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Symbolfoto Gruppentherapie © Photographee.eu

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Therapie

Menschen mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung fällt es oft schwer, Hilfe zu suchen. Sie können häufig auch nicht selbst erkennen, dass sie Unterstützung benötigen. In vielen Fällen suchen zuvor Menschen im sozialen Umfeld nach Beratung oder Therapie, da sie mit dem Verhalten ihrer Nächsten nicht zurechtkommen bzw. in der Folge eigene seelische Probleme entwickeln. Emotional instabile Persönlichkeitsstörungen sind behandelbar, wenngleich sich die Therapie oft langandauernd gestaltet und den Betroffenen Durchhaltevermögen abverlangt. Besonders gut wissenschaftlich untersucht ist der Borderline-Typ dieser Persönlichkeitsstörung.

Psychotherapeutische Behandlung

Wissenschaftliche Studien zeigten, dass die übertragungsfokussierte Psychotherapie/TFP das Beziehungserleben und -verhalten positiv beeinflussen kann. Die TFP ist ein psychoanalytisches Verfahren. Zu anderen Therapien, die sich bei Borderline-Persönlichkeitsstörung bewährt haben, zählen die DBT (Dialektisch-behaviorale Therapie), die Mentalisierungs-basierte Therapie (MBT) und die Schematherapie; darüber hinaus die Psychoanalytisch-interaktionelle Methode (PiM) im Jugendalter. Bei diesen Therapieformen steht ebenso das Beziehungsverhalten im Vordergrund. In der TFP ist die therapeutische Beziehung jedoch zentraler im Mittelpunkt, bei den anderen Verfahren eher das Beziehungsleben im Alltag. In schweren Krisen kann ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein, der ggf. Rehabilitation nach sich zieht. Zur Unterstützung im Berufsleben kann etwa eine Arbeitsassistenz hilfreich sein.

Die Therapien laufen oft über Jahre, um Persönlichkeitsveränderungen zu bewirken. Die Behandlung einer Persönlichkeitsstörung erfordert eine Sitzungsfrequenz von in der Regel zwei therapeutischen Sitzungen pro Woche (z.B. auch in Kombination von Einzel- und Gruppentherapie). In späteren Phasen der Behandlung kann oft zu einer niedrigeren Frequenz übergegangen werden. Auch Methoden der Emotions- und Stressregulation finden Anwendung. Die Probleme, mit denen Betroffene zu kämpfen haben (z.B. Schwierigkeiten im sozialen Leben), spiegeln sich meist in einem erschwerten Behandlungsweg wider. Nicht selten kommt es zu Therapieabbrüchen. Eine wesentliche Basis bildet das langsam aufzubauende Vertrauensverhältnis zu den professionellen Helferinnen/Helfern.

In einer Gruppenpsychotherapie können vor allem Differenzen zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung sichtbar gemacht, soziales Miteinander in geschütztem Rahmen gelebt und das Verständnis für einander gefördert werden. Nach mehrjähriger Therapie haben Betroffene im besten Fall gelernt, mit ihren starken Impulsen anders umzugehen und ihre Gefühle bewusster zu regulieren. Jedoch bleibt in den manchen Fällen zumindest eine gewisse psychosoziale Beeinträchtigung bestehen.

Medikamentöse Behandlung

Generell ist für eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung Psychotherapie die Methode der Wahl. Diese kann gegebenenfalls mit einer medikamentösen Therapie von begleitenden Symptomen sowie zusätzlichen psychischen Erkrankungen kombiniert werden. Es steht kein gezielt bei emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung wirksames Medikament zur Verfügung. Je nach Begleitsymptomatik sowie zusätzlichen seelischen Erkrankungen können jedoch unterschiedliche Medikamente zum Einsatz kommen z.B. :

  • Antidepressiva bei depressiven Symptomen

  • Antipsychotika bei veränderter Realitätswahrnehmung

  • Stimmungsstabilisierer bzw. Lithium bei bipolarer Stimmungslagebzw. bei extremen Stimmungsschwankungen

  • Opioidrezeptorantagonisten bei starker Neigung zur Dissoziation (Abspalten von Erinnerungen oder Persönlichkeitsanteilen)

Für den alleinigen Einsatz von Medikamenten gezielt gegen selbstverletzendes Verhalten liegt kein eindeutiger Wirksamkeitsbeweis vor.

Was kann ich selbst tun?

Wenn Sie bemerken, dass es Ihnen seelisch schlecht geht, suchen Sie Hilfe. Anlaufstellen finden Sie unter Beratung und Hilfe. Wenn Sie verzweifelt sind oder Angst haben, dass Sie sich selbst etwas antun könnten: Rufen Sie bei einer Krisenhotline an, wenden Sie sich an einen Not- oder Krisendienst in Ihrer Nähe oder an eine psychiatrische Ambulanz, beziehungsweise rufen Sie die Rettung unter 144. Jedes dieser Notfallservice-Teams kann Ihnen in Krisensituationen helfen!

Wenn Sie eine Psychiaterin/einen Psychiater oder eine Psychotherapeutin/einen Psychotherapeuten gefunden und sich für eine Therapie entschieden haben, halten Sie Ihre Absprachen mit dieser/diesem ein. Zusätzlich zu den psychotherapeutischen Sitzungen können Übungen zur Stress- und Gefühls- sowie Verhaltensregulation aus den Therapiesitzungen hilfreich sein.

Was kann ich als Angehöriger tun?

Nähere Bezugspersonen werden mitunter in die Therapie miteinbezogen. Vor allem, wenn es darum geht, das Verhalten und die Kommunikation, z.B. innerhalb einer Familie bzw. Beziehung, im Sinne eines Therapieerfolgs zu verändern. Bezugspersonen können dann helfen, dass Betroffene ihre Therapieziele besser umsetzen können. Eine professionelle Beratung für Angehörige ist wichtig, da der Umgang mit Menschen mit emotional instabiler Persönlichkeitsstörung sehr herausfordernd sein kann. Nähere Informationen finden Sie auf der Website von HPE (Hilfe für Angehörige psychisch Erkrankter) sowie unter Suche nach Selbsthilfegruppen.

Hinweis Menschen mit Persönlichkeitsstörungen können ein erhöhtes Risiko aufweisen, sich das Leben zu nehmen. Spricht eine Betroffene/ein Betroffener von Suizid, ist das immer ernst zu nehmen. Die/der Betroffene darf in dieser Situation keinesfalls alleine gelassen werden. Es ist wichtig, professionelle Hilfe zu holen. Nähere Informationen und Anlaufstellen finden Sie unter Suizidprävention.

Wohin kann ich mich wenden?

Haben Sie den Verdacht, an einer Persönlichkeitsstörung zu leiden, möchten Sie jemandem aus Ihrer Umgebung helfen, oder benötigen Sie als Angehöriger/Angehörige seelische Unterstützung, ist die Fachärztin/der Facharzt für Psychiatrie oder die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut für Sie die Anlaufstelle erster Wahl. Für Jugendliche unter 18 Jahren stehen auch spezialisierte Kinder- und Jugendpsychiaterinnen/Jugendpsychiater zur Verfügung. Sie können sich zudem an eine klinische Psychologin/einen klinischen Psychologen wenden. Für Angehörige bietet beispielsweise HPE Information und Unterstützung. Unter Services, Links und Broschüren finden Sie hilfreiche Informationen zur Arzt- bzw. Therapeutensuche sowie Suche nach Selbsthilfegruppen (auch für Angehörige). In akuten Krisen bzw. bei schweren Verletzungen rufen Sie bitte umgehend die Rettung unter der Telefonnummer 144.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Bei Inanspruchnahme einer Psychotherapie ist eine volle Kostenübernahme in eigenen bzw. vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Es besteht in diesen Fällen jedoch die Möglichkeit, dass ein Selbstbehalt zu leisten ist. Ansonsten haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung zu stellen, wenn Sie eine Psychotherapie bei einer niedergelassenen Psychotherapeutin/einem niedergelassenen Psychotherapeuten machen. Wird dieser genehmigt, erstattet Ihnen der Krankenversicherungsträger einen Teil des an die Psychotherapeutin/den Psychotherapeuten bezahlten Honorars zurück. Die Krankenversicherungsträger leisten allerdings nur dann einen Zuschuss, wenn eine sogenannte krankheitswertige Störung vorliegt. Näheres zur Kostenerstattung erfahren Sie auf der Website der Sozialversicherungsträger.

Kommt es zu einem Krankenhausaufenthalt, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Die Kosten für die medizinische Rehabilitation in einem Rehabilitationszentrum trägt der zuständige Sozialversicherungsträger, wobei jedoch für die Patientin/den Patienten ein Kostenbeitrag vorgesehen ist. Bei besonderer sozialer Schutzbedürftigkeit (z.B. Bezug einer Ausgleichzulage) ist die/der Versicherte bzw. Pensionsbezieherin/Pensionsbezieher von diesem Kostenbeitrag befreit.

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