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Fieberthermometer © Anna
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Lymphogranuloma venereum

Das Lymphogranuloma venereum ist eine Sonderform einer genitalen Chlamydieninfektion und zählt zu den „klassischen“ Geschlechtskrankheiten. Die Erkrankung wird durch spezielle Untergruppen (Serovare L1-L3) des Erregers Chlamydia trachomatis ausgelöst. Sie kommt vor allem in tropischen Gebieten vor, in westlichen Ländern ist sie selten. 

Beim Lymphogranuloma venereum treten unter anderem eitrige Entzündungen der Lymphknoten auf, verbunden mit Schmerzen und Fieber. Die Erkrankung verläuft in verschiedenen Phasen, im Spätstadium sind teils schwere Komplikationen möglich. Die Behandlung erfolgt mittels Antibiotika.

Wie wird die Erkrankung übertragen?

Chlamydien der Serovare L1 bis L3 werden durch sexuellen Kontakt übertragen. Zusätzlich ist eine Übertragung von einer infizierten Mutter auf ihr Neugeborenes während des Geburtsvorganges möglich. Das Bakterium ist sehr empfindlich auf Kälte und Trockenheit und kann sich nur innerhalb von Zellen vermehren.

Die Erkrankung tritt vor allem in Asien, Afrika, Südamerika und Teilen der Karibik auf. Sie betrifft dort insbesondere Personen zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr. 

Welche Symptome können auftreten?

Stadium 1

Nach einer Inkubationszeit von fünf bis 21 Tagen entwickelt sich am Infektionsort zunächst ein schmerzloses Bläschen. Dieses zerfällt zu einem oberflächlichen Geschwür, das schnell abheilt und deshalb auch unbemerkt bleiben kann (Primärläsion). 

Stadium 2

Nach zehn bis 30 Tagen treten deutliche, sehr schmerzhafte Lymphknotenschwellungen meist einseitig im Leisten- und Oberschenkelbereich auf. Sie werden auch als Bubo bezeichnet. Die Lymphknoten können aufbrechen und Blut und Eiter absondern. Der Allgemeinzustand der Betroffenen ist beeinträchtigt. Es besteht ein Krankheitsgefühl mit Kopf-, Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Häufig tritt auch Fieber auf. Je nach Art des Sexualkontaktes kann es auch zu massiven Entzündungen der Rektalschleimhaut (Proktitis) mit schleimigem oder blutigem Ausfluss, Krämpfen, Fisteln oder Abszessen kommen.

Unbehandelt heilen die Entzündungen innerhalb eines halben Jahres langsam ab. Dabei entstehen bindegewebige Narben sowie eine Verengung der Lymphgefäße mit nachfolgenden Abflussstörungen. Die Vermehrung der Bakterien und die Immunantwort des Körpers führen so insgesamt zu schweren Gewebeschädigungen. Zudem wandert ein Teil der Chlamydien in die Lymphknoten des kleinen Beckens und kann nach Jahren das Stadium 3 der Erkrankung auslösen.

Stadium 3

Fünf bis zehn Jahre nach der Infektion kann es zum sogenannten genitoanorektalen Syndrom bzw. Stadium 3 der Erkrankung kommen. Es erstreckt sich meist über mehrere Jahre. Dabei treten schwere Entzündungen im Darm, im Analbereich sowie an den äußeren Geschlechtsorganen auf. Die Entzündungen zerstören zum Teil das Gewebe und führen zu Abszessen, Fisteln, chronischen Geschwüren und ausgeprägten Schwellungen. Zusätzlich können Lymphödeme auftreten. Weiters sind Gelenksentzündungen, Lungen- und Leberprobleme sowie in seltenen Fällen auch Entzündungen des Herzens oder des Gehirns mögliche Komplikationen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Das typische Beschwerdebild im Stadium 2 der Erkrankung (Geschwüre im Genitalbereich, Lymphknotenentzündung in der Leiste, Entzündung der Rektumschleimhaut) ist oft wegweisend für die Diagnose – insbesondere, wenn die oder der Betroffene aus Endemiegebieten (Afrika, Indien, Südostasien, Karibik) stammt oder sexuelle Kontakte zu Personen aus Endemiegebieten hat. 

Um den Erreger nachzuweisen, werden Abstriche aus entzündlichem Gewebesekret oder aus einem Lymphknoten entnommen. Es stehen verschiedene labordiagnostische Möglichkeiten zum Erregernachweis sowie zur Bestimmung des Serotypes zur Verfügung, wie z.B. Immunoassays zum Antigennachweis, kulturelle oder genetische Erregernachweisverfahren und spezifische Nukleinsäurenachweise (NAAT, PCR). Unter Umständen wird auch eine Blutuntersuchung mit Antikörpernachweis durchgeführt.

Wie erfolgt die Behandlung des Lymphogranuloma venereum?

Die Behandlung erfolgt mittels Antibiotika. Meist wird der Wirkstoff Doxycyclin über drei Wochen verabreicht. Im Frühstadium kann die Krankheit rasch geheilt werden, ohne Folgeschäden zu hinterlassen. Entzündliche Schwellungen der Lymphknoten und Fisteln können einen chirurgischen Eingriff notwendig machen. Im Stadium 3 der Erkrankung ist eine antibiotische Langzeittherapie erforderlich.

Unbehandelt treten – insbesondere im Spätstadium – häufig Komplikationen wie etwa ein Lymphödem auf.

Die Nachbeobachtungszeit beträgt zumindest sechs Monate. Die Sexualpartnerin oder der Sexualpartner sollten sich aufgrund des hohen Infektionsrisikos ebenfalls untersuchen lassen und gegebenenfalls einer Therapie unterziehen.

Hinweis Während der Behandlung muss auf sexuelle Aktivitäten verzichtet werden.

Meldepflicht

Das Lymphogranuloma venereum gehört in Österreich zu den beschränkt meldepflichtigen Erkrankungen. Das heißt, die Ärztin oder der Arzt meldet Personen, die den Anordnungen der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes nicht Folge leisten, der Gesundheitsbehörde.

Wie Sie einer Infektion vorbeugen können

Den sichersten Schutz vor einem Lymphogranuloma venereum bietet die konsequente Verhütung mittels Kondom. Dies gilt gleichermaßen für vaginalen, analen und oralen Sex. Die Verwendung eines Kondoms ist insbesondere bei wechselnden Sexualpartnerinnen/Sexualpartnern das Um und Auf.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Abklärung und Behandlung einer Geschlechtskrankheit können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Fachärztin oder Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten
  • Fachärztin oder Facharzt für Gynäkologie
  • Fachärztin oder Facharzt für Urologie

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

sowie über den Online-Ratgeber Kostenerstattung der Sozialversicherung.

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