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Eltern vor einem Kindertöpfchen © danr13
Eltern vor einem Kindertöpfchen © danr13

Verstopfung (Obstipation)

Bei Verstopfung (Obstipation) kommt es zur verzögerten oder schmerzhaften Stuhlentleerung, die über mindestens zwei Wochen andauert und mit einer maßgeblichen Beeinträchtigung des Kindes einhergeht. Die Stuhlfrequenz kann, muss aber nicht vermindert sein. Ab einer Dauer von mehr als zwei Monaten kann es sich um ein chronisches Problem handeln. Die Behandlung besteht aus Akutmaßnahmen und einer häufig über längere Zeit andauernden medikamentösen Therapie.

Zur Definition der Obstipation sind die sogenannten Rom-IV-Kriterien gebräuchlich. Demnach müssen mindestens zwei der folgenden Symptome seit mindestens einem Monat vorhanden sein:


  • Zwei oder weniger Stuhlentleerungen pro Woche,
  • ausgeprägte „Rückhaltemanöver“ (= Vermeiden des Stuhlgangs),
  • schmerzhafter oder harter Stuhlgang,
  • mehr als eine Episode mit Stuhlschmieren pro Woche,
  • bei ärztlicher Untersuchung im Mastdarm oder im Bauchraum tastbare Stuhlmassen,
  • gelegentliche Entleerung großer Stuhlmassen,
  • bei Kindern, die schon „rein“ sind: mindestens einmal „Stuhlschmieren“ pro Woche.

Welche Stuhlhäufigkeit als normal gilt, ist aus medizinischer Sicht relativ weit definiert:

  • Bei ungestillten Babys und Kindern: ein- bis zweimal täglich bis dreimal pro Woche,
  • bei gestillten Säuglingen: fünf- bis sechsmal täglich bis zu einmal in 14 Tagen.

Welche Ursachen hat Verstopfung?

Verstopfung kann vielfältige Ursachen haben und sollte daher ärztlich abgeklärt werden. Der Entstehung können Eltern zwar kaum gezielt vorbeugen, die begünstigenden Faktoren lassen sich aber zumindest teilweise vermeiden. Bei Kindern über einem Jahr handelt es sich in etwa 90 Prozent um eine funktionelle Obstipation, das bedeutet, dass die Ursache nicht organisch-morphologisch ist. In seltenen Fällen begünstigen bestimmte angeborene oder erworbene Krankheiten (z.B. Darmerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion) eine chronische Verstopfung. Weiters gibt es zahlreiche von außen einwirkende, also exogene Störfaktoren, z.B.:

  • Irritationen beim Sauberwerden,
  • Änderung von Tagesrhythmus oder Umgebung,
  • verletzungsbedingt eingeschränkte Beweglichkeit,
  • Mangel an Flüssigkeit oder Ballaststoffen,
  • Nahrungsumstellung beim Säugling von Muttermilch auf Formelnahrung,
  • bestimmte Medikamente,
  • primär psychische Faktoren: z.B. Depressionen, sexueller Missbrauch.

Wie Sie vorbeugen können

Es gibt kaum Antworten auf die Frage, wie die Entstehung einer funktionellen Obstipation verhindert werden kann. Sinnvoll ist es in jedem Fall, exogene Störfaktoren – so weit möglich – zu vermeiden. Der häufigste bekannte Auslöser ist ein vom Kind als schmerzhaft erlebter Stuhlgang. Es beginnt daher, den Stuhl zurückzuhalten, wodurch evt. ein „Teufelskreis“ beginnt. Auch ein zu frühes und daher mit Stress bzw. Unbehagen verbundenes Toilettentraining kann die Entstehung einer funktionellen Obstipation begünstigen. Daher sollten Eltern auf ihre Kinder beim Sauberwerden keinen Druck ausüben, sondern Geduld haben.

Welche Symptome können auftreten?

Bei Verstopfung kann die Stuhlfrequenz vermindert sein, dies aber nicht zwangsläufig. Relevant sind v.a. die vielfältigen Beschwerden, die durch eine Stuhlverhaltung verursacht werden können.

Häufig auftretende Symptome sind v.a.:

  • Bauchschmerzen, meist wiederkehrend und kurz anhaltend,
  • mangelnder Drang zum Stuhlgang,
  • Schmerzen beim Stuhlgang,
  • großkalibriger, meist harter Stuhl,
  • unwillkürlicher Stuhlabgang (Überlaufinkontinenz, Enkopresis),
  • Hauteinrisse (Fissuren) oder Entzündungen in der Umgebung des Afters (Analregion),
  • Blutauflagerungen auf dem Stuhl,
  • Einnässen (Enuresis),
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Blähungen,
  • vergrößerter Bauch (Abdomen),
  • Appetitlosigkeit,
  • Abgeschlagenheit,
  • Gedeihstörung.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Verstopfung lässt sich meistens anhand der Krankengeschichte und einer kinderärztlichen Untersuchung feststellen. Nach einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) führt die Kinderärztin/der Kinderarzt eine genaue körperliche Untersuchung durch. Häufig ist auch eine digital-rektale Untersuchung erforderlich. Dazu führt die Ärztin/der Arzt einen Finger in den Anus (After) des Kindes ein und tastet den Enddarm und angrenzende Organe ab. Bei Angst und Abwehr des Kindes kann eine kurze Sedierung erfolgen.

Weiterführende Untersuchungen sind u.a.:

  • Blut- und Harnbefund,
  • Druckmessung des Enddarms (anorektale Manometrie),
  • Rektumbiopsie,
  • Kolon-Kontrasteinlauf,
  • Rektoskopie (Endoskopie des Mastdarmes).

Gegebenenfalls können auch Ultraschall, Röntgenuntersuchung, MRT etc. erforderlich sein.

Hilfreich zur exakten Beurteilung der Stuhlfrequenz ist auch ein „Darm-Tagebuch“ oder Stuhlprotokoll.

Wie erfolgt die Behandlung von Verstopfung?

Zunächst sollte eine Akuttherapie zur Darmentleerung erfolgen, im Anschluss daran eine medikamentöse Erhaltungstherapie. Begleitend ist auf ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten.  

Akuttherapie

Eine Entleerung des Enddarmes erfolgt zunächst über orale stuhlabführende Medikamente – am besten mit PEG (Polyethylenglykol, z.B. Macrogol), gelegentlich auch Laktulose – oder durch Klysmen (Einläufe), jeweils für drei bis sechs Tage.

Erhaltungstherapie mit Abführmitteln (Laxantien):

Anfangs sollten Eltern und Kinder stets über die Mechanismen der Obstipation aufgeklärt werden.

Erhaltungstherapie mit Abführmitteln (Laxantien):

  • Nach der akuten Darmentleerung sollten orale Laxantien über mehrere Monate verabreicht werden. Dazu wird vorzugsweise PEG eingesetzt.
  • Unterstützend kann vor dem Stuhlgang eine schmerzlindernde Salbe aufgetragen werden.
  • Für altersentsprechend entwickelte Kinder ab vier Jahren wird ein stressfreies Toilettentraining empfohlen:
    - Aufforderung zum Toilettengang 15 bis 30 Minuten nach Hauptmahlzeiten oder bei Anzeichen von Stuhldrang,
    - Ablenkung, falls das Kind versucht, den Stuhlgang „zurückzuhalten“,
    - Sitzungen nicht länger als fünf bis zehn Minuten,
    - geeigneter Toilettensitz und Möglichkeit zum Abstellen der Füße,
    - Belohnung für das Absetzen von Stuhl,
    - angenehme Umgebung (= hygienische Toilette und Toilettenraum).
  • Klysmen bringen keinen zusätzlichen Nutzen und werden für die Erhaltungstherapie nicht empfohlen.

Ernährung 

Kinder sollten eine altersadäquate gesunde Ernährung erhalten sowie ausreichend trinken. Eventuell empfiehlt sich in den ersten Monaten der Behandlung auch die Gabe löslicher Ballaststoffe.

Prognose

Prognose

Trotz Therapie sind nach fünf Jahren noch rund 40 Prozent der behandelten Kinder immer wieder verstopft, nach zehn Jahren sind es immer noch 20 bis 30 Prozent. Die funktionelle Obstipation ist also in vielen Fällen eine langwierige Angelegenheit, deren Behandlung viel Geduld erfordert.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Diagnose und Therapie von Verstopfung können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde,
  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

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