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Multiple Sklerose: Verlauf

Multiple Sklerose wird auch „Krankheit mit tausend Gesichtern“ genannt, weil sie bei jeder/jedem Betroffenen anders und nicht vorhersehbar verläuft. Dies erklärt sich vor allem dadurch, dass bei jeder Patientin/bei jedem Patienten andere Stellen im ZNS betroffen und die Schädigungen unterschiedlich ausgeprägt sind. Außerdem schreitet die Erkrankung in unterschiedlicher Form und Geschwindigkeit fort . . .

Zugrunde liegende Mechanismen

Mit zunehmender Erkrankungsdauer kann es zu Schädigungen und Vernarbungen in Gehirn und Rückenmark kommen. Die zugrunde liegenden Mechanismen verändern sich im Verlauf der Erkrankung.

  • In frühen Erkrankungsphasen wandern Entzündungszellen aus der Blutbahn in das zentrale Nervensystem ein. Dabei kommt es vorwiegend in der unmittelbaren Umgebung bestimmter Venen in der weißen Substanz – v.a. jener, die auf die großen Hohlräume (Ventrikel) des Gehirns zulaufen – zur Entzündung und Entmarkung sowie in weiterer Folge zur Schädigung der Nervenfasern.
  • Im weiteren Verlauf können sich die Entzündungszellen auch in den weichen Hirnhäuten (Meningen), die das Gehirn und das Rückenmark umgeben, und im ZNS-Gewebe selbst vermehren. Dieser Prozess wird auch „Kompartmentalisierung“ der Entzündungsreaktion genannt und für die Entwicklung der chronischen Phasen der Multiplen Sklerose verantwortlich gemacht. Die Entzündung im ZNS wird vom übrigen Immunsystem abgekoppelt und ist – beispielsweise durch medikamentöse Therapien – kaum mehr zu beeinflussen. Die Entmarkungen vergrößern sich zunehmend und breiten sich auch in andere Teile des Gehirns aus.

Das Nervensystem kann diese Schädigungen zum Teil ersetzen oder ausgleichen. Außerdem scheint MS auch nach vielen Jahren der aktiven entzündlichen Erkrankung wieder verschwinden zu können. Die Gründe dafür sind nach wie vor unbekannt.

Je nach Verlauf werden schubförmige und progrediente Formen der Multiplen Sklerose unterschieden.

Schubförmiger Verlauf

Bei bis zu 90 Prozent der Patientinnen/Patienten beginnt die Erkrankung mit einem ersten Schub. Dieser wird auch als „klinisch isoliertes Syndrom“ (CIS) bezeichnet. Typisch ist das Auftreten zunehmender Beschwerden innerhalb von Stunden bis Tagen, die ein bis mehrere Wochen anhalten und dann allmählich teilweise oder gänzlich verschwinden können. In der Folge – nach Monaten oder sogar Jahren – können durch neue Entzündungsherde weitere Schübe in ähnlicher oder anderer Form ausgelöst werden. In diesen Fällen spricht man von einem schubförmigen Erkrankungsverlauf.

Progredienter Verlauf

  • Primär chronisch progredienter Verlauf: Die Erkrankung beginnt ohne Schübe. Es kommt zu einer langsamen Verschlechterung neurologischer Symptome, sehr häufig beispielsweise Lähmungen an den Beinen. Diese Form kommt bei zirka zehn Prozent der MS-Kranken vor.

  • Sekundär chronisch progredienter Verlauf: Nach anfänglich schubförmigem Verlauf geht die Erkrankung bei 30 bis 40 Prozent der Betroffenen nach zehn bis 15 Jahren in einen sogenannten sekundär chronischen Verlauf mit allmählicher Verschlechterung über. Der Prozentsatz erhöht sich mit zunehmendem Krankheitsverlauf. In dieser Erkrankungsphase können bei manchen MS-Betroffenen zusätzlich („aufgesetzte“) Schübe eintreten.

Die im Lauf der Jahre zunehmenden neurologischen Beeinträchtigungen (Progression) sind entweder Folge einer unvollständigen Wiederherstellung der Körperfunktionen nach Erkrankungsschüben oder entstehen aufgrund einer langsam zunehmenden Verschlechterung. Eine gute Rückbildung der Symptome ist meist nur zu Beginn der Erkrankung möglich.

In der Beurteilung des Krankheitsverlaufs wird auch die Krankheitsaktivität berücksichtigt, welche durch Auftreten von aktuellen Schüben, einer entzündlichen Veränderung, welche in der MRT nachweisbar ist und einer zunehmenden neurologischen Verschlechterung charakterisiert ist.

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