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Frau bei Ultraschall-Untersuchung © Alexander Raths

Überfunktion der Nebenschilddrüsen

Bei einer Überfunkton der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus, HPT) wird – z.B. aufgrund verschiedener Erkrankungen – zu viel Parathormon abgegeben. Die Nebenschilddrüsen bilden dieses Hormon, das den Kalziumhaushalt ganz wesentlich bestimmt.

Parathormon wird vermehrt gebildet, wenn es zu einem Kalziummangel kommt. Die Kalziumkonzentration im Blut erhöht sich daraufhin. Dies geschieht einerseits durch gesteigerten Knochenabbau, andererseits durch verminderte Ausscheidung von Kalzium über die Nieren und eine gesteigerte Aufnahme im Darm.

Kalzium ist für viele Prozesse im Körper wesentlich. Neben Knochen ist es für Zähne sowie für eine Reihe von biologischen Funktionen wie Muskelkontraktion (Herztätigkeit), Erregbarkeit der Nerven u.v.m. notwendig.

Die vier etwa linsengroßen Nebenschilddrüsen (Parathyroideae) befinden sich an der Rückseite der Schilddrüse (Glandula thyroidea). Diese wiederum liegt im Hals knapp unterhalb des Kehlkopfes an der Vorderwand der Luftröhre.

Welche Ursachen hat eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen?

Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen kann verschiedene Ursachen haben:

  • Primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT). Dabei liegt eine Störung der Funktion der Nebenschilddrüsen aufgrund einer Erkrankung der Nebenschilddrüsen vor. Die Nebenschilddrüsen bilden zu viel Parathormon, und der Kalziumspiegel im Blut ist erhöht (Hyperkalzämie). Oft ist der Grund beispielsweise eine gutartige Gewebsneubildung (solitäres Adenom) der Nebenschilddrüsen, seltener sind bösartige Tumore. Ebenfalls selten kommt es aufgrund eines bestimmten erblichen Syndroms dazu (MEN, multiple endokrine Neoplasien). Ein pHPT kann spontan oder familiär gehäuft auftreten.
  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus (sHPT). Die Nebennieren regieren auf einen bestehenden Kalziummangel aufgrund einer Erkrankung mit gesteigerter Bildung von Parathormon. Am häufigsten tritt dies bei Vitamin-D-Mangel und Störungen der Nierenfunktion auf. Weniger häufig bei entzündlicher Darmerkrankung.
  • Tertiärer Hyperparathyreoidismus. Dieser entwickelt sich nach einem sekundären HPT, der über Jahre besteht. Die andauernde Überstimulierung der Nebenschilddrüsen führt zum tertiären HPT. Meist bei Dialysepatientinnen/-patienten infolge jahrelanger Niereninsuffizienz.

Hinweis Von Pseudohypoparathyreoidismus spricht man bei bestimmten Erkrankungen, bei denen eine Resistenz auf Parathormon besteht (Störung des Parathormon-Rezeptors oder verminderte Aktivität im Stoffwechsel).

Sehr selten gibt es eine Medikamenten-induzierte Form, die bei Lithium-Therapie vorkommen kann. Die Lithium-Therapie wird z.B. bei bipolaren Störungen eingesetzt.

Welche Symptome können auftreten?

Symptome eines primären Hyperparathyreoidismus sind oft unspezifisch. Heute kann dieser durch Blutuntersuchungen frühzeitig erkannt werden, sodass es zu keinen oder leichten Beschwerden kommt. Zu den allgemeinen Symptomen zählen:

  • häufige Harnausscheidung (Polyurie),
  • gesteigerter Durst, übermäßiges Trinken (Polydipsie),
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Verstopfung,
  • Antriebsschwäche, Depression,
  • Muskelschwäche,
  • leichte Ermüdbarkeit,
  • Erhöhung des Blutdrucks,
  • Herzmuskelschwäche sowie
  • Kopfschmerzen.

Mit Fortschreiten kann es zur Bildung von Steinen (z.B. Nierensteinen) kommen und dadurch bedingten Schmerzen (Steinpein). Es zeigen sich Störungen der Nierenfunktion (wie Niereninsuffizienz) sowie des Knochenstoffwechsels (Osteoporose, Knochenbrüche, Schmerzen der Knochen). Zudem wirken sich die Überfunktion und der Kalziumüberschuss im Magen-Darm-Bereich aus. Diese Anzeichen sind jedoch sehr selten.

Bei einem sekundären Hyperparathyreoidismus können auftreten:

  • Symptome der Grunderkrankung
  • Knochenschmerzen, Knochenbrüche

Tertiärer Hyperparathyreoidismus:

  • Symptome des sekundären Hyperparathyreoidismus
  • Verkalkungen

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Abklärung erfolgt oft auf Basis einer routinemäßigen Laboruntersuchung, die beispielsweise einen erhöhten Kalziumwert zeigt. Die Ärztin/der Arzt klärt mögliche Ursachen für die Veränderungen ab.

Wesentlich für die Diagnose sind unter anderem bestimmte Laboruntersuchungen: Kalzium- und Phosphat-, Parathormonspiegel sowie das Erkennen der Ursachen der Überfunktion, die Schwere der Störung und ev. Schädigungen. Dafür können diverse Untersuchungen vorgenommen werden, unter anderem:

  • Ultraschall
  • Nebenschilddrüsen-Szintigraphie
  • Überprüfung der Nierenfunktion
  • selten CT, MRT
  • Röntgen etc.

Weitere Infos zu Untersuchungen.

Wie erfolgt die Behandlung?

Durch die Behandlung soll der Kalziumspiegel im Blut normalisiert werden. Dies erfolgt je nach individueller Situation der Betroffenen und Ursache der Überfunktion mittels:

  • Bei primärem Hyperparathyreoidismus häufig operativer Eingriff, ggf. Einnahme von Kalzimimetika, Gabe von Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen (Bisphosphonate, selektive Östrogenrezeptormodulatoren) 
  • Behandlung von Folgeschäden wie Osteoporose (meist Bisphosphonate)
  • Bei sekundärem Hyperparathyreoidismus Behandlung der Grunderkrankung, Vitamin-D-Supplementation, ggf. Kalzium-Supplementation.
  • Nachkontrollen des Kalziumspiegels im Blut

Wohin kann ich mich wenden?

Ansprechstellen sind:

  • Hausärztin/Hausarzt
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin (mit Spezialisierung Endokrinologie)
  • im Krankenhaus Institute bzw. Abteilungen Innere Medizin (Endokrinologie)

Weitere Fachärztinnen/Fachärzte können beteiligt sein. 

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