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Schwangere mit Wecker vor Bauch © Tomasz Wieja

„Späte Mütter“ – schwanger ab 35

Immer mehr Frauen entscheiden sich ganz bewusst für eine späte Mutterschaft. Nach Angaben der Statistik Austria nimmt seit Jahren die Anzahl der Mütter, die bis zu ihrem 29. Lebensjahr ihr erstes Kind bekommen, ständig ab. Die Anzahl der Frauen, die nach dem 35. Lebensjahr ein Kind zur Welt bringen, steigt kontinuierlich an. Darunter befinden sich nicht wenige Erstgebärende. Es zeigt sich ein deutlicher Trend zur späten Mutterschaft. Waren im Jahr 2007 rund 12.000 Mütter im Alter zwischen 35 und 40 Jahren, so waren es 2011 bereits fast 13.000. Rund 3.000 Frauen waren 2011 bei der Geburt ihres Kindes zwischen 40 und 45 Jahre alt, 156 Frauen wurden als über 45-Jährige Mutter.  

Wie riskoreich ist eine späte Schwangerschaft?

Aus medizinischer Sicht gelten erstgebärende Frauen ab 35 als Spätgebärende und damit als Risikoschwangere. Das heißt jedoch nicht, dass Schwangere ab diesem Alter zwangsläufig mit Komplikationen rechnen müssen. Auch im höheren Alter (über 35) kann eine Schwangerschaft ganz ohne Probleme verlaufen. Daher gibt es auch aus ärztlicher Sicht keinen Grund, Frauen über 35 von einer Schwangerschaft abzuraten.

Der Eintrag im Mutter-Kind-Pass „Risikoschwangerschaft“ ist für die Ärztin/den Arzt lediglich ein Hinweis für engmaschigere Kontrollen und darauf, bei den Vorsorgeuntersuchungen verstärkt auf Risikofaktoren zu achten, die im Zusammenhang mit dem Alter der Mutter stehen. Dazu zählen beispielsweise:

Wissenschaftliche Studien belegen, dass ältere Erstgebärende ein erhöhtes Risiko haben, während der Schwangerschaft zuckerkrank zu werden. Mithilfe eines oralen Glukosetoleranztest (oGTT; Zuckerbelastungstest) kann abgeklärt werden, ob die Schwangere an Diabetes erkrankt ist. In Österreich wird der Zuckerbelastungstest in der 25. bis 28. Schwangerschaftswoche bei den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen kostenlos durchgeführt. 

Auch wird die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt auf die Möglichkeit der Pränataldiagnostik hinweisen, da mit zunehmendem Alter der Mutter auch das Risiko steigt, dass das Kind an einer Chromosemenstörung leidet. Ob tatsächlich eine Chromosomenstörung vorliegt, kann jedoch nur eine konkrete Analyse der kindlichen Zellen – zum Beispiel durch eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) – klären. Die bekannteste Chromosomenabweichung ist das Down-Syndrom, auch Trisomie 21 genannt.

Kaiserschnittrate steigt mit zunehmendem Alter

Der Geburtsverlauf bei Spätgebärenden unterscheidet sich nicht von dem bei jüngeren Frauen. Die Zahl der Kaiserschnittentbindungen nimmt jedoch bei älteren Schwangeren deutlich zu. In den letzten 12 Jahren hat sich die Kaiserschnittrate in Österreich fast verdoppelt (ca. 31,5 Prozent). Wenn jedoch aus medizinischer Sicht keine Gründe dagegen sprechen, besteht auch für ältere Schwangere kein zwingender Anlass für einen Kaiserschnitt.

Gründe für den Anstieg der Kaiserschnittrate bei spätgebärenden Frauen im höheren Alter und warum sie sich öfters für einen Kaiserschnitt als jüngere Schwangere entscheiden: Einerseits steht bei ihnen das Sicherheitsbedürfnis stärker im Vordergrund, zum anderen haben sich auch die Geburtspraktiken geändert. Heutzutage werden Kinder in Beckenendlage fast ausschließlich per Kaiserschnitt entbunden. Laut wissenschaftlichen Studien kommen Beckenendlagen bei älteren Frauen öfter vor und sind heute eine Indikation für einen Kaiserschnitt. Medizinische Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und Präeklampsie treten bei Spätgebärenden häufiger auf als bei jungen Schwangeren. Auch sie stellen oft eine Indikation für einen Kaiserschnitt dar.  

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