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Schlafendes Kind, im Hintergrund Schatten eines Monsters an der Wand © photophonie

Träume – Bilder der Seele?

Im Traum ist vieles möglich und oft bizarr. Die Wissenschaft setzt sich schon lange mit dem Phänomen der Träume auseinander. Theorien über das Unbewusste bis hin zur These, dass Träume ein zufälliges „Feuerwerk“ der Gehirnnervenzellen sind, wurden und werden diskutiert. Was weiß man aber zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich über das nächtliche Träumen? Und welche Rolle spielt der Schlaf für den Traum?

Schlaf – Erholung und Abenteuer im Kopf  

Schlaf dient der Erholung und Regenerierung – er ist lebensnotwendig. Der Mensch schläft nachts, weil es ihm seine biologische Uhr so vorgibt. Eine Ausnahme sind Schichtarbeiter: Sie müssen immer wieder den Tag zur Nacht machen. Die vielen Eindrücke, die tagsüber auf uns wirken, werden im Schlaf sortiert und die wichtigsten in das Langzeitgedächtnis übernommen. Schlaf erfüllt also auch eine wichtige Funktion für unser Gedächtnis.

Das Hormon Melatonin sorgt abends für Müdigkeit. Sobald gemütlich liegend, steht der Tour durch die Nacht nichts mehr im Wege. Nach ungefähr einer Viertelstunde schläft man ein. Diese Zeitspanne variiert individuell. Der Übergang vom Wach- in den Schlafzustand ist kein abrupter Wechsel, sondern ein gemächliches Hinübergleiten in „Morpheus'“ Arme. Morpheus war laut griechischer Mythologie der Sohn von Hypnos (Gott des Schlafs).

So ruhig der Schlaf äußerlich erscheint, so abenteuerlich ist er im Inneren des Körpers. Zellen werden erneuert, das Immunsystem rüstet sich für den nächsten Tag, Träume entstehen und vieles mehr spielt sich während der nächtlichen Ruhe ab. Dass der Schlaf vor Mitternacht bzw. bis ca. ein Uhr nachts üblicherweise der tiefste ist, ist kein Ammenmärchen. Zwei sehr tiefe Schlafphasen, die tiefsten der Nacht, ereignen sich vom Zubettgehen bis zu diesem Zeitraum.

Was bedeutet REM- und NREM-Schlaf?

Träume finden vor allem in den sogenannten REM-Stadien des Schlafs statt. Die Bezeichnung REM stammt aus dem Englischen und steht für: rapid eye movement – in dieser Phase finden rasche Augenbewegungen statt. Während der REM-Stadien ist der Schlaf nicht tief, sondern eher oberflächlich. Er ähnelt einem geistigem Wachzustand – der Körper jedoch ist tief entspannt. Kurzes Aufwachen ist häufig und wird meistens nicht erinnert. Neueste Forschungen zeigen, dass Träume selten auch in NREM-Stadien möglich sind. Der REM-Schlaf unterscheidet sich in seinen Hirnfunktionen deutlich vom Wachzustand bzw. zu anderen Schlafstadien (Non-REM-Schlaf, NREM). Die NREM-Träume bestehen eher aus einzelnen Gedanken oder Bildern im Gegensatz zu REM-Träumen, die oft Filmen ähneln.

Acetylcholin spielt als Botenstoff eine wichtige Rolle für den REM-Schlaf. Da sich auch bestimmte Medikamente auf den Acetylcholin-Haushalt auswirken (z.B. sogenannte Cholinesterasehemmer oder Betablocker), können sich solche Arzneien auf Träume auswirken (z.B. in der Intensität bzw. im Auftreten von Albträumen). Albträume treten z.B. auch bei Alkohol- bzw. Benzodiazepinentzug auf. Benzodiazepine sind Beruhigungsmittel. Eine andere Forschungsthese geht allerdings davon aus, dass Dopamin der wichtigste „Player“ im Traumgeschehen ist.

Jeder Mensch träumt

Der Mensch träumt normalerweise im Laufe einer Nacht mehrere Male – auch wenn er sich nicht daran erinnern kann. Träumen ist sozusagen die einzige Bewusstseinsform, die es im Schlaf gibt. Die Dauer der Träume reicht von ca. zehn bis fünfundvierzig Minuten. Die Traumdauer nimmt während der Nacht zu. Als gesichert gilt, dass das Träumen mit einer Hirnaktivität einhergeht. Eine tragende Rolle für das Schlafen und Träumen spielt der Hirnstamm im Gehirn. Er reguliert unter anderem den Wechsel zwischen REM- und NREM-Schlaf.

Im Traum werden Gehirnregionen, die für Gefühle zuständig sind, eher aktiviert als jene für logisches Denken. Die Sinne sind während des Träumens aktiv, wenn auch anders als im Wachzustand – so sieht die Träumende/der Träumende mit geschlossenen Augen innere Bilder. Akustische Eindrücke und Gerüche sowie Geschmäcker werden ebenso wahrgenommen. Körperliche und seelische Empfindungen begleiten das Traumgeschehen. Äußere Reize wie z.B. Handyklingeln sowie innere Bedürfnisse (etwa Harndrang) werden eventuell ebenso involviert. Die Reizschwelle für äußere Einflüsse ist allerdings sehr hoch. Kinder können ab dem dritten Lebensjahr Träume als solche wahrnehmen. Ab dem sechsten Lebensjahr gelingt es ihnen, Traum und Realität komplett voneinander zu unterscheiden.

Von den Babyloniern über Freud zur modernen Traumforschung

Seit etwa 3000 vor Christus – vielleicht auch schon früher – beschäftigt sich die Menschheit mit dem Phänomen des Träumens. So wurde es erstmals in Babylonien im Gilgamesch-Epos verschriftlicht. Träume sind subjektiv empfundene Erscheinungen. Das macht die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihnen sehr komplex. Im 19. Jahrhundert begann die moderne Traumforschung: Es wurde experimentell in der Psychologie geforscht. Die Psychotherapie, zu Beginn die Psychoanalyse, setzt sich seit Sigmund Freud mit der Deutung von Träumen näher auseinander. Freud schrieb sein berühmtes Buch „Die Traumdeutung“ und brachte damit Träume vor allem in Verbindung mit der individuellen Lebensgeschichte und seinen Theorien zum Unbewussten.

Mit der Entdeckung des REM-Schlafs 1953 fand die moderne Neurobiologie Einzug in die Traumforschung. Diese war und ist eng mit der Schlafforschung verknüpft. Seit der Entdeckung der Hirnströme und deren Messung mittels Elektroenzephalogramm (EEG) war es möglich, Hirnaktivitäten im wachen wie auch im schlafenden Zustand zu messen und miteinander zu vergleichen. Die „Umschaltung“ von REM- zum NREM-Schlaf verläuft laut neueren Forschungsmodellen durch ein Wechselspiel von bestimmten Neurotransmittern. Bildgebende Methoden, z.B. PET (Positronen-Emissionstomographie), werden in der modernen Schlaf- bzw. Traumforschung eingesetzt, um Hirnfunktionen zu entschlüsseln.

Der Forscher Hobson entwickelte im Jahr 2000 die „Aktivierungs-Synthese-Theorie“. Nach dieser sind Träume eine zufällige Anordnung von „Feuerwerken“ im Gehirn. Laut Hobson versucht das Gehirn, durch das Traumerleben diesen Feuerwerken einen Sinnzusammenhang zu verleihen, den sie aber in der Realität nicht haben. Sinnvoll sind sie laut Hobson trotzdem, weil sie höhere Gehirnzentren trainieren. Diese Theorie ist allerdings heutzutage überholt. Neuere Forschungen gehen davon aus, dass auch höhere Hirnareale in das Traumgeschehen aktiv involviert sind.

Neben der neurobiologischen und bildgebenden Forschung, gibt es noch die psychologische bzw. psychotherapeutische. Methoden, die dafür angewandt werden, sind z.B. die Arbeit mit Traumbeschreibungen sowie Inhaltsanalysen von Träumen.

Was bewirken Träume?

Träume können sich auf die Tagesbefindlichkeit auswirken. Albträume hinterlassen meist ein unangenehmes Gefühl, während angenehme Träume Glücksgefühle erzeugen oder zu kreativen Taten animieren können. Sie können auch motivieren, das Verhalten zu ändern z.B. wenn man träumt, aufgrund eines bestimmten Lebensstils krank zu werden, und danach die Risikofaktoren minimiert (z.B. Rauchen), oder der Traum von einer begehrenswerten Person, die man danach anspricht. Die Wirkung von Albträumen auf das Wohlbefinden ist allerdings stärker wissenschaftlich untersucht als jene von positiven Träumen. 

Von der Traumdeutung zur modernen Psychotherapie

Träume zu deuten hat Menschen verschiedenster Zeitalter fasziniert. Auch heute noch werden Bücher auf den Markt gebracht, die Trauminhalte mit einer dazugehörigen verallgemeinerten Interpretation hinterlegen. Träume in dieser Art zu deuten ist weder wissenschaftlich noch zeitgemäß.

In der heutigen Psychoanalyse bzw. Psychotherapie kommt der Arbeit mit Träumen in den letzten Jahren wieder vermehrt Aufmerksamkeit zu. Traumtheorien verschiedener psychotherapeutischer Schulen finden bei psychischen Beschwerden Anwendung. Heutzutage geht man eher von der individuellen Bedeutung von Träumen aus. Mit Fragen wie: „Was bedeutet dieser Traum für Sie?“ oder „Wie fühlt sich dieser Traum für Sie jetzt an?“ kann die Patientin/der Patient den eigenen Träumen selbst Sinn einhauchen, der konstruktiv zur Lebensbewältigung genutzt werden kann. Albträume können – so wie eventuell zugrunde liegende Traumata – bearbeitet werden. Sich mit dem eigenen Traumgeschehen zu beschäftigen, kann auch helfen, sich einfach besser kennenzulernen oder Träume für Kreativität zu nutzen. Um mit Träumen überhaupt arbeiten zu können, ist die Erinnerung daran notwendig. Diese kann geschult werden. Das Führen eines Traumtagebuchs kann dabei helfen. Es hat sich bewährt, ein Büchlein und einen Stift gleich neben dem Bett zu platzieren. Denn unmittelbar nach dem Aufwachen sind die Träume am besten in Erinnerung.

Luzides Träumen: das Traumerleben aktiv mitgestalten

Klarträumen bzw. luzides Träumen kennzeichnet einen Traum, der währenddessen bewusst wird. Durch diese Form von Bewusstsein, die paradox wirkt, besteht die Möglichkeit, das Traumgeschehen zu beeinflussen. Luzide Träume sind keine Erscheinung der Moderne – schon lange und in vielen Kulturen beschäftigten sich Menschen mit dieser Thematik (z.B. im Buddhismus). Das Klarträumen, wie wir es heute kennen, hat sich aus der Gestalttheorie entwickelt. Die Gestalttheorie ist eine wissenschaftliche Theorie, die in der Gestaltpsychologie ihren Ursprung hat. Die Gestaltpsychologie beschäftigt sich unter anderem mit der Wahrnehmung.

Es ist möglich, sich Fähigkeiten des Klarträumens anzueignen und zur Persönlichkeitsentwicklung, zum Memorieren motorischer Abläufe (z.B. in einer Sportdisziplin) oder für Problemlösungen zu nutzen. Auch therapeutisch wird Klarträumen mittlerweile angewandt, z.B. zur Bewältigung von Albträumen. Die Auseinandersetzung mit luzidem Träumen liegt im Moment im Trend, ist wissenschaftlich allerdings noch nicht zur Gänze erforscht. Bei Literatur zu diesem Thema oder auch Seminaren, die angeboten werden, lohnt es sich, die Qualität bzw. die Ausbildung der Autorin/des Autors bzw. der Seminarleiterin/des Seminarleiters gut zu überprüfen. Wenn psychische Beschwerden bestehen, empfiehlt es sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen (z.B. bei einer Psychotherapeutin/einem Psychotherapeuten).

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