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Roter Notfall-Koffer mit weißem Kreuz © Spectral-Design

HIV/AIDS: Post- und Präexpositionelle Prophylaxe

Es ist schnell passiert: eine Nadelstich-Verletzung, ein Kondomriss oder ein anderer Zwischenfall mit HIV-haltigem Blut bzw. einer anderen infektiösen Flüssigkeit. In diesen Situationen sollten sofortige Lokalmaßnahmen getroffen werden. In der Medizin spricht man von einer postexpositionellen Prohylaxe. Im Gegensatz dazu ist die präexpositionelle Prophylaxe (PrEP) eine Möglichkeit für HIV-negative Personen, die sich einem sehr hohen Risiko für eine HIV-Infektion aussetzen, die Infektion durch Einnahme einer Tablette Tenofovir/Emtricitabin einmal täglich vor und während der Risikosituation zu verhindern . . .

Wann ist eine postexpositionelle Prophylaxe (HIV-PEP) angezeigt?

Bei einem wahrscheinlichen Infektionsrisiko ist rasch eine Beratung durch eine spezialisierte niedergelassene Ärztin/einen spezialisierten niedergelassenen Arzt bzw. im Krankenhaus (HIV-Behandlungszentren) notwendig. Dabei wird die Möglichkeit einer medikamentösen postexpositionellen Prophylaxe (PEP) abgeklärt.


Eine Indikation zur HIV-PEP besteht bei Kontakt mit HIV-hältigem Blut oder infektiöser Körperflüssigkeit z.B. in folgenden Fällen:

  • schwere Verletzung,
  • Nadelstich nach intravenöser Injektion,
  • perkutane Verletzung (durch alle Hautschichten gehende Läsion) mit Injektionsnadel oder anderer Hohlraumnadel,
  • oberflächliche Verletzung, wenn die HIV-infizierte Person eine hohe Viruslast aufweist,
  • ungeschützter Geschlechtsverkehr, wenn die Partnerin/der Partner möglicherweise HIV-infiziert ist.

Wichtige Lokalmaßnahmen und medikamentöse Prophylaxe:

  • Hautkontakt: Reinigung mit Wasser und Seife, anschließend Desinfektionsmittel.
  • Schleimhautkontakt: Wasser und anschließend Desinfektionsmittel.
  • Augenkontakt: Spülen mit verdünntem Desinfektionsmittel (siehe Gebrauchsanweisung).
  • Stichverletzung durch die Haut: Wunde oberhalb der Verletzung zentrifugal (vom Körperzentrum weg) unter fließendem Wasser auspressen, Reinigung mit Seife und Desinfektion über mehrere Minuten, z.B. Tupfer mit Desinfektionsmittel fixieren.
  • Medikamentöse Prophylaxe (ideal innerhalb von ein bis zwei Stunden, gut innerhalb von 24 Stunden, in Einzelfällen bis zu 72 Stunden nach Exposition).

Wichtige Fragen bei möglichem HIV-Kontakt:

  • Wann erfolgte der Kontakt?
  • Von welcher Person stammt das Material (Blut, Samenflüssigkeit)?
  • Welcher mögliche Übertragungsweg von HI-Viren liegt vor?
  • Wie tief war die Verletzung?
  • Wurden Blutgefäße verletzt?
  • Trägt das verletzende Instrument Blutspuren?
  • Wie wahrscheinlich ist die Infektion der vermeintlich HIV-infizierten Person?
  • In welchem Stadium der HIV-Infektion befindet sich die HIV-infizierte Person?
  • Wie hoch ist die Virämie (HI-Viren pro Milliliter Blut) der HIV-infizierten Person?
  • Wird oder wurde die HIV-infizierte Person mit antiretroviralen Medikamenten behandelt?
  • Ist die Viruslast bei der HIV-infizierten Person unter der Nachweisgrenze (im PCR-Test nicht detektierbar)? In einem solchen Fall ist keine PEP notwendig.
  • Welche Maßnahmen wurden bisher ergriffen?


Wann ist eine präexpositionelle Prophylaxe (HIV-PrEP) angezeigt?

Diese medizinische Intervention schützt nicht gegen andere sexuell übertragbare Erkrankungen. Deshalb bleiben Maßnahmen zu ihrer Prävention (Kondome!) sowie der Früherkennung wichtig. Setzt man sich regelmäßig einem hohen HIV-Infektionsrisiko aus, ist die PrEP eine Möglichkeit zur Prävention, vor allem wenn andere Maßnahmen zur Risikoreduktion nicht angewendet werden können. Folgende Personengruppen können betroffen sein:

  • Männer, die Sex mit anderen Männern haben, vor allem bei häufigem Partnerwechsel.
  • Personen, die häufig ihren Sexualpartner wechseln, vor allem in Ländern mit hohem Vorkommen von HIV.
  • Personen, die mit einer HIV-positiven Partnerin/einem HIV-positiven Partner zusammenleben, die/der unbehandelt ist.
  • Personen, die aktiven intravenösen Drogenkonsum mit hohem Risiko für HIV-Ansteckung (z.B. gelegentlicher Nadelaustausch etc. ) betreiben.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Beratung und Behandlung zur PEP sowie PrEP können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • HIV-Behandlungszentrum in einem Krankenhaus,
  • spezialisierte niedergelassene Ärztin/spezialisierter niedergelassener Arzt

Adressen und weitere Informationen finden Sie unter: Beratung & Hilfe.

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