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Zecke auf Haut mit Rötung © Smileus

Borreliose (Lyme-)

Zu den beiden am häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten zählt neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) die Lyme-Borreliose. Ihre Bezeichnung geht auf den amerikanischen Ort Lyme in Connecticut zurück, in dem um 1976 insbesondere bei Jugendlichen nach Zeckenstichen gehäuft Gelenksentzündungen beobachtet wurden. Tatsächlich identifiziert wurde der Erreger im Jahr 1981 vom Bakteriologen Willy Burgdorfer – die Bakteriengruppe wird heute Borrelia burgdorferi genannt . . .

Borreliose: Was ist das?

Unter Borreliose versteht man eine bakterielle Infektionserkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Hierzulande gibt es laut MedUni Wien pro Jahr ca. 70.000 Neuerkrankungen. Nicht alle Zecken tragen das Bakterium in sich: Laut einer aktuellen Untersuchung der MedUni Wien sind rund 30 Prozent aller Zecken in Österreich mit Borrelien infiziert (Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie und Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie). Auch wenn man von einer infizierten Zecke gestochen wird, führt nur ein geringer Anteil der Stiche zu einer tatsächlichen Erkrankung. Je länger eine Zecke an ihrem Wirt saugt, umso wahrscheinlicher ist das Risiko einer Infektion.

Lyme-Borreliose ist eine Multi-Systemerkrankung, die unbehandelt in verschiedenen Ausprägungen verlaufen kann. Betroffen sind vorrangig Haut, Nervensystem, Gelenke und Herz.

Borreliose kann zu schweren Erkrankungen führen, wie z.B.

  • Gelenksentzündungen,
  • schmerzhaften Infektionen der Nervenwurzeln,
  • Gehirnhautentzündung und
  • Lähmungen.

Borreliose wird in verschiedene Phasen bzw. Stadien eingeteilt, doch die Symptome können auch isoliert oder in unterschiedlicher Kombination auftreten. Typisch für Lyme-Borreliose sind folgende Krankheitsmerkmale:

Frühe Erkrankungsmerkmale

Innerhalb von Tagen bis Wochen nach dem Zeckenstich (Inkubationszeit) kommt es zu einem typischen Hautausschlag (Erythema migrans), auch „Wanderröte“ genannt. Dabei handelt es sich um eine ringförmig verlaufende Hautrötung rund um den Zeckenstich (roter Ring) meist mit hellem Zentrum. Daneben können auch unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündungen sowie Lymphknotenschwellungen auftreten.

Innerhalb von drei bis sechs Wochen nach einer Infektion kann es zu einer akuten Neuro-Borreliose in Form einer Meningoradikulitis kommen. Das sogenannte Bannwarth-Syndrom ist gekennzeichnet durch brennende Schmerzen, vor allem nachts, mit oder ohne Lähmungserscheinungen z.B. Gesichtslähmung (Facialisparese). Selten kommt es zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder zu Gelenksentzündungen (Arthritis).

Späte Erkrankungsmerkmale

Monate bis Jahre nach einer Infektion können bei Ausbleiben einer entsprechenden Therapie Schädigungen der Haut eintreten, v.a. an der Innenseite der Arme und Beine sowie an Nase, Fingern oder Zehen. Die Haut wird zigarettenpapierdünn und färbt sich bläulich (Acrodermatitis). Im Spätstadium der Krankheit können eine chronische Neuro-Borreliose (Enzephalomyelitis), schmerzhafte Nervenentzündungen (Polyneuropathie) sowie chronische Gelenksentzündungen (Lyme-Arthritis) auftreten. Von den arthritischen Beschwerden ist zumeist das Kniegelenk betroffen, diese können aber auch an Sprung-, Ellenbogen-, Finger-, Zehen- und Handwurzelgelenken auftreten.

Hinweis Eine Übertragung der Borreliose von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Zeckenstiche vermeiden

Im Gegensatz zur FSME ist gegen Borrelien keine Schutzimpfung verfügbar. Die wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen gegen eine Borreliose sind daher

  • das Vermeiden eines Zeckenstichs bzw.
  • umgehendes Entfernen einer Zecke.

Hinweis Um das Entfernen von Zecken kursieren viele Ratschläge, nur wenige sind hilfreich und empfehlenswert. Wie Sie dabei am besten vorgehen, erfahren Sie unter Zecken richtig entfernen.

So können Sie Zeckenstichen vorbeugen:

  • Spezielle Insektenschutzmittel (Repellent) wehren neben Stechmücken auch Zecken ab. Derartige Sprays, Lotionen etc. regelmäßig nachtragen, da ihre Wirksamkeit zeitlich begrenzt ist.
  • Hautbedeckende Kleidung und geschlossene Schuhe verringern die Angriffsmöglichkeiten für Zecken. Hose in die Socken stecken, so können Zecken nicht hochkrabbeln.
  • An heller Kleidung entdeckt man Zecken leichter als auf dunkler.
  • Nach dem Aufenthalt in typischen Zeckenzonen (z.B. feuchte Gebiete, (Gras-)Wiesen, Wald, Parks) Kleidung und Körper genau auf Zecken untersuchen. Zeckenlarven und -nymphen können winzig sein (1 mm) – schauen Sie sehr genau!
  • Vergessen Sie bei der Untersuchung des Körpers nicht auf schwer einsehbare Passagen wie z.B. Kniekehle, Achsel, Genitalbereich, Rücken, Kopf, Ohren. Bitten Sie unter Umständen jemanden um Hilfe.
  • Entdeckte Zecken umgehend und behutsam entfernen. Wie man dabei am besten vorgeht, erfahren Sie unter Zecken richtig entfernen.
  • Haustiere können – mitunter zahlreiche – Zecken im Fell bergen und so auf den Menschen übertragen. Tiere daher regelmäßig untersuchen und Zecken entfernen. Zeckenschutzhalsbänder verwenden und immer wieder wechseln.

Was tun nach einem Zeckenstich?

Da mit der Länge der Blutmahlzeit der Zecke auch das Infektionsrisiko ansteigt, sollte diese umgehend entfernt werden. Behutsames Vorgehen ist dabei wichtig: Keinesfalls die Zecke quetschen, so könnte eventuell Darminhalt mit infektiösen Borrelien austreten. Nachdem die Zecke entfernt wurde, Einstichstelle desinfizieren.

Beobachten Sie die Einstichstelle für einige Wochen auf Veränderungen. Rötungen unmittelbar nach dem Einstich und dem Entfernen der Zecke sind normal und bilden sich nach einigen Tagen von selbst zurück. Um den zeitlichen Verlauf der Einstichstelle besser beurteilen zu können, machen Sie z.B. ein Foto oder mit einem wasserfesten Stift einen Kreis um die Einstichstelle. Bemerken Sie nach mehreren Tagen oder Wochen noch immer, eine größere oder wieder eine Rötung, gehen Sie unbedingt zur Ärztin/zum Arzt.

Diagnose einer Borreliose

Die Diagnose einer Borrelien-Infektion beginnt mit einem ausführlichen Gespräch bei der Allgemeinmedizinerin/dem Allgemeinmediziner oder der Fachärztin/dem Facharzt (Anamnese). Im Gespräch wird festgestellt, welche Beschwerden bestehen und ob die beschriebenen Symptome typisch sind. Sie/er wird fragen, ob Sie in einem Zeckengebiet unterwegs waren bzw. sich an einen Zeckenstich erinnern können, den die Ärztin/der Arzt dann genau untersucht.

Hinweis Aktuell ist keine Schutzimpfung gegen Borrelien verfügbar. Die „Zecken-Impfung“ schützt nur gegen das FSME-Virus.

Vorrangig erfolgt die Diagnose einer Borreliose aufgrund erkrankungstypischer Symptome (klinisch) wie z.B. Hautrötungen (Erythema migrans), Gelenksentzündungen etc. Weiterführende Untersuchungen wie z.B. eine labordiagnostische Untersuchung (Nachweis spezifischer Antikörper im Serum/Liquor) liefern nur bedingt Auskunft.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Laborwertetabelle unter Borrelien.

Hinweis Die Diagnosestellung wird meist erschwert, da sich nur wenige Menschen tatsächlich an einen Zeckenstich erinnern können bzw. diesen bemerkt haben.

Therapie der Lyme-Borreliose

Die Behandlung einer Borrelien-Infektion erfolgt abhängig vom Stadium der Erkrankung mit unterschiedlichen Antibiotika (Doxycyclin, Amoxicillin, Ceftriaxon). Müssen Sie ein Antibiotikum einnehmen, halten Sie sich unbedingt genau an die Anweisungen Ihrer Ärztin/Ihres Arztes bezüglich Einnahmemodus und -dauer. Ansonsten kann die Therapie erfolglos bleiben oder sich eine künftige Antibiotikaresistenz entwickeln, wodurch Antibiotika unwirksam werden.

Informationen zur richtigen Antibiotikaeinnahme erhalten Sie auf der Website des Gesundheitsministeriums unter Behandlung mit Antibiotika – Informationen für Patientinnen und Patienten.

Hinweis Eine generelle vorbeugende Antibiotikagabe nach einem Zeckenstich wird nicht empfohlen.

Unterschiede in den Bundesländern

Eine aktuelle Untersuchung der MedUni Wien besagt, dass die Verteilung der Borrelien in den Zecken von Bundesland zu Bundesland in Österreich sehr unterschiedlich ist (Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie und Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie).

Zecken in Vorarlberg sind dieser Untersuchung zufolge am häufigsten mit Borrelien infiziert, gefolgt von Oberösterreich und Tirol. In Niederösterreich ist das Risiko von einer infizierten Zecke gestochen zu werden am geringsten – nur ca. jede fünfte Zecke ist dort ein möglicher Überträger der Borreliose.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website der MedUni Wien.

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie nach einem Zeckenstich Beschwerden wie z.B. Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen bemerken bzw. eine deutliche Rötung der Haut sichtbar ist, sollten Sie sich zur Abklärung an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Kinderärztin/Kinderarzt,
  • Fachärztin/Facharzt für Infektiologie,
  • spezielle Ambulanzen (Borrelienambulanz).

Hinweis Es kann aufschlussreich sein, die entfernte Zecke aufzubewahren und gegebenenfalls zur Ärztin/zum Arzt oder in die Ambulanz mitzubringen. So kann die Zecke auf unterschiedlichste Krankheitserreger hin untersucht werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten der Diagnose und Behandlung einer zeckenstichbedingten Erkrankung werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

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