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Teller mit einer Scheibe Brot © Africa Studio

Magersucht: Was ist das?

Bei der Essstörung Anorexia nervosa (Magersucht) kommt es zu einer Einschränkung des Essverhaltens. Außerdem werden teils weitere Maßnahmen gesetzt, die zu Untergewicht führen beziehungsweise dieses aufrechterhalten – zum Beispiel selbstbewirktes Erbrechen. Ab einer gewissen Zeit ist die Erkrankung sichtbar: Die Betroffenen sind extrem dünn. Eine Anorexia nervosa hat viele Folgen, die teils gravierend sein können . . .

Einschränkung des Essens

Der starke Gewichtsverlust bei Anorexia nervosa wird von den Betroffenen selbst bewirkt – z.B. durch die Einschränkung des Essens (und Trinkens) und Hungern.

Daneben setzen die Betroffenen weitere Maßnahmen, um abzunehmen, wie:

  • selbstbewirktes Erbrechen,
  • Missbrauch von Abführmitteln (Laxantien),
  • Einnahme von Appetitzüglern und/oder Diuretika,
  • extremes Bewegungsprogramm (exzessiver Sport).

Eine Anorexia nervosa muss nicht unbedingt mit Fressanfällen und selbst induziertem Erbrechen verbunden sein (restriktiver Typus). Die Betroffenen können jedoch Fressanfälle haben, selbst induziert erbrechen und Abführmittel sowie Diuretika missbrauchen („Binge-Eating/Purging“-Typus).

Gewichtsverlust & Körperwahrnehmung

Bei Erwachsenen mit Magersucht liegt der Body-Mass-Index (BMI) unter 17,5 kg/m2, das Körpergewicht mindestens 15 Prozent unter dem Gewicht, das für das Geschlecht, Alter und die Größe zu erwarten ist. Bei Kindern und Jugendlichen werden anhand von Body-Mass-Index die Perzentilkurven beurteilt. Der Wert 17,5 bei Erwachsenen entspricht in etwa der dritten Perzentile des BMI.

Den BMI für Kinder und Jugendliche können Sie auf der Website der Gesundheitsförderung Schweiz ausrechnen.

Obwohl Patientinnen/Patienten mit Anorexia nervosa extrem dünn sind, sind sie es in ihrer Selbstwahrnehmung nicht (Körperbildstörung). Sie haben Angst, zu dick zu sein.

Störungen des Hormonhaushaltes treten auf. Dies kann sich etwa durch Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö) bei Frauen sowie Libido- und Potenzverlust bei Männern zeigen. Eine Einsicht, dass eine Erkrankung mit teils schweren Folgen vorliegt, fehlt bei den Betroffenen sehr oft. Meist müssen diese von einer Abklärung der Ursachen des Gewichtsverlustes bei einer Ärztin/einem Arzt erst überzeugt werden.

Eine Anorexia nervosa ist für Angehörige nicht immer sofort bemerkbar. Sie kann beispielsweise durch Diäten beginnen, die harmlos erscheinen (z.B. Weglassen von Zucker, Süßigkeiten etc.). Die Gewichtsabnahme kann (sehr) langsam sein. Es kann zu einer extrem selektiven und strikten Nahrungsmittelauswahl kommen, bei der z.B. auf Kohlenhydrate & Ballaststoffe und Fette verzichtet wird. Auch Essrituale wie extrem langsames Kauen und sehr kleines Schneiden der Nahrung sind Hinweise.

Verschiedene Situationen oder Veränderungen – wie beispielsweise die erste Liebe, ein erster längerer Auslandsaufenthalt oder Veränderungen durch die Pubertät – können die Magersucht auslösen. Sie sind jedoch nicht alleine für die Erkrankung ausschlaggebend. Weitere Infos zu Risikofaktoren finden Sie unter Essstörungen: was ist das?

Folgen der Anorexia nervosa

Eine Anorexia nervosa hat viele Folgen, die teils gravierend sein können. Der Hungerzustand wirkt sich auf Körper und Psyche aus. Anfangs fühlen sich die Betroffenen noch gut. Mit fortschreitendem Gewichtsverlust und ständigem Hunger stellen sich vermehrt Folgeerscheinungen und körperliche Schäden ein. Auch machen die Betroffenen aufgrund ihrer Erkrankung oftmals viele alterstypische Erfahrungen nicht (wie beispielsweise das Sichausprobieren in der Pubertät etc.).

Störungen der Entwicklung & Hormonhaushalt

Bei Kindern bzw. Jugendlichen kann die Erkrankung zu einem „Stillstand“ oder zur Verzögerung der Entwicklung führen – beispielsweise zu einer Verzögerung der Pubertät und des Auftretens der ersten Regelblutung bei Mädchen. Später kommt es durch die Beeinträchtigung des Hormonhaushaltes teils zum Ausbleiben der Monatsblutung.

Durch zu geringe Zufuhr von Nährstoffen und Störungen im Hormonhaushalt kann die Erkrankung in späterer Folge Osteoporose nach sich ziehen. Vor und in der Pubertät wird im Normalfall ein großer Teil der Knochenmasse gebildet.

Herz-Kreislauf-System & Stoffwechsel

Die starke Abmagerung führt zu einem Absinken von Körpertemperatur, Blutdruck und Puls sowie zu einer Verlangsamung der Atemfrequenz. Dies zeigt sich beispielsweise durch kalte Gliedmaßen der Betroffenen. Der verlangsamte Herzschlag wiederum kann zu Schwindel und Ohnmachtsanfällen führen. Außerdem treten Beeinträchtigungen des Elektrolythaushalts sowie eine Anfälligkeit für Entzündungen auf. An den Gliedmaßen können Ödeme sichtbar sein. Auch Schlafstörungen kommen vor.

Nährstoffmangel, Haut & Haare

An Haut und Haaren macht sich die Erkrankung ebenfalls bemerkbar, z.B. in Form atropher, trockener Haut, Haarausfall u.v.m. Außerdem kann der Zahnschmelz durch häufiges Erbrechen angegriffen sein. Schwellungen der Speicheldrüsen zählen zu den körperlichen Veränderungen durch Anorexia nervosa.

Der Nährstoffmangel und die geringe Nahrungsaufnahme führen zu Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, z.B. zu Verstopfung und Blähungen.

Schäden an Organen

Ein starker Hungerzustand beeinträchtigt im Grunde den gesamten Körper und daher auch wichtige Organe wie Gehirn, Leber, Nieren und Herz. Eine stark ausgeprägte Magersucht kann dementsprechende Folgen nach sich ziehen. So können beispielsweise Nierenschäden auftreten – in sehr schweren Fällen bis hin zum Nierenversagen.

Psychische Symptome & Erkrankungen

Oft beginnt eine Anorexia nervosa in der Zeit des Erwachsenwerdens. Durch die Erkrankung können Konzentrationsstörungen und Interessenverlust sowie ein sozialer Rückzug auftreten. Mit der Dauer der Erkrankung treten Apathie und Gereiztheit auf. Auch depressive Verstimmungen kommen vor. Häufig finden sich im Zusammenhang mit Anorexia nervosa Erkrankungen wie Depression, Angststörungen und Zwangserkrankungen bzw. -symptome.

In der Regel verläuft die Erkrankung über Jahre. Eine Heilung ist möglich, jedoch ist bei langfristigem Verlauf auch mit schweren Schäden und im schlimmsten Fall mit einem erhöhten Sterberisiko durch die Folgen der Erkrankung oder durch Suizid zu rechnen.

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