Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Gesprächssituation mit einem Patienten © alexsokolov

Zwangsstörung: Diagnose & Therapie

Stehen Zwänge im Mittelpunkt des Lebens oder werden sie als belastend empfunden und schränken den Alltag ein, ist professionelle Hilfe notwendig. Oft ist es für Erkrankte nicht leicht, sich zu überwinden und z.B. eine Fachärztin/einen Facharzt für Psychiatrie oder eine Psychotherapeutin/einen Psychotherapeuten zu kontaktieren. Doch diese sind mit Zwangsstörungen vertraut und können helfen.

Diagnose

Mittels genauer Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), klinisch-psychologischer Diagnostik bzw. eines psychotherapeutischen Gesprächs wird die Verdachtsdiagnose einer Zwangserkrankung gestellt. Bevor die Diagnose erfolgt, werden körperliche Leiden ausgeschlossen (z.B. mittels neurologischer Untersuchung). Außerdem muss abgeklärt werden, ob der Zwang als Begleiterkrankung einer anderen psychischen Krankheit auftritt (z.B. einer Depression) oder ob eine andere seelische Erkrankung die Basis für die Zwangsstörungen ist (z.B. eine Depression oder eine Schizophrenie).

Zwangsstörungen werden normalerweise nach der ICD-10 (International Classification of Diseases) diagnostiziert. Zu den wesentlichen Kennzeichen zählen immer wiederkehrende Zwangsgedanken und -handlungen. Diese drängen sich förmlich auf und werden als schwer oder unkontrollierbar erlebt. Die Gedanken kommen vom Betroffenen selbst, und er ist sich dessen bewusst. Das Zwangsverhalten wird von den Erkrankten als unsinnig und belastend erlebt.

Nähere Informationen zu Zwangsgedanken und -handlungen finden Sie unter Zwangsstörungen.

Therapie

Zur Behandlung wird in den meisten Fällen eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie eingesetzt. Auch eine klinisch-psychologische Behandlung steht als Therapieoption zur Verfügung. Ist die Erkrankung sehr stark ausgeprägt, kann auch ein stationärer Krankenhausaufenthalt oder eine Rehabilitation notwendig sein.

Psychotherapie

Die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut oder die Ärztin/der Arzt mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin bzw. Fachärztin/Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bringen diesbezügliches Wissen und Kompetenzen mit. In vertrauensvollem Rahmen wird über Probleme, Ängste und Sorgen gesprochen. Der Umgang mit der Erkrankung wird erlernt, und praktische Hilfestellungen unterstützen, das Verhalten zu kontrollieren. In weiterer Folge soll das seelische Leid gemildert bzw. geheilt werden. Ängste, die meist hinter den Zwangshandlungen stehen, werden angesprochen, und es wird versucht, sich diesen zu stellen.

Verhaltenstherapeutische Ansätze, die nicht nur von Verhaltenstherapeutinnen/Verhaltenstherapeuten, sondern auch gegebenenfalls von Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten anderer psychotherapeutischer Methoden in entsprechenden Weiterbildungen erlernt wurden, haben sich in der Behandlung von Zwangsstörungen besonders bewährt.

Medikamente

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), die auch bei Depressionen eingesetzt werden, haben sich bei Zwangserkrankungen als effektiv erwiesen. Diese bringen Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) wieder ins Gleichgewicht. Weiters werden etwa sogenannte trizyklische Antidepressiva verabreicht. Auch eine Behandlung bei einer klinischen Psychologin/einem klinischen Psychologen kann hilfreich sein. Sie vermitteln ganz gezielt Bewältigungsstrategien im Umgang mit den Zwängen.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Zwangserkrankung zu leiden bzw. diese bereits diagnostiziert wurde, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • niedergelassene Fachärztin/niedergelassener Facharzt für Psychiatrie
  • Kassenambulanz oder Spitalsambulanz für Psychiatrie
  • Psychotherapeutin/Psychotherapeut
  • Ärztinnen/Ärzte mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin

Sie können auch zuerst Ihre Ärztin/Ihren Arzt für Allgemeinmedizin kontaktieren und so gezielte Ansprechstellen finden. Psychologinnen/Psychologen können maßgeblich in die Diagnose und Behandlung mit einbezogen sein.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Suche nach Anlaufstellen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung und Behandlung werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Weitere Informationen zum Arztbesuch finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn Sie eine Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten machen, haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch Ihren Krankenversicherungsträger zu stellen. Wird dieser genehmigt, erhalten Sie vom Krankenversicherungsträger einen Zuschuss. Dieser beträgt derzeit in der Regel 21,80 Euro pro Einheit Einzeltherapie. Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie (zum Teil auch mit Selbstbehalten) ist in eigenen bzw. mit den Krankenversicherungsträgern vertraglich gebundenen Einrichtungen möglich sowie weiters in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Services.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der Sozialversicherungsträger. Die klinisch-psychologische Behandlung hingegen muss selbst bezahlt werden.

Informationen zu Kosten bei einem Spitalsaufenthalt finden Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt? Näheres zu einem Rehabilitationsaufenthalt erfahren Sie unter Rehabilitation.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse