Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Ärztin untersucht Patientin © Kzenon

Rekurrensparese

Zu einer Rekurrensparese kommt es durch Schädigung bzw. Lähmung eines bestimmten Nervs (Nervus laryngeus inferior, N. laryngeus recurrens). Dieser ist unter anderem an der Bewegung der Stimmlippen beteiligt. Als Stimmlippen werden Falten im Kehlkopf bezeichnet, die Stimmband und Stimmmuskel enthalten. Sie sind unter anderem für die Stimmerzeugung wichtig. Abhängig von der Stellung und Spannung der Stimmlippen können Töne unterschiedlicher Frequenz erzeugt werden. Durch die Stimmlippen kann die Luftröhre bis auf einen kleinen Spalt geschlossen werden, sodass ein Ton entsteht. Ist dieser Spalt offen, gelangt Luft in die Luftröhre (Atmen). Je nach Ausprägung der Lähmung treten Symptome von Heiserkeit bis Atemnot auf.

Zur Lähmung kann es an verschiedenen Stellen des Nervs und aus verschiedenen Gründen kommen. Dabei handelt es sich etwa um krankhafte Prozesse, z.B. Tumorerkrankungen oder Metastasen im Kopf-, Hals- oder Brustbereich oder Verletzungen durch Operation.

Welche Ursachen hat eine Rekurrensparese?

Als Ursachen kommen infrage:

  • Tumorerkrankungen im Hals-, Kopf- und Brustbereich bzw. Metastasen, z.B. bei Lungenkrebs. Weitere Informationen zu Krebserkrankungen.
  • Verletzungen bei Operationen im Bereich des Verlaufes des Nervs (z.B. Schilddrüsenoperation, Herzoperationen, OP der Aorta im Thorax). Bei diesen Operationen wird daher besonders darauf geachtet – auch postoperativ auf spezielle Symptome.
  • Erkrankungen, die durch ihre Größe auf den Nerv drücken, z.B. Schilddrüsenerkrankung (Vergrößerung, Kropf) oder Aortenaneurysma, Linksherzinsuffizienz.
  • Verletzungen des Kehlkopfes.
  • Neurologische Erkrankungen, z.B. Blutungen im Gehirn oder Schlaganfall mit Schädigung von Bereichen im Gehirn, die in Zusammenhang mit dem Nerv stehen.
  • Diabetische Neuropathie, Neuritiden.
  • Infektionen.
  • Ist die Ursache unklar, spricht man von idiopathischer Rekurrensparese.

Welche Symptome können auftreten?

Die Symptome sind abhängig von der Ursache sowie davon, ob eine Stimmlippe oder beide Stimmlippen betroffen sind. Zudem spielt die Stellung der gelähmten Stimmlippen eine Rolle.

Bei einseitiger Lähmung kommt es u.a. zu

  • Heiserkeit (kann auch gering sein).

Bei beidseitiger Lähmung (doppelseitige Lähmung) kommt es zu:

  • Heiserkeit (gering ausgeprägt),
  • Atemnot (stark ausgeprägt),
  • unter Umständen Stridor (krankhaftes Atemgeräusch beim Einatmen).

Sind beide Stimmlippen gelähmt und vollständig verschlossen, muss sofort gehandelt werden, um ein Ersticken zu verhindern (Notruf 144). Dies äußert sich durch sehr starke Atemnot. Auch wenn der Spalt zwischen den gelähmten Stimmlippen klein ist, kommt es zu starker Atemnot.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Heiserkeit und Atemnot können verschiedene Ursachen haben. Mithilfe von Anamnese und verschiedenen Untersuchungen werden diese abgeklärt. Wesentlich sind neben den Symptomen beispielsweise ev. Erkrankungen und Operationen, z.B. der Schilddrüse oder Herz-/Lungeneingriffe. Durchgeführt werden im Zuge der Diagnose beispielsweise:

Wie erfolgt die Behandlung?

Die Behandlung orientiert sich an Ursache, Ausprägung und Symptomen. Ist eine Erkrankung Ursache, wird diese behandelt. Drückt beispielsweise ein Aneurysma auf den Nerv, kann ein operativer Eingriff vorgenommen werden. Für die Behandlung wesentlich ist zudem, ob eine Stimmlippe betroffen ist oder beide Stimmlippen gelähmt sind.

Bei einseitiger Rekurrensparese wird vorgenommen:

  • Logopädisches Stimmtraining.
  • Ist dies nicht erfolgreich, kann ein endoskopischer bzw. operativer Eingriff notwendig werden
    • Unterspritzung mit Hyaluronsäure oder Kalziumhydroxylapatit und Ausrichtung der Stimmlippe,
    • Verlagerung der Stimmlippe mittels Knorpel oder Implantat Silikonsequent (Thyroplastik).

 Bei doppelseitiger Lähmung steht die Minderung der Atemnot im Vordergrund:

  • Falls HNO-Abteilung greifbar, kann durch eine spezielle Nahttechnik im Kehlkopf eine Stimmlippe verlagert und der Stimmlippenspalt erweitert werden.
  • Ansonsten  ist u.U. eine Tracheotomie (auch: Luftröhrenschnitt. Hierbei wird ein Schnitt im vorderen Halsbereich direkt in die Luftröhre gesetzt, um die Atmung zu gewährleisten) und Kanüle notwendig (akut).
  • Kommt es zu keiner Verbesserung in den ersten neun Monaten, können weitere Eingriffe vorgenommen werden (operativer Eingriff, um Stimmbänder auseinanderzuziehen und die Stellung bzw. die Stimmritze zu fixieren). 

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Problemen in Zusammenhang mit der Stimme, z.B. Heiserkeit, aber auch bei krankhaften Atemgeräuschen können Sie sich wenden an:

  • Hausärztin/Hausarzt (diese/dieser kann gegebenenfalls Überweisungen in die Wege leiten).
  • Fachärztin/Facharzt für HNO (Kehlkopfchirurgie, endokrine Chirurgie).

Abhängig von den Ursachen können zudem Logopädinnen/Logopäden, Neurologinnen/Neurologen, Endokrinologinnen/Endokrinologe etc. beteiligt sein.

Hinweis Bei Atemnot sofort den Notruf wählen (144) und den Anweisungen der Notrufzentrale Folge leisten!

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen