Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Frau bei Toilette © VadimGuzhva

Bulimie: Was ist das?

Bei einer Bulimia nervosa (BN, Bulimie) kommt es zu Essanfällen. Die Betroffenen nehmen in kurzer Zeit große Nahrungsmengen zu sich. Anschließend wird durch verschiedene Maßnahmen versucht, die Folgen der Heißhungerphasen (= Gewichtszunahme) wieder „rückgängig“ zu machen. Bulimia-nervosa-Patientinnen und -Patienten beschäftigen sich stark mit dem Essen sowie mit dem Einkauf und der Zubereitung. Figur, Körpergewicht und Aussehen sind zentrale Themen. Von Bulimie Betroffene können normalgewichtig sein . . .

Essanfälle & kompensatorisches Verhalten

Zu den kompensatorischen Verhaltensweisen zählen:

  • selbst induziertes (herbeigeführtes) Erbrechen,
  • zeitweise Hungerperioden (Diäten, Fasten), Vermeiden von kalorienreichen Lebensmitteln,
  • Missbrauch von Abführmitteln (Laxantien), Verwendung von Diuretika, Appetitzüglern und Schilddrüsenpräparaten sowie
  • exzessive sportliche Betätigung.

Die Betroffenen haben oft sehr große Angst (krankhafte Furcht) vor einer Gewichtszunahme. Während der Essattacken fehlt die Kontrolle darüber, wie viel und was gegessen wird. Bulimiekranke haben während der Attacken das Gefühl, nicht mit dem Essen aufhören zu können.

Essanfälle sowie Maßnahmen zur Gewichtsreduktion kommen mehrmals vor – laut DSM-V der American Psychiatric Association wird für eine Diagnose ein Essanfall pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten angegeben. Als (objektiv) große Mengen gelten Mengen, die deutlich größer sind als die Mengen, die andere Menschen in einer ähnlichen Situation in derselben Zeitspanne essen würden. Hunger- und Sättigungsgefühl werden von den Betroffenen nicht wahrgenommen oder nicht mehr „normal“ wahrgenommen.

Beschäftigung mit Essen & Körpergewicht

Bulimia-nervosa-Patientinnen und -Patienten beschäftigen sich stark mit dem Essen sowie mit dem Einkauf und der Zubereitung von Nahrungsmitteln. Figur, Körpergewicht und Aussehen sind zentrale Themen. In vielen Fällen sind die Betroffenen normalgewichtig oder haben ein Gewicht, das leicht unter dem Normalbereich liegt – sie können jedoch auch übergewichtig sein. Die Betroffenen setzen sich eine sehr strikte Gewichtsgrenze, die weit unterhalb des altersgerechten („gesunden“) Körpergewichtes liegt.

Verschiedene Formen

Nicht immer sind alle Kriterien einer Bulimie ausgeprägt. Man spricht dann beispielsweise von „atypischer Bulimie“. Häufig geht einer Bulimie auch eine Magersucht voran. Symptome können sich außerdem mit jenen anderer Essstörungen überschneiden.

Folgen der Bulimia nervosa

Eine Bulimie ist nicht nur körperlich belastend, sondern auch psychisch, sozial und finanziell. Die Folgen sind abhängig von der Schwere und Dauer der Erkrankung, der Anzahl der Essanfälle und den Kompensationsmaßnahmen.

Zähne, Magen & Darm

Durch das Erbrechen kann es zu Halsschmerzen und chronischer Heiserkeit kommen. Sodbrennen sowie die sogenannte Refluxkrankheit und Entzündungen der Schleimhaut der Speiseröhre (Ösophagitis) treten auf. Magensäure, die durch das Erbrechen in den Mund gelangt, kann den Zahnschmelz angreifen und Karies begünstigen. Auch Schwellungen der Speicheldrüsen kommen vor. Außerdem führt die chronische Verwendung von Abführmitteln eventuell zu Verstopfung. Bei den Betroffenen treten zudem Störungen des Hunger- und Sättigungsgefühls auf.

Mineralstoffe, Stoffwechsel & Herz-Kreislauf-System

Fasten, einseitige Diäten, Erbrechen und der Missbrauch von harntreibenden Medikamenten sowie Abführmitteln können zu einem Mangel an Elektrolyten führen. Diese sind jedoch lebensnotwendig. Ein Mangel beeinflusst den Stoffwechsel sowie die damit verbundenen Organe und kann beispielsweise zu Muskelkrämpfen, aber auch zu schweren Herzrhythmusstörungen führen.

Vor allem in Kombination mit zu geringer Flüssigkeitsaufnahme (zu wenig trinken) können die Nieren stark belastet werden. Bei chronischem Mangel besteht die Gefahr einer schweren Schädigung des Nierengewebes, die zu einer Niereninsuffizienz führen kann. Außerdem treten bei einer Bulimie hormonelle Störungen auf, die die Nieren- und Nebennierenfunktion sowie den Wasserhaushalt des Körpers betreffen. Meist zeigen sich bei Betroffenen Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) infolge der Bulimie.

Störungen des Hormonhaushaltes äußern sich beispielsweise auch durch Zyklusunregelmäßigkeiten. Bei starken Gewichtsschwankungen oder sehr niedrigem Gewicht kann die Menstruation ausbleiben.

Durch zu geringe Zufuhr von Nährstoffen und Störungen im Hormonhaushalt kann die Erkrankung eine Knochenerweichung und in späterer Folge Osteoporose nach sich ziehen. Mangelerscheinungen machen sich zudem an der Haut bemerkbar – ähnlich wie bei Anorexia nervosa beispielsweise in Form von atropher, trockener Haut. Neben Elektrolytmangel kann es zu weiteren Mangelzuständen (z.B. an Vitaminen) kommen. Müdigkeit, abnehmende Konzentrationsfähigkeit und Schwindel treten ebenfalls durch die Erkrankung auf.

Psychische Probleme & Sucht

Im Laufe einer BN-Erkrankung können sich Stimmungsschwankungen, depressive Tendenzen, Mangel an Lebensfreude sowie Interessenlosigkeit zeigen. Zudem nimmt die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit ab. Depressive Verstimmungen können auch bereits vor der Erkrankung vorhanden sein.

Bulimia nervosa ist u.U. mit teils schweren psychischen Störungen verbunden. Neben depressiven Störungen treten z.B. Angststörungen, affektive Störungen und posttraumatische Belastungsstörungen auf. Zwangsstörungen sowie soziale Phobien können ebenfalls schon vor der BN vorhanden sein. Persönlichkeitsstörungen (beispielsweise Borderline-Persönlichkeitsstörung oder ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörungen) sowie selbstverletzende Verhaltensweisen kommen vor.

Substanzmissbrauch und -abhängigkeit (z.B. Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit, Drogenkonsum) stehen zudem im Zusammenhang mit einer BN.

Weitere Informationen finden Sie unter

Soziale & finanzielle Probleme

Finanzielle Probleme können durch hohe Kosten der Einkäufe von Nahrungsmitteln, die in den Heißhungerphasen konsumiert werden, entstehen. Die Erkrankung kann außerdem zu einem sozialen Rückzug führen. Weitere Informationen finden Sie unter zu Schulden etc. finden Sie unter Finanzielle Probleme & Gesundheit.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse