, ist eine Wehenschwäche ganz normal. In der Praxis unterscheidet man zwischen einer primären und sekundären Wehenschwäche.

  • Primäre Wehenschwäche Eine mangelhafte Wehentätigkeit besteht von Geburtsbeginn an. Die Wehen sind von vornherein zu selten, zu schwach und zu kurz. Die Geburt kommt nicht wirklich in Gang.
  • Sekundäre Wehenschwäche Die Wehen lassen im Verlauf der Geburt nach. Die Ursache dafür liegt in der Ermüdung der Gebärmutter- und Bauchmuskulatur, ausgelöst durch die schon vorangegangene Geburtsarbeit. Ärztinnen oder Ärzte sprechen auch von Ermüdungswehen.
Bei jeder Wehenschwäche kontrolliert die Hebamme bzw. die Ärztin oder der Arzt, ob die Harnblase leer ist, da eine volle Harnblase die Wehen hemmt. Auch ein warmes Bad kann helfen, die Wehentätigkeit anzuregen. Kommen die Wehen trotzdem nicht oder nicht genügend in Gang, so wird eine medikamentöse Behandlung (meistens eine Infusion) vorgenommen.

Hinweis Bei anhaltender Wehenschwäche in der Austreibungsphase kann eine Saugglocken- oder (seltener) eine Zangenentbindung, in der Eröffnungsphase ein Kaiserschnitt notwendig werden.

Wehensturm

Beim Wehensturm sind die Wehen zu stark und kommen in zu kurzen Abständen. Es besteht die Gefahr, dass das Kind mit den Wehen überfordert ist. Ursachen können eine zu hohe Oxytocinausschüttung der Mutter, ein Missverhältnis zwischen der Größe des Kindes und des mütterlichen Beckens oder eine geburtsunmögliche Lage des Kindes (z.B. Querlage), oder aber eine Überdosierung eines verabreichten Wehenmittels sein.

Die Gebärende hat auch während der Wehenpausen krampfhafte Schmerzen (Dauerkontraktionen). Um die Wehentätigkeit zu reduzieren, kann ein wehenhemmendes Mittel verabreicht werden. Sind die Wehen zu stark und zu schmerzvoll, kann mithilfe einer Periduralanästhesie (PDA) der Wehenschmerz reduziert werden, damit sich die Gebärende entspannt.

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