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Kind mit Korsett © Dan Race

Skoliose: Therapie

Die Therapie einer Skoliose wird abhängig vom Krümmungsgrad individuell an die Patientin/den Patienten angepasst. Entscheidend ist auch, ob das Längenwachstum bereits abgeschlossen ist. Vorrangig stehen physiotherapeutische Methoden, das Tragen eines Korsetts oder operative Methoden zur Wahl . . .

Unter Skoliose versteht man eine häufige Deformation der Wirbelsäule, die zu einer mehr oder weniger deutlich sichtbaren Fehlhaltung führt. Bei der Skoliose ist das Rückgrat seitlich verkrümmt (Rotation), einzelne Wirbelkörper sind verdreht (Torsion). 

Therapie bei Skoliose

  • Leicht ausgeprägte Skoliose: Bei einer leichten Skoliose (unter 20 Grad) ist Physiotherapie als alleinige therapeutische Maßnahme in der Regel ausreichend. Allerdings müssen derartige Kräftigungs- und Mobilisationsübungen konsequent durchgeführt werden.
  • Mittel ausgeprägte Skoliose: Hier kommt eine Kombination aus Korsett- und begleitender Physiotherapie zum Einsatz. Das Tragen eines Skoliosekorsetts ist nur während des Wachstums medizinisch sinnvoll und wird daher nur bei Kindern und Jugendlichen angewandt.
  • Schwer ausgeprägte Skoliose: Bei ausbleibendem Therapieerfolg durch Korsett und/oder Physiotherapie bzw. einer stark ausgeprägten Skoliose ist eine Operation der Wirbelsäule in Erwägung zu ziehen.

Physiotherapie

Die physiotherapeutischen Übungen unterscheiden sich zwischen Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen. Noch im Wachstum befindliche Patientinnen/Patienten arbeiten zusammen mit der Physiotherapeutin/dem Physiotherapeuten daran, die Krümmung der Wirbelsäule zu reduzieren. Ist das Wachstum bereits abgeschlossen, zielen die Übungen v.a. auf die muskuläre Koordination sowie die Verbesserung der Bewegungsabläufe ab. Bekannte physiotherapeutische Methoden zur Skoliosebehandlung sind die Schroth- sowie Vojta-Therapie. Weitere Informationen erhalten Sie beim Bundesverband der PhysiotherapeutInnen Österreichs (Physio Austria).

Korsett

Das Skoliosekorsett ist eine sogenannte Orthese, die durch unterschiedliche Druckzonen und Freiräume die Wirbelsäule in ihre richtige Form drängt. Der Oberkörper wird auf- und dreidimensional ausgerichtet. Für die individuelle Anfertigung eines derartigen Korsetts wird ein Gipsabdruck des Oberkörpers angefertigt, das Korsett angepasst sowie nach und nach bis zur optimalen Passform korrigiert. Modultechniken erlauben eine Zusammenstellung eines Korsetts aus vorgefertigten Teilen. Die Korsette bestehen aus Kunststoff und Metallstäben.

Hinweis Für den Erfolg der Korsetttherapie ist das konsequente Tragen wichtig. Es wird empfohlen, das Korsett 22 bis 23 Stunden täglich zu tragen. Lediglich zur Körperpflege kann es abgelegt werden.

Psychische Unterstützung

Kinder und Jugendliche können durch das Tragen eines Korsetts psychisch sehr unter Druck stehen. Manche fühlen sich in Kindergarten oder Schule eventuell als Außenseiter. Unter Umständen kann eine begleitende professionelle psychische Unterstützung sinnvoll sein.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Wenn die Psyche Hilfe braucht.

Operation der Wirbelsäule

Bei starker Skoliose und unbefriedigender Korsetttherapie sollte eine Operation der Wirbelsäule in Erwägung gezogen werden. Zusammen mit der Ärztin/dem Arzt wird nach einer Risiken-Nutzen-Abwägung über eine Operation entschieden. Idealerweise finden derartige Operationen um den Abschluss der Wachstumsphase statt. Zu diesem Zeitpunkt liegen meist noch keine degenerativen Veränderungen vor, die Wirbelsäule kann zudem noch besser korrigiert werden als im Erwachsenenalter. Zur Anwendung kommen unterschiedliche operative Methoden, die mit Implantaten arbeiten. Sie korrigieren bzw. stützen die Wirbelsäule, verbleiben dauerhaft im Körper und verwachsen schlussendlich mit dem Knochen (Korrekturspondylodese). Als Vorbereitung zur Operation wird die Wirbelsäule über einige Wochen mithilfe einer Vorrichtung gestreckt, so dass die Weichteile der Wirbelsäule gelockert werden (Traktion).

Wohin kann ich mich wenden?

Sie haben Beschwerden an der Wirbelsäule bzw. typische Anzeichen einer Skoliose wie immer wiederkehrende Rückenschmerzen, ungleiche Schultern oder schiefes Becken? Sie haben an Ihrem Kind Haltungsauffälligkeiten oder eine Unregelmäßigkeit der Wirbelsäule entdeckt?

Zur Abklärung wenden Sie sich am besten an folgende Stellen:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Kinderärztin/Kinderarzt,
  • Fachärztin/Facharzt für Orthopädie oder
  • Spezialambulanz für Skoliose.

Skoliose-Intensivrehabilitation

Für Patientinnen/Patienten mit Skoliose gibt es die Möglichkeit einer Skoliose-Intensivrehabilitation, die über mehrere Wochen stationär erfolgt. Da in Österreich keine derartig spezialisierte Einrichtung verfügbar ist, können Betroffene diese Behandlung in Deutschland an der Asklepios Katharina-Schroth-Klinik in Bad Sobernheim/Rheinland-Pfalz (Deutschland) in Anspruch nehmen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.asklepios.com oder bei Ihrem Sozialversicherungsträger.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der Diagnose und Behandlung skoliotischer Beschwerden und Veränderungen der Wirbelsäule werden in der Regel von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Physiotherapie (Kranken- oder Heilgymnastik)

Wird eine Physiotherapie ärztlich verordnet und die Physiotherapeutin/der Physiotherapeut hat einen Vertrag mit Ihrem Krankenversicherungsträger, werden die Kosten direkt mit dem Krankenversicherungsträger abgerechnet.

Hinweis In bestimmten Fällen oder ab einer bestimmten Zahl an Behandlungen ist eine chefärztliche Bewilligung erforderlich.

Bei einer Wahltherapeutin/einem Wahltherapeuten (diese haben keinen Vertrag mit einem Krankenversicherungsträger) wird bei Vorliegen einer ärztlichen Verordnung und allenfalls einer chefärztlichen Bewilligung vom Krankenversicherungsträger Kostenersatz in der Höhe von 80 Prozent des jeweiligen Vertragstarifes geleistet. Bestimmte Sozialversicherungsträger bieten Physiotherapie in eigenen Einrichtungen an. Hier wird von der ärztlichen Leitung die Therapie festgelegt, Vorbewilligung ist in diesem Fall keine erforderlich. Für nähere Informationen hierzu wenden Sie sich an Ihren Sozialversicherungsträger.

Weitere Informationen zur Kostenabdeckung einer Physiotherapie z.B. bei einem Kuraufenthalt oder im Krankenhaus erhalten Sie unter Physiotherapeutin/Physiotherapeut.

Heilbehelfe (Korsett)

Heilbehelfe wie ein Skoliosekorsett müssen zuerst von der Ärztin/vom Arzt verordnet und vom Sozialversicherungsträger bewilligt werden. Meistens gibt es bei Hilfsmitteln einen Selbstbehalt.

Die Selbstbehalte entfallen bei . . .

  • Personen, die von der Rezeptgebühr befreit sind, und
  • Kindern, die das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder die – über diese Altersgrenze hinaus – erheblich behindert sind.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger unter Heilbehelfe und Hilfsmittel.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Ist eine Operation an der Wirbelsäule erforderlich, findet diese im Krankenhaus stationär statt. Hierbei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Wenn ein Rehabilitationsaufenthalt erforderlich ist

Mitunter ist nach einer Skolioseoperation ein Rehabilitationsaufenthalt notwendig. Um Leistungen zur medizinischen Rehabilitation zu erhalten, müssen Betroffene einen Rehabilitationsantrag stellen, um eine Bewilligung zu erhalten. Weitere Informationen erhalten Sie unter Reha und Kur.

Skoliose-Intensivrehabilitation

Die Kosten für eine Intensivrehabilitation in Deutschland an der Asklepios Katharina-Schroth-Klinik in Bad Sobernheim/Rheinland-Pfalz (www.asklepios.com) werden von manchen Sozialversicherungsträgern zum Teil übernommen. Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger.

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