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Internetsucht

Internetnutzung ist für die meisten Menschen Alltag. Bei einem Teil der Nutzer:innen des Internets können Probleme auftreten. Die damit verbundenen Schwierigkeiten können psychisch, sozial und finanziell sein. „Internetsucht“ ist ein Begriff für suchtartiges Verhalten bei der Nutzung des Internets, der im allgemeinen Sprachgebrauch häufig verwendet wird.

Die Fachwelt spricht bei unterschiedlichen Formen von nicht kontrollierbarem Verhalten bei der Nutzung des Internets, wie z.B. beim Online-Computerspielen, Online-Shoppen oder in der Verwendung von sozialen Online-Netzwerken, von Internetnutzungsstörungen. Erfahren Sie mehr über Arten, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von Internetnutzungsstörungen und wo man Hilfe findet.

Was ist eine Internetnutzungsstörung?

Fachleute verstehen unter einer Internetnutzungsstörung verschiedene Formen eines suchtartigen Verhaltens bei der Internetnutzung. 

Zu einer Internetnutzungsstörung können etwa zählen:

  • Computerspielstörung (vorwiegend online): exzessive Nutzungszeiten von Internet-Computerspielen – selten auch kombiniert mit Offline-Spielen
  • Glücksspielstörung (vorwiegend Online-Glücksspiel)
  • Shopping-Störung (Kaufsucht, vorwiegend online): verminderte Kontrolle über die Nutzung von Shopping-Portalen, exzessiver Warenkonsum – auch abwechselnd möglich mit suchtartigem Kaufverhalten offline – also übermäßiges Kaufen in Geschäften vor Ort
  • Soziale-Netzwerke-Nutzungsstörung (online): unkontrollierte und übermäßige Aktivität auf meist mehreren sozialen Netzwerkseiten
  • Pornografie-Nutzungsstörung (online): Kontrollverlust bei Online-Pornographienutzung

Hinweis

Es ist möglich, dass mehrere Formen einer Internetnutzungsstörung gleichzeitig bestehen.

Häu­fig treten zusätzlich andere psychische Probleme oder Erkrankungen auf, wie etwa Depressionen, Angst­störun­gen oder Süch­te nach Substanzen.

Weitere Formen problematischer Internetnutzung

Neben dem Begriff der „Internetnutzungsstörungen“, der sich auf suchtartiges Verhalten im Internet bezieht, wird der Begriff der „problematischen Nutzung des Internets“ in der Fachwelt auch weiter gefasst: Neben der suchtartigen Nutzung werden darunter auch andere Formen einer problematischen oder exzessiven Internetnutzung verstanden.

Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Cyberchondria. Dabei suchen Personen zwanghaft nach medizinischen Informationen im Internet.

Ein weiteres Beispiel dafür ist digitales Horten – intensives Sammeln von digitalem Content wie etwa Fotos oder Videos.

Welche Kennzeichen können auf eine Internetnutzungsstörung hinweisen?

Zu Kennzeichen einer Internetnutzungsstörung können zählen:

  • Die Gedanken kreisen ständig um die jeweilige Beschäftigung im Internet – z.B. online shoppen, in sozialen Netzwerken surfen, online spielen.
  • Das Verhalten ist nicht zu kontrollieren. Mit der Zeit steigt das Verlangen danach, mehr und mehr online zu sein. Offline sein macht unruhig und unwohl.
  • Betroffene können das eigene suchtartige Verhalten nicht oder nur schwer erkennen bzw. einsehen.
  • Sozialer Rückzug: Kontakte zum Freundeskreis oder zur Familie werden vernachlässigt, und soziale Aktivitäten nehmen ab.
  • Leistungsprobleme im Alltag; vor allem bei anspruchsvollen Aufgaben, bei denen man viel Nachdenken muss.

Bei sehr schwerer Ausprägung der Internetnutzungsstörung kann es auch zur Vernachlässigung von Ernährung oder Körperpflege kommen.

Wie entsteht eine Internetnutzungsstörung?

Fachleute gehen davon aus, dass Internetnutzungsstörungen ähnlich entstehen wie andere Suchterkrankungen. Süchte entwickeln sich meist nach und nach. Mehrere Einflüsse wirken dabei zusammen. Substanzen oder in diesem Fall Verhaltensweisen aktivieren das sogenannte Belohnungssystem im Gehirn. Das Gehirn schüttet Botenstoffe wie Dopamin aus.

Kurzfristig führt das zu möglicher Erleichterung oder Entspannung – etwa bei Stress. In der Folge motiviert das Gehirn dazu, erneut das Verhalten zu wiederholen. So kann sich eine Toleranz entwickeln. D.h., man benötigt immer mehr von dem Verhalten oder intensivere Reize. Allerdings sind die Entstehungsmechanismen sowie die Toleranzentwicklung im Falle von einer Verhaltenssucht weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

In fortgeschritteneren Stadien der Sucht steht nicht mehr das Erreichen von Glücksgefühlen im Vordergrund, sondern das Dämpfen von unangenehmen Gefühlen wie Stress oder innerer Anspannung. Die Steuerung des eigenen Verhaltens wird immer schwieriger. Betroffene setzen das Verhalten fort – auch bei bereits eingetretenen Folgen. Fehlen die betreffenden Reize, kommt es zu großem Verlangen danach. Dieses starke Verlangen wird als Craving bezeichnet.

Die Fachwelt geht davon aus, dass es zum Beispiel bei Jugendlichen allgemein zwischen Internetnutzung und psychischer Gesundheit zu einer wechselseitigen Beziehung kommen kann: Während die Internetnutzung das psychische Wohlbefinden beeinflussen kann, wirkt sich dieses ggf. umgekehrt auch auf das Nutzungsverhalten aus. Das kann ggf. zu Verstärkungseffekten der Internetnutzung führen.

Mögliche Risikofaktoren

Warum manche Menschen eine Internetnutzungsstörung entwickeln und andere nicht, ist noch nicht vollständig geklärt. Forscher:innen nehmen an, dass bei der Entstehung von Internetnutzungsstörungen bestimmte Risikofaktoren eine Rolle spielen können. Dazu zählen zum Beispiel Depressionen oder ADHS.

Im Falle einer Internetnutzungsstörung könnten auch persönliche Motive für die Internetnutzung eine Rolle spielen. So kann etwa bei einer Online-Kaufsucht die starke Bedeutung von Gegenständen bedeutsam sein.

Kann man einer Internetnutzungsstörung vorbeugen?

Es gibt Maßnahmen, die dabei unterstützen können, problematischen Internetkonsum frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Die Fachwelt empfiehlt sogenannte Frühinterventionen für Personen, die ein erhöhtes Risiko für eine Internetnutzungsstörung haben oder bereits erste Symptome aufweisen. Diese werden zum Beispiel bei Suchtberatungsstellen angeboten. Die Maßnahmen richten sich dabei an Betroffene, aber auch an Angehörige.

Eine wichtige Säule zur Unterstützung der Vorbeugung ist die Aufklärung über problematischen Internetkonsum. Entsprechende Angebote können z.B. in Schulen oder Kindergärten stattfinden.

Die Fachwelt forscht derzeit weiter zu möglichen Vorbeugemaßnahmen für eine Internetnutzungsstörung.

Tipps für einen gesunden Umgang mit dem Internet

Folgende Maßnahmen eignen sich laut Fachwelt allgemein für die Berücksichtigung im Alltag, um einen gesunden Umgang mit dem Internet zu pflegen:

  • Internet-Konsum im Blick behalten, z.B. Bildschirmzeit protokollieren
  • Offline-Zeiten einplanen
  • Benachrichtigungen auf dem Smartphone einstellen; zum Beispiel wichtige Nachrichten durchkommen lassen und andere auch einmal stummschalten
  • Offline-Hobbys nachgehen

Weitere Tipps und Informationen finden Sie in der Broschüre „Süchtig nach digitalen Welten" (Sozialministerium) sowie unter Jugendliche und Neue Medien.

Auch AWMF-Leitlinien-Empfehlungen für Eltern unter „Die wichtigsten Empfehlungen für den Umgang mit Smartphone, Computer, Spielkonsole und TV in der Familie" können unterstützen, sich über den richtigen Umgang mit Internet etc. zu informieren und Kinder und Jugendliche hier zu unterstützen.

Wie wird die Diagnose gestellt? 

In die Diagnose von psychischen Beschwerden können unterschiedliche Gesundheitsberufe eingebunden sein: Vor allem Fachärztin oder Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten sowie klinische Psychologinnen oder Psychologen.

Am Beginn der Diagnosestellung steht die Erhebung der Beschwerden bzw. der Krankengeschichte – der Anamnese. Zudem können standardisierte Fragebögen zum Einsatz kommen, die die Zuordnung der Beschwerden erleichtern. Dazu zählt z.B. die Skala zum Online-Suchtverhalten (OSV-S). Dies kann etwa im Rahmen einer klinisch-psychologischen Diagnostik Anwendung finden.

Einordnung in die Diagnoseklassifikation

In der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) 10 fallen Internetnutzungsstörungen derzeit meist in die Kategorie der sogenannten Impulskontrollstörungen, bei denen die Kontrolle über die eigenen Impulse beeinträchtigt ist, und haben keine eigene ICD-Diagnose.

Das neue Diagnose-Klassifikations-System ICD-11 reiht künftig Computerspielstörung und Glücksspielstörung allgemein in die Kategorie „Störungen durch süchtiges Verhalten“ ein. Derzeit gibt es noch keine offizielle österreichische Version des ICD-11.

Wie erfolgt die Behandlung einer Internetnutzungsstörung?

Da das Internet heutzutage Teil des Alltags ist, ist ein komplettes Vermeiden in der Regel nicht möglich. Daher stellt die Fachwelt einen möglichst gesunden Umgang mit dem Internet bei der Behandlung in den Mittelpunkt. Fachleute empfehlen bei Internetnutzungsstörungen vor allem eine störungsspezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung. Dies kann im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie bzw. Psychotherapie einzeln oder in der Gruppe erfolgen. Dabei stehen u.a. im Mittelpunkt:

  • Psychoedukation,
  • Analyse der genauen Internetnutzung sowie
  • künftiger Umgang mit dem Internet und
  • Vermeiden von Rückfällen.

Auch eine klinisch-psychologische Behandlung kann hierbei unterstützen. Bei Kindern und Jugendlichen ist es in jedem Fall wichtig, Eltern bzw. Angehörige miteinzubeziehen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Je nach individueller Situation können weitere Behandlungsansätze zum Einsatz kommen. Dazu zählen z.B. der Wirkstoff Bupropion zur Symptomlinderung, Entspannungsverfahren und körperliche Bewegung.

Liegt eine Online-Computerspielstörung vor, kann die Ärztin oder der Arzt neben Bupropion auch Escitalopram ggf. verschreiben.

Bei einer Online-Pornografienutzungsstörung kann die Ärztin oder der Arzt ggf. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verschreiben, wenn psychotherapeutische Ansätze nicht die erwartete Wirkung zeigen. Die Ärztin oder der Arzt informiert zu Medikamenten, deren Nutzen und Risiken.

Weitere mögliche Erkrankungen wie etwa Depressionen werden dementsprechend mitbehandelt.

Die Fachwelt forscht laufend weiter hinsichtlich Wirksamkeit von Behandlungen für Internetnutzungsstörungen.

Was können Angehörige tun?

Eine Internetnutzungsstörung kann nicht nur für Betroffene, sondern auch für Angehörige bzw. nahestehende Menschen belastend sein. Daher kann es hilfreich sein, wenn auch Angehörige sich Unterstützung und Beratung holen. Zudem ist ein Austausch in Selbsthilfegruppen für Angehörige ggf. unterstützend.

Angehörige können auch Betroffene unterstützen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter Psychische Erkrankung: Was können Angehörige tun? sowie unter Co-Abhängigkeit.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Verdacht auf eine Internetnutzungsstörung bzw. problematisches Verhalten in Bezug auf Internet kann man sich an folgende Stellen wenden:

In der Broschüre „Süchtig nach digitalen Welten“ (Sozialministerium) finden Sie zudem zum Beispiel weitere gezielte Anlaufstellen bzw. Beratungsstellen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

  • Bravo-Adasme, N.; Cataldo, A. & Grandón, E. (2026): Understanding digital hoarding: conceptual framework and future research based on a scoping review. Humanit Soc Sci Commun 13, 1046 (2026). https://doi.org/10.1057/s41599-026-07263-3. Online abgerufen im September 2026 unter www.nature.com
  • Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (2026): Berufe A bis Z, Berufslisten und Gesundheitsberuferegister. Online abgerufen im September 2026 unter www.sozialministerium.gv.at
  • Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. (DG-Sucht) (Hrg.) (2024): Diagnostik und Therapie von Internetnutzungsstörungen. S1-Leitlinie. AWMF-Register Nr. 076-011. Online abgerufen im September 2026 unter register.awmf.org
  • gesund.bund.de (2025): Wie kann man einer Online-Sucht vorbeugen? Online abgerufen im September 2026 unter gesund.bund.de
  • ICD-10 BMASGPK 2026 – Systematisches Verzeichnis Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision – BMASGPK-Version 2026+ 1. Jänner 2026
  • Noroozi, F.; Hassanipour, S.; Eftekharian, F.; Eisapareh, K.; Kaveh, MH. (2021): Internet Addiction Effect on Quality of Life: A Systematic Review and Meta-Analysis. ScientificWorldJournal. 2021 Dec 6;2021:2556679. doi: 10.1155/2021/2556679. PMID: 34912181; PMCID: PMC8668296. Online abgerufen im September 2026 unter pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  • Stiftung Gesundheitswissen: Was ist Sucht? Wie entsteht eine Sucht? Online abgerufen im September 2026 unter www.stiftung-gesundheitswissen.de
  • Orben, A.; Meier, A.; Dalgleish, T. et al. (2024): Mechanisms linking social media use to adolescent mental health vulnerability. Nat Rev Psychol 3, 407–423 (2024). https://doi.org/10.1038/s44159-024-00307-y. Online abgerufen im Oktober 2026 unter www.nature.com
  • Pschyrembel Online: Internetsucht. Online abgerufen im September 2026 unter www.pschyrembel.de (Registrierung erforderlich)

Letzte Aktualisierung: 21. Oktober 2026

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Dialog - Individuelle Suchthilfe gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Josch Friedrichs, MSc. Psychologe und Psychosozialer Mitarbeiter

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