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Kind mit Korsett © Dan Race
Kind mit Korsett © Dan Race

Skoliose: Therapie

Die Therapie wird abhängig von der Art der Skoliose und dem Krümmungsgrad individuell an die Patientin/den Patienten angepasst. Entscheidend ist auch, ob das Längenwachstum bereits abgeschlossen ist.
Unter Skoliose versteht man eine dreidimensionale Verkrümmung der Wirbelsäule, die zu einer mehr oder weniger deutlich sichtbaren Fehlhaltung führt.

Wie erfolgt die Behandlung?

Die Behandlung einer Skoliose ist je nach Ursache und Art, Alter der Patientin/des Patienten und Ausmaß des Cobb-Winkels – dieser dient der Klassifikation und Messung der Skoliose – unterschiedlich. Bei Kindern und Jugendlichen mit idiopathischer Skoliose lassen sich bei entsprechender Therapie vor Abschluss des Wachstums sehr gute Behandlungserfolge erzielen. Ziel ist, das Voranschreiten der Fehlstellung zu vermeiden.

Cobb-Winkelempfohlene Therapie
kleiner zehn Grad und skoliotische Verkrümmung
mindestens jährliche Kontrollen
zehn bis 20 Grad
Physiotherapie
20 bis 45 Grad
Korsett/Mieder und Physiotherapie
größer 45 Grad
Operation


Jede Patientin/jeder Patient mit einer Skoliose sollte regelmäßig von einer Fachärztin/einem Facharzt für Orthopädie oder Orthopädie und Traumatologie mit Kenntnissen in der Behandlung kindlicher Deformitäten kontrolliert werden. Die Abstände der Kontrollen werden individuell angepasst. Hierdurch kann ein Fortschreiten der Verkrümmung frühzeitig erkannt werden und ggf. eine Therapie eingeleitet werden.

Physiotherapie

Die physiotherapeutischen Übungen unterscheiden sich zwischen Kindern/Jugendlichen und Erwachsenen. Noch im Wachstum befindliche Patientinnen/Patienten arbeiten zusammen mit der Physiotherapeutin/dem Physiotherapeuten daran, die Mobilität der Wirbelsäule zu erhalten. Muskuläre Dysbalancen können ausgeglichen werden. Die Lungenfunktion wird unterstützt. Bei leichten Skoliosen werden kosmetische Defizite ggf. ausgeglichen. Ein Fortschreiten der Verkrümmung ist durch eine Physiotherapie als alleinige therapeutische Maßnahme nicht zu verhindern. Ist das Wachstum bereits abgeschlossen, zielen die Übungen v.a. auf die muskuläre Koordination sowie die Verbesserung der Bewegungsabläufe ab. Weitere Informationen erhalten Sie beim Bundesverband der PhysiotherapeutInnen Österreichs (Physio Austria).

Hinweis Wichtig ist, die Maßnahmen und Übungen konsequent durchzuführen und lange genug beizubehalten, um den Behandlungserfolg abzusichern. Zudem sollte begleitend zu einer Behandlung mit Korsett unbedingt eine Bewegungstherapie stattfinden.

Mieder/Korsett

Ab einem Cobb-Winkel von 20 bis 25 Grad ist eine Korsett- oder Miedertherapie angezeigt. Die Wirksamkeit ist nur bei noch vorhandenem Wachstumspotential bzw. noch nicht abgeschlossenem Wachstum nachgewiesen (Risser-Stadium größer 4). Nähere Informationen erhalten Sie unter Skoliose: Was ist das?

Je nach Art und Lokalisation der skoliotischen Verkrümmung gibt es unterschiedliche Korsette. Die Anfertigung erfolgt mittels Gipsabdruck oder 3D-Scan durch die Orthopädietechnikerin/den Orthopädietechniker. Die Korrektur des Cobb-Winkels durch das Mieder sollte größer als 40 Prozent betragen. Um dies zu erreichen, werden Pelotten an die Spitze (Apex) der Krümmung angepasst. Das Korsett sollte mehr als 20 Stunden pro Tag getragen werden und muss regelmäßig kontrolliert und nachgestellt werden. Nach abgeschlossenem Längenwachstum wird das Korsett schrittweise abtrainiert.

Während einer Miedertherapie ist eine begleitende Physiotherapie zum Erhalt der Rückenmuskulatur und zur Verbesserung der Lungenfunktion empfehlenswert.

Psychische Unterstützung

Kinder und Jugendliche können durch das Tragen eines Korsetts psychisch sehr unter Druck stehen. Manche fühlen sich in Kindergarten oder Schule eventuell als Außenseiter, wodurch das Korsett mitunter unzureichend getragen wird. Unter Umständen kann eine begleitende professionelle psychische Unterstützung im Rahmen einer Psychotherapie sinnvoll sein.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Wenn die Psyche Hilfe braucht.

Operation der Wirbelsäule

Bei einer idiopathischen Skoliose ist eine Operation ab einem Winkel von 45 Grad angezeigt. Die operative Technik wird je nach Lokalisation, Typ und Ausmaß der Skoliose sowie individuellem Risiko-Nutzen-Profil entschieden. Zur Verfügung stehen hier ventrale („den Bauch betreffend”) und dorsale („den Rücken betreffend”) derotierende Korrekturspondylodesen (Versteifungsoperation) und eine Wachstumslenkung.

Bei der Operation werden Titanschrauben und Stangen eingebracht, welche die Wirbelsäulenverkrümmung begradigen und die Wirbelsäule dauerhaft stützen. Bei noch sehr kleinen Kindern (jünger als zehn Jahre) werden wachstumslenkende Operationen (ohne Versteifung) durchgeführt. Dadurch wird das Wachstum der Kinder nicht eingeschränkt. Die Wachstumsstäbe werden mehrmals im Jahr ambulant und ohne Operation „nachgestellt“.

Bei manchen Patientinnen/Patienten mit stark zunehmenden Skoliosen (besonders kongenitale Skoliosen mit Wirbelfehlbildungen) ist eine Operation bereits sehr früh erforderlich (ab dem ersten oder zweiten Lebensjahr). Die weit verbreitete Meinung, dass eine Skoliose erst nach abgeschlossenem Wachstum operiert werden sollte, ist überholt. Ausschlaggebend für die Notwendigkeit einer Operation ist nicht das Alter, sondern der Verkrümmungswinkel.

Bei sehr steifen Verkrümmungen muss gegebenenfalls zusätzlich eine Osteotomie (Durchtrennung von Knochen bzw. die Entfernung eines Knochenteils) durchgeführt werden.

Die Erfolge der operativen Behandlung sind sehr gut und die Verfahren sicher. So liegt das Risiko einer Lähmung bei idiopathischen Skoliosen bei unter 0,1 Prozent.

Hinweis Da es sich um sehr spezielle Operationen handelt, die nur an wenigen Krankenhäusern in Österreich durchgeführt werden, ist eine rechtzeitige Vorstellung am jeweiligen Zentrum wichtig. Zudem sollte die Operation nur von Ärztinnen/Ärztin, welche viel Erfahrung mit der operativen Behandlung der Skoliose mitbringen, durchgeführt werden.

Sport und Bewegung

Sport und Bewegung können eine Skoliose nicht aufhalten und sind keinesfalls ein Ersatz für eine skoliosespezifische Therapie. Dennoch sind sie als begleitende Maßnahme sinnvoll. Sie können u.a. das gesamte Herz-Kreislauf-System trainieren, das Lungenvolumen steigern, die Muskulatur stimulieren und die Ausdauer verbessern sowie das allgemeine Wohlbefinden steigern. Welche Sportart geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B. dem Alter der betroffenen Person und dem Schweregrad der Skoliose. Prinzipiell werden v.a. Sportarten mit symmetrischer Belastung empfohlen. Hierzu zählen u.a. Schwimmen, Reiten, Tanzen, Radsport, Aerobic, Laufen, Walken und Skilanglauf.

Hinweis Während des Sports wird das Korsett abgelegt. Dennoch darf die für den Sport benötigte Zeit zur Korsett-Tragezeit hinzugerechnet werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Sie haben Beschwerden an der Wirbelsäule bzw. typische Anzeichen einer Skoliose wie immer wiederkehrende Rückenschmerzen, ungleiche Schultern oder schiefes Becken? Sie haben an Ihrem Kind Haltungsauffälligkeiten oder eine Unregelmäßigkeit der Wirbelsäule entdeckt? Zögern Sie nicht Ihre Ärztin/Ihren Arzt zu fragen, ob sie/er über die entsprechenden Kompetenzen verfügt oder wenden Sie sich an eine spezialisierte Skoliose- Ambulanz in einem Krankenhaus.

Zur Abklärung wenden Sie sich am besten an folgende Stellen:

  • Spezialambulanz für Skoliose
  • Fachärztin/Facharzt für Orthopädie
  • Kinderärztin/Kinderarzt
  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin/Facharzt für Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Ist eine Operation an der Wirbelsäule erforderlich, findet diese im Krankenhaus stationär statt. Hierbei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Wenn ein Rehabilitationsaufenthalt erforderlich ist

Mitunter ist nach einer Skoliose-Operation ein Rehabilitationsaufenthalt notwendig. Um Leistungen zur medizinischen Rehabilitation zu erhalten, müssen Betroffene einen Rehabilitationsantrag stellen, um eine Bewilligung zu erhalten.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Reha und Kur.

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