Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Symbolbild - Spiegel © Hanna
Symbolbild - Spiegel © Hanna

Anorexie (Magersucht)

Anorexie wird auch als Magersucht bezeichnet. Bei dieser kommt es zu einem selbst herbeigeführten Gewichtsverlust und zu teils massivem Untergewicht. Das Verhalten von Betroffenen kreist um unterschiedliche Möglichkeiten Gewicht zu verlieren. Zum Beispiel durch übertriebene sportliche Aktivität, Missbrauch von Abführmitteln oder Erbrechen.

Erfahren Sie mehr zu Symptomen, Diagnose, Behandlung und Ansprechstellen bei Anorexie.

Welche Symptome können bei Anorexie auftreten?

Im Mittelpunkt einer Anorexie stehen Gedanken zu Gewicht und Figur. Auch Leistungsdenken spielt dabei eine Rolle. Der Selbstwert wird stark durch das Gewicht, die Figur und eigene Leistungen beeinflusst. Ein wesentliches Kennzeichen von Anorexie ist der Gewichtsverlust. Dieser ist von betroffenen Personen selbst herbeigeführt. Das zu erreichende Gewicht ist von Betroffenen sehr niedrig angesetzt. Bei Kindern kommt es zu fehlender Gewichtszunahme. Der massive Gewichtsverlust bzw. das Untergewicht führen zu vielen körperlichen Veränderungen, die lebensbedrohlich sein können. Unter anderem kommt es zu Veränderungen im Stoffwechsel, verlangsamtem Herzschlag oder erniedrigtem Blutdruck.  

Zu den weiteren Kennzeichen zählen:

  • Selbstwahrnehmung als zu dick – unabhängig vom tatsächlichen Gewicht, auch bei lebensbedrohlichem Untergewicht
  • Starke Angst, übergewichtig zu werden
  • Störungen im weiblichen oder männlichen Hormonstoffwechsel: bei Frauen Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe), bei Männern mangelnde Lust und Verlust der Potenz.
  • Selbst herbeigeführtes Erbrechen
  • Missbrauch von Abführmitteln
  • Übertriebene sportliche Aktivität
  • Gebrauch von Appetitzüglern oder Diuretika

Beginnt die Anorexie vor der Pubertät, ist die weitere Entwicklung gehemmt oder verzögert. Es kommt zum Beispiel zum Wachstumsstopp oder dem Ausbleiben der ersten Menstruation. 

Informationen zu Ursachen von Essstörungen finden Sie unter Essstörung: Was ist das?

Wie wird die Diagnose einer Anorexie gestellt?

Die Ärztin oder der Arzt erhebt die ausführliche Krankengeschichte (Anamnese). Zudem erfolgt eine körperliche Untersuchung. Auch eine neurologische Untersuchung kann notwendig sein. Bei Kindern und Jugendlichen achtet die Ärztin/der Arzt auch darauf, ob eine altersgemäße Entwicklung stattfindet.

Zudem finden je nach Ausprägung der Symptome noch weitere Untersuchungen statt. Zu diesen zählen:

  • Ultraschall des Bauches
  • Laboruntersuchungen: Zum Beispiel Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte und Urinuntersuchung. Informationen zu Laborwerten finden Sie in der Laborwerte-Tabelle.

Bei Anorexie ist das Risiko für Osteoporose erhöht. Daher kann auch eine Knochendichtemessung notwendig sein. Zudem können klinische Psychologinnen bzw. klinische Psychologen oder Psychotherapeutinnen bzw. Psychotherapeuten bei der Diagnosestellung mitwirken.

Für die Diagnose sind vor allem folgende Kennzeichen wesentlich:

  • Gewichtsverlust,
  • Selbstwahrnehmung als zu dick,
  • Furcht vor Übergewicht und
  • Störungen im weiblichen oder männlichen Hormonhaushalt.

Zudem schließt die Ärztin oder der Arzt andere Essstörungen oder Erkrankungen als Ursache für die Symptome sowie Gewichtsabnahme aus. Zum Beispiel Bulimie, Verlust von Appetit aus mehreren Gründen oder Depression. Bulimie kann auch gemeinsam mit einer Anorexie auftreten.

Wie erfolgt die Behandlung einer Anorexie?

Die Therapie wird auf die Patientin bzw. den Patienten abgestimmt. Zu den wesentlichen Säulen bei der Behandlung von Anorexie zählen:

  • Normalisierung des Gewichts
  • Erlernen eines geregelten Essverhaltens
  • Behandlung körperlicher Folgeerscheinungen

In einer Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie oder Systemische Familientherapie) lernen Betroffene, ihre Gefühle und ihr Verhalten zu verstehen und zu regulieren. So können sich die Symptome der Essstörung sowie mögliche weitere psychische Probleme zurückbilden oder bessern.

Auch der Umgang mit möglichen Rückfällen ist Teil der Behandlung. Es kann sinnvoll sein, nahestehende Personen in die Behandlung miteinzubeziehen.

Eine Ernährungsberatung hilft, die Ernährung wieder ausgewogen zu gestalten. Weiters können Selbsthilfegruppen Betroffene bei der Bewältigung der Situation unterstützen und bieten die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch.

Ein Aufenthalt in einem Krankenhaus ist erforderlich, wenn die Erkrankung schwer verläuft. Dies ist zum Beispiel der Fall bei:

  • raschem Gewichtsverlust,
  • starkem Untergewicht,
  • keiner Gewichtszunahme trotz ambulanter Behandlung.

Die Behandlung im Krankenhaus orientiert sich an dem aktuellen Gesundheitszustand der betroffenen Person. Dabei werden körperliche und psychische Aspekte berücksichtigt.

Wie verläuft eine Anorexie?

Der genaue Verlauf einer Anorexie ist von Person zu Person unterschiedlich. Sie dauert jedoch meist mehrere Jahre an. Im Durchschnitt dauert es sechs Jahre, bis eine Heilung eintritt. Auch nach Besserung der Symptome haben viele Betroffene noch deutliche Schwierigkeiten im sozialen Leben und in Beziehungen. Bei einem Teil der Betroffenen bleiben einige Symptome der Essstörungen bestehen. Auch Rückfälle sind möglich. 

Anorexie ist die psychische Erkrankung mit der höchsten Mortalität. Diese erhöhte Sterblichkeit ist auf teils lebensbedrohliches Untergewicht sowie mögliche Suizidalität zurückzuführen.

Hinweis Sie denken an Suizid, machen sich um jemanden Sorgen oder haben einen Menschen aufgrund eines Suizidtodesfalls verloren? Auf dem österreichischen Suizidpräventionsportal finden Sie Erste-Hilfe-Tipps, Notfallkontakte und Hilfsangebote in Ihrem Bundesland sowie weiterführende Informationen zur Bewältigung dieser Notsituation. 

Wohin kann ich mich wenden?

Folgende Ansprechstellen können Sie bei Essstörungen kontaktieren:

  • niedergelassene Fachärztin bzw. niedergelassener Facharzt für Psychiatrie (und psychotherapeutische Medizin)
  • niedergelassene Fachärztin bzw. niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie (und psychotherapeutische Medizin)
  • Spezialambulanzen für die Behandlung von Essstörungen
  • Kassenambulanz oder Spitalsambulanz für Psychiatrie (und Psychotherapie)
  • Psychotherapeutin bzw. Psychotherapeut
  • Ärztinnen bzw. Ärzte mit Weiterbildung in psychotherapeutischer Medizin

Sie können zudem zuerst Ihre Ärztin oder Ihren Arzt für Allgemeinmedizin kontaktieren und über diesen Weg gezielte Ansprechstellen finden. Auch klinische Psychologinnen bzw. Psychologen können in die Diagnose und Behandlung mit einbezogen sein. Beratungs- und Anlaufstellen für Essstörungen finden Sie zudem unter Essstörungen: Beratung & Hilfe.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

Seite drucken RSS-Feed anzeigen Seite teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen