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Frau in stabiler Seitenlage © Robert Kneschke

Notfall: Epileptischer Anfall

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu vorübergehenden Funktionsstörungen des Gehirnes kommt. Man spricht dabei von epileptischen Anfällen. Diese können sich auf unterschiedliche Art äußern: die Symptome reichen von kurzen Veränderungen der Wahrnehmung oder des Geschmackes über Zuckungen des Gesichtes und auffällige Verhaltensweisen bis hin zu schweren Krampfanfällen, die den ganzen Körper betreffen. Bei Letzteren ist auch das Bewusstsein eingeschränkt.

Krampfanfälle müssen nicht immer in Zusammenhang mit einer Epilepsieerkrankung stehen. Sie können auch durch andere neurologische Erkrankungen (z.B. Hirntumore, Hirnblutungen) sowie Alkoholentzug oder Vergiftungen verursacht werden. 

Wie äußert sich ein Krampfanfall?

Ein generalisierter Krampfanfall, der den ganzen Körper betrifft, ist die schwerste Ausprägung eines epileptischen Anfalles. Die typischen Symptome sind:

  • Bewusstlosigkeit,
  • Sturz,
  • Verkrampfung am ganzen Körper,
  • Zuckungen der Arme und Beine,
  • eventuell Stuhl- und Harnverlust,
  • eventuell Speichelfluss oder Blutaustritt aus dem Mund (verursacht durch Zungen- oder Wangenbiss).

Typischerweise dauert ein solcher Anfall etwa zwei Minuten an. Die/der Betroffene kommt anschließend wieder zu Bewusstsein, ist aber verwirrt, orientierungslos oder sehr schläfrig.

In selteneren Fällen dauert ein Anfall länger, ohne dass die/der Betroffene das Bewusstsein wiedererlangt, man spricht dann von einem Status epilepticus. In dieser Situation besteht ein erhöhtes Risiko für Folgeschäden aufgrund von Sauerstoffmangel oder Verletzungen. Es ist rasches Handeln gefragt, um eine schnelle medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Auch andere, teils weniger auffällige Anzeichen können auf einen epileptischen Anfall hindeuten:

  • die/der Betroffene starrt plötzlich regungslos vor sich hin und ist nicht ansprechbar
  • plötzlich auftretende, merkwürdige Verhaltensweisen, von denen die/der Betroffene selbst nichts bemerkt (z.B. laute Schmatzgeräusche)
  • Zittern der Arme Zuckungen im Gesicht.

Die Symptome können gemeinsam oder auch alleine auftreten. Mehr zum Thema: Epilepsie

Wie kann ich Erste Hilfe leisten?

Wenn Sie einen Krampfanfall bei jemanden beobachten, sind zunächst Maßnahmen wichtig, mit denen Sie die Betroffene/den Betroffenen vor weiteren Schäden schützen können:

  • Bleiben Sie ruhig!
  • Entfernen Sie Gegenstände, z.B. Stühle, an denen sich die krampfende Person verletzen kann, oder decken Sie diese Gegenstände wenn möglich mit Pölstern ab (z.B. gefährliche Ecken und Kanten). Wenn es möglich ist, können Sie auch einen weichen Gegenstand (Polster, Mantel) unter den Kopf der Person legen, um sie vor Verletzungen zu schützen.
  • Wählen Sie den Notruf 144.
  • Halten Sie die Person während des Anfalls nicht fest! Bei Sturzgefahr helfen Sie der Person, sich auf den Boden zu legen.
  • Versuchen Sie nicht, einer krampfenden Person Gegenstände (z.B. Beissschutz) in den Mund zu stecken! Es besteht die große Gefahr, Bissverletzungen zu erleiden.
  • Warten Sie die Dauer des Anfalles ab, und lassen Sie die Person währenddessen nicht alleine. Die meisten Anfälle sind auf zwei Minuten begrenzt. 


Nach dem Anfall

Überprüfen Sie das Bewusstsein und die Atmung des/der Betroffenen! Lassen Sie die Person nicht alleine, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind.

Ist die/der bei Betroffene benommen, aber ansprechbar und atmet normal:  

  • Beruhigen Sie die Person!
  • Bringen Sie die Person zur Vorbeugung in Seitenlage, wenn möglich legen Sie einen Polster unter den Kopf.
  • Schirmen Sie die Person vor äußeren Reizen, z.B. lauten Geräusche, Licht etc., ab.
  • Decken Sie die betroffene Person wenn möglich zu.
  • Wischen Sie eventuellen Speichel mit einem Tuch weg.
  • Gehen Sie auf die unmittelbaren Bedürfnisse der betroffenen Person ein.

Ist die/der Betroffene nicht bei Bewusstsein, aber atmet normal:

  • Bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage.
  • Wischen Sie eventuellen Speichel mit einem Tuch weg.
  • Öffnen Sie beengende Kleidungsstücke.
  • Überprüfen Sie die Atmung in regelmäßigen Abständen, bis die Rettungskräfte vor Ort sind.

Ist die/der Betroffene nicht bei Bewusstsein und atmet nicht (normal):

  • Rufen Sie um Hilfe und machen Sie umstehende Personen auf die Situation aufmerksam.
  • Beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen! Mehr zum Thema: Erste-Hilfe-Maßnahmen

Wissenswertes zum epileptischen Anfall

Häufige Auslöser eines Krampfanfalles im Erwachsenenalter sind z.B. Schlaganfall, Hirnentzündung, Tumore oder auch Hirnverletzungen. Bei Kindern ist die Ursache meist eine frühkindliche Schädigung des Gehirns bei der Geburt. Die rein genetisch vererbte Epilepsie ist sehr selten. Manchmal tritt sie auch im Rahmen von anderen Erkrankungen (z.B. Stoffwechselerkrankungen) auf. Ein Sonderfall der Krampfanfälle im Kindesalter ist der Fieberkrampf.

An Epilepsie Erkrankte müssen häufig mit einer Vielzahl von Vorurteilen leben. Nach heutigem Stand der Medizin kann die Epilepsie jedoch gut behandelt werden. Wenn mit Medikamenten keine Anfallsfreiheit erzielt werden kann, gibt es andere Möglichkeiten, die aber nur in speziellen Zentren angeboten werden. Diese reichen von chirurgischer Entfernung des betroffenen Hirnareals bis zur Neuro-Stimulation. Bei dieser Methode werden mittels elektrischer Reize bestimmte Hirnstrukturen stimuliert, wodurch Epilepsieanfälle verhindert werden. Mehr zum Thema: Epilepsie: Therapie

Insgesamt können betroffene Menschen oft ein fast normales Leben führen. Die meisten kleinen Anfälle werden von der Umwelt kaum wahrgenommen, z.B. kurze Zuckungen oder Abwesenheiten (sogenannte Absencen).
Ausführliche Informationen erhalten Sie unter Epilepsie.

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