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Trainer und Frau mit Langhantel © Westend61

„Sportsucht“: Zwanghaftes Sporttreiben

Sie zeigen dem „inneren Schweinhund“ die kalte Schulter und trainieren frühmorgens, mitten in der Nacht oder sogar heimlich. Sport und Bewegung sind Fixstarter in ihrem Leben und haben einen besonders hohen Stellenwert. Von vielen bewundert aufgrund ihrer eisernen Disziplin, ist für Außenstehende nur schwer wahrzunehmen, dass sie der Sport vollkommen kontrolliert und nicht umgekehrt.

Mitunter werden täglich mehrere Stunden trainiert, und das, obwohl alles nur ein Hobby ist. Entgegen dem äußeren Anschein nicht immer mit Spaß und Freude an der Bewegung. Häufig dominiert ein innerer Zwang, der nach einer stetigen Dosis verlangt, um sich wieder wohlzufühlen. Von „Sportsucht“ Betroffene können von Bewegung einfach nicht genug bekommen, alles andere hat Nachrang ­– auch das wichtige Trainingsgerät, der eigene Körper.

„Sportsucht“ – was ist das?

Keine Angst: Nicht jeder, der gerne viel und intensiv trainiert, ist zwangsläufig abhängig von Sport. Sehr viele Menschen haben ein hohes Bedürfnis nach Sport, sind aber deswegen nicht abhängig – nur ein sehr geringer Anteil kann als „sportsüchtig“ bezeichnet werden. Menschen, die regelmäßig und leidenschaftlich Sport betreiben, haben – als Basis und Voraussetzung hierfür – generell eine hohe Bindung bzw. Selbstverpflichtung an den Sport. Es handelt sich allerdings um keine Abhängigkeit.

Hinweis Menschen, die gerne viel und intensiv trainieren, haben eine hohe Bindung an den Sport, sind dadurch aber nicht abhängig von Sport. „Sportsucht“ betrifft nur einen sehr geringen Anteil.

Dass Bewegung und Sport gesundheitsförderlich sind, ist unumstritten. Bei „Sportsucht“ werden diese Grenzen allerdings deutlich überschritten. Zwanghaftes Sporttreiben kann als Verhaltensauffälligkeit beschrieben werden, unter der Sport missbräuchlich verwendet wird. Auch bei Krankheit, Schmerzen oder Verletzungen wird das Training ohne Kompromiss „durchgezogen“, mitunter mit schweren gesundheitlichen Folgen.

Anzutreffen sind „Sportsüchtige“ eher im Freizeit- und Breitensport, vermehrt im Ausdauerbereich. Häufig beschrieben wird insbesondere die Laufsucht („running addiction“, „obligatory runners“). Ein auffälliges Sportverhalten kann jedoch in allen Sportdisziplinen auftreten, im Fitness- und Funsport ebenso wie beim Krafttraining.

Andere Bezeichnungen für die „Sportsucht“ sind pathologisches bzw. zwanghaftes Sporttreiben oder bewegungsbezogene Abhängigkeit. Zusammen mit anderen substanzungebundenen Süchten wie z.B. der Kauf-, Arbeits- oder Sexsucht zählt die „Sportsucht“ zu den Verhaltenssüchten.

Hinweis Bei der „Sportsucht“ handelt es sich um eine Verhaltenssucht. Es existiert keine offizielle Definition, auch gibt es keine anerkannte Krankheitsdiagnose entsprechend der ICD-10-Kriterien.

Wann wird das Sportausmaß bedenklich?

Eine wesentliche Ausprägung der „Sportsucht“ besteht darin, dass der Drang nach Bewegung nicht mehr selbst kontrolliert werden kann. Der Sport wird zum zentralen Lebensinhalt. Wird gerade nicht trainiert, dreht sich dennoch alles um den Sport. Das Training wird genauestens geplant und dokumentiert, Sportvorhaben werden organisiert und Ausrüstungen wie Schuhe, Shirts etc. angehäuft.

Kommt einer geplanten Einheit etwas dazwischen, kann es zu Entzugssymptomen wie z.B. Schuldgefühlen oder Gereiztheit kommen. Die/der „Sportsüchtige“ kann keinen Kompromiss eingehen und muss das Hobby auf Kosten vieler anderer Aktivitäten ausleben. Da sich das Trainingspensum nach und nach ausweitet, werden Familie, Freunde und soziale Kontakte vernachlässigt, mitunter sogar der Beruf.

Motive und Erklärungsmuster

Die genauen Abläufe und Erklärungsmuster der „Sportsucht“ sind Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, vieles ist noch unerforscht. Nach wie vor werden unterschiedliche Mechanismen diskutiert.

Möglicherweise tragen körpereigene Glückshormone zur Entwicklung einer Abhängigkeit bei. Das Belohnungssystem im Gehirn gewöhnt sich an den Sport und verlangt nach immer mehr. Ähnlich einer Drogensucht muss die Dosis nach und nach gesteigert werden, um ein „High“ zu erleben.

Die Motivstruktur ist vermutlich vielschichtig: Ein mögliches Motiv der „Sportsucht“ könnte das Streben nach einem perfekten Körper sein. Diskutiert wird zudem das Motiv der Realitätsflucht, bei der das Absinken in den Sport dem Vergessen des Alltags dient. Ein weiterer Erklärungsansatz nennt mögliche Selbstwertdefizite, bei denen Sport als Kompensation von Frustration oder Misserfolgen sowie zur Steigerung des Selbstbewusstseins dient.

Test: Bin ich sportsuchtgefährdet?

Ein auf neun Aussagen basierender Fragebogen gibt Aufschluss, ob eine Neigung zur „Sportsucht“ erkennbar ist. Dieser Risikotest dient lediglich zur ersten Orientierung, ob eine mögliche Gefährdung gegeben ist – keineswegs zur Selbstdiagnose!

Wie sehr treffen folgende Aussagen auf Sie zu?

Aussage trifft vollständig zu trifft etwas zu trifft nicht zu
Wenn es um Sport geht, sind mir Familie und Freunde oft egal.      
Wenn ich zwei Tage nicht trainieren kann, fühle ich mich unwohl.      
Manchmal bin ich richtig süchtig nach Training.      
Wenn ich nicht trainieren kann, habe ich Entzugserscheinungen.      
Einen Tag keinen Sport zu treiben ist unvorstellbar.      
Ich treibe auch dann Sport, wenn ich krank bin.      
Sport ist mein erster Lebensinhalt.      
Ich treibe Sport, auch wenn es keinen Spaß macht.      
Manchmal verheimliche ich gegenüber anderen, dass ich so viel Sport treibe.      
Quelle: Sportsucht-Risikotest zur Verfügung gestellt von Universität Bielefeld, Deutschland (Pro Ment Center, Prof. Dr. Schack).

Addieren Sie die Summe der Antwortpunkte (trifft nicht zu: 1 Punkt, trifft etwas zu: 2 Punkte, trifft vollständig zu: 3 Punkte), und bewerten Sie Ihr Ergebnis nach folgendem Schema:
  • bis 10 Punkte: keine Sportsucht
  • 11 bis 18 Punkte: hohe Bindung an den Sport
  • 19 bis 22 Punkte: geringe Neigung zur Sportsucht
  • 23 bis 27 Punkte: stark gefährdet für Sportsucht

Magersucht und Sport („Anorexia athletica“)

Von der „Sportsucht“ abzugrenzen ist eine besondere Form der Magersucht, die Anorexia athletica („Sportmagersucht“). Darunter versteht man krankhaftes Untergewicht, das u.a. im Leistungssport beobachtet wird. Das Untergewicht ist einerseits Folge des hohen Ausmaßes an Bewegung und einer nicht ausreichenden Energiezufuhr über die Nahrung. Andererseits wird das Untergewicht bewusst in Kauf genommen, um eine bessere Leistung oder Klasse zu erreichen. Beobachtet wird Anorexia athletica vor allem in Sportarten, bei denen das Körpergewicht eine wesentliche Rolle spielt, wie z.B. Judo, Skispringen, Ballett, Rudern.

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