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Hodenkrebs

Bei Veränderungen des Hodengewebes folgt eine Reihe von Untersuchungen, um eine Tumorerkrankung zu diagnostizieren oder auszuschließen. Hodenkrebs kann in jedem Stadium geheilt werden, selbst bei fortgeschrittener Erkrankung, wenn bereits andere Organe befallen sind. Werden Verhärtungen, Verdickungen, Vergrößerungen oder sonstige Veränderungen des Hodens oder Brustschwellungen wahrgenommen, sollte umgehend eine Fachärztin/ein Facharzt für Urologie aufgesucht werden . . .

Risikofaktoren

Die Hoden (Testes) haben zwei Aufgaben, die von verschiedenen Zelltypen erfüllt werden: Die Keimzellen bilden die Spermien, die Stütz- oder Sertoli-Zellen sorgen v.a. für die Ernährung der Keimzellen, die Leydig-Zellen produzieren das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Aus diesen verschiedenen Geweben können sich unterschiedliche Krebsarten entwickeln.

Die eigentlichen Ursachen von Hodenkrebs sind unbekannt. Es sind jedoch einige
Faktoren bekannt, die das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, erhöhen. Dazu gehören u.a.:

  • angeborener Hodenhochstand (d.h., die Hoden sind zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht von der Bauchhöhle des Kindes in den Hodensack gewandert),
  • angeborene Fehlanlage der Harnröhrenmündung (Hypospadie),
  • Hodenkrebs bei einem engen Verwandten (Vater, Bruder),
  • Störungen der Fruchtbarkeit.

Symptome

Ein Hodentumor verursacht zunächst keine oder kaum Beschwerden. Anfänglich können – z.B. im Rahmen der regelmäßigen Selbstuntersuchung – folgende Veränderungen auffallen:

  • Vergrößerung oder Verhärtung eines Hodens,
  • unregelmäßige Form eines Hodens,
  • Knotenbildung im Hoden (schmerzlos oder schmerzhaft),
  • Schweregefühl oder Ziehen im Hoden oder in der Leiste

Bei fortschreitender Erkrankung können folgende Beschwerden auftreten:

  • zunehmende Vergrößerung des Hodens,
  • Rückenschmerzen (durch Vergrößerung der Lymphknoten im Bauchraum),
  • Vergrößerung oder Schmerzhaftigkeit der Brustdrüsen.

Bei Ausbreitung von Tumorzellen im Körper können verschiedenste weitere Beschwerden hinzukommen.

Diagnose

Ein Teil der Hodentumoren (Keimzelltumoren) wird bei der Eignungsuntersuchung für den Militärdienst, also bei der Musterung durch die Stellungskommission, entdeckt. Die wichtigste Maßnahme zur Früherkennung ist jedoch die regelmäßige Selbstuntersuchung. Männern wird in diesem Zusammenhang empfohlen, etwa einmal pro Monat in entspannter Stellung (z.B. unter der Dusche oder beim Baden, wenn die Haut besonders weich ist) beide Hoden vorsichtig abzutasten und ihre Größe zu vergleichen. Normalerweise haben die Hoden eine glatte Oberfläche und geben bei leichtem Druck nach. Werden Verhärtungen, Verdickungen, Vergrößerungen oder sonstige Veränderungen des Hodens oder Brustschwellungen wahrgenommen, sollte umgehend eine Fachärztin/ein Facharzt für Urologie aufgesucht werden.

Die Urologin/der Urologe führt eine körperliche Untersuchung inklusive Tastuntersuchung durch. Gegebenenfalls folgen eine Ultraschalluntersuchung und/oder Magnetresonanztomographie der Hoden. Weiters werden häufig bestimmte Laborwerte ermittelt, die bei Hodenkrebs im Blut deutlich erhöht sein können (Tumormarker wie z.B. HCG oder AFP). Manchmal sind zusätzlich Röntgenuntersuchungen des Bauchraumes oder der Lunge erforderlich.

Klassifizierung

Hodentumoren können sich aus verschiedenen Geweben entwickeln:

  • aus dem Keimzellgewebe der Hoden (über 90 Prozent):
    • Seminome: gehen von den samenbildenden Zellen (Spermatozyten) aus;
    • Nichtseminome (Teratom, Teratokarzinom, embryonales Karzinom, Chorionkarzinom, Dottersacktumor): haben ihren Ursprung in den frühen (embryonalen) Keimzellen. 
  • aus dem Stützgewebe der Hoden (z.B. Leydig-Zell- und Sertoli-Zelltumoren),
  • Mischtumoren,
  • als Absiedlungen anderer Tumoren.
Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch die mikroskopische Untersuchung des Hodengewebes.

Stadieneinteilung

Neben der Gewebeuntersuchung spielt auch die Stadieneinteilung (Staging) des Hodentumors eine wichtige Rolle für die Therapiewahl. Entscheidend ist dabei, ob der Tumor auf den Hoden beschränkt ist, bereits Lymphknoten befallen oder Metastasen gebildet hat. Dazu kommen v.a. Computertomographie, Röntgen und Ultraschall zum Einsatz. Bei 95 Prozent der betroffenen Männer tritt Hodenkrebs nur an einem Hoden auf. Bei Männern unter 40 Jahren wird eine Biopsie am zweiten Hoden vorgenommen, um Vorstufen auszuschließen.

Therapie

Je früher der Tumor erkannt wird, desto weniger belastend ist die Behandlung und desto höher sind die Aussichten auf dauerhafte Gesundung. Der erkrankte Hoden wird durch einen Leistenschnitt freigelegt. In der Regel lässt sich bereits durch die Betrachtung des Gewebes feststellen, ob ein bösartiger Hodentumor vorliegt. In unklaren Fällen wird noch während der Operation eine Gewebeprobe mikroskopisch untersucht. Handelt es sich um eine gutartige Geschwulst, wird meistens lediglich der Tumor aus dem Hodengewebe entfernt (Hodenteilresektion). Dadurch kann häufig eine Restfunktion des Hodens erhalten werden. Bei bösartigen Tumoren muss jedoch der Hoden zur Gänze entfernt werden (Orchiektomie). Diese relativ einfache, risikoarme Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Auf Wunsch des Patienten kann aus kosmetischen Gründen ein Hodenimplantat eingesetzt werden.

Gleichzeitig mit der Orchiektomie oder zeitlich verzögert werden in wenigen Fällen auch befallene Lymphknoten mitentfernt. Danach können je nach Stadium und Gewebebefund Chemotherapie oder Strahlentherapie zur Anwendung kommen.

Sexualität & Fruchtbarkeit

In der Regel übernimmt der gesunde Hoden die Funktion des entfernten Hodens. Daher treten bei einseitiger Orchiektomie meist keine langfristigen Nebenwirkungen wie Unfruchtbarkeit, Impotenz oder Beeinträchtigung des sexuellen Erlebens auf. Beim sehr selten auftretenden beidseitigen Hodenkrebs kann die Entfernung beider Hoden erforderlich sein. In diesem Fall kann der Mann keine Spermien mehr bilden und demzufolge auch keine Kinder zeugen. Durch das Fehlen von Testosteron lassen das sexuelle Verlangen und die Erektionsfähigkeit nach. Diese Nebenwirkungen können durch eine Testosteronersatztherapie verhindert werden. Die Zeugungsfähigkeit des Mannes kann auch durch Chemo- oder Strahlentherapie beeinträchtigt werden.

Hinweis Die Kryokonservierung von Sperma eröffnet die Möglichkeit, später zu einem gewünschten Zeitpunkt durch künstliche Befruchtung eigene Kinder bekommen zu können.

Nachsorge

Die meisten Männer mit Hodenkrebs können nach Behandlungsende ein völlig normales Leben führen. Um therapiebedingte Missbildungen bei der Zeugung von Kindern auszuschließen, sollte während der Behandlung und im ersten Jahr danach auf eine sichere Verhütung geachtet werden. Rückfälle von Hodenkrebs sind selten und in vielen Fällen heilbar. Daher sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen nach Abschluss der Behandlung erforderlich.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn in den Hoden bzw. in der Leistengegend Beschwerden auftreten oder Sie im Rahmen der Selbstuntersuchungen Veränderungen bemerken, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Urologie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Für die Behandlung kann mitunter ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Nachsorge

Die Kosten, die bei der Nachsorge entstehen, werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen.

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