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Symbolbild für Einkaufen © ChenPG

Verhaltenssüchte: Sexsucht, Spielsucht & Co.

Der Übergang von einem gesunden zu einem krankhaften, suchtartigen Verhalten erfolgt häufig fließend. Ergebnisse der Suchtforschung belegen, dass sowohl bei substanzgebundenen als auch bei substanzungebundenen Abhängigkeitserkrankungen die Entstehung und Aufrechterhaltung des süchtigen Verhaltens in denselben zentralnervösen Mechanismen verankert sind . . .

Kennzeichen einer Verhaltenssucht

Betroffene erfahren, dass sie mit bestimmten Verhaltensweisen oder Gebrauchsmustern schnell und effektiv Gefühle im Zusammenhang mit Frustrationen, Unsicherheiten und Ängsten regulieren bzw. verdrängen können. Im Laufe der Suchtentwicklung rückt das exzessive Verhalten zunehmend in den Lebensmittelpunkt und wird unkontrollierbar. Alternative Verhaltensmuster bzw. angemessene Stressverarbeitungsstrategien für kritische oder als Stress erlebte Lebenssituationen werden – wie bei anderen Suchterkrankungen auch – nicht entwickelt, sondern treten in den Hintergrund und werden verlernt. Die Aufmerksamkeit fokussiert sich auf den nächsten „Rauschzustand“. Soziale Beziehungen, Interessen und andere Bezugspunkte des Lebens reduzieren sich, die Arbeitsleistung sinkt, die Betroffenen können verwahrlosen. Die Folgen der Sucht sind seelische, körperliche sowie finanzielle Probleme.

Folgende Kriterien lassen sich für die Diagnostik einer Verhaltenssucht formulieren:

  • Auffälliges Verhalten über einen längeren Zeitraum: Betroffene verhalten sich mind. zwölf Monate in einer exzessiven, von der Norm und über das Maß hinaus (z.B. Häufigkeit) abweichenden Form.
  • Kontrollverlust: Es ist keine Kontrolle hinsichtlich der Dauer, Häufigkeit, Intensität und des Risikos möglich.
  • Toleranzentwicklung: Das Suchtverhalten muss häufiger und intensiver durchgeführt werden, um den gewünschten Effekt zu erhalten.
  • Unwiderstehliches Verlangen: Es besteht ein unbedingter Drang, das Verhalten ausüben zu wollen/zu müssen.
  • Die Sucht im Mittelpunkt der Gedanken: Betroffene beschäftigen sich ständig gedanklich mit der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung und den erwarteten Folgen des exzessiven Verhaltens.
  • Eingeengtes Verhaltensmuster: Das exzessive Suchtverhalten dominiert das Denken, Fühlen und Verhalten.
  • Psychische und körperliche Entzugserscheinungen: Bei Reduktion oder Verhinderung des exzessiven Verhaltens kommt es zu Symptomen.
  • Aufrechterhaltung des Suchtverhaltens trotz schädlicher Folgen: Die Ausübung des Suchtverhaltens wird trotz negativer gesundheitlicher, beruflicher und sozialer Folgen in inadäquatem Ausmaß aufrecht erhalten.
  • Belohnung: Das exzessive Verhalten wird (anfänglich) als unmittelbar belohnend empfunden.
  • Emotions- und stressregulierende Funktion: Das Verhalten wird vorrangig eingesetzt, um die Stimmung/Gefühle zu regulieren oder Stresserleben zu reduzieren.
  • Irrationale, verzerrte Wahrnehmung: Das exzessive Verhalten wird bezüglich verschiedener Bereiche nicht in realistischem Ausmaß wahrgenommen.
  • Leidensdruck: Betroffene leiden unter der Sucht.

 (Merkmale der Verhaltenssucht nach Grüsser & C.N. Thalemann 2006)

Doch es gibt Wege aus der Suchtfalle – zum Beispiel die Behandlung mittels Psychotherapie. Dabei ist jedoch die Einsicht, dass ein suchtartiges Verhalten vorliegt, wesentlich. Auch der Wille, die Suchterkrankung zu bekämpfen, muss vorhanden sein. Aus eigener Kraft Hilfe zu suchen, schaffen nicht viele. Vor diesem Hintergrund sind auch Angehörige bzw. das soziale Umfeld gefordert, sich selbst Hilfe und Unterstützung zu suchen und den Kontakt zu Ansprechstellen zu knüpfen.

Wie kommt es zu Shopping-Sucht & Co.?

Die Entstehungsfaktoren sind – wie bei anderen Süchten – vielfältig. Dabei spielen Einflüsse aus der Kindheit, Erbanlagen, das soziale Umfeld, Persönlichkeitsmerkmale (z.B. geringer Selbstwert) sowie psychische Erkrankungen oder aktuelle bzw. chronische Belastungssituationen eine Rolle. Das suchtartige Verhalten erscheint zunächst oft als erfolgreiche Strategie mit negativen Gefühlen, Problemen oder innere Leere umzugehen, sie zu betäuben bzw. nicht wahrzunehmen. Zudem leiden Suchtkranke im Laufe der Krankheitsentwicklung zunehmend unter starken Schuld- und Schamgefühlen.

Kontrollverlust und seine Folgen

Ob es sich um exzessiven Internet-Konsum oder Shopping-Rausch handelt – für Verhaltenssüchte ist oft charakteristisch: Betroffene verlieren die Kontrolle über das jeweilige Verhalten und setzen es trotz schädlicher Folgen fort. Gleichzeitig nimmt das Verhalten eine übergeordnet wichtige Rolle im Leben der Betroffenen ein. Die dabei auftretenden schädlichen Konsequenzen und Schwierigkeiten betreffen meist nicht nur Süchtige selbst, sondern auch ihr Umfeld, z.B. bei finanziellen oder partnerschaftlichen Problemen.
Bis auf pathologisches Spielen werden nichtsubstanzgebundene Süchte bzw. Verhaltenssüchte als abnorme Gewohnheiten und Störung der Impulskontrolle in der ICD-Diagnostik klassifiziert.

Pathologisches Spielen

Wenn Glücksspielen keine reine Unterhaltung mehr ist, die ab und zu stattfindet, könnte sich eine Spielsucht dahinter verbergen. Pathologische Spieler stellen das Zocken in den Mittelpunkt ihres Lebens. Dies bleibt nicht ohne finanzielle Folgen – auch für das soziale Umfeld wie z.B. die Familie. Nähere Informationen finden Sie unter Glücksspielsucht: Was ist das?  und Glücksspielsucht: Diagnose & Therapie.

Sexsucht

Pathologisch exzessives sexuelles Verhalten, die Sexsucht, ist durch gesteigertes sexuelles Verlangen, häufig wechselnden Sexualpartnern und exzessivem Pornographie- bzw. Mediengebrauch gekennzeichnet. Dieses Verhalten geht mit dem Herbeiführen von Situationen mit potenzieller Selbst- bzw. Fremdgefährdung sowie mit finanziellen, beruflichen und sozialen Problemen einher. Die Betroffenen verlieren zunehmend die Kontrolle über ihr sexuelles Verhalten und den daraus entstehenden, sich vermehrenden negativen Folgen. Sie empfinden durch ihre sexuelle Aktivität immer weniger physische und psychische Befriedigung und fühlen sich aufgrund der erlebten Unkontrollierbarkeit oft hilflos und minderwertig. 

Vor diesem Hintergrund bringt eine Sexsucht auch partnerschaftliche Probleme mit sich. Zudem kann das Sexualverhalten sehr risikoreich sein – sofern es ungeschützt erfolgt – und zu sexuell übertragbaren Krankheiten führen. Sexualtherapie und Psychotherapie können Abhilfe schaffen. Nähere Informationen finden Sie unter Sexsucht.

Kaufsucht

Kaufsucht ist das episodisch auftretende, zwanghafte Kaufen von Konsumgütern oder von Dienstleistungen. Wer der Shopping-Sucht verfallen ist, geht nicht einfach nur oft und viel einkaufen. Kaufsüchtige sind von einem starken Drang bestimmt, einkaufen zu müssen. Dabei sind die Einkäufe scheinbar oft ohne Sinn und Zweck. Betroffene sind von einem „Suchterleben" abhängig, das durch die Tätigkeit des Kaufens hervorgerufen wird. Dieses empfundene Suchterleben zeigt sich beispielsweise in Anregung, Beruhigung, aber auch Anerkennung, Bestätigung und Aufmerksamkeit. Es geht nicht darum, ob die Konsumgüter wirklich gebraucht werden, es geht um den Akt des Kaufens und die damit verbundenen Emotionen.

Der Weg in die Schuldenfalle sowie Probleme im sozialen Umfeld kennzeichnen mitunter dieses Suchtverhalten. Ratenkäufe sowie Kreditkarten erleichtern den Shopping-Exzess. Frauen sind im Allgemeinen häufiger betroffen als Männer. Neben einer psychotherapeutischen Behandlung ist es wichtig, die finanzielle Situation bzw. eine mögliche Verschuldung wieder in den Griff zu bekommen. Nähere Informationen zu Schuldnerberatung & Co. finden Sie unter Finanzielle Probleme & Gesundheit.

Mediensucht

Heutzutage ist der Umgang mit digitalen Medien nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Der Begriff Mediensucht ist ein Sammelbegriff und beschreibt suchtartige Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Gebrauch digitaler Medien (Smartphones, Computer/Laptops, Tablets, Spielkonsolen, dem Internet mit seinen Anwendungen). Dabei ist die Zeit, die man mit dem Smartphone, dem Laptop oder Fernseher etc. verbringt nicht primär entscheidend, sondern die Funktion bzw. dysfunktionale (unzweckmäßige) Problemlösungsstrategie des jeweiligen Mediennutzungsverhaltens. Es ist wesentlich, die verschiedenen medienbezogenen Verhaltensweisen und Inhalte zu unterscheiden (Online-Pornographie, Online-Glücksspiele, Soziale Netzwerke, Computerspiele, Online-Recherche, Online-Shopping etc.), da sie unterschiedlich hohes Suchtpotenzial aufweisen.
Durch einen übermäßigen Medienkonsum (z.B. das lange und häufige Sitzen) kann es auch zu akuten oder chronischen körperlichen Erkrankungen kommen – etwa Übergewicht (Adipositas), Schmerzen des Bewegungsapparats oder Sehstörungen. Informationen zu Internet-Sucht bei Jugendlichen finden Sie unter Neue Medien & Jugendliche.

Ess- und Magersucht

Wenn das Thema Essen den Alltag bestimmt und große Gewichtsveränderungen auftreten, könnte sich eine Essstörung dahinter verbergen. Kommt es zu Adipositas oder Mangelernährung, sind damit erhebliche körperliche Gesundheitsrisiken verbunden. Der seelische Leidensdruck über körperliche Veränderungen ist meist sehr hoch. Nähere Informationen finden Sie unter Essstörungen und ihre Formen.

Wohin kann ich mich wenden?

Haben Sie den Verdacht, an einer nichtsubstanzgebundenen Sucht zu leiden, oder möchten Sie jemandem aus Ihrer Umgebung helfen, sind Sie bei folgenden Ansprechstellen richtig:

Diese/dieser wird eine genaue Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) vornehmen. Im Vordergrund der Behandlung stehen der Umgang mit dem Suchtverhalten und Psychotherapie. In ausgeprägteren Fällen kann auch eine stationäre Therapie sinnvoll sein.

Unter Services, Links und Broschüren finden Sie hilfreiche Informationen zur Arzt- bzw. Therapeutensuche. Weitere Informationen finden Sie unter Abhängigkeit: Leistungen und Kosten.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Wenn Sie eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten machen, haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch den Krankenversicherungsträger zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie. Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie weiters in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Services.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherung. Die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen hingegen muss privat bezahlt werden. Es gibt hierfür keine Kostenübernahme bzw. Zuschüsse vom Krankenversicherungsträger. Behandlungen und Beratungen in Einrichtungen des Gesundheits- oder Sozialwesens oder eines anderen öffentlich finanzierten Bereiches (z.B. Familienberatungsstellen) können teilweise auch kostenlos bzw. kostengünstig in Anspruch genommen werden.

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung und Behandlung werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte und Rezeptgebühr & Co: So werden Medikamentenkosten abgedeckt. Informationen zu Kosten bei einem Spitalsaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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