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Arzt misst Taillenumfang einer übergewichtigen Frau © moodboard

Binge-Eating: Diagnose & Therapie

Um eine Binge-Eating-Störung abzuklären, führt die Ärztin/der Arzt ein ausführliches Gespräch mit den möglicherweise Betroffenen. Dabei geht es unter anderem um Fragen zu Essgewohnheiten, körperlicher und psychischer Verfassung, Lebensstil und sozialem Umfeld. Umstände der Nahrungsaufnahme, Häufigkeit der Essanfälle sowie Art und Menge der Nahrungsmittel werden abgeklärt. Außerdem nimmt die Ärztin/der Arzt eine sorgfältige körperliche Untersuchung vor beziehungsweise leitet Untersuchungen in die Wege . . .

Diagnose einer Binge-Eating-Störung

Die Diagnose erfolgt aufgrund des Gespräches und der Abklärung körperlicher und psychischer Beschwerden bzw. Erkrankungen.

  • Körpergewicht & körperliche Erkrankungen. Betroffene können übergewichtig oder adipös sein. Je nach Ausprägung des gestörten Essverhaltens und der Höhe des Körpergewichtes werden Untersuchungen vorgenommen (z.B. bei Verdacht auf Diabetes mellitus Typ II, Bluthochdruck etc.). Vor allem bei lange andauernder Erkrankung und hohem Gewicht kommt es bei Betroffenen zu denselben Folgen wie bei übergewichtigen bzw. adipösen Patientinnen/Patienten. Zudem können andere Erkrankungen (z.B. der Schilddrüse) in Zusammenhang mit einer Gewichtszunahme stehen.
  • Psyche, Medikamente & Substanzmissbrauch. Die Ärztin/der Arzt informiert sich über eine eventuelle Medikamenteneinnahme. Bestimmte Medikamente wie Glukokortikoide, Östrogene, Insulin, Psychopharmaka können zu einer Veränderung des Essverhaltens und einer Gewichtszunahme führen. Bedeutung kommt der Abklärung psychischer Erkrankungen zu (z.B. Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen). Andere Formen von Essstörungen müssen ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Ein eventueller Substanzmissbrauch (z.B. Alkohol) wird ebenfalls berücksichtigt.
  • Laborwerte. Im Zuge der Diagnose werden verschiedene Laborwerte bestimmt, wie beispielsweise Blutbild, Lipidstoffwechsel (Triglyceride und Cholesterin), Blutglukose, Nierenwerte (Kreatinin und Harnstoff), Urinstatus, Gesamteiweiß und Albumin, Amylase, Transaminase. Hormone wie etwa Schilddrüsenhormone können ebenfalls erhoben werden. Im Einzelfall werden noch weitere Werte abgeklärt. Informationen zu den jeweiligen Werten erhalten Sie unter Laborwerte-Tabelle.
  • Weitere Untersuchungen. Gegebenenfalls ordnet die Ärztin/der Arzt weitere Untersuchungen an, z.B. ein EKG, oder lässt orthopädische Probleme (z.B. der Wirbelsäule, Kniegelenke) abgeklärt, u.v.m.

Therapie einer Binge-Eating-Störung

Die Therapie einer BES erfolgt oft über verschiedene Ansätze, die von den individuellen Bedürfnissen und gesundheitlichen Problemen der Patientin/des Patienten abhängen. Neben der Vermeidung von Heißhungeranfällen sowie der Behandlung körperlicher wie psychischer Erkrankungen ist eines der Therapieziele eine Gewichtsreduktion.

Die Ärztin/der Arzt entscheidet welche Therapieformen für die Betroffene/den Betroffenen notwendig sind. Sowohl Patientinnen/Patienten als auch Angehörige werden über die Essstörung, ihre Folgen sowie die Behandlung informiert. Häufig kommen die Patientinnen/Patienten wegen ihres Körpergewichtes und dem Wunsch nach Abnahme des Gewichtes zur Ärztin/zum Arzt.

Psychotherapie & Essverhalten

Die Therapie erfolgt meist in Form einer Psychotherapie. Die Behandlung kann ambulant oder stationär erfolgen. Eine stationäre Behandlung ist z.B. dann notwendig, wenn es die psychische und/oder körperliche Verfassung der Betroffenen/des Betroffenen erfordert. Die Therapiesitzungen können einzeln oder in der Gruppe stattfinden.

Eine Gewichtsreduktion kann über verschiedene Wege erreicht werden – z.B. durch die schrittweise Änderung des Lebensstils, durch gesunde Mischkost oder kalorienreduzierte Diät. Zur Normalisierung des Essverhaltens können auch Informationen über Ernährung sowie die Folgen der übermäßigen Nahrungsaufnahme beitragen (z.B. durch eine Ernährungsberatung). Auch ein Bewegungsprogramm, die Einnahme von Medikamenten sowie chirurgische Eingriffe können notwendig sein.

Eine Verordnung von Medikamenten (z.B. Antidepressiva) kann beispielsweise erforderlich sein, wenn die Essstörung in Zusammenhang mit einer Depression steht. Über die Verabreichung von Medikamenten entscheidet die Ärztin/der Arzt.

Im Laufe der Therapie kann es zu Rückfällen oder Abbrüchen kommen.

Familiäres Umfeld

Familie und enge Bezugspersonen spielen eine bedeutende Rolle. Entscheidend ist der Beitrag der Eltern/Erziehungsberechtigten in allen Phasen der Behandlung, von der Erkennung, Erstvorstellung bis zu intensiver Zusammenarbeit mit dem therapeutischen Team, um der Erkrankung adäquat zu begegnen.

Vor allem bei Kindern, aber auch bei jüngeren Jugendlichen übernehmen Eltern/Erziehungsberechtigte wichtige Entscheidungen und Aufgaben. Auch hinsichtlich eines eventuellen Rückfalls ist die Unterstützung von Angehörigen gefragt.

Weitere Infos finden Sie unter Essstörungen: Was Angehörige tun können

Spezialisierte Beratungsstellen und Ambulanzen, Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten sowie von Psychologinnen und Psychologen finden Sie unter Essstörungen: Links & Downloads.

Wohin kann ich mich wenden?

Erster Ansprechpartner bei Erwachsenen ist oftmals die Hausärztin/der Hausarzt. Diese/dieser leitet gegebenenfalls Überweisungen in die Wege. Bei Kindern und Jugendlichen sind Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie erste Ansprechpartner. Auch Ärztinnen/Ärzte weiterer Fachrichtungen sind in der Regel an der Therapie beteiligt. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können in den Diagnose- und Therapieprozess involviert sein.

Suchen nach spezialisierten Ambulanzen, Beratungsstellen und Hotlines finden Sie unter Essstörungen: Links & Downloads.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der ärztlichen Untersuchung zur Abklärung einer Binge-Eating-Störung sowie der Behandlung werden normalerweise von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten) kann ein Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung gestellt werden. Die Behandlung von Essstörungen (inklusive Psychotherapie) findet auch in spezialisierten ambulanten Einrichtungen statt, die Verträge mit den Krankenversicherungsträgern abgeschlossen haben. Für diese Behandlungsfälle werden im Regelfall die Kosten zur Gänze übernommen.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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