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Mann bei Physiotherapie © auremar

Lähmungen: Basis-Info

Eine Lähmung bezeichnet zumeist die Bewegungsunfähigkeit verschiedener Körperteile wie Arme und Beine. Die möglichen Ursachen sind vielfältig und reichen von Verletzungen über Infekte bis hin zum Schlaganfall. Art und Ausprägung der Symptome richten sich nach dem Ausmaß und dem Ort der Nervenschädigung. Die Behandlung richtet sich nach dem zugrunde liegenden Auslöser.

Für die Funktionsfähigkeit des Körpers spielt das Rückenmark eine entscheidende Rolle. Es bildet zusammen mit dem Gehirn das zentrale Nervensystem (ZNS). Das Rückenmark verläuft im sogenannten Spinalkanal innerhalb der Wirbelsäule und reicht von oberhalb des ersten Halswirbels bis auf die Höhe des zweiten Lendenwirbelkörpers. Es funktioniert wie eine Leitung, die Reize vom Gehirn an die Muskeln weiterleitet und Informationen wie Stellung der Gliedmaßen, Temperaturempfinden oder Schmerz von den Muskeln an das Gehirn zurückspielt. Wird diese Nervenleitung beschädigt, kann es zu Lähmungen, Störungen vegetativer Funktionen sowie Veränderungen der Muskelspannung und -reflexe kommen.

Darüber hinaus können Lähmungen auch durch Schäden an außerhalb des ZNS liegenden sogenannten peripheren Nerven bedingt sein.

Ursachen

Eine Lähmung kann durch unterschiedlichste Faktoren entstehen, z.B.:

Symptome

Je nach Ausmaß werden folgende Lähmungsformen unterschieden:

  • Parese: leichte bis mittelgradig ausgeprägte Lähmung.
  • Paralyse bzw. Plegie: vollständige Lähmung, bei der keine Muskelkontraktionen mehr nachzuweisen sind. In der Fachliteratur wird gelegentlich eine noch detailliertere Definition gewählt. Demnach sind bei einer Paralyse Muskeln im Allgemeinen betroffen, z.B. auch jene von Blutgefäßen oder des Darmes, bei einer Plegie hingegen ausschließlich die Skelettmuskulatur.

Je nach Ausbreitung der Lähmung werden bei Plegie, Paralyse und Parese folgende Unterscheidungen getroffen: Die Vorsilbe „Hemi-“ bezieht sich auf eine Hälfte des Körpers, „Para-“ auf beide Beine und „Tetra-“ auf alle vier Extremitäten.

Je nach betroffener Region sind Bewegungen, Gestik und Körpermechanismen nicht mehr unbewusst oder bewusst steuerbar (z.B. Gehen, Laufen, Lachen). Lähmungen können plötzlich auftreten (z.B. nach einem Unfall oder Schlaganfall) oder sich langsam fortschreitend entwickeln (z.B. bei Muskel- und Nervenerkrankungen).   

Diagnose

Die Diagnose beruht auf einer ausführlichen Anamnese sowie körperlichen und neurologischen Untersuchungen. Dabei werden u.a. Bewegungsfähigkeit, Muskelkraft, Reflexe und Gefühlsempfindungen geprüft. Je nach Ergebnis bzw. Verdachtsdiagnose folgen Blutlabor sowie bildgebende Verfahren wie z.B. Computertomographie, Kernspintomographie, Elektromyographie, Elektroneurographie und Elektroenzephalographie. Gegebenenfalls können ergänzend u.a. Liquorpunktion, Muskelbiopsie oder Gentests erforderlich sein.

Neben dem Verteilungsmuster kann die Art einer Lähmung Hinweise auf den Ort der Schädigung liefern:

  • Spastische Lähmungen sind mit einem erhöhten Muskeltonus verbunden und weisen auf Schädigungen des Zentralnervensystems (ZNS) hin.
  • Schlaffe Lähmungen entstehen, wenn durch Schädigungen peripherer, d.h. außerhalb des Rückenmarks gelegener Nerven die Verbindung zwischen Gehirn und Muskulatur gestört oder komplett unterbrochen wird.

Therapie & Verlauf

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

  • Bei infektiös bedingten Lähmungen können Antibiotika oder Virostatika zum Einsatz kommen.
  • Durch Hirntumoren verursachte Lähmungen können sich nach operativer Behandlung, Chemo- bzw. Strahlentherapie eventuell zurückbilden.
  • Bei durch Unfälle ausgelösten Lähmungen kann durch eine Operation versucht werden, die Nervenverbindungen zu retten.
  • Bei Lähmungen im Rahmen von Muskel- und Nervenkrankheiten sind v.a. unterstützende Maßnahmen wie Physiotherapie und physikalische Behandlungen sinnvoll, um Muskulatur, Durchblutung und Beweglichkeit zu stärken. Hauptziel ist es, das Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu bremsen.

Hinweis Gegebenenfalls wird bei Lähmungen – speziell nach chirurgischer Traumabehandlung oder bei Tumorerkrankungen – eine Rehabilitation in einem neurologischen Rehabilitationszentrum empfohlen.

Verlauf

Lähmungen können einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Beispielsweise heilt die Gesichtslähmung häufig innerhalb weniger Wochen bis Monate von selbst ab. Hingegen ist die Lähmung bei vielen neurologischen Erkrankungen unheilbar. Außerdem können sich Lähmungserscheinungen mit zunehmender Krankheitsdauer verstärken, beispielsweise bei Multipler Sklerose oder Amyotropher Lateralsklerose.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei jeder plötzlich oder neu aufgetretenen Lähmung sollten Sie sich unverzüglich an folgende Institutionen wenden:

  • Rettung,
  • Unfallambulanz,
  • Notfallambulanz,
  • diensthabende Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin oder
  • Fachärztin/Facharzt für Neurologie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Ist zur Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Eine allenfalls erforderliche weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner oder die Fachärztin/den Facharzt für Neurologie.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt?

Wird eine Rehabilitation in einem neurologischen Rehabilitationszentrum empfohlen, wird der dafür erforderliche Rehabilitationsantrag in den meisten Fällen noch direkt im Krankenhaus durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt mittels Antragsformular gestellt.

Nähere Informationen zum Thema „Antragstellung für Rehabilitation“ finden Sie im Artikel Rehabilitations- und Kuraufenthalt.

Rehabilitationszentren für neurologische Erkrankungen finden Sie unter Services:
Suche nach Rehabilitationszentren.

Die Rehabilitationskosten während des Spitalaufenthaltes sind über die Sozialversicherung abgedeckt. Für weitere ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahmen ist eine ärztliche Verordnung erforderlich, die vom zuständigen Sozialversicherungsträger bewilligt werden muss. Für stationäre Aufenthalte in einem Rehabilitationszentrum ist ein Selbstbehalt (einkommensabhängig) vorgesehen.  

 
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