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Frau hält ein Auge zu © Picture-Factory

Facialisparese (Gesichtslähmung)

Eine Gesichtslähmung (periphere Fazialisparese) ist eine Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur, die meist eine, seltener auch beide Gesichtshälften betreffen kann. Sie entsteht durch eine Schädigung des Gesichtsnervs, häufig ohne erkennbare Ursache. Die Beschwerden können mit der Zeit verschwinden, aber auch dauerhaft bestehen bleiben.

Von der peripheren wird die zentrale Fazialisparese unterschieden, die durch Erkrankungen des Gehirns, wie z.B. Schlaganfall, Gehirntumor oder Multiple Sklerose entsteht . . .

Ursachen der peripheren Fazialisparese

In den meisten Fällen findet sich keine Ursache für die Lähmung des Gesichtsnervs (Nervus facialis, VII. Hirnnerv). Diese sogenannte idiopathische Fazialisparese bildet sich häufig wieder komplett zurück. Sie ist die mit Abstand häufigste Hirnnervenläsion. Die Angaben schwanken zwischen jährlich sieben bis 40 Betroffenen pro 100.000 Einwohner, wobei die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt. In der Schwangerschaft ist das Risiko für das Auftreten einer idiopathischen Fazialisparese zirka dreifach erhöht und die Prognose etwas ungünstiger. Seltenere Ursachen sind u.a.:

Symptome

  • Bei der peripheren Fazialisparese treten u.a. folgende Beschwerden auf: Durch den Ausfall der Gesichtsmuskulatur kommt es zu einem verminderten oder fehlenden Lidschluss des Auges auf der betroffenen Seite. Das Auge kann austrocknen, wodurch die Entstehung von Entzündungen und Geschwüren begünstigt wird. Der Mundwinkel steht tiefer, ist geöffnet und kann nicht nach oben bzw. zur Seite gezogen werden. Es bestehen Schwierigkeiten beim Essen und Trinken sowie beim Sprechen. Auch der Geschmackssinn, die Speichel- und Tränensekretion können beeinträchtigt sein. Die Stirn erscheint glatt und faltenarm. 

    Die meisten peripheren Gesichtslähmungen verschwinden innerhalb von Tagen bis Wochen, in seltenen Fällen kann es bis zu einem halben Jahr oder auch länger andauern. Bei ausgeprägten Schädigungen des Nervs (z.B. durch Unfälle) oder bei schweren Grunderkrankungen (z.B. Tumore, neurologische Erkrankungen) kann es zu einer bleibenden Lähmung kommen.

  • Bei der zentralen Fazialisparese zeigen sich u.a. folgende Symptome: Es kommt zu einer Schwäche der Mund- und Wangenmuskulatur, Mundwinkel und Wange hängen herab. Hingegen bleiben die Stirnmuskeln beweglich und der Lidschluss erhalten.

Diagnose

Zunächst erhebt die Ärztin/der Arzt in einem Gespräch (Anamnese) die Vorgeschichte. Danach werden Gesichtsmuskulatur, Ohr, Auge und Tränenproduktion geprüft sowie neurologische und elektrophysiologische Untersuchungen durchgeführt. Gegebenenfalls folgen weiterführende Untersuchungen wie Ultraschall, MRT oder Computertomographie, Labortests des Hirnliquors und des Blutes.

Therapie

Je früher eine Behandlung erfolgt, desto besser stehen die Chancen auf eine Heilung.

  • Bei erkennbarer Ursache wird die Fazialisparese – soweit möglich – gezielt behandelt, z.B. durch Antibiotika oder Operation.
  • Bei idiopathischer, d.h. ohne erkennbare Ursache entstandener Fazialisparese kommen in erster Linie Kortikosteroide zum Einsatz.
  • Bei unvollständigem Lidschluss wird das Auge mit Augentropfen und/oder einem sogenannten Uhrglasverband (nachts) feuchtgehalten und die Hornhaut durch Augensalbe geschützt. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Lidbeladung. Dabei werden vorübergehend Bleiplättchen auf das Oberlid geklebt oder Gold- oder Platingewichte dauerhaft in die Oberlidmuskulatur eingesetzt.
  • Wohltuend und schmerzlindernd können warme Gesichtspackungen sowie sanfte Massagen der gelähmten Muskulatur wirken. Darüber hinaus wird eine sorgfältige Mundhygiene empfohlen, um das Verbleiben von Speiseresten in den Wangentaschen zu verhindern. Bei Lichtempfindlichkeit ist das Tragen einer Sonnenbrille günstig.
  • Im weiteren Verlauf werden Physio- und Elektrotherapie, Biofeedback sowie spezielle logopädische Übungen für die Gesichtsmuskulatur empfohlen.
  • Bei anhaltender Fazialisparese können in bestimmten Fällen plastisch-rekonstruktive chirurgische Eingriffe zur Wiederherstellung der Nervenfunktion in Erwägung gezogen werden.
  • Botulinumtoxin-Injektionen können zu einer Besserung der Bewegungsstörungen im Gesicht führen, die gelegentlich nach peripheren Fazialisparesen auftreten können.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Auftreten von Lähmungen oder Missempfindungen im Gesicht können Sie sich an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für HNO,
  • Fachärztin/Facharzt für Neurologie,
  • Fachärztin/Facharzt für Plastische Chirurgie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

In manchen Situationen kann zur Behandlung einer Gesichtslähmung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Hausärztin/den Hausarzt bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet ein Spitalsaufenthalt?

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