Einsamkeit bewältigen
Inhaltsverzeichnis
Einsamkeit: Was ist das?
Die Fachwelt definiert Einsamkeit als seelisch schmerzhaftes Befinden. Dabei ist das Empfinden von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Einsam ist also, wer sich einsam fühlt. Einsamkeit ist zudem durch das Fehlen von wichtigen Sozialkontakten und der Zugehörigkeit zu Menschen gekennzeichnet. Betroffene wünschen sich mehr bzw. für sie passende soziale Kontakte, als für sie verfügbar sind. Dabei geht es unter anderem um das Bedürfnis nach enger Verbundenheit, Nähe sowie Geborgenheit. Auch in der unmittelbaren Umgebung von Menschen kann man sich einsam fühlen.
Jeder Mensch macht in seinem Leben hin und wieder die Erfahrung, einsam zu sein. Das gehört zum Leben dazu. Einsamkeit kann allerdings auch länger andauern und sehr belastend sein. Die Fachwelt sieht das Gefühl der Einsamkeit als ein mögliches Warnsignal. Es kann aber auch dazu motivieren, nach und nach wieder Kontakte zu suchen. Dazu kann gehören, sich vorerst etwas zurückzuziehen und sich klar über die eigenen Wünsche nach Kontakt zu werden. Dauert der Rückzug sehr lange, kann die Einsamkeit chronisch werden. Bei anhaltender Einsamkeit kann es unter anderem zu einem Gefühl der Ohnmacht, zu Hoffnungslosigkeit sowie Verzweiflung kommen. Spätestens dann ist professionelle Unterstützung wesentlich, um der Einsamkeit zu entkommen.
Den Ausdruck soziale Isolation verwendet die Fachwelt, um einen Mangel an sozialen Beziehungen für die Forschung in Zahlen ausdrücken zu können.
Allein sein hingegen ist ein Begriff, der Folgendes beschreibt: Man ist hin und wieder auch gerne und freiwillig allein. Ist dies der Fall, kann das Alleinsein auch positiv wahrgenommen werden: zum Beispiel, einmal Zeit für sich und eigene Interessen zu haben.
Wie verbreitet ist Einsamkeit?
Die erste EU-weite Erhebung zum Thema Einsamkeit, EU-LS 2022, zeigt Folgendes: 13 Prozent der Befragten gaben an, sich in den letzten vier Wochen meistens oder immer einsam gefühlt zu haben. 35 Prozent gaben an, zumindest manchmal einsam gewesen zu sein. Die Häufigkeit von Einsamkeit ist von Land zu Land unterschiedlich, unter anderem aufgrund kultureller Unterschiede sowie Art der Bevölkerungsstruktur. Österreich zählt laut dieser Erhebung zu den fünf Ländern mit der niedrigsten Einsamkeitsrate: Sie liegt unter 10 Prozent.
Aktuelle Zahlen für Österreich
Laut Bericht „Einsamkeit in Österreich“ (BMASGPK und Statistik Austria) zeigt sich u.a. folgendes Bild:
- Rund 28 Prozent der Bevölkerung (ca. 1,83 Millionen Personen) fühlten sich im zweiten Quartal 2025 in den letzten vier Wochen zumindest gelegentlich einsam.
- 8 Prozent fühlten sich meistens oder immer einsam.
Die Daten aus der Befragung „So geht’s uns heute“ zeigen, dass sich rund 12 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 34 Jahren immer oder meistens einsam fühlen und damit stärker betroffen sind als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.
Die Auswertung der aktuellen sogenannten SHARE-(Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe)-Daten für Österreich zeigt: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Einsamkeit eindeutig:
- In der Altersgruppe 50 bis 64 Jahre gaben dabei rund 13 Prozent an, sich häufig oder manchmal einsam zu fühlen.
- Bei den über 80-Jährigen berichteten 45 Prozent darüber, dieses Gefühl häufig oder manchmal zu haben; damit ist der Anteil deutlich höher als in der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen.
Welche Risikofaktoren für Einsamkeit gibt es?
Einsamkeit kann in allen Lebensphasen auftreten. Häufig spielen dabei etwa Veränderungen oder einschneidende Lebensereignisse eine Rolle.
Zu diesen Lebensphasen können beispielsweise zählen:
- Abschluss der Ausbildung oder Schulwechsel; 13 Prozent der europäischen Kinder fühlen sich etwa in der Schule einsam.
- Umzug
- Migration bzw. Flucht, vor allem bei älteren Menschen
- Arbeitslosigkeit
- Jobwechsel
- Antritt der Pension
- Gesellschaftliche Ereignisse, z.B. Pandemie
- Mütter nach der Geburt des ersten Kindes
- Krankheiten, Unfälle
- Todesfälle im nahen Umfeld
Zudem können mangelnde Unterstützung oder Möglichkeiten der Teilhabe in der Gesellschaft, in Gemeinden oder in der Arbeit Gefühle der Einsamkeit hervorrufen.
Einsamkeit im Alter: Welche Rolle spielen Gesundheit und soziale Faktoren?
Mit zunehmendem Alter können zum Beispiel körperliche Beeinträchtigungen dazu führen, dass Menschen weniger soziale Kontakte haben und einsam werden. Die Österreichische Interdisziplinäre Hochaltrigenstudie zeigt, dass rund 16 Prozent der befragten Personen ab 80 Jahren zumindest gelegentlich von Einsamkeit betroffen sind. Personen mit Gebrechlichkeit und Verwitwete sind etwa deutlich häufiger einsam als rüstige und verheiratete Hochaltrige. Pflegeheimbewohner:innen fühlten sich ähnlich häufig einsam wie Personen in Privathaushalten. Auch Armutsgefährdung gilt als Risikofaktor für Einsamkeit wie der Deutsche Alterssurvey DEAS 2020/21 zeigt.
Welche Folgen kann Einsamkeit haben?
Zu den möglichen Folgen von Einsamkeit zählen:
- Erhöhtes Risiko für Depressionen und Suizidalität
- Erhöhtes Risiko für Angststörungen
- Erhöhtes Risiko für Demenz bzw. verminderte kognitive Fähigkeiten
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
- Körperliche Anzeichen von chronischem Stress
Einsamkeit wirkt sich zudem allgemein negativ auf die Lebenserwartung aus.
Hinweis
Wenn sich jemand sehr zurückzieht, kann dies ein Hinweis auf ernsthafte Probleme oder Erkrankungen sein, z.B. eine Depression. In diesem Fall kann es hilfreich sein, sich bei der betroffenen Person immer wieder einmal zu erkundigen und ihr Gespräche sowie Unterstützung bei der Suche nach professioneller Hilfe anzubieten.
Warum kann das Überwinden von Einsamkeit eine Herausforderung sein?
Betroffenen fällt es meist nicht leicht, etwas gegen ihre Einsamkeit zu unternehmen. Auch für ihr Umfeld ist die Einsamkeit nicht immer gleich zu erkennen. Zudem geben die meisten Menschen nicht gerne zu, dass sie einsam sind. Denn Einsamkeit ist häufig mit Scham besetzt und ein sogenanntes Stigma. Das bedeutet, dass Einsamkeit von einem Großteil der Gesellschaft eher negativ gesehen wird.
Einsamkeit ist unter anderem von gesellschaftlichen Faktoren bestimmt. Daher zielen auch Strategien der Gesundheitsförderung auf eine Vermeidung von Einsamkeit ab. Weitere Informationen finden Sie unter Gesund älter werden sowie Soziale Netzwerke.
Was kann ich gegen Einsamkeit tun?
Fachleute empfehlen etwa folgende Maßnahmen gegen Einsamkeit. Verlangen Sie jedoch nicht zu viel von sich. Setzen Sie kleine Schritte gegen Ihre Einsamkeit, die sie auch möglichst gut umsetzen können:
- Das Gespräch suchen: Zum Beispiel mit jemandem, den Sie gerne um sich haben möchten. Das kann eine Freundin oder ein Freund sein, aber auch etwa jemand aus der Familie. Sie finden schwer jemanden zum Reden? Hier hilft etwa das Plaudernetz der Caritas.
- Unter Leute gehen, zum Beispiel in einen Park.
- Hilfreiche Maßnahmen bei Stress finden Sie unter Stress & Erholung.
- Etwas tun, das guttut. Vielleicht gehen Sie einem Hobby nach, nehmen ein entspannendes Bad oder sehen sich Ihren Lieblingsfilm an.
- Nett zu sich selbst sein. Behandeln Sie sich selbst, wie Sie eine gute Freundin oder einen guten Freund behandeln würden. Das kann auch das Selbstwertgefühl stärken.
- Einen gesunden Lebensstil pflegen. Mehr Informationen dazu finden Sie etwa unter Bewegung, Ernährung, Gut schlafen sowie Psyche & Seele.
- Wenn es Ihnen seelisch schlecht geht bzw. Sie sehr unter der Einsamkeit leiden oder große Angst vor dem Alleinsein haben, finden Sie unter Wenn die Psyche Hilfe braucht Ansprechstellen. Bei psychischen Krisen, Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung finden Sie österreichweite Rufnummern unter Krisentelefone und Notrufnummern.
Zu nicht hilfreichen Maßnahmen gegen Einsamkeit zählen etwa ungesundes Verhalten wie das Trinken von Alkohol, Rauchen oder das Essen von Fast Food. Auch sich mit anderen zu vergleichen kann belastend sein.
Tipp
Angebote bei Einsamkeit finden Sie unter plattform-gegen-einsamkeit.at. Zudem bieten etwa Nachbarschaftsinitiativen die Möglichkeiten zum Austausch. Nähere Informationen finden Sie der Website des FGÖ. Weitere Initiativen, die unter anderem soziale Teilhabe fördern, sowie Informationen zum aktuellen Förderprogramm zu Nachbarschaft und Einsamkeit, finden Sie ebenso auf der Website des FGÖ. So läuft etwa derzeit bis 2029 eine Initiative für Projekte unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam.“
Jugendliche: Was kann ich bei Einsamkeit tun?
Du bist jung und fühlst dich einsam oder hast Angst vor dem Alleinsein? Du kannst dich zum Beispiel an Rat auf Draht wenden unter der Telefonnummer 147, anonym und rund um die Uhr. Unter rataufdraht.at findest du zudem Tipps zum Umgang mit dem Alleinsein. Bei der Chatplattform der Caritas open2chat kannst du online mit Gleichaltrigen über deine Sorgen, Fragen und Probleme chatten.
Was kann bei Einsamkeit im Alter helfen?
Welche Angebote gegen soziale Isolation und Einsamkeit besonders im Alter helfen, ist derzeit Gegenstand der Wissenschaft. Studien weisen darauf hin, dass etwa Besuche durch ehrenamtliche Personen Ängste mindern bzw. die Lebenszufriedenheit steigern können. Auch gemeinsam aktiv zu bleiben könnte unterstützen: zum Beispiel an Sportgruppen teilnehmen oder Ausflüge in ein Theater. Besonders die Größe des außerfamiliären Netzwerks dürfte sich zudem als schützender Faktor gegen Einsamkeit im Alter bewähren. Weitere Informationen finden Sie auch unter Gesund älter werden. Zudem setzen sich verschiedene Initiativen mit Einsamkeit im Alter auseinander – wie etwa das EU-Projekt „Circle of Friends“, an dem sich auch österreichische Stakeholder beteiligen.
Plattform gegen Einsamkeit: Was ist das?
Die Plattform gegen Einsamkeit listet unter plattform-gegen-einsamkeit zahlreiche Angebote, Möglichkeiten des Engagements sowie Wissen zum Thema Einsamkeit auf. Die Plattform versteht sich als ein wachsendes Netzwerk an interessierten und engagierten Personen. Weitere Informationen finden Sie unter plattform-gegen-einsamkeit.at.
- AOK Gesundheitsmagazin online (2021): Einsamkeit und Alleinsein: Was ist der Unterschied? Online abgerufen im November 2024 unter aok.de.
- Beckers, A.; Buecker, S.; Casabianca, E.J.; Nurminen, M. (2022): Effectiveness of interventions tackling loneliness, Publications Office of the European Union, Luxembourg, 2022, doi:10.2760/277109, JRC130944.
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- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Referat Öffentlichkeitsarbeit, Deutschland (2023): Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit. Berlin. Online abgerufen im November 2024 unter www.bmfsfj.de.
- European Comission, EU Science Hub: Loneliness prevalence in the EU/The EU Loneliness Survey 2022. Online abgerufen im November 2024 unter joint-research-centre.ec.europa.eu.
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- Felder-Puig, Rosemarie; Teutsch, Friedrich; Winkler, Roman: Psychische Gesundheit von österreichischen Jugendlichen. HBSC Factsheet 01 aus Erhebung 2021/22. Wien: BMSGPK, 2023.
- Gesundheit Österreich GmbH, Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich: Auf gesunde Nachbarschaft!. Online abgerufen im Juni 2026 unter fgoe.org
- Gesundheit Österreich GmbH, Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich: Projekt-Call „Gemeinsam statt einsam!“ veröffentlicht. Online abgerufen im Juni 2026 unter fgoe.org
- Gesundheit Österreich GmbH, Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich (2025): Arbeitsprogramm 2026. Online abgerufen im Juni 2026 unter fgoe.org
- Gesundheit Österreich GmbH (2026): Projekt: EU-Joint Action zu psychischer Gesundheit JA PRISM. Online abgerufen im Juni 2026 unter goeg.at
- Giedenbacher, Yvonne; Rohrauer-Näf, Gerlinde; Krappinger, Anna; Stadler-Vida, Michael; Reiter, Andrea; Weber, Friederike; Resch, Katharina (2018): Aus Erfahrungen lernen. Gesundheitsförderung und soziale Teilhabe von Familien und älteren Menschen in Nachbarschaften. Ein Handbuch zur Initiative „Auf gesunde Nachbarschaft!“. Fonds Gesundes Österreich, ein Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich GmbH, Wien.
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- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2022): Soziale Isolation und Einsamkeit im Alter. Welche Maßnahmen können einer sozialen Isolation vorbeugen oder entgegenwirken? Health Technology Assessment im Auftrag des IQWiG (IQWiG-Berichte – Nr. 1459), Köln.
- Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. Kompetenznetz Einsamkeit (Herausgeber) (2022): Dr. Susanne Bücker: Die gesundheitlichen, psychologischen und gesellschaftlichen Folgen von Einsamkeit. Online abgerufen im November 2024 unter kompetenznetz-einsamkeit.de.
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- Thomas, S. (2022): Einsamkeitserfahrungen junger Menschen – nicht nur in Zeiten der Pandemie. Loneliness experiences of young people – Not only in times of the pandemic. In: Soziale Passagen - Journal für Empirie und Theorie Sozialer Arbeit. 2022;14(1):97–112. German. doi: 10.1007/s12592-022-00415-7. Epub 2022 May 30. PMCID: PMC9148935.
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Letzte Aktualisierung: 2. Juli 2026
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Mag.a Brigitte Gratz, Psychotherapeutin