Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Gruppe von Bergsteigern beim Aufstieg © alexbrylovhik

Höhenkrankheit

Eine akute Höhenkrankheit kann entstehen, wenn zu rasch in große Höhen gereist oder aufgestiegen wird. Zur akuten Höhenkrankheit zählen die akute Bergkrankheit, das Höhenlungenödem sowie das Höhenhirnödem. Diese Krankheitsbilder können sowohl alleine als auch in Kombination miteinander auftreten. Typisches Anzeichen der akuten Bergkrankheit ist Kopfschmerz, verbunden mit anderen Beschwerden wie Übelkeit oder Erbrechen. Ursache ist eine schlechte Anpassung des Körpers (Akklimatisation) an die erreichte Höhe. Die Beschwerden vergehen meist, wenn sich der Körper nach einiger Zeit an die Höhe akklimatisiert hat oder wenn wieder eine geringere Höhe erreicht wurde. Durch eine ausreichende Akklimatisation kann einer Höhenkrankheit vorgebeugt werden. Bestimmte Symptome einer akuten Bergkrankheit, z.B. Höhenkopfschmerz, sind mit Medikamenten behandelbar. 

Wird auf die Symptome einer akuten Bergkrankheit nicht richtig reagiert, kann sich ein lebensbedrohliches Höhenhirnödem oder ein Höhenlungenödem entwickeln. Bei diesen schweren Komplikationen ist ein rascher Abstieg oder Abtransport in niedrigere Höhen und eine medizinische Versorgung lebenswichtig.

Höhenakklimatisation: Was ist das?

Mit zunehmender Höhe nimmt die Menge des Sauerstoffs in der Luft ab. Dadurch sinkt zunächst auch die Menge des Sauerstoffs im Blut (Sauerstoffpartialdruck).

  • Der Körper reagiert auf den Sauerstoffmangel (Hypoxie) sofort mit einer Beschleunigung der Atmung und einer Zunahme der Herzfrequenz (Puls).
  • Um mehr Sauerstoff transportieren zu können, werden zunehmend mehr rote Blutkörperchen (Erythrozyten) gebildet. Dadurch steigt die Anzahl der Zellen im Blut (Hämatokrit). Im Verlauf der Höhenanpassung kommt es auch zu vermehrtem Urinieren (Höhendiurese). Diese Vorgänge führen zu einer Eindickung des Blutes. Dies kann beim Bergsteigen vor allem in extremen Höhen zu einem erhöhten Risiko für Thrombosen, Thromboembolien, Erfrierungen oder Schlaganfällen führen.

Über etwa 1.500 Metern beginnt sich bei vielen Menschen die Höhe bemerkbar zu machen. In welcher Höhe die Akklimatisation des Körpers beginnt, ist jedoch individuell verschieden. Nach einiger Zeit des Aufenthalts in einer bestimmen Höhe ist der Körper für diese Höhe angepasst.

Bei einem Aufstieg in eine größere Höhe ist wieder eine Akklimatisation notwendig. Allerdings kann sich der Körper nur bis etwa 5.300 Meter akklimatisieren. In größeren Höhen sind keine dauerhaften Aufenthalte möglich. Der Mensch kann dort nur eine begrenzte Zeit überleben.

Wie häufig ist eine Höhenkrankheit?

Eine akute Höhenkrankheit kann ab einem Bereich von 1.500 bis 3.000 Metern auftreten. Am häufigsten ist die akute Bergkrankheit. Ungefähr jede vierte Person, die in geringer Höhe lebt und sich ohne Akklimatisation in einer Höhe über 2.500 Metern aufhält, bekommt Symptome einer Höhenkrankheit. In den Alpen sind sehr schwere Verläufe der Höhenkrankheit  selten, da ein rascher Abstieg in niedrige Höhen leicht möglich ist.

Manche Expertinnen/Experten vermuten, dass bei einer akuten Bergkrankheit mit typischen Beschwerden wie Kopfschmerz und Müdigkeit auch die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt ist. Das könnte zu einem erhöhten Risiko für Unfälle beitragen.

In extremen Höhen ab etwa 5.300 Metern treten schwere lebensbedrohliche Formen der Höhenkrankheit wie Höhenhirnödem und Höhenlungenödem öfter auf und zählen hier zu den häufigsten Todesursachen beim Bergsteigen. 

Höhenkrankheit vorbeugen: Die richtige Akklimatisation

Bei einer erfolgreichen Akklimatisation ist der Puls normal und die Atmung tief. Durch ausreichende Akklimatisation kann eine akute Höhenkrankheit vermieden werden. Die Anfälligkeit und die „kritische Höhe“ für die Entstehung einer Höhenkrankheit sind individuell verschieden. Wesentlich für die Akklimatisation ist, in welcher Zeit wie viel Gewinn an Höhe zurückgelegt wurde bzw. die tägliche Distanz der Schlafhöhe.

Die wichtigsten Empfehlungen zur Vorbeugung einer Höhenkrankheit sind:

  • Nicht zu schnell zu hoch steigen!
  • Möglichst tiefe Schlafhöhe wählen!
  • Nie mit Symptomen einer Höhenkrankheit weiter aufsteigen! Fluchtwege in tiefere Regionen sollten immer möglich sein.

Weitere Tipps:

  • Keine zu große Distanz der täglichen Schlafhöhe bewältigen.
  • Das Gehtempo kann man z.B. am Rhythmus der Atmung orientieren: Einen Schritt einatmen – zwei Schritte ausatmen bzw. ab etwa 3.000 Meter einen Schritt einatmen, einen Schritt ausatmen.
  • Empfohlen werden kurze Tagesetappen, leichte Traglasten und häufiges Rasten beim Aufstieg.
  • Wer seine persönliche „kritische Höhe“ kennt, sollte auf dieser Höhe vor einem weiteren Aufstieg mehrere Nächte schlafen. Oberhalb der „kritischen Höhe“ sollte der tägliche Höhenunterschied bis zum nächsten Schlafplatz nicht mehr als 300 bis 400 Meter betragen. Falls sich größere Abstände der Schlafhöhen nicht vermeiden lassen, sollten zwei Nächte auf der gleichen Höhe verbracht werden.
  • Ausreichend trinken: Oberhalb von 2.500 Metern beträgt der tägliche Bedarf an Flüssigkeit rund drei bis vier Liter. Bei ausreichendem Trinken ist der Harn hell und klar. Flüssigkeitsmangel verstärkt die Bluteindickung. Dies erhöht das Risiko für Thrombosen und Thrombembolien.
  • Ev. nach Erreichen der Schlafhöhe noch ca.100 bis 400 Höhenmeter weiter auf- und wieder absteigen.

Verschreibungspflichtige Medikamente, vor allem das Sulfonamid Acetazolamid, können zur Vermeidung einer akuten Bergkrankheit eingesetzt werden. Voraussetzung ist eine vorherige ärztlicher Verordnung (Rezept) und Beratung. 

Akute Bergkrankheit: Symptome und Therapie

Eine akute Bergkrankheit, die häufigsten Form einer Höhenkrankheit, kann sich entwickeln, wenn eine Person zu rasch und mit zu hoher Intensität der Belastung in ungewohnte Höhen aufsteigt und dort länger als sechs Stunden bleibt. Sehr selten können die Symptome auch schon nach einer Stunde auftreten.

Zu den Symptomen zählen:

  • Kopfschmerz, meist an der Stirn und an den Schläfen, selten einseitig oder im Hinterkopf. Der Kopfschmerz verstärkt sich durch körperliche Anstrengung
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit
  • Erbrechen
  • Schwindel
  • Müdigkeit, Schwäche
  • Schlafstörungen

Eine akute Bergkrankheit besteht, wenn Kopfschmerz und mindestens ein weiteres Symptom im Zusammenhang mit einem raschen Höhenanstieg vorliegen. Oft sind die Symptome nach der ersten Nacht am stärksten und verbessern sich nach ein bis zwei Tagen in Ruhe auf der gleichen Höhe. Bestehen Symptome einer akuten Bergkrankheit und wird weiter aufgestiegen, können sich daraus schwere Formen entwickeln. 

Kopfschmerz in Höhe allein ohne weitere Symptome ist keine Höhenkrankheit. Mögliche andere Ursachen sind z.B. Sonnenstich, grippaler Infekt, Dehydrierung, Erschöpfung, Migräne, TIA oder Schlaganfall.

Therapie akuter Bergkrankheit

Bei den ersten Symptomen einer akuten Bergkrankheit sollte nicht weiter aufgestiegen, sondern ein Ruhetag eingelegt werden. Bestehen die Symptome länger als drei Tage oder tritt eine Verschlechterung schon vorher ein, ist ein Abstieg notwendig. Der Abstieg sollte mindestens 500 Höhenmeter oder bis zur letzten symptomfreien Schlafhöhe erfolgen. Alkohol kann die Symptome verstärken. Kinder sollten bei einem Verdacht auf eine akute Höhenkrankheit ev. hinuntergetragen werden. 

Zur Linderung von Kopfschmerzen können die rezeptfreien Medikament Ibubrufen oder Naproxen eingenommen werden. Bei schweren, fortschreitenden Formen der akuten Höhenkrankheit kann das verschreibungspflichtige Medikament Dexamethason eine Linderung der Beschwerden bringen.

Höhenhirnödem und Höhenlungenödem: Symptome und Therapie

Schwere Formen der Höhenkrankheit sind das Höhenhirnödem und das Höhenlungenödem. Sie können sich aus einer bestehenden akuten Bergkrankheit entwickeln oder unabhängig davon auftreten. Bei den ersten Anzeichen ist ein sofortiger Abstieg um mindestens 1.000 Höhenmeter oder Abtransport lebenswichtig. Akute Symptome können mit speziellen Medikamenten behandelt werden. Die Behandlung dieser schweren Formen der Höhenkrankheit, die auch gemeinsam auftreten können, erfordern spezielle medizinische Kenntnisse.

Höhenlungenödem

Beim Höhenlungenödem kommt es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge. Es tritt meist in den ersten zwei bis fünf Tagen nach dem Erreichen einer Höhe oberhalb von rund 3.500 Metern auf. Häufig bestehen bereits Symptome einer akuten Höhenkrankheit. Ein Höhenlungenödem entwickelt sich oft beim Schlafen und Liegen durch den dabei erhöhten Lungendruck.

Symptome eines Höhenlungenödems sind:

  • Verminderung der Leistungsfähigkeit mit Atemnot unter Belastung
  • Atemnot, „Schnellatmung“
  • Husten
  • Erhöhte Körpertemperatur

Die wichtigsten Maßnahmen der Therapie sind:

  • Rascher Abstieg bzw. Abtransport,
  • die Gabe von Sauerstoff,
  • die Gabe des rezeptpflichtigen Medikaments Nifedipin und
  • ev. die Anwendung eines sogenannten Überdrucksacks.

Höhenhirnödem

Beim Höhenhirnödem bilden sich Läsionen der Blut-Hirn-Schranke. Es entwickelt sich zunehmend eine Gehirnschwellung. Diese lebensgefährliche Form der Höhenkrankheit tritt meist in sehr großen Höhen auf. Typisch sind bereits bestehende schwere Symptome der akuten Bergkrankheit.

Symptome eines Höhenhirnödems sind:

  • Unsicherheit beim Gehen und Stehen (Ataxie) als Leitsymptom sowie
  • schwere Kopfschmerzen, die auch unter Medikamenten nicht besser werden,
  • Übelkeit, Erbrechen,
  • Schwindel,
  • Bewusstseinsstörung,
  • Sehstörungen, Lichtscheue,
  • Fieber,
  • Koma.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Therapie sind:

  • Rascher Abtransport wenn möglich unter 2.500 Meter. Ein Abstieg aus eigener Kraft sollte vermieden werden. Ev. Gabe von Sauerstoff.
  • Gabe des rezeptpflichtigen Medikaments Dexamethason oder vergleichbarer Medikamente.
  • Ev. Anwendung des Überdrucksacks

Wohin kann ich mich wenden?

Höhenmedizinische Beratung

Vor einer Bergtour oder einer Reise in größere Höhen können Sie vorab mögliche gesundheitliche Probleme und Risiken einer Höhenkrankheit mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt abklären. Informieren Sie die Ärztin/den Arzt über bestehende Erkrankungen und Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen. Wichtig sind auch Ihre bereits gemachten Erfahrungen mit Beschwerden in der Höhe.

Ev. wird Ihnen die Ärztin/der Arzt weitere Untersuchungen empfehlen, um Ihren Gesundheitszustand und Ihre Leistungsfähigkeit beurteilen zu können.

Für eine persönliche höhenmedizinische Beratung können Sie sich auch an eine Ärztin/einen Arzt wenden, die/der auf Höhenmedizin spezialisiert ist (ÖÄK-Diplom für Alpin- und Höhenmedizin).

Dabei können Sie folgende Punkte besprechen:

  • Wie können Sie das Risiko einer Höhenerkrankung senken?
  • Welche Möglichkeiten haben Sie, sich im Notfall selbst zu behandeln?

Behandlung akuter Höhenkrankheit

Schwere, akute Formen der Höhenkrankheit sind in Europa sehr selten. Im Notfall erfordern sie eine rasche medizinische Behandlung und ev. einen Abtransport oder eine Bergung aus der Höhe ins Tal (Euronotruf 112).

Beschwerden, die auch nach einem Aufenthalt in der Höhe bestehen, können Sie z.B. von Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt (Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin) abklären lassen.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Bergung

In Österreich können die Kosten für Rettungseinsätze mit dem Hubschrauber nach Sport- und Freizeitunfällen im alpinen Bereich der Patientin/dem Patienten in Rechnung gestellt werden. Diese Kosten können durch eine Privatversicherung abgedeckt werden, wie sie z.B. in einer privaten Unfallversicherung oder der Mitgliedschaft bei einem alpinen Verein oder einer Autofahrerorganisation abgedeckt sind. Bei Bergungen im Ausland gelten die jeweiligen nationalen Bestimmungen.

Diagnose und Therapie

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt (Behandlungsbeitrag) für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine Bewilligung des leistungszuständigen Krankenversicherungsträgers (medizinischer Dienst – „Chefarzt“) erforderlich sein, ebenso wie bei bestimmten medikamentösen oder nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie), in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Web-Seiten der Sozialversicherung finden.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse