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Rote und weiße Blutkörperchen © rost9

Leukämie bei Kindern

Leuk­ämi­en machen rund ein Drittel aller Krebs­er­kran­kun­gen im Kin­des- und Ju­gend­al­ter aus. Sie ent­ste­hen im Kno­chen­mark, dem Ort der Blut­bil­dung. Leukämiezellen verteilen sich von Anfang an über das Blut im gesamten Körper. Sie werden daher zu den sogenannten systemischen Tumorerkrankungen gezählt. Die Betroffenen können in vielen Fällen vollständig geheilt werden . . .

Im Knochenmark entwickeln sich Blutkörperchen und Blutplättchen aus gemeinsamen Vorläuferzellen. Dabei kommt es bereits früh zu einer Aufspaltung in zwei Blutzellreihen:

  • Stammzellen der myeloischen Zellreihe: Daraus entwickeln sich über mehrere Zwischenstufen die roten Blutkörperchen (Transport von Sauerstoff), die Blutplättchen (Blutgerinnung) sowie ein Teil der weiße Blutzellen (Granulozyten und Monozyten – unspezifische Abwehrzellen‎).
  • Stammzellen der lymphatischen Zellreihe: Aus ihnen gehen die Lymphozyten‎ (spezifische Abwehrzellen) hervor, die eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen darstellen.

Das Knochenmark produziert ständig Nachschub, damit das Blut seine lebenswichtigen Funktionen erfüllen kann. Normalerweise vermehren und erneuern sich alle Blutzellen in einem harmonischen Gleichgewicht und durchlaufen dabei einen komplexen Reifungsprozess. Dieser Reifungsprozess gerät bei Leukämien außer Kontrolle: Die weißen Blutkörperchen‎ (Leukozyten) reifen nicht mehr zu funktionstüchtigen Zellen heran, sondern vermehren sich rasch und unkontrolliert. Sie verdrängen dadurch zunehmend die normale Blutbildung – dadurch werden zu wenig gesunde Blutkörperchen und Blutplättchen produziert.

Formen

Abhängig davon, welche Blutzelllinie betroffen ist, werden lymphoblastische und myeloische Leukämien unterschieden. In seltenen Fällen kann keine eindeutige Linienzugehörigkeit festgestellt werden. Leukämien sind meistens akut verlaufende Tumorerkrankungen, die Krankheitszeichen entwickeln sich binnen weniger Wochen.

  • Akute lymphoblastische Leukämie (ALL): Sie ist mit 80 Prozent die häufigste Leukämieform bei Kindern und Jugendlichen und tritt überwiegend im Alter von ein bis sechs Jahren auf. Die Krankheit entsteht durch die bösartige Veränderung einer unreifen Vorläuferzelle der Lymphozyten‎. Diese Veränderung kann auf verschiedenen Stufen der Zellentwicklung erfolgen und verschiedene Untergruppen der Lymphozyten bzw. deren Vorstufen betreffen.
  • Akute myeloische Leukämie (AML): Sie macht 15 bis 20 Prozent der Leukämien bei Kindern und Jugendlichen aus. Betroffen sind v.a. Säuglinge und Kleinkinder in den ersten Lebensjahren. Die Krankheit entsteht durch die bösartige Veränderung unreifer myeloischer Zellen, meistens um Vorläuferzellen der weißen Blutzellen.

Ursachen

Leukämien gehen mit Veränderungen im Erbgut der betroffenen Zellen einher. Meist bleiben die Ursachen ungeklärt. Theoretisch können auch äußere Einflüsse bei der Entstehung einer Leukämie eine Rolle spielen, z.B.:

  • radioaktive Strahlen,
  • chemische Substanzen,
  • Medikamente,
  • Viren‎.

Jedoch lässt sich in der Vorgeschichte bei den Erkrankten in aller Regel keine erhöhte Belastung nachweisen. Auch eine familiäre Häufung ist bis auf wenige Ausnahmen nicht der Fall. Bei eineiigen Zwillingen erkranken allerdings etwa ein Drittel der Geschwister an derselben Leukämie. Kinder mit Down-Syndrom haben ein erhöhtes Risiko, an einer Leukämie zu erkranken.

Symptome

Krankheitszeichen entwickeln sich meist innerhalb weniger Wochen und sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Folgende Beschwerden können u.a. auftreten:

  • Müdigkeit, allgemeine Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit, Krankheitsgefühl;
  • Hautblässe durch Mangel an roten Blutzellen (Anämie);
  • Fieber;
  • erhöhte Infektneigung;
  • geschwollene Lymphknoten;
  • Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit (durch Vergrößerung von Milz und/oder Leber);
  • Blutungsneigung ohne oder bei nur geringer Einwirkung von außen, z.B. Nasen-, Zahnfleischbluten, blaue Flecken, punktförmige Hautblutungen;
  • Knochen- und Gelenkschmerzen.

Diagnose

Finden sich in der Krankheitsgeschichte bzw. im Rahmen einer körperlichen Untersuchung‎ Hinweise auf eine akute Leukämie, folgt eine umfassende Blutuntersuchung. Erhärtet sich der Verdacht, werden in einem auf Krebs- und Bluterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisierten Krankenhaus weitere Untersuchungen durchgeführt, z.B.:

in Einzelfällen:

Therapie & Prognose

Ziel ist es, die Tumorzellen möglichst vollständig zu vernichten, damit das Knochenmark seine Funktion als Blut bildendes Organ wieder aufnehmen kann. Dazu wird eine komplexe Chemotherapie durchgeführt. Die Behandlung dauert etwa zwei Jahre. Für bestimmte Therapiephasen, besonders zu Beginn der Behandlung, ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, andere können zu Hause stattfinden.

Die Krankheit betrifft immer den ganzen Körper. Da die Gehirnräume und -häute mit den Medikamenten, die ins Blut verabreicht oder geschluckt werden, aber schlecht erreicht werden können, muss über eine im unteren Rückenbereich durchgeführte Nadelpunktion (Lumbalpunktion) eine direkte Medikation in das dort befindliche Hirnwasser (Liquor) erfolgen. In manchen Fällen erfolgt zusätzlich eine Bestrahlung des Kopfes oder eine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation.

Durch eine frühzeitige, individuell maßgeschneiderte Therapie in einer kinderonkologischen Behandlungseinrichtung wird ein Großteil der Betroffenen völlig geheilt. Etwa die Hälfte aller Patientinnen/Patientinnen, die von Beginn an nicht ausreichend auf die Behandlung ansprechen bzw. einen Krankheitsrückfall (Rezidiv) erleiden, ist dank entsprechender Therapien trotzdem heilbar.

Wohin kann ich mich wenden?

Erste Anlaufstelle ist eine Fachärztin/ein Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte sowie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

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