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Frau hält sich Hände an den Kopf © Jürgen Fälchle

Angst- & Panikstörung: Was ist das?

Angst hat für das gesunde Leben einen großen Stellenwert. Angst schützt: Wird etwas bedrohlich wahrgenommen und erscheint unberechenbar, fürchten sich Menschen naturgemäß und entkommen daher Gefahren bzw. können diesen angemessen begegnen. Körper und Geist schalten auf „Kampf-oder-Flucht-Modus“. Schnelle Bewegungen werden vorbereitet, indem z.B. die Durchblutung, Atmung und Muskelspannung zunimmt. Aber auch eine Schreckreaktion, die „lähmt“ und schockiert, ist möglich.

Angst als lebensnotwendiges Gefühl

In der heutigen Zeit gibt es oft keine Möglichkeiten, der Angst mit Bewegung zu kontern, die diese wieder abbauen kann. Man sitzt dann stock und steif sowie angespannt – die natürliche Abreaktion findet kaum statt. Das Stressige an der Angst ist nicht das Gefühl selbst, sondern die mangelnde oder nicht vorhandene Kontrolle darüber. Dauerstress im negativen Sinn stellt ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar. Nähere Informationen finden Sie unter Stress & Erholung.

Ohne Ängste wäre der Mensch nicht überlebensfähig. Diese „angelegte“ Angstbereitschaft vor potenziell gefährlichen Situationen wie z.B. Höhe, Spinnen etc. ist die Basis, auf deren Nährboden auch krankhafte Ängste entstehen können. Doch nicht nur das „biologische Programm“ prägt das menschliche Dasein, sondern ebenso sozial oder kulturell erlernte Verhaltensweisen. Zudem ist Angst ein existenzielles Gefühl und begleitet Menschen ein Leben lang. Sie weist auf die Endlichkeit des Lebens hin und lenkt den Blick auf unangenehme Aspekte. So trägt sie in gesunder Weise dazu bei, das Dasein zu schätzen und das Schöne als Gegenpol genießen zu können.

Gefahr als Lust – den „Thrill “ suchen

Manch einer sucht förmlich den „Thrill“ und die Gefahr – etwa beim Bungee-Jumping – und erlebt die Angst als etwas Lustvolles. Liebt jemand das gefährliche Abenteuer, wird er oft als „Adrenalin-Junkie“ bezeichnet, da in Gefahrenlagen das Hormon Adrenalin vermehrt ausgeschüttet wird. Das Entspannende daran ist das bewusste Aufsuchen der Situation, das Meistern dieser und die darauf folgende Lösung des Spannungsgefühls. Auch passives „Mitfiebern“ beispielsweise beim Zusehen eines Thrillers im Fernsehen oder Kino kann erwünschte Aufregung erzeugen.

Eine Frage des Ausmaßes

Angst steigert die Konzentration in brenzligen Situationen wie etwa bei einer entscheidenden Prüfung oder einer schwierigen Bergtour. Ist sie nicht zu stark ausgeprägt, kann sie ein Motivator sein und die Leistung verstärken. Ein Zuviel hingegen beeinträchtigt Denken, Konzentration und Verhalten bis hin zur völligen Blockade oder panischen Kurzschlussreaktion (z.B. Suizidversuch). Das bedeutet, das Gefühl der Angst kann förderlich oder blockierend sein – abhängig vom Ausmaß. Lange andauernde starke Ängste laugen nach und nach aus. Schlafstörungen oder Depressionen können so z.B. auf dem Boden einer Angststörung entstehen.

Bricht jegliches Denken zusammen und ist ein zielgerichtetes Handeln nicht mehr möglich, spricht man von Panik, wie sie z.B. bei Katastrophen ausbricht (Erdbeben etc.). In dieser besteht nur noch ein Wunsch, nämlich der nach Flucht. Kann diese nicht umgesetzt werden (z.B. bei Menschenansammlungen mit geringen Fluchtmöglichkeiten), verstärkt sich das Panikgefühl einer oder mehrerer Personen (Massenpanik).

Körperliche Anzeichen

Wie andere Gefühle ist auch Angst körperlich wahrnehmbar. Ob Herzklopfen, Schweiß, Zittern oder ein Kloß im Hals – diese Emotion lässt niemanden kalt. Vereinfacht kann man sagen: es gibt keine Angst ohne dazugehörige körperliche Empfindungen. Diese sind jedoch nicht für jeden deutlich wahrnehmbar.

Angst und Panik als Krankheit

Bei Angststörungen kommt es zu massiven Angstreaktionen, obwohl keine akuten extremen Bedrohungen und Gefahren bestehen, oder diese halten nach einer realen Gefahrensituation an. Zu den weiteren Kennzeichen von Angsterkrankungen zählen Kontrollverlust über die ängstlichen Gefühle, starke körperliche Begleitsymptome und die Vermeidung der angstauslösenden Situationen. Das Leben wird dadurch – teilweise stark – beeinträchtigt, Betroffene stehen unter belastendem Leidensdruck.

Unter dem Oberbegriff „Angst- und Panikstörungen“ werden mehrere Krankheiten zusammengefasst. Man unterscheidet Angst, die unabhängig von einem Objekt oder einer Situation ist (generalisierte Angststörung, Panikstörung), und Angst, die von einem Objekt oder einer Situation abhängig ist (Phobie, z.B. soziale Phobie). Bei einer Panikattacke kommt es zu wiederkehrenden Angstanfällen – begleitet von körperlichen Symptomen wie Herzrasen oder Schwindel.

Nähere Informationen zur Einteilung von Angsterkrankungen finden Sie unter Diagnose sowie Therapie von Angststörungen.

Angststörungen – ein häufiges Phänomen

Rund zehn Prozent der Allgemeinbevölkerung leiden an Angststörungen. Besonders oft kommen soziale und spezifische Phobien (vor ganz bestimmten Dingen, z.B. Spinnen) vor. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Wer unter einer Angststörung leidet, läuft Gefahr, auch andere psychische Erkrankungen (Alkoholabhängigkeit, Depression) bzw. eine zusätzliche Angsterkrankung zu entwickeln.

Modelle zur Entstehung von Angsterkrankungen

Es existieren viele verschiedene Modelle, die die Entstehung von Angsterkrankungen erklären, z.B.

  • Verhaltensmodell: Angst als erlerntes Verhalten
  • Neurobiologisches Modell: genetische Veranlagung (erhöhtes Risiko), Veränderungen im Neurotransmitter-Stoffwechsel etc.
  • Kognitives Modell: Gedanken als Verursacher von Ängsten
  • Systemisches Modell: Störungen in Beziehungen (Familie, Partnerschaft, berufliches Umfeld) als Auslöser von Ängsten
  • Psychoanalytisches Modell: Angst als Konsequenz eines (unbewussten) Konflikts oder etwa aus Bindungsangst
  • Humanistisches Modell: Das Selbst kann sich nicht ausreichend entfalten – die Selbstverwirklichung ist bedroht – Ängste sind die Folge. Ein Ungleichgewicht zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit führt zu inneren Konflikten.

Angststörungen entstehen oft aus mehreren dieser Gründe und müssen individuell betrachtet und behandelt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ein Leben ohne Ängste ist weder sinnvoll noch möglich. Nicht die Vermeidung, sondern die Bewältigung von Ängsten wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Bestimmt die Angst das Leben und stellt sie eine Belastung für Betroffene dar, ist rasche professionelle Hilfe notwendig.

Hinweis Angsterkrankungen können das Suizidrisiko erhöhen. Nähere Informationen zur Suizidprävention finden Sie unter Suizidgefahr erkennen.

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