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Taucher vorm Tauchgang © Cara-Foto

Dekompressionsunfall

Tauchen ist ein beliebter Freizeitsport. Dabei kommt es immer wieder zu Tauchunfällen. Zu den schweren Unfällen zählen die Dekompressionskrankheit und das Lungenbarotrauma (druckbedingte Schädigung des Lungengewebes). Diese sogenannten Dekompressionsunfälle entstehen infolge einer Ausdehnung von Gas durch die Abnahme des Umgebungsdrucks beim Auftauchen. Beim Barotrauma der Lunge kann eine Überdehnung bzw. ein Riss des Lungengewebes u.a. zum Übertritt von Atemgas in den arteriellen Blutkreislauf (arterielle Gasembolie – AGE) führen.

Die Beschwerden können bei beiden Unfällen sehr ähnlich sein. Dazu zählen Müdigkeit und Atembeschwerden sowie Funktionsstörungen des Gehirns bzw. Rückenmarks. Ein Dekompressionsunfall muss umgehend behandelt werden. Dabei ist das Vorgehen bei der Dekompressionskrankheit und der arteriellen Gasembolie gleich.

Welche Ursachen hat die Dekompressionskrankheit?

Bei der Entwicklung der Dekompressionskrankheit (Caisson-Krankheit; umgangssprachlich Taucherkrankheit) spielt vor allem Stickstoff (Inertgas) eine Rolle. Er wird neben anderen Gasen über die Taucherflasche eingeatmet und gelangt über die Lunge ins Blut. Stickstoff löst sich bei erhöhtem Umgebungsdruck mit zunehmender Tauchtiefe vermehrt in Blut und Gewebe, wird aber vom Körper nicht verstoffwechselt. Beim Aufauchen bilden sich aus dem gelösten Stickstoff bei abnehmendem Umgebungsdruck Stickstoffbläschen.

Nach einem Tauchgang befinden sich daher „Mikroblasen“ im Körper bzw. Blut. Dies kann bis zu einem gewissen Maß vom Körper gut toleriert werden. Beim langsamen Auftauchen vergrößern sich die Bläschen langsam, bleiben im Filter der Lungenkapillaren hängen und werden abgeatmet (normaler Entsättigungsvorgang nach dem Tauchen). Bei zu raschem Auftauchen fällt der Umgebungsdruck schnell ab. Es bilden sich Stickstoffbläschen, die sich rasant vergrößern. Können sie nicht schnell genug abgeatmet werden, verursachen die Blasen in den betroffenen Organen Gewebeverletzungen und Entzündungsreaktionen.  

Bei massiver Blasenbildung können sich die Stickstoffbläschen in Blutgefäßen zu großen Gasblasen verbinden, welche die Blutgefäße verstopfen (Gasembolie). Dadurch werden von diesen Gefäßen versorgte Körperbereiche nicht mehr ausreichend durchblutet und geschädigt. Man unterscheidet Embolien in Arterien und Venen (arterielle/venöse Embolien).

Venöse Embolien können zu einer Unterbrechung der Blutzufuhr der Lunge (Lungenembolie) führen. Dadurch wird der Gasaustausch behindert (Verlegung der Lungenkapillaren). Eine Lungenembolie kann einen Sauerstoffmangel im Körper und eine Rechtsherzbelastung verursachen. Arterielle Gasembolien können unter anderem Symptome wie bei einem Schlaganfall auslösen. 

Bei bestimmten Fehlbildungen des Herzens und der Lunge können jedoch auch Gasblasen aus den Venen eine arterielle Gasembolie verursachen (paradoxe Embolie). Diese Fehlbildungen werden Kurzschlussverbindungen (Shunts) genannt. Dabei gelangt Blut aus den Venen über einen Shunt im Herz oder in der Lunge unter Umgehung des Gasaustausches in der Lunge direkt in den arteriellen Kreislauf. Eine häufige Fehlbildung ist das offene Foramen ovale (PFO – Verbindung zwischen beiden Herzvorhöfen).

Häufig betroffene Organe und Gewebe

  • Haut,
  • Rückenmark und Gehirn sowie
  • große Gelenke (Schmerzen in Hüfte, Knie, Schultergelenk, Ellbogen – umgangssprachlich „bends“).

Hautsymptome entstehen durch Gasblasenbildung im Hautgewebe, in Venen und Lymphgefäßen der Haut oder durch nachfolgende Wassereinlagerung im Gewebe (Ödeme). Ein Flüssigkeitsmangel im Herz-Kreislauf-System kann den Abtransport von Stickstoff zusätzlich behindern. Schwere Verläufe können mit dem raschen Auftreten einer Cutis marmorata verbunden sein. Dabei handelt es sich um marmorartige Verfärbungen der Haut mit bläulichen, rötlichen und blassen Bereichen insbesondere am Körperstamm (Bauch, Rücken) und den Oberschenkeln.

Risikofaktoren für die Entstehung einer Dekompressionskrankheit

Die Dekompressionskrankheit kann bereits bei zu raschem Auftauchen aus Tiefen über sieben bis zehn Metern auftreten.

Das Risiko steigt, je:

  • länger die Taucherin/der Taucher unter Wasser ist,
  • schneller aufgetaucht wird,
  • kürzer die Pausen zwischen Tauchgängen sind,
  • kälter die Wassertemperatur ist bzw.
  • höher das Tauchgewässer gelegen ist.

Personen, die früher schon einmal eine Dekompressionskrankheit entwickelt haben, sind eher gefährdet, eine Dekompressionskrankheit zu entwickeln. 

Weitere Risikofaktoren sind: starke körperliche Belastungen, Flüssigkeitsmangel, Schwächezustände (z.B. während oder nach einer Krankheit), schlechte Anpassung an die Umgebungsbedingungen (Akklimatisierung – z.B. beim Tauchen zu Beginn einer Reise in tropischen Regionen), Medikamente, die auf Blut, zentrales Nervensystem (ZNS) oder Herz-Kreislauf-System einwirken, Drogen- bzw. Alkoholkonsum und Rauchen sowie Erkrankungen des zentralen Nervensystems, des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge.

Eine Flugreise oder ein Aufenthalt in hohen Regionen kurz nach dem Tauchgang stellt ebenso einen Risikofaktor dar.

Hinweis Eine Dekompressionskrankheit kann auch unabhängig vom Tauchen durch ein rasantes Absinken des Kabinendrucks in Flugzeugen und anderen Luftfahrzeugen in hohen Regionen auftreten. Dabei bilden sich ebenfalls Gasblasen im Körper. Dies kommt jedoch selten vor.

Wie kann man einer Dekompressionskrankheit vorbeugen?

Vor einem Tauchgang sollte immer der eigene aktuelle körperliche und psychische Zustand eingeschätzt und ernst genommen werden. Die Einnahme von psychoaktiven Substanzen sollte beim Tauchen prinzipiell unterlassen werden (Tiefenrausch-Risiko!). Taucherinnen und Taucher sollten vor und nach einem Tauchgang besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Auf Alkohol sollte dabei verzichtet werden. Häufiges Auf- und Abtauchen (Jojo-Tauchen) während eines Tauchganges sollte vermieden werden.

Nullzeit und Dekompressionspausen

Sporttaucher sollten prinzipiell in der sogenannten Nullzeit tauchen. Als Nullzeit wird eine von der Tauchtiefe abhängige Zeitspanne bezeichnet, in der es in der Regel nicht zur Entwicklung einer Dekompressionskrankheit kommt.

Wenn die Nullzeit überschritten wird, ermöglicht langsames, kontrolliertes Auftauchen den gelösten Gasen, wieder aus dem Gewebe in die Blutgefäße zu gelangen und über die Lunge abgeatmet zu werden. Dafür müssen sogenannte Dekompressionspausen – auch Dekompressionsstopps oder Deko-Pausen/Deko-Stopps genannt – eingehalten werden. Trotzdem werden auch innerhalb der Nullzeit sogenannte Sicherheitsstopps beim Auftauchen empfohlen.

Die Nullzeit bzw. benötigte Dekompressionspausen für eine bestimmte Tauchtiefe kann die Taucherin/der Taucher von einer Dekompressionstabelle ablesen. Es gibt auch Tauchcomputer, die automatisch die Nullzeit bzw. Anzahl und Dauer von Dekompressionspausen berechnen. Die benötigte Dauer von Dekompressionspausen hängt ab von:

  • der Seehöhe des Tauchgewässers (für Bergseen gelten andere Werte als für das Meer),
  • der Tauchtiefe und
  • der Dauer des Tauchgangs.  

Am sichersten ist es, wenn eine Taucherin/ein Taucher in der Nullzeit bleibt bzw. sich an die konservativsten Vorgaben für die Dekompressionspausen hält.

Hinweis Die Nullzeit berücksichtigt nicht den aktuellen körperlichen Zustand der Taucherin/des Tauchers selbst!

Die Einhaltung von ausreichend langen Oberflächenpausen ist sehr wichtig! Das Maximum an Mikroblasen im Körper ist etwa nach einer Stunde erreicht. Für einen sicheren zweiten Tauchgang – ohne das zusätzliche Risiko durch Gasblasen vom ersten Tauchgang – sollte eine Oberflächenpause mindestens zwei Stunden betragen.

Die Entwicklung einer Dekompressionskrankheit hängt – wie zuvor erwähnt – von mehreren Umweltfaktoren und von der individuellen Tagesverfassung der Taucherin/des Tauchers ab. Daher kann die Entstehung einer Dekompressionskrankheit auch bei genauem Einhalten der Nullzeit bzw. von vorgegebenen Dekompressionspausen nie ausgeschlossen werden.

Flüge und Aufenthalt in hohen Regionen

Nach Tauchgängen sollte für eine gewisse Zeitspanne auf Flugreisen und den Aufenthalt in hohen Regionen verzichtet werden (z.B. Autofahrten über hochgelegene Passstraßen). Denn je höher die Region liegt, in der man sich aufhält, desto niedriger ist der Umgebungsdruck, dem man ausgesetzt ist. In Flugzeugen wird der Luftdruck in der Kabine auf einen Wert gesenkt, der etwa dem Luftdruck 2.000 Meter über dem Meeresspiegel entspricht.

Empfohlene Wartezeiten für Flugreisen:

  • Zwölf Stunden nach einem einzelnen Nullzeit-Tauchgang,
  • 24 Stunden nach wiederholten Tauchgängen bzw. Dekompressionstauchgängen.

Hinweis Wenn eine Taucherin/ein Taucher nach einem Tauchgang schwere Symptome entwickelt, gelten diese Zeitangaben nicht. Auch bei milden Beschwerden muss eine Taucherärztin/ein Taucherarzt kontaktiert werden. Diese/dieser entscheidet, wie lange die Taucherin/der Taucher warten muss, bis sie/er wieder eine Flugreise antreten kann.

Wie entsteht ein Lungenbarotrauma beim Tauchen?

Das Lungenbarotrauma entsteht durch die Ausdehnung von Atemgas in den Alveolen (Lungenbläschen) durch einen raschen Druckabfall beim Auftauchen mit angehaltener Luft bzw. „Air trapping“. Beim „Air trapping“ kann Luft durch eine lokale Verengung der Bronchien nicht abgeatmet werden. Diese „gefangene Luft“ kann beim Auftauchen zu einer lokalen Lungenüberdehnung führen. Lungenerkrankungen, welche die Ausatmung beeinträchtigen (z.B. COPD und Asthma bronchiale), können die Entstehung eines Lungenbarotraumas begünstigen.

Beim Lungenbarotrauma (Lungenüberdehnung) können die Alveolen einreißen und Atemgas kann dadurch aus dem Lungengewebe in:

  • die Blutbahn,
  • den Pleuraspalt (Spalt zwischen Lunge und Brustwand) oder
  • das Mediastinum (Gewebe zwischen den beiden Lungenflügeln) bzw. Unterhautgewebe 

gelangen.

Der Eintritt von Gasbläschen in die Blutbahn kann zu einer arteriellen Gasembolie (AGE) führen. Werden diese Gasbläschen über die hirnversorgenden Gefäße ins Gehirn transportiert, können Endarterien verlegt werden. Dadurch können neurologische Symptome wie bei einem Schlaganfall entstehen. Der Eintritt von Atemgas in den Pleuraspalt führt zu einem Pneumothorax. Der Eintritt von Atemgas in das Mediastinum oder in das Unterhautgewebe führt zumeist nicht zu Beschwerden. Dieses Gas wird vom Körper selbst resorbiert (abgebaut). Fallweise ist es möglich, unter der Haut auf Druck ein „Knistern“ zu spüren.  

Risikofaktoren für die Entstehung eines Barotraumas der Lunge

Zum Auftauchen mit angehaltener Atmung kommt es vor allem in Paniksituationen, wenn Probleme aufgrund mangelnder Ausbildung und Übung unter Wasser nicht beherrscht werden können.

Lungenerkrankungen mit Verengung der Bronchien erhöhen das Risiko für eine Lungenüberdehnung beim Auftauchen. Zusätzlich kann das Einatmen sehr trockener und kalter Luft bei überempfindlichen Atemwegen die Bronchien reizen und zu einer Einengung der Atemwege führen. Dieser Reiz kann durch Anstrengung beim Tauchen noch verstärkt werden.

Wie kann man einem Lungenbarotrauma beim Tauchen vorbeugen?

Die wichtigste Vorbeugemaßnahme ist die Untersuchung der Lungenfunktion im Rahmen einer Tauchtauglichkeitsuntersuchung vor dem Tauchen. Besonders Taucherinnen/Taucher mit chronischen Lungenerkrankungen sollten ihre Tauchtauglichkeit regelmäßig bei einer Taucherärztin/einem Taucherarzt überprüfen lassen.

Einem Lungenbarotrauma kann durch konsequentes Ausatmen während des Auftauchens vorgebeugt werden. Regelmäßiges Üben des Managements von Notfallsituationen und Notaufstiegen dient der Vorbeugung von Panikaufstiegen.

Während eines Atemwegsinfektes sollte auf Tauchgänge verzichtet werden.

Welche Symptome können bei einem Dekompressionsunfall auftreten?

Generell ist es wichtig, die Symptome, welche bei Dekompressionskrankheit und Barotrauma der Lunge sehr ähnlich sein können, zu erkennen und deren Verlauf genau zu beobachten. Symptome treten innerhalb von 24 Stunden – neurologische Beschwerden in den ersten Stunden – nach einem Tauchgang auf.

Milde Beschwerden sind Hautjucken (Taucherflöhe) bzw. abnorme Müdigkeit.

Zu den schweren Symptomen zählen:

  • Hautflecken und -veränderungen (Cutis marmorata),
  • Muskel- und Gelenkschmerzen,
  • Ameisenlaufen,
  • Taubheitsgefühl,
  • Lähmungen,
  • Blasenentleerungsstörungen,
  • körperliche Schwäche,
  • Atembeschwerden,
  • Seh-, Hör- und Sprachstörungen,
  • Schwindel,
  • Übelkeit,
  • Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit sowie
  • milde Symptome, die trotz Sauerstoffatmung über 30 Minuten bestehen.

Hinweis Brustschmerzen oder Blutspucken können auf ein Lungenbarotrauma hinweisen, müssen aber bei diesem nicht unbedingt auftreten.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose stellt die Notärztin/der Notarzt bzw. die Taucherärztin/der Taucharzt aufgrund der typischen Beschwerden nach einem Tauchgang. Die Beurteilung erfolgt im Wesentlichen aufgrund:

  • des Tauchprofils,
  • vorangegangener Tauchgänge,
  • Aktivitäten während und zwischen den Tauchgängen,
  • Flüssigkeitsstatus,
  • bestehender Krankheiten,
  • eingenommener Medikamente sowie  
  • der zeitlichen Entwicklung und der aktuell bestehenden Symptome (Neurocheck – siehe unten).

Differentialdiagnostisch kommen vor allem bildgebende Verfahren (z.B.Ultraschall, Röntgen, CT, MRT), Elektrokardiogramm sowie Blut- und Harnuntersuchungen zur Anwendung. Neurologische Untersuchungen werden für die Verlaufskontrolle benötigt. Bei Bedarf können spezielle Hals-Nasen-Ohren-fachärztliche Untersuchungsverfahren eingesetzt werden.

Wie erfolgt die Behandlung beim Dekompressionsunfall?

Die Taucherin/der Taucher darf beim Auftreten von Beschwerden keinesfalls erneut in die Tiefe tauchen, um sich wieder dem hohen Druck unter Wasser auszusetzen (nasse Rekompression)! Das Risiko für das Auftreten lebensbedrohlicher Folgen der Dekompressionskrankheit, die unter Wasser nicht behandelt werden können, ist zu hoch.

Hinweis Auch Tauchpartnerinnen/Tauchpartner müssen überwacht werden, weil sie ebenfalls einen riskanten Tauchgang hinter sich haben und daher auch Symptome entwickeln können.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Der/dem Betroffenen soll 100-prozentiger Sauerstoff oder Atemgas mit dem höchsten Sauerstoffgehalt, das in der Situation zur Verfügung steht, über eine Atemmaske verabreicht und 0,5 bis ein Liter Flüssigkeit pro Stunde zum Trinken gegeben werden. Dabei sollte am besten ein isotonisches Getränk, auf keinen Fall alkoholische Getränke gewählt werden. Die Gabe von Sauerstoff unterstützt den Abtransport von Stickstoffblasen aus dem Gewebe. Zudem führt die Sauerstoffgabe zu einer Verbesserung der Sauerstoffversorgung des Gewebes. Die Flüssigkeitszufuhr normalisiert die Hämodynamik (den Blutfluss) und erleichtert den Gasaustausch über kleinste Gefäße (Kapillaren). Stickstoff wird dadurch schneller vom Gewebe abgegeben und daraufhin über die Lunge abgeatmet.

Regelmäßig wird ein kleiner Neurocheck durchgeführt, um neurologische Symptome und deren Veränderungen zu erkennen. Dabei werden die Orientierung, die Funktion der Hirnnerven und der Sinnesorgane, die Muskelkraft, das Gleichgewicht sowie die Koordination geprüft. Ein Schutz vor Unterkühlung oder Überhitzung ist empfehlenswert.

Auch bei milden Beschwerden sollen Betroffene für etwa 24 Stunden nachbeobachtet werden.

Zusätzliche Erste-Hilfe-Behandlung bei schweren Symptomen

Es werden bei Bedarf die üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen – z.B. Seitenlagerung bei Bewusstseinsstörung oder Herz-Lungen-Wiederbelebung bei fehlender Atmung und Herztätigkeit – durchgeführt. Wenn die/der Betroffene nicht ausreichend selbstständig atmen kann (selten!), soll die künstliche Beatmung mit Sauerstoff/Sauerstoffanreicherung erfolgen. Wenn die/der Betroffene nicht selbst trinken kann, wird Flüssigkeit durch den Rettungsdienst bzw. die Notärztin/den Notarzt über eine Infusion zugeführt.

Behandlung in der Druckkammer (Dekompressionskammer)

Diese Behandlung wird auch HBO-Therapie (Hyperbaric Oxygen Therapy) genannt. Die Taucherärztin/der Taucherarzt entscheidet über die Behandlung in einer Druckkammer. Der Transport zur Druckkammer sollte so schnell und schonend wie möglich durchgeführt werden. In der Druckkammer atmet die/der Betroffene 100 Prozent Sauerstoff bei erhöhtem Umgebungsdruck, z.B. bei 2,8 bar (Druckeinheit), entsprechend 18 Meter Wassertiefe (hyperbare Oxygenation). Dadurch verkleinern sich die Gasblasen wieder und lösen sich schließlich auf. Die Sauerstoffversorgung der Körpergewebe wird wiederhergestellt. Über einige Stunden wird der Druck dann langsam auf einen normalen Luftdruck gesenkt.

Druckkammerbehandlungen werden so oft durchgeführt, bis sich die Beschwerden so gut wie möglich zurückgebildet haben. Wenn keine Aussicht auf eine weitere Besserung besteht, können die HBO-Behandlungen beendet werden. Beeinträchtigungen durch schwere Formen der Dekompressionskrankheit (z.B. mit Halbseiten- oder Querschnittlähmung) bilden sich im Einzelfall nicht vollständig zurück, insbesondere wenn keine Erste Hilfe mit Sauerstoffatmung und keine schnelle Druckkammerbehandlung erfolgt. 

Medikamentöse Behandlung

Derzeit konnte mit Ausnahme von Sauerstoff für keine medikamentöse Therapie eindeutig nachgewiesen werden, dass sie zu einer Verbesserung des Behandlungserfolgs führt.

Wenn keine Blutung vorliegt und sich die/der Betroffene nicht ausreichend bewegen kann, wird zur Vorbeugung gegen Thrombosen niedermolekulares Heparin zur Blutverdünnung verabreicht.

Eine Physiotherapie wird, vor allem wenn Lähmungen vorliegen, spätestens am dritten Behandlungstag begonnen und intensiv fortgeführt.

Wohin kann ich mich wenden?

In Österreich koordiniert der öffentliche Rettungsdienst (Tel.: 144) die Vorgehensweise bei Tauchunfällen. Bei einem Anruf sollte dabei das Kennwort „Tauchunfall“ durchgegeben werden. Nach der Erstbegutachtung bzw. -versorgung durch die Notärztin/den Notarzt stellen die Rettungsleitstellen gegebenenfalls den Notfalltransport zur nächstgelegenen Druckkammer (Dekompressionskammer) sicher. Im Ausland sollten vor Tauchgängen Informationen zu landesspezifischen Vorgehensweisen bei Tauchunfällen eingeholt werden.

Für Fragen zu einem Tauchunfall stehen mehrere Notfall-Hotlines rund um die Uhr zur Verfügung. Aktuelle Telefonnummern können auf den Homepages der Österreichischen Gesellschaft für Tauch- und Hyperbarmedizin (www.oegth.at) und der Österreichischen Gesellschaft für Unterwasser- und Hyperbarmedizin (www.oeguhm.at) abgerufen werden.

Hinweis Nach Beendigung der akuten Tauchunfallbehandlung sollte eine weitere Abklärung unter Berücksichtigung möglicher Unfallursachen und Begleitumstände erfolgen. Eine körperliche Untersuchung hinsichtlich Restschäden oder Beeinträchtigungen ist dabei von besonderer Bedeutung. Diese Untersuchung/en wird/werden bei einer Taucherärztin/einem Taucherarzt vorgenommen.  

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten? 

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Unfall- bzw. Krankenversicherungsträgern übernommen. 

Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt (Behandlungsbeitrag) für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine Bewilligung des leistungszuständigen Krankenversicherungsträgers (medizinischer Dienst – „Chefarzt“) erforderlich sein, ebenso wie bei bestimmten medikamentösen oder nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie), in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes der Erkrankung. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Die meisten Krankenversicherungsträger sehen – teilweise abhängig von der Art des Heilbehelfs – eine Bewilligung vor. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten.
Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie z.B. über die Website der Sozialversicherung finden.

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