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Schlafender Mann © eugenesergeev
Schlafender Mann © eugenesergeev

Schnarchen

Definitionsgemäß handelt es sich bei Schnarchen um ein Atemgeräusch, das während des Schlafes in den oberen Luftwegen – diese reichen von der Nasenspitze bis zu den Stimmbändern – entsteht. Das bedeutet, dass ein oder mehrere Weichteile vibrieren. Meistens hat Schnarchen (Rhonchopathie) mehrere Ursachen gleichzeitig, die sich oft gegenseitig verstärken. Schnarchen per se ist keine Krankheit, kann jedoch sowohl die Betroffenen als auch ihre Umgebung massiv belasten. 

Außerdem stellt das einfache, regelmäßige Schnarchen eine Vorstufe zur obstruktiven Schlafapnoe dar, einer ernsthaften, mitunter lebensbedrohlichen Erkrankung. Eine möglichst genaue Diagnose ist daher wichtig. Gegen Schnarchen versprechen unzählige, teilweise durchaus kostenintensive Methoden Abhilfe. In vielen Fällen erzielen sie jedoch keine oder nur bescheidene Erfolge und können mit teils beträchtlichen Nebenwirkungen verbunden sein.  

Welche Ursachen hat Schnarchen?

Durch eine Einengung des oberen Atemweges wird der Atemstrom abgebremst und der notwendige „Luftpolster“ hinter den Weichteilen (Gaumensegel, Zäpfchen und Zungengrund) wird kleiner. Wenn diese Weichteile zu vibrieren beginnen, können dadurch Schnarchgeräusche entstehen.

Bei Kindern sind vergrößerte Rachen- und Gaumenmandeln die häufigste Ursache. Bei Erwachsenen ist das Problem komplexer. 

Häufige Ursachen sind:

  • behinderte Nasenatmung:entweder bedingt durch Schleimhautschwellungen (z.B. Schnupfen, chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen, Allergien) oder durch anatomische Veränderungen (z.B. Nasenpolypen, vergrößerte Nasenmuscheln, Verbiegungen der Nasenscheidewand);
  • Vergrößerung von Gaumen-, Zungengrund-, Rachenmandeln oder Gaumenzäpfchen;
  • Kieferfehlstellungen („Überbiss“);
  • Schwäche der Muskulatur  im oberen Atemweg (Gaumensegel, Schlund): Diese tritt vermehrt mit zunehmenden Alter sowie nach Einnahme von Schlafmitteln oder Alkoholkonsum auf. 

Übergewicht und Rauchen führen zu einem Zwerchfellhochstand. Dadurch kann sich die Lunge nicht optimal ausdehnen, pro Atemzug wird auch weniger Luft eingeatmet. Damit ist der Luftstrom ebenfalls schwächer und der „Luftpolster“, der die Weichteile schienen soll, kleiner. Unter diesen Bedingungen tritt Schnarchen häufiger auf. Diskutiert wird auch eine erbliche Komponente. Darüber hinaus können bei Kindern auch Gendefekte wie z.B. Trisomie 21 mit Schnarchen verbunden sein.

Laut der deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin ist das Auftreten des Schnarchens alters- und geschlechtsabhängig. Die höchste Verbreitung findet sich im mittleren bis höheren Lebensalter – bei Männern schwanken die Angaben zwischen 20 bis 46 Prozent, bei Frauen zwischen acht und 25 Prozent. Allerdings kann Schnarchen auch schon im Kindesalter auftreten.

Welche Symptome können auftreten?

Schnarchen kann eine mehr oder weniger massive akustische Belastung für die/den Betroffenen selbst und ihre/seine Umgebung darstellen. Bei den Betroffenen selbst kann Schnarchen mit Ein- und Durchschlafstörungen, morgendlichen Kopfschmerzen/Mundtrockenheit, Konzentrations- oder Leistungsminderung sowie Tagesschläfrigkeit/Einschlafneigung verbunden sein. Dies sind die ersten Zeichen, dass nicht ein einfaches Schnarchen, sondern eine obstruktiven Schlafapnoe (OSA) vorliegt. Dies kann ernsthafte Beschwerden bzw. Erkrankungen verursachen kann.

Wir wird die Diagnose gestellt?

Laut einer von der Arbeitsgemeinschaft Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. erstellten Leitlinie zum Thema „Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen“ sollten in einem ausführlichen Gespräch (Anamnese), an dem möglichst auch die Bettpartnerin/der Bettpartner teilnehmen sollte, detaillierte Informationen über das Schnarchproblem erhoben werden, wie z.B.:

  • Auftreten im Zeitverlauf: z.B. gelegentlich, häufiger oder jede Nacht;
  • Auftreten während der Nacht: z.B. zeitweise, andauernd, lageabhängig;
  • auslösende Faktoren und Risikofaktoren: Alkohol, Nikotin, allergische und nicht-allergische Rhinitis, Behinderung der Nasenatmung etc.;
  • Art des Schnarchens: regelmäßig/unregelmäßig, Frequenz, Lautstärke, Geräuschcharakter;
  • schlafmedizinische Aspekte wie z.B.  

Weiters werden die oberen Luftwege auf Veränderungen untersucht. In Bezug auf die Nasenluftpassage kann die Durchführung bestimmter Funktionstests (z.B. Rhinomanometrie, Rhinoresistometrie und akustische Rhinometrie) sinnvoll sein. Als bildgebende Verfahren stehen Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), digitale Volumentomographie (DVT), Kephalometrie (Fernröntgen seitlich) und Orthopantomogramm (OPG)/Panoramaschichtaufnahme (PSA) zur Verfügung.

Die klinisch wichtigste Untersuchung stellt das „Müller“-Manöver dar. Dabei wird endoskopisch kontrolliert, in welchem Bereich der Kollaps des Atemweges auftritt. Bei Verdacht auf ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom sollte eine objektivierende schlafmedizinische Untersuchung erfolgen. Diese kann mittels „Screening“-Geräten zu Hause oder als Polysomnographie (PSG) im Krankenhaus erfolgen. Eine allergologische Untersuchung wird aufgrund der Tatsache, dass jede/jeder Fünfte zumindest einmal im Leben an einer Allergie leidet, für die Standardabklärung empfohlen.

Wie erfolgt die Behandlung von Schnarchen?

Schnarchen per se wird nicht als Erkrankung mit einer medizinischen Gefährdung verstanden. Daher ist auch keine Behandlung erforderlich, außer wenn diese von der/dem Betroffenen gewünscht wird. Gegen Schnarchen wird eine Vielzahl fragwürdiger Therapieverfahren angeboten. Im Einzelfall sollten die Wirksamkeit und die Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Nicht- oder minimal-invasive Verfahren sollte bevorzugt werden. 

Konservative Verfahren

Die Effekte verschiedener konservativer Verfahren wurden laut der Arbeitsgemeinschaft Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. in diversen Studien untersucht. Zumindest in Einzelfällen konnte für folgende Methoden eine gewisse Wirksamkeit nachgewiesen werden:

  • Vermeidung von Schlafmitteln;
  • Vermeidung von abendlichem Alkoholkonsum;
  • Nikotinkarenz;
  • Einhaltung eines stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus mit entsprechender Schlafhygiene;
  • Gewichtsreduktion für stark übergewichtige Personen;
  • Keine üppigen Mahlzeiten vor dem Schlafengehen;
  • Kräftigung der Mundbodenmuskulatur, z.B. durch elektrische Stimulation, Singübungen oder gezielte Sprechübungen;
  • Verhinderung der Rückenlage bei rein Rückenlage-bezogenem Schnarchen,
  • Hochlagerung des Oberkörpers;
  • Naseneingangserweiterer (Naseneingangsdilatatoren) insbesondere in Fällen, in denen der Ursprung der Nasenatmungsbehinderung im Bereich der Nasenklappe liegt;
  • abschwellende Nasensprays: eignen sich wegen potenzieller Schleimhautschädigung nicht zum längerfristigen Gebrauch, mit ihrer Hilfe lässt sich jedoch eventuell der Effekt einer Nasenoperation vorab simulieren;
  • systemisch eingesetzte Medikamente wie Pseudoephedrin, Domperidon oder Protryptinin können wirksam sein, haben aber erhebliche Nebenwirkungen und sind bisher zur Behandlung des Schnarchens nicht zugelassen;
  • Überdruckatmung (CPAP): führt häufig zur Beseitigung des Schnarchens, wird jedoch aufgrund von möglichen Nebenwirkungen und der hohen Kosten nur selten eingesetzt.

Intraorale Geräte

  • Unterkiefer-Protrusionsschiene: Zur Therapie des Schnarchens können spezielle in den Mundraum einsetzbare Geräte, v.a. Unterkiefer-Protrusionsschienen, angewandt werden. Sie sollen durch eine Vorverlagerung des Unterkiefers eine Erweiterung des Rachens bewirken. Mögliche Nebenwirkungen sind verstärkte Speichelbildung, Beschwerden im Bereich der Kaumuskulatur und des Kiefergelenkes sowie langfristig Veränderungen in der Zahnstellung. Daher sollten die Schienenanpassung sowie regelmäßige Kontrollen des Zahn- und Kieferbefundes unter einer Therapie mit Unterkiefer-Protrusionsschienen von einer Zahnärztin/einem Zahnarzt durchgeführt werden. Bei etwa zwei Drittel der für diese Methode geeigneten Patientinnen/Patienten kann das Schnarchen verringert werden. 

  • Schnarchspange: Sie schient das weiche Gaumensegel und verhindert Schnarchgeräusche, welche im Bereich des weichen Gaumens entstehen. Die Schnarchspange verhindert auch Obstruktionen im mittleren und oberen Rachenraum. Atempausen und Schlafapnoe werden – sofern sie im weichen Gaumen entstehen – in sehr vielen Fällen reduziert.

Operative Therapie

Bei operativen Verfahren muss stets abgewogen werden, ob eine einzige oder mehrere Ursachen vorliegen. Bei Einzelursachen ist die Erfolgswahrscheinlichkeit hoch, bei vielen Ursachen kann auch eine mehrfache Therapie notwendig sein. Möglich sind Operationen im Bereich von Nase, Gaumen und Zungengrund. Modern ist eine minimal invasive Therapie (Radiofrequenzinduzierte Thermotherapie, RFITT), bei der nur Narben unter der Schleimhaut angelegt werden. Häufig kommt es jedoch zu einem Nachlassen des Effektes, da sich das Gewebe erholt. In diesen Fällen kann die Therapie wiederholt werden.

Zur Überprüfung des Therapieerfolges und gegebenenfalls zur Planung weiterer Maßnahmen sollte nach zwei bis drei Monaten eine Nachuntersuchung erfolgen.

Wohin kann ich mich wenden?

Wohin kann ich mich wenden?

Zur Diagnose und etwaigen Behandlung von Schnarchen können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Hausärztin/Hausarzt,
  • Fachärztin/Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen (HNO),
  • Fachärztin/Facharzt für Kieferchirurgie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger. Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

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