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Symbolfoto Glomerulonephritis © designua

Glomerulonephritis

Der Begriff „Glomerulonephritis“ umfasst verschiedene Nierenerkrankungen, bei denen es zu einer Entzündung der Filterteilchen (Glomerula) in der Niere  kommt. Jede Niere besitzt etwa ein bis zwei Millionen dieser winzigen Blutgefäßknäuel. Sie sind für die Filterung des Blutes und die Bildung des Primärharns verantwortlich. Bei einer Glomerulonephritis ist diese Funktion eingeschränkt, bei stärkerer Ausprägung verringert sich auch die Harnmenge . . .

Ursachen

Die Ursachen für eine Glomerulonephritis sind vielfältig. Sind sie unbekannt, spricht man von einer primären Glomerulonephritis. Eine sekundäre Glomerulonephritis liegt vor, wenn sie im Rahmen anderer Krankheiten auftritt, v.a.:

  • Autoimmunkrankheiten (z.B. Kollagenosen, Wegener’sche Granulomatose, Lupus erythematodes): Dabei richten sich Antikörper gegen Bestandteile des Glomerulus.
  • Ablagerung von Immunkomplexen in kleinsten Blutgefäßen der Glomeruli: Diese Immunkomplexe bestehen aus Antikörpern und im Blut gelösten Strukturen, gegen die sich diese Antikörper richten.
  • Infektionen: Immunreaktionen im Zusammenhang mit Infekten durch Bakterien (v.a. Streptokokken, Staphylokokken), Viren (z.B. Hepatitis B oder Hepatitis C), Protozoen (Malaria) oder Treponemen (Lues).
  • Tumorerkrankungen.

Je nach Ursache bzw. Entstehungsmechanismus, Art der Gewebsveränderung sowie der Beteiligung des Immunsystems kann die Glomerulonephritis in weitere Unterformen eingeteilt werden. Diese Klassifizierung ermöglicht eine genauere Diagnose und eine adäquate Therapiefindung.

Symptome

Bei einer Glomerulonephritis kann das Blut nicht mehr entsprechend gereinigt werden, bei stärkerer Ausprägung verringert sich auch die Harnmenge. Die Blutgefäße werden undicht, dadurch kommt es zu einer vermehrten Ausscheidung von Eiweiß (Proteinurie) und roten Blutkörperchen (Hämaturie). In der Folge kann dies zu einem Mangel an Albumin oder generell an Proteinen und damit zum sogenannten nephrotischen Syndrom führen. Dieses ist gekennzeichnet durch stark erhöhte Eiweißausscheidung im Urin (mehrere g/Tag), massiven Eiweißmangel, Beinschwellungen, erhöhte Blutfettwerte und manchmal Luftnot. Häufig entsteht auch Bluthochdruck. Die Glomerulonephritis kann zur Entwicklung eines Nierenversagens bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz führen. Darunter versteht man das dauerhafte Versagen der Nierenfunktion, was die Einleitung einer Nierenersatztherapie notwendig macht.

Eine Glomerulonephritis kann einen akuten bzw. chronischen Verlauf nehmen. Je nach Verlaufsform kommt es mehr oder weniger schnell zur Zerstörung von Nierengewebe, was schlussendlich zu einem chronischen Nierenversagen führen kann.

  • Akute Glomerulonephritis: Auslöser ist eine akute Entzündung der Glomeruli. Diese kann nach Infekten sowie im Rahmen bestimmter Erkrankungen (z.B. Vaskulitis, Lupus erythematodes) oder immunologisch bedingter Entzündungsprozesse der Niere auftreten. Gekennzeichnet ist die Glomerulonephritis durch die Ausscheidung von Eiweiß und geringen Blutmengen in den Urin. Zusätzlich können Bluthochdruck und Ödeme, allgemeine Müdigkeit, Fieber sowie Schmerzen in der Nierengegend entstehen. Bei sehr hoher Eiweißausscheidung im Urin (mehrere g/Tag) kommt es zu massivem Eiweißmangel, Beinschwellungen, erhöhten Blutfettwerten und manchmal Luftnot („nephrotisches Syndrom“). Wenn eine akute Glomerulonephritis irreversible strukturelle Schäden im Organ hinterlässt, kann dies zu einer terminalen Niereninsuffizienz führen.

  • Chronische Glomerulonephritis: Die Krankheit beginnt schleichend und verursacht zunächst oft über Jahre oder Jahrzehnte kaum Beschwerden. Lediglich ein erhöhter Blutdruck kommt gehäuft vor. Im Harn finden sich meist geringe Mengen Eiweiß und Blutspuren als erste Hinweise auf die Erkrankung. Im weiteren Verlauf steigen auch die Blutwerte der harnpflichtigen Substanzen an.

Mit der Zeit zeigen sich Symptome eines fortschreitenden Nierenversagens, z.B.:

Eine chronische Glomerulonephritis ist meist nicht mehr heilbar, die Behandlung zielt vor allem darauf ab, den nierenbedingten Bluthochdruck gut einzustellen und die Nieren in ihrer Ausscheidungsfunktion zu unterstützen.

Diagnose

Für die Diagnose spielen labormedizinische Untersuchungen eine zentrale Rolle, v.a.:

  • Harn: Blut und Eiweiß, Harnsediment, Kreatinin-Clearance;
  • Blut: Komplement (CH50, C3/C3c, C4), Entzündungsdiagnostik, Immunkomplexe, Antikörper und Autoantikörper, Nierenfunktionsparameter wie Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure etc.;

Hinweis Häufig ist eine Untersuchung von Nierengewebe (Biopsie) und in bestimmten Fällen auch ein Ultraschall erforderlich.

Therapie

Die Behandlung der Glomerulonephritis hängt von der jeweiligen Form und Ursache ab. Zum Einsatz kommen Medikamente z.B. zur Blutdrucksenkung, Entzündungshemmung oder Immunsuppression.

Der Verlauf variiert von Formen mit spontaner Genesung über solche mit folgenloser Heilung bei frühzeitiger Therapie bis zu Formen, bei denen innerhalb weniger Monate bis Jahre ein fortgeschrittenes Nierenversagen eintritt. In diesen Fällen ist eine Dialyse oder eine Nierentransplantation erforderlich.

Was kann ich selbst tun?

Jede Patientin/jeder Patient kann einen wesentlichen Beitrag leisten, um das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung günstig zu beeinflussen.

  • Nierenschonende Ernährung: Die Kost sollte v.a. arm sein an: Kochsalz, Eiweiß (maximal 0,6-0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht), Fett, Phosphat, Kalium;
  • Nichtrauchen;
  • Geringer Alkoholkonsum;
  • Regelmäßige Bewegung (kein anstrengender, blutdrucksteigender Sport);
  • Vermeidung potenziell nierenschädigender Medikamente;
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen;
  • Einhalten der Behandlungsempfehlungen;
  • Bei Verschlechterungen die Ärztin/den Arzt aufsuchen.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Behandlung einer Glomerulonephritis zuständig sind:

  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Glomerulonephritis werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Nur bei Inanspruchnahme einer Wahlärztin/eines Wahlarztes (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) werden die Kosten nicht direkt verrechnet. In diesem Fall bezahlen Sie den anfallenden Betrag direkt an die Ärztin/den Arzt und reichen die Rechnung bei Ihrem zuständigen Krankenversicherungsträger ein. Es werden Ihnen maximal 80 Prozent des Tarifs, den eine Vertragsärztin/ein Vertragsarzt bzw. ein Vertragsambulatorium mit dem Krankenversicherungsträger verrechnet, rückvergütet.

Ist wegen einer Glomerulonephritis ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

 

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