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Schlafendes Kind © Renata Osinska

Bettnässen

Als Harninkontinenz (Enuresis) wird die unkontrollierte Harnentleerung ab einem Alter von vier bis fünf Jahren bezeichnet. Im Alter von fünf Jahren leiden 15 bis 20 Prozent aller Kinder unter gelegentlicher Harninkontinenz, im Alter von sieben Jahren etwa zehn Prozent und im Alter von zehn Jahren rund drei Prozent, zwei Drittel davon nur nachts („Bettnässen“, Enuresis nocturna). Jungen sind generell häufiger betroffen als Mädchen . . .

Entstehung

Die Kontrolle der Blasenentleerung ist ein komplexes Geschehen und wird gewöhnlich vor dem vierten Lebensjahr erlernt. Verzögerungen und Störungen der Blasenkontrolle finden sich häufig, besonders im Zusammenhang mit Störungen von außen. Auch bei bereits kontinenten Kindern kann es nach aufregenden Ereignissen oder Veränderungen im Lebensumfeld zu einer sogenannten sekundären Enuresis kommen. Bettnässen sollte nicht als Krankheit, sondern lediglich als eine Angewohnheit gesehen werden, sofern funktionelle und organische Ursachen auszuschließen sind bzw. ausgeschlossen wurden. Da Enuresis nocturna in manchen Familien gehäuft auftritt, wird auch eine erbliche Komponente für möglich gehalten.

Symptome

Unterschieden wird zwischen dem Einnässen tagsüber (Enuresis diurna) und dem nächtlichen Einnässen („Bettnässen“, Enuresis nocturna), wobei auch kombinierte Formen vorkommen. Weiterhin unterscheidet man eine primäre – das Kind war noch nie dauerhaft trocken – und eine sekundäre Enuresis, bei welcher das Kind wieder einnässt, nachdem es bereits länger als sechs Monate kontinent war.

Diagnose

In die Beurteilung werden die familiäre Belastung, das Umfeld und die Lebensbedingungen, andere Erkrankungen sowie die psychomotorische Entwicklung des Kindes einbezogen. Mittels psychologischer Tests werden mögliche Belastungsfaktoren identifiziert. Hier spielen Konkurrenzsituationen zu Geschwistern, elterliche Spannungszustände und individuelle Reaktionsweisen eine Rolle.

Der nächtlichen Enuresis liegt meist keine körperliche Ursache zugrunde. Bei Tagesinkontinenz sind körperliche Untersuchung, Harnuntersuchung, Ultraschall der Nieren und Harnwege sowie die Auswertung eines Blasentagebuches (Miktionsprotokoll) für eine Diagnose notwendig. Dazu werden über einen Zeitraum von zwei bis drei Tagen jeweils Zeitpunkt und Harnmengen mithilfe eines Messbechers tagsüber und nachts registriert und schriftlich festgehalten. Bei Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung oder bei unklarem Befund werden weitere Untersuchungen wie Röntgen oder Blasenspiegelung durchgeführt.

Hinweis Nächtliche Harninkontinenz bedarf bei Kindern unter fünf Jahren und bei Kindern, die nicht öfter als ein- bis zweimal pro Woche einnässen, keiner Therapie. Eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist, dass das Kind selbst den Wunsch hat, trocken zu werden.

Therapie & Prognose

Bei Bettnässen wird die Anwendung einer Klingelmatte (Alarmtherapie mit elektronischem Signalgeber) empfohlen. Der im Bett oder an der Schlafkleidung des Kindes angebrachte Sensor des Signalgebers löst einen lauten akustischen Alarm aus, wenn er nass wird. Jeder Alarm ist eine „Lernmöglichkeit“: Das Kind wacht auf und lernt, die spontan einsetzende Blasenentleerung zu stoppen. Da es sich um einen Lernprozess handelt, ist anfänglich nicht mit trockenen Nächten zu rechnen, wohl aber nach einigen Wochen.

Eltern sollten ein Tagebuch führen (Bett nass? Alarm ausgelöst?). Zeigt die Alarmtherapie nach sechs Wochen keinen Erfolg, sollte sie unterbrochen und eine medikamentöse Therapie mit Desmopressin begonnen werden. Bei Bedarf sollte nach vier bis sechs Monaten die Alarmtherapie noch einmal versucht werden. Kommt es später wieder zu Bettnässen, kann die Klingelmatte neuerlich eingesetzt werden.

Die Prognose der Enuresis nocturna ist gut. In vielen Fällen verschwindet das Problem im Laufe der Zeit von selbst. Nur ein Prozent der Kinder mit nächtlicher Inkontinenz leidet bis ins Erwachsenenalter daran. Bei Tagesinkontinenz ist die Erfolgschance von der zugrunde liegenden Erkrankung abhängig.

Wohin kann ich mich wenden?

Bettnässen kann bei Kindern über fünf Jahren hausärztlich behandelt werden.
Bei Tagesinkontinenz (Enuresis diurna) sollte eine Ärztin/ein Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde oder für Urologie konsultiert werden. Psychologische Beratung bzw. Behandlung oder Psychotherapie finden bei Bedarf ebenfalls Anwendung. Zudem könnte eine Erziehungsberatung hilfreich sein.

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