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Rettungsring © Michael Zöphel

Notfall: Ertrinken

Ertrinken ist eine Form des Erstickens. Dabei kommt Flüssigkeit über die Atemöffnungen in die Lunge. Anschließend durchläuft die/der Ertrinkende verschiedene Phasen. Nach vier bis fünf Minuten unter Wasser kommt es zum Atemstillstand. Daher sollte eine Rettung so schnell wie möglich erfolgen. Laienrettungen sind ein großes Risiko für das eigene Leben, daher versuchen Sie nur bei entsprechenden Kenntnissen eine Rettung. Bei erwachsenen Ertrinkungsopfern benützen Sie vorhandene Hilfsmittel wie z.B. Schwimmweste oder Rettungsring . . .

Anzeichen für einen Ertrinkungsnotfall

Einen Ertrinkungsnotfall erkennt man häufig an der Kopfposition. Dieser ist meistens stark überstreckt, damit Mund und Nase möglichst über dem Wasser bleiben. Der Körper befindet sich in senkrechter oder schräger Lage. Weiters versucht die Person, nach Luft zu schnappen, und schlägt wild mit den Armen auf das Wasser. Beinbewegungen sind meistens nicht erkennbar. Es ist jedoch oft schwierig, einen Ertrinkungsnotfall sofort als solchen zu erkennen.

Folgende Faktoren können das Wahrnehmen der Gefahrensituation erschweren:

  • Durch den Überlebenskampf ist es der/dem Ertrinkenden nicht möglich, aktiv um Hilfe zu rufen.
  • Kleinkinder, die noch nicht schwimmen können, sind bei ihrem Abwehrkampf gegen das Ertrinken nicht in der Lage, Mund und Nase über der Wasseroberfläche zu halten. Sie paddeln unter Wasser und können daher nicht rufen. Oder sie „erstarren“ und gehen sofort unter.
  • Ertrinkende können auch nicht gezielt winken, weil in dieser Situation sämtliche Armbewegungen für den Überlebenskampf benötigt werden und daher nicht willentlich gesteuert werden können.
  • Manchmal erscheint die Situation spielerisch. Besonders bei Kleinkindern wirkt die Situation für den Betrachter, als ob das Kind tauchen würde.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

In Österreich ertrinken jedes Jahr zahlreiche Menschen. Betroffen sind erster Linie Kleinkinder zwischen zwei und vier Jahren. Bei diesen zählt der Ertrinkungstod zu den häufigsten Todesursachen. Der größte Risikofaktor für Kinder sind ungesicherte Pools oder Schwimmbiotope. Die beste „Erste Hilfe“ ist daher das Setzen präventiver Maßnahmen, z.B. feste Poolabdeckungen, Umzäunungen oder Poolalarmanlagen.

Die Rettung der Person steht im Vordergrund, denken Sie dabei aber immer auch an den Eigenschutz. Gehen Sie wie folgt vor:

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Notruf 144 oder 112 wählen oder an Dritte delegieren.
  • Benutzen Sie schwimmende oder auftreibende Hilfsmittel. Diese eignen sich nicht nur zur Rettung, sondern auch zur „Verteidigung“. Ertrinkende neigen dazu, sich an alles und allem festzuklammern – auch an die Retterin/den Retter.
  • Schätzen Sie Ihre Kondition richtig ein. Verbrauchen Sie nicht alle Kräfte auf dem Hinweg zur ertrinkenden Person.

Bei Bewusstlosigkeit oder plötzlichem Bewusstseinsverlust:

  • Bewusstsein überprüfen: ansprechen und sanft schütteln.
  • Laut um Hilfe rufen: Umstehende auf die Notfallsituation aufmerksam machen!
  • Atmung prüfen: „hören, sehen, fühlen“ für max. zehn Sekunden.
  • Normale Atmung vorhanden: stabile Seitenlage und Notruf 144 oder 112 wählen. Wiederholt die Atmung prüfen!
  • Keine normale Atmung vorhanden: Notruf 144 oder 112 wählen und mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen!

Hinweis Sämtliche Maßnahmen zum Entfernen von Wasser aus der Lunge und den Atemwegen sind ineffektiv und daher zu unterlassen.

Wissenswertes zum Ertrinken

Die Rettung der ertrinkenden Person muss möglichst schnell erfolgen. Besonders bei offensichtlicher Bewusstlosigkeit, da eine effektive Wiederbelebung nur an Bord eines Bootes bzw. am Ufer möglich ist. Der Herz-Kreislauf-Stillstand bei Ertrinkenden ist eine Folge des Sauerstoffmangels. Der entscheidende Überlebensfaktor ist die Dauer der Sauerstoffunterversorgung. Gerade bei Kleinkindern ist sofortiges Handeln notwendig, da diese sofort untergehen.

Besonders ertrinkungsgefährdet sind neben Kleinkindern untrainierte Personen und Nichtschwimmer. Das Ertrinken läuft in folgenden Phasen ab:

  • Abwehrphase: Ertrinkende schlagen wild um sich, um ihren Mund über Wasser zu halten, und kämpfen panisch gegen das Untergehen an. Teilweise kommt es zum Einatmen von Flüssigkeit. Diese Phase kann bis zu einer Minute dauern. Kleinkinder sind hier eine Ausnahme, sie zeigen in der Regel keine Abwehrreaktionen.
  • Reflektorische Inspiration: Kaltes Wasser auf Rücken- und Brusthaut führt sehr häufig zu reflexartigem plötzlichem Einatmen.
  • Willkürliches Atemanhalten: Bewusstseinsklare Personen versuchen, unter Wasser nicht zu atmen. Der dadurch bewirkte Anstieg des Kohlendioxids im Blut führt jedoch zum automatischen Wiedereinsetzen der Atmung.
  • Einsetzende Atemnot: Das in den Rachenraum und die Luftröhre eingeatmete Wasser kann zum Stimmritzenkrampf führen. Dadurch ist kein Eindringen von Wasser in die Lungen möglich, aber auch keine Sauerstoffaufnahme. Die Folge davon ist Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel.
  • Krampfphase: Durch den Sauerstoffmangel kommt es zu Anspannung und Versteifung der gesamten Körpermuskulatur und danach zu Zuckungen von Armen und Beinen.
  • Atemlähmung und letzte Atemzüge („finale Schnappatmung“): Flache Atemzüge setzen ein, es kommt zum Atemstillstand und in der Folge zu einem Kreislaufstillstand.

Der gesamte Ertrinkungsvorgang kann zwischen vier und fünf Minuten andauern.
Es gibt jedoch auch Ertrinkungsnotfälle ohne Abwehrreaktion. Bei diesen Notfällen geht die ertrinkende Person bereits nach zirka 20 Sekunden unter.

Folgende Ursachen können für das rasche Untergehen verantwortlich sein:

Vorbeugende Maßnahmen und Verhaltensregeln, um das Ertrinkungsrisiko zu minimieren:

  • Kinder niemals alleine schwimmen lassen.
  • Bei Bootsfahrten immer passende Schwimmwesten tragen.
  • Nicht leichtsinnig über zugefrorene Gewässer laufen.
  • Unbekannte Gewässer meiden.
  • Warnungen vor Strömungen ernst nehmen.
  • Kopfsprünge in unbekannte oder auch niedrige Gewässer vermeiden.
  • Bei hoher Lufttemperatur nicht ohne vorherige Abkühlung ins Wasser springen.
  • Nach einer Mahlzeit einige Zeit verstreichen lassen, bevor man schwimmen geht.
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