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Mädchen an Infusion im Krankenhausbett © pingpao
Mädchen an Infusion im Krankenhausbett © pingpao

Leukämie bei Kindern

Leuk­ämi­en machen rund ein Drittel aller Krebs­er­kran­kun­gen im Kin­des- und Ju­gend­al­ter aus. Sie ent­ste­hen im Kno­chen­mark, dem Ort der Blut­bil­dung. Leukämiezellen verteilen sich von Anfang an über das Blut im gesamten Körper. Sie werden daher zu den sogenannten systemischen Tumorerkrankungen gezählt. Die Betroffenen können in vielen Fällen vollständig geheilt werden.

Im Knochenmark entwickeln sich Blutkörperchen und Blutplättchen aus gemeinsamen Vorläuferzellen. Dabei kommt es bereits früh zu einer Aufspaltung in zwei Blutzellreihen:

  • Stammzellen der myeloischen Zellreihe: Daraus entwickeln sich über mehrere Zwischenstufen die roten Blutkörperchen (Transport von Sauerstoff), die Blutplättchen (Blutgerinnung) sowie ein Teil der weißen Blutzellen (Granulozyten und Monozyten – unspezifische Abwehrzellen‎).
  • Stammzellen der lymphatischen Zellreihe: Aus ihnen gehen die Lymphozyten‎ (spezifische Abwehrzellen) hervor, die eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen darstellen.

Das Knochenmark produziert ständig Nachschub, damit das Blut seine lebenswichtigen Funktionen erfüllen kann. Normalerweise vermehren und erneuern sich alle Blutzellen in einem harmonischen Gleichgewicht und durchlaufen dabei einen Reifungsprozess. Dieser Reifungsprozess gerät bei Leukämien außer Kontrolle: Die weißen Blutkörperchen‎ (Leukozyten) reifen nicht mehr zu funktionstüchtigen Zellen heran, sondern vermehren sich rasch und unkontrolliert. Sie verdrängen dadurch zunehmend die normale Blutbildung – dadurch werden zu wenig gesunde Blutkörperchen und Blutplättchen produziert.

Welche Formen von Leukämie gibt es bei Kindern und Jugendlichen?

Man unterscheidet akute (rasch verlaufende) und chronische (schleichend verlaufende) sowie abhängig davon, welche Blutzelllinie betroffen ist, lymphatische und myeloische Leukämien. Im Kindesalter Kommen chronische lymphatische Leukämien nicht und chronische myeloische Leukämien sehr selten vor. Bei den somit meistens akut verlaufenden Krebserkrankungen entwickeln sich die Krankheitszeichen in der Regel binnen weniger Wochen.

  • Akute lymphoblastische Leukämie (ALL): Sie ist die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter und mit 80 Prozent die häufigste Leukämieform bei Kindern und Jugendlichen. Sie tritt überwiegend im Alter von ein bis sechs Jahren auf. Die Krankheit entsteht durch die bösartige Veränderung einer unreifen Vorläuferzelle der Lymphozyten‎.
  • Akute myeloische Leukämie (AML): Sie macht 15 bis 20 Prozent der Leukämien bei Kindern und Jugendlichen aus. Betroffen sind v.a. Säuglinge und Kleinkinder in den ersten Lebensjahren. Die Krankheit entsteht durch die bösartige Veränderung unreifer myeloischer Zellen, meistens um Vorläuferzellen der weißen Blutzellen.

Welche Ursachen hat Leukämie?

Leukämien gehen mit Veränderungen im Erbgut der betroffenen Zellen einher. Meist bleiben die Ursachen ungeklärt. Theoretisch können auch äußere Einflüsse bei der Entstehung einer Leukämie eine Rolle spielen, z.B.:

  • radioaktive Strahlen,
  • chemische Substanzen,
  • Medikamente,
  • Viren‎.

Jedoch lässt sich in der Vorgeschichte bei den Erkrankten in aller Regel keine erhöhte Belastung nachweisen. Auch eine familiäre Häufung ist bis auf wenige Ausnahmen nicht der Fall. Bei eineiigen Zwillingen erkrankt allerdings etwa ein Drittel der Geschwister an derselben Leukämie. Kinder mit Down-Syndrom haben ein erhöhtes Risiko, an einer Leukämie zu erkranken.

Welche Symptome können auftreten?

Krankheitszeichen entwickeln sich meist innerhalb weniger Wochen und sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Viele Beschwerden lassen sich auf einen Mangel an normalen Blutzellen zurückführen: Verminderte rote Blutzellen (Anämie), Blutplättchen (Blutungsneigung) und normale Abwehrzellen (Infektionen, Fieber) liegen den Symptomen zugrunde. Folgende Beschwerden können – nach der Häufigkeit des Auftretens geordnet – u.a. auftreten:

  • Müdigkeit, allgemeine Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit, Krankheitsgefühl;
  • Blässe der Haut und der Schleimhaut;
  • Fieber;
  • erhöhte Infektneigung;
  • Blutungsneigung ohne oder bei nur geringer Einwirkung von außen, z.B. Nasen-, Zahnfleischbluten, blaue Flecken ohne entsprechende äußere Ursache, punktförmige Hautblutungen;
  • Knochen- und Gelenkschmerzen.;
  • geschwollene, nicht schmerzhafte Lymphknoten;
  • Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit (durch Vergrößerung von Milz und/oder Leber).

Wie wird die Diagnose gestellt?

Finden sich in der Krankheitsgeschichte bzw. im Rahmen einer körperlichen Untersuchung‎ Hinweise auf eine akute Leukämie, folgt eine umfassende Blutuntersuchung. Erhärtet sich der Verdacht, werden in einem auf Krebs- und Bluterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisierten Krankenhaus weitere Untersuchungen durchgeführt, z.B.:

  • Entnahme einer Knochenmarksprobe aus dem Beckenkamm und einer Probe des Gehirnwassers (Liquor) aus dem unteren Wirbelkanal (Knochenmarks- und Lumbalpunktion),
  • Ultraschall‎,
  • Lungenröntgen‎.

Je nach Symptomen und Unterart der lymphoblastischen Leukämie können weitere bildgebende Verfahren wieMagnetresonanztomographie‎Computertomographie oder Skelettszintigraphie zum Einsatz kommen.

Wie erfolgt die Behandlung von Leukämien?

Ziel ist es, die Tumorzellen möglichst vollständig zu vernichten, damit das Knochenmark seine Funktion als Blut bildendes Organ wieder aufnehmen kann. Dazu wird eine komplexe medikamentöse Therapie durchgeführt, die großteils aus klassischer Chemotherapie besteht. Die Behandlung dauert etwa zwei Jahre. Für bestimmte Therapiephasen, besonders zu Beginn der Behandlung, ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, andere können zu Hause stattfinden.

Die Krankheit betrifft immer den ganzen Körper. Da die Gehirnräume und -häute mit den Medikamenten, die ins Blut verabreicht oder geschluckt werden, aber schlecht erreicht werden können, muss über eine im unteren Rückenbereich durchgeführte Nadelpunktion (Lumbalpunktion) eine direkte Medikation in das dort befindliche Hirnwasser (Liquor) erfolgen. In manchen Fällen erfolgt zusätzlich eine Bestrahlung des Kopfes. In seltenen, hartnäckigen Fällen kann eine Knochenmarkstransplantation (Stammzelltransplantation) erforderlich sein.

Prognose

Durch eine frühzeitige, individuell maßgeschneiderte Therapie in einer kinderonkologischen Behandlungseinrichtung wird ein Großteil der Betroffenen völlig geheilt. Etwa die Hälfte aller Patientinnen/Patientinnen, die von Beginn an nicht ausreichend auf die Behandlung ansprechen bzw. einen Krankheitsrückfall (Rezidiv) erleiden, ist dank entsprechender Therapien trotzdem heilbar.

Wohin kann ich mich wenden?

Erste Anlaufstelle ist eine Fachärztin/ein Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde.

Detaillierte Informationen für Erkrankte und Eltern können unter der Seite der Deutsch-Österreichischen Gesellschaft für pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) eingesehen werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

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