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Eltern vor einem Kindertöpfchen © danr13

Verstopfung (Obstipation)

Bei Verstopfung (Obstipation) kommt es zur verzögerten oder schmerzhaften Stuhlentleerung, die über mindestens zwei Wochen andauert und mit einer maßgeblichen Beeinträchtigung des Kindes einhergeht. Die Stuhlfrequenz kann, muss aber nicht vermindert sein . . .

Definition

Zu Definition der Obstipation sind die sogenannten Rom-III-Kriterien gebräuchlich. Demnach müssen mindestens zwei der folgenden Symptome vorhanden sein:

  • Weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche,
  • mehr als eine Episode mit Stuhlschmieren pro Woche,
  • bei ärztlicher Untersuchung im Mastdarm oder im Bauchraum tastbare Stuhlmassen,
  • gelegentliche Entleerung großer Stuhlmassen,
  • Rückhaltemanöver,
  • schmerzhafter oder harter Stuhlgang.

Hinweis Als chronisch gilt Verstopfung, wenn sie länger als zwei Monate andauert.


Welche Stuhlhäufigkeit als normal gilt, ist aus medizinischer Sicht relativ weit definiert:

  • Bei ungestillten Babys und Kindern: ein- bis zweimal täglich bis dreimal pro Woche,
  • bei gestillten Säuglingen: fünf- bis sechsmal täglich bis zu einmal in 14 Tagen.

Symptome

Bei Verstopfung kann die Stuhlfrequenz vermindert sein, dies muss jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein. Relevant sind v.a. die vielfältigen Beschwerden, die durch eine Stuhlverhaltung verursacht werden können.

Häufig auftretende Symptome sind v.a. :

  • Bauchschmerzen, meist wiederkehrend und kurz anhaltend,
  • mangelnder Drang zum Stuhlgang,
  • Schmerzen beim Stuhlgang,
  • oft großkalibriger, meist harter Stuhl,
  • unwillkürlicher Stuhlabgang (Überlaufinkontinenz, Enkopresis),
  • Hauteinrisse (Fissuren) oder Entzündungen in der Analregion,
  • Blutauflagerungen auf dem Stuhl,
  • Einnässen (Enuresis),
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Blähungen,
  • vergrößerter Bauchraum (Abdomen),
  • Appetitlosigkeit,
  • Abgeschlagenheit,
  • Gedeihstörungen.

Ursachen einer Verstopfung

Verstopfung kann vielfältige Ursachen haben und sollte daher ärztlich abgeklärt werden. Der Entstehung können Eltern zwar kaum gezielt vorbeugen, bestimmte begünstigende Faktoren lassen sich jedoch zumindest teilweise vermeiden. Meistens handelt es sich um eine funktionelle Obstipation, das bedeutet, dass die Ursache unbekannt ist. In seltenen Fällen begünstigen bestimmte angeborene oder erworbene Krankheiten (z.B. Darmerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion) eine chronische Verstopfung. Weiters gibt es eine Reihe von außen einwirkender, sogenannter exogener Störfaktoren, z.B.:

  • Irritationen beim Sauberwerden,
  • Änderung von Tagesrhythmus oder Umgebung,
  • verletzungsbedingt eingeschränkte Beweglichkeit,
  • Mangel an Flüssigkeit oder Ballaststoffen,
  • Nahrungsumstellung beim Säugling von Muttermilch auf Formelnahrung,
  • bestimmte Medikamente,
  • primär psychische Faktoren: z.B. Depressionen, sexueller Missbrauch.

Wie Sie vorbeugen können

Es gibt kaum Antworten auf die Frage, wie die Entstehung einer funktionellen Obstipation verhindert werden kann. Sinnvoll ist es in jedem Fall, exogene Störfaktoren – so weit möglich – zu vermeiden. Der häufigste bekannte Auslöser ist ein vom Kind als schmerzhaft erlebter Stuhlgang. Es beginnt daraufhin, den Stuhl zurückzuhalten, wodurch ein Teufelskreis beginnen kann. Auch ein zu frühes und daher mit Stress bzw. Unbehagen verbundenes Toilettentraining kann die Entstehung einer funktionellen Obstipation begünstigen. Daher sollten Eltern auf ihre Kinder beim Sauberwerden keinen Druck ausüben, sondern sich in Geduld üben.

Diagnose

Verstopfung (Obstipation) lässt sich meistens anhand der Krankengeschichte und einer kinderärztlichen Untersuchung feststellen. Die Behandlung besteht aus Akutmaßnahmen und einer häufig über längere Zeit andauernden medikamentösen Therapie.
Nach einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) führt die Kinderärztin/der Kinderarzt eine genaue körperliche Untersuchung durch. Häufig ist auch eine digital-rektale Untersuchung erforderlich. Dazu führt die Ärztin/der Arzt einen Finger in den Anus des Kindes ein und tastet den Enddarm und angrenzende Organe ab. Bei Angst und Abwehr des Kindes kann eine kurze Sedierung erfolgen. Weiterführende Untersuchungen sind u.a. Blut- und Harnbefund, Druckmessung des Enddarms (anorektale Manometrie), Rektumbiopsie, Kolon-Kontrasteinlauf und Rektoskopie (Endoskopie des Mastdarmes). Gegebenenfalls können auch Ultraschall, Röntgenuntersuchung, MRT etc. erforderlich sein.

Hilfreich zur exakten Beurteilung der Stuhlfrequenz ist auch ein „Darm-Tagebuch“ oder Stuhlprotokoll.

Therapie

Zunächst sollte eine Akuttherapie zur Darmentleerung erfolgen, im Anschluss daran eine medikamentöse Erhaltungstherapie. Begleitend ist auf ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme zu achten.  

Akuttherapie

Eine Entleerung des Enddarmes sollte zunächst über orale stuhlabführende Medikamente – am besten mit PEG (Polyethylenglykol, Macrogol) oder Lactulose – oder durch Klysmen (Einläufe), jeweils für drei bis sechs Tage, angestrebt werden.

Erhaltungstherapie mit Abführmitteln (Laxantien):

Erhaltungstherapie mit Abführmitteln (Laxantien):

  • Nach der akuten Darmentleerung sollten orale Laxantien über mindestens sechs Monate verabreicht werden. Dazu werden vorzugsweise PEG oder Laktulose eingesetzt.
  • Unterstützend kann eine schmerzlindernde Salbe vor der Stuhlentleerung aufgetragen werden.
  • Empfohlen wird eine entsprechende Aufklärung der Eltern und Kinder über die Mechanismen der Obstipation.
  • Für normal entwickelte Kinder ab vier Jahren wird ein stressfreies Toilettentraining empfohlen:- Aufforderung zum Toilettengang 15 bis 30 Minuten nach Hauptmahlzeiten oder bei Anzeichen für Stuhldrang,
    - Ablenkung, falls das Kind versucht, den Stuhlgang zu „verkneifen“,
    - Sitzungen nicht länger als fünf bis zehn Minuten,
    - geeigneter Toilettensitz und Möglichkeit zum Abstellen der Füße,
    - Belohnung für das Absetzen von Stuhl.
  • Klysmen bringen keinen zusätzlichen Nutzen und werden für die Erhaltungstherapie nicht empfohlen.

Ernährung 

Alle Kinder sollten eine altersadäquate gesundheitsförderliche Ernährung erhalten sowie ausreichend Flüssigkeit trinken. Allerdings scheint bei Kindern mit Verstopfung – im Gegensatz zu Erwachsenen – eine über das normale Maß hinausgehende Zufuhr von Ballaststoffen und Flüssigkeit keine zusätzlichen Vorteile zu bringen.

Prognose

Prognose

Trotz Therapie sind nach fünf Jahren noch rund 40 Prozent der Kinder verstopft, nach zehn Jahren sind es immer noch 20 bis 30 Prozent. Die funktionelle Obstipation ist also in vielen Fällen eine langwierige Angelegenheit, deren Behandlung viel Geduld erfordert.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Diagnose und Therapie von Verstopfung sollten die Kinder- und Jugendärztin/der Kinder- und Jugendarzt kontaktiert werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die Diagnose und Therapie einer Verstopfung bei Kindern werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Nur bei Inanspruchnahme einer Wahlärztin/eines Wahlarztes (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) werden die Kosten nicht direkt verrechnet. In diesem Fall bezahlen Sie den anfallenden Betrag direkt an die Ärztin/den Arzt und reichen die Rechnung bei Ihrem zuständigen Krankenversicherungsträger ein. Es werden Ihnen maximal 80 Prozent des Tarifs, den eine Vertragsärztin/ein Vertragsarzt bzw. ein Vertragsambulatorium mit dem Krankenversicherungsträger verrechnet, rückvergütet.

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